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PC Magazin


Wolf Hosbach

21. Mai 2008
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Abgezockt - abgewehrt

Internetbetrug

Erst wenn das Inkasso-Unternehmen mahnt, merken die Betroffenen, dass sie einem Abzocker auf den Leim gegangen sind. Doch Gegenwehr lohnt.

Inhaltsverzeichnis 1/3

Hans isst gerne mal ein paar fette Bratwürste, zischt ein paar Pils dazu, raucht anschließend auch unverdrossen vor der Tür und fährt mit dem Taxi statt dem Rad nach Hause. Wenn er nachts dann nicht schlafen kann, sorgt er sich um seine Gesundheit. Ein Fall für die Suchmaschine, Stichwort „Lebenserwartung“. Schnell finden sich ein paar Seiten, die genau das bieten, was er sucht: „Leben Sie richtig?

Oder sollten Sie Ihren Lebensstil schnellstens ändern? Durch unseren Test erfahren Sie, wie alt Sie wahrscheinlich mit Ihrem momentanen Lebensstilwerden!“, heißt es beispielsweise auf der Seite des Lifetime-Testers. Und Horst K. (49) aus München bekennt dort mit Foto: „Das hat mich aufgerüttelt, es ist Zeit, mehr auf meinen Körper zu achten.“

Egal wo Hans auf der Seite klickt, er landet bei der Anmeldung und füllt begierig das Formular aus, um seine Angst vor einem jähen Ende zu besänftigen. Jedoch dieses Glück ist ihm nicht beschert, der kurze Test ergibt, dass sein Ableben naht. Ein Fall für die Suchmaschine, Stichwort „Kochrezepte mit Gemüse“. Der Kochrezept-Server verspricht ihm 30 000 Rezepte unter anderem zu Diät, Low-Carb und Vegetarisch.

Auch hier stört es Hans nicht, seine Daten einzugeben und sich anzumelden, denn das ist er von vielen Diensten im Netz gewöhnt. Ein paar Wochen später bekommt er zwei Briefe, die jeweils eine zweite Mahnung enthalten. Rechnungen oder eine erste Mahnungen hat es nie gegeben. Der Ton ist harsch, Inkassounternehmen haben sie verfasst: „Nach Zugang des Schreibens gehen wir davon aus, dass wir über den Betrag innerhalb von 5 Tagen verfügen können.

Sollten Sie nicht zahlen, sind wir gehalten, binnen 5 Tagen gerichtliche Schritte gegen Sie einzuleiten.“ Dann nennt das Schreiben gleich die Summer, die das Verfahren kosten wird: über 200 Euro. Hans ist zwar wütend, aber doch so verunsichert, dass er zahlt. Ein Jahr später wiederholt sich das Spiel, denn bei Lifetime-Tester hat er sogar ein Abo abgeschlossen. Abo- bzw. Internet-Abzocke heißt das Thema.

Abzocker überall

Internetbetrug
Bild vergrößern 477 333 http://img2.magnus.de/Internetbetrug-r477x333-C-58ffca9d-28510251.jpg Bei dieser üblen Kostenfalle (Lifetime-Tester) steht der Preis nur in den AGB (§6) versteckt und löst ein Abo über 144 Euro im Jahr aus.

Bei dieser üblen Kostenfalle (Lifetime-Tester) steht der Preis nur in den AGB (§6) versteckt und löst ein Abo über 144 Euro im Jahr aus.

Kaum eine Google-Suche zu verbraucher- oder praxisorientierten Themen, die nicht irgendwelche Abzockerseiten nach oben schwemmen würde: Lebenserwartung, Hausaufgaben, Führerschein, Namensforschung, Routenplaner, Fabrikverkäufe, Downloads, Tauschbörsen, Sex. Wirklich festzustellen, wie viele Seiten und Firmen das dunkle Geschäft betreiben, fällt selbst den Experten schwer.

Bei den Verbraucherzentralen gehen hunderte Beschwerden in der Woche und tausende im Monat ein. Die Zahl der Seiten schätzt Thomas Bradler vom vzbv, liegt im dreistelligen Bereich: „Die schießen wie Pilze aus dem Boden. Sie erscheinen und verschwinden genauso schnell wieder. Dann kommen neue Seiten.“

Die Masche der Abzocker ist immer dieselbe:

Die Masche der Abzocker:

  1. Einen interessanten, verbraucherrelevanten Dienst anbieten.
  2. Viele Besucher anziehen, z.B. durch eine hohe Suchmaschinenplatzierung.
  3. Eine schnelle Anmeldung ermöglichen, die ähnlich wie die eines Gratisdienstes aussieht.
  4. Den Preis in den AGBs oder klein am unteren Rand verstecken.
  5. Eine Drohkulisse aufbauen und hartes Inkasso betreiben
  6. Die Leute, die sich wehren, in Ruhe lassen. Es reicht, wenn ein kleiner Teil der Opfer die hohen Gebühren zahlt.

Gerade Punkt 5 wird systematisch betrieben. Schon im Kleingedruckten auf der Anmeldeseite heißt es „Um Missbrauch und wissentliche Falscheingaben zu vermeiden, wird Ihre IP-Adresse xxx.xxx.xxx.xxx bei der Teilnahme gespeichert. Anhand dieser Adresse sind Sie über Ihren Provider: xyz identifizierbar.“ Das ist falsch, denn der Provider darf die Daten nur der Staatsanwaltschaft geben. Und die Abzocker haben keinen Anhaltspunkt für eine Anzeige. Es geht wie gesagt um die Opfer, die schnell zahlungswillig sind.

Abo-Abzocker

Haben Sie auch schon schlechte Erfahrungen mit Abo-Abzockern gemacht?

Ja, leider habe ich unterschrieben und bezahlt.19.6%
Ja, aber ich habe auf die Schreiben nicht reagiert.74.8%
Nein, ich lese immer die AGBs der Seiten.2.5%
Nein, zum Glück noch nicht.3.1%

Ähnlich einschüchternd wirken die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Auch die Versendung einer zweiten statt einer ersten Mahnung soll beim Empfänger Panik auslösen, nach dem Motto es ist kurz von Schluss. Dann kommen Briefe von Inkassobüros, der Betreibergesellschaft und schließlich von Anwälten.

Gedroht wird mit Gerichtskosten, Strafgebühren, Schufa-Meldungen bis hin zu Anzeigen wegen Betrugs. Ein Leser berichtete uns, dass ihm eine Firma sogar ein Vergleichsangebot über die Hälfte der Gebühr gemacht hat. Schon daran zeigt sich, wie wenig die Abzocker in der Hand haben.

(Lesen Sie auf der nächsten Seite, was es mit Inkasso-Drohungen der Abzocker auf sich hat)



Inhaltsverzeichnis


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