Test gut, alles gut

Interview: Klaus Merkel

Zertifizierte Sicherheit

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Ende September soll die HbbTV-Test-Suite fertig sein. Sie analysiert messerscharf, ob das jeweilige HbbTV-Modell alle HbbTV-Funktionen beherrscht.

Mehr Klarheit könnte die "HbbTV-Test-Suite" des HbbTV-Konsortiums bringen. Ab Ende September wird sie laut dem Institut für Rundfunktechnik (IRT) einsatzbereit sein. Mit der "HbbTV-Test-Suite" können die Hersteller überprüfen, inwieweit ihre Produkte tatsächlich dem Standard entsprechen.

Und erst dann steht fest, ob sich wirklich alle Services empfangen lassen. Falls nicht, bleibt zu klären, ob Updates etwaige Lücken füllen können oder ob man sich mit den Einschränkungen zufrieden geben muss.

Zudem können die Firmen erfolgreiche Modelle anhand des Testlaufs selbst zertifizieren. Anschließend erhalten sie die Erlaubnis, das HbbTV-Logo darauf werbewirksam anzubringen. Damit werde dem Käufer Sicherheit gegeben, meint Klaus Merkel, Fachreferent und Projektleiter HbbTV beim IRT, das den Vorsitz beim HbbTV-Konsortium hat.

Obgleich das Logo augenscheinlich nur Vorteile bringt, hat es durchaus seine Tücken. Denn absolute Sicherheit, so schränkt Merkel ein, könne auch die Suite nicht liefern. Zudem soll es in einem halben Jahr bereits eine zweite, "vollständigere" Suite-Version geben. Falls diese dann wiederum Fehler aufdeckt, müssen die zertifizierten Modelle nochmals ein Update erhalten.

Die Hersteller warten ab

Einige Firmen stehen der Zertifizierung ohnehin kritisch gegenüber. Das Logo koste die Hersteller zusätzliches Geld, meint Philips-Produktmanager Volker Blume, zudem verwirre es den Kunden als weitere Technik-Info. Der Überbegriff "Smart TV" reiche aus. Bei Philips will man das Logo daher nicht verwenden, sondern lediglich die Kompatibilität in den technischen Daten anführen.

Auch der Hersteller Metz bezweifelt den Sinn der Zertifizierung. Die Zirndorfer würden Logos ohnehin nicht verwenden, so der Leiter der Unternehmenskommunikation Thomas Hey auf Nachfrage von Video-HomeVision. Außerdem seien die ersten HbbTV-Fernseher des Herstellers, die auf der IFA zu sehen seien, auf jeden Fall voll HbbTV-fähig.

Loewe, Samsung und Sony wägen derzeit noch ab. Ob das Logo den Weg auf deren Modelle findet, bleibt also abzuwarten. Einzig Toshiba und LG bekannten sich bei der Video-HomeVision-Umfrage als eindeutige Befürworter des Logos. "Ab Oktober erhalten die neu ausgelieferten, zertifizierten Fernseher das Emblem", kündigte Frank Eschholz, Produktmanager Technik bei Toshiba, an.

Für schon verkaufte TVs muss man die entsprechende zertifizierte Software den Kunden via Internet zugänglich machen. Denn obwohl "HbbTV" in den technischen Angaben aufgelistet ist, lassen sich bisher keine HbbTV-Funktionen aufrufen. Auch bei den Philips-TVs bedarf es noch eines Updates, das schließlich die volle HbbTV-Kompatibilität unter Beweis stellt.

"Die Zertifizierung ist ein wichtiges Kaufkriterium"

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Klaus Merkel, Fachreferent und Projektleiter HbbTV, IRT

Video-HomeVision: Manche Hersteller behaupten bereits seit Längerem, ihre Geräte beherrschten HbbTV. Stimmt das?

Klaus Merkel: In den Jahren 2009 und 2010 sind verschiedene - noch nicht offiziell als HbbTV-Geräte deklarierte - Hybrid-Geräte auf den Markt gekommen, die nur einzelne Elemente von HbbTV unterstützen und bei denen daher nur ein Teil der Applikationen läuft. HbbTV ist ins-gesamt ein recht komplexer Standard, und nach wie vor wurden noch nicht alle Funktionen auf den Geräten getestet.

Wenn die Hersteller heute jedoch explizit HbbTV-Unterstützung bei den diesjährigen und nachfolgenden Modellen ankündigen, kann der Kunde davon ausgehen, dass tatsächlich die meisten und wichtigsten Anwendungen funktionieren, auch wenn gelegentliche Fehlfunktionen durchaus noch möglich sind.

Video-HomeVision: Lassen sich Geräte, die den endgültigen Spezifikationen noch nicht entsprechen, mit Software-Updates fit fürs komplette HbbTV-Angebot machen?

Klaus Merkel: Alle Hersteller arbeiten derzeit an der Verbesserung ihrer HbbTV-Software und bringen diese Verbesserungen durch Software-Updates zu den Kunden. Ob Updates das gesamte HbbTV-Leistungsspektrum abdecken können, auch wenn das Gerät ursprünglich nicht dafür ausgelegt war, ist jedoch fraglich.

Video-HomeVision: Garantiert die Zertifizierung der Geräte, dass alle aktuellen und zukünftigen HbbTV-Anwendungen empfangbar sind?

Klaus Merkel: Eine absolute Garantie kann selbst eine Zertifizierung nicht bieten. Die Zertifizierung - verbunden mit der erst anschließend erlaubten Nutzung des HbbTV-Logos auf den Geräten - wird den Kunden aber einen wichtigen Hinweis auf die Standardkonformität der Geräte geben und sollte bei einer Kaufentscheidung eine Rolle spielen.

Es ist ebenfalls wichtig zu wissen, dass bis auf Weiteres lediglich die Geräte zertifiziert werden, aber nicht die Anwendungen der Programmanbieter. Insofern können auch hier Fehler auftreten, für die zertifizierte Geräte natürlich nicht verantwortlich sind. Die Programmanbieter werden in der Regel jedoch in der Lage sein, solche Fehler relativ einfach und schnell zu beheben.

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