Kommentar zur IFA 2011

Innovationen statt Sensationen

Das Technikmekka für die nächsten acht bis neun Tage heißt Berlin. Auf dem Messegelände lockt die IFA zur 51. Auflage. Nicht nur, weil in diesem Jahr nicht unbedingt Weltsensationen zu erwarten sind, stehen die Veranstalter vor spannenden Herausforderungen. Doch ein Besuch unter Funkturm lohnt allemal, meint Video-HomeVision-Chefredakteur Andreas Stumptner.

IFA Messe Berlin

© Messe Berlin

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"Berlin, Berlin - wir fahren nach Berlin!", hallt es durch's Land. Einmal im Jahr, Anfang September, ist dieser Schlachtruf nicht auf den Fußball-DFB-Pokal gemünzt, dessen Finale traditionell in der Bundeshauptstadt ausgetragen wird. Vielmehr zieht es tausende Technikbegeisterte, und vor allem abertausende Fachbesucher, vom 2. bis 7. September nach Berlin zur IFA, der weltgrößten Technikschau für Konsum- und Heimelektronik. Wobei die Größenangabe natürlich immer eine Frage der Relation ist. Die IFA tat gut daran, schon vor ein paar Jahren die so genannte weiße Ware, also Hersteller von Kühlschränken, Kaffeemaschinen und Waschmaschinen in die Messe zu integrieren, um ihren Ruf als marktführende Elektronikschau zu sichern. Und nicht nur, weil unter Funkturm auch noch die Lücke der Kölner Photokina geschlossen wird, die erst wieder 2012 stattfindet, dürfen Messe Berlin und gfu diesmal getrost vermelden, die IFA platze aus allen Nähten. Sogar temporäre Zusatzhallen mussten errichtet werden. Für 2014 ist die Fertigstellung einer weiteren Halle geplant, ansonsten müsse man Kreativität beim Wachstum walten lassen, ließ Messe-Chef Dr. Christian Göke verlauten. Um jenes Wachstum auch zu realisieren, ist die IFA allerdings auf den weiterhin hohen Innovationsgrad der auf der Messe vertretenen Märkte angewiesen. Schon in diesem Jahr zeigt sich hier auch die Krux einer solchen Veranstaltung: Die immer stärker unter Preis-, Wettbwerbs- und Innovationsdruck stehenden Markenhersteller können längst nicht mehr mit allen Neuheiten des Jahres bis zum September warten, um die IFA als singuläre Präsentationsplattform zu nutzen. Ihnen muss der Spagat gelingen, die IFA und auch andere Messen auf dem Globus mit Neuheiten zu bedienen, darunter die CES, die große Konkurrenzmesse in den USA, die alljährlich den Auftakt ins neue Messejahr gibt. Außerdem erwartet der Handel übers ganze Jahr hinweg neue Geräte  - und die Fachjournaille natürlich sowieso. Bleibt die Frage: Welche Highlights wird die IFA nach der Ausgabe 2011 in ihre Chronik eintragen können? Fest steht schon jetzt: Es wird nicht die IFA der Weltinnovationen sein.

Die Märkte von morgen im Visier

3D-TV gab es auch schon 2010. Toshibas Vorstoß mit brillenlosem 3D-Fernsehen klingt und ist spektakulär, steht jedoch noch nicht vor der Massenmarktreife. Vernetzte Unterhaltungseletronik gab es auch schon im Vorjahr. Neu ist, dass die Vernetzungsmöglichkeiten mittlerweile deutlich greifbarer werden. Und neu ist auch, dass die Vernetzung jetzt den kompletten Haushalt, also auch die weiße Ware mit einbezieht. Tablet-Computer gab es ebenfalls schon im letzten Jahr. Doch sicher gab es noch nie soviele Hersteller, die in dieser jungen Produktsparte punkten und als Alternative zu Apples iPad in Erscheinung treten wollen. Smart-TVs gab es 2010 noch nicht. Zwar wurden schon unzählige Internet-fähige Fernseher mit Apps oder Widgets gezeigt, aber die richtig smarten Anwendungen kamen erst 2011 auf den Markt. Inklusive HbbTV, dem neuen Standard für Hybrid-Fernsehen, ist Smart-TV möglicherweise eine der wirklichen Innovationen in Berlin Wer wirklich Neues, nie Dagewesenes sucht, sollte sich daher unbedingt auch in Halle 11.1 aufmachen. Dort wartet mit TecWatch wieder eine "Technologie-Schau für die Märkte von morgen". Dabei sind hochkarätige Institutionen wie das Fraunhofer Institut, Verbände wie VDE und ZVEI, oder auch Protagonisten der Heimvernetzungswelt wie Gira, Busch-Jaeger, EnOcean oder die SmartHome-Initiative Deutschland. Hier gibt's die nahe und fernere Zukunft live und und in Farbe zu sehen. Die IFA jedenfall ist und bleibt spannend. Spannend, weil sie zeigen muss, dass sie nach wie vor der Motor des Marktes im für Handel und Industrie unerlässlichen Herbst- und Weihnachtsgeschäft ist. Spannend, weil sie beweisen muss, dass sie nichts von ihrer internationalen Anziehungskraft und Wirkung verloren hat. Und spannend auch, weil die Veranstalter beweisen müssen, dass es gelingt, immer neue Marktsegmente zu integrieren, ohne aus der Messe einen Gemischtwarenladen der Technik zu machen. Auf geht's nach Berlin!Mehr zur Messe in unserem IFA-Kanal.

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