Sweet Fifteen

Hommage: 15 Jahre DVD

1997 kam mit "12 Monkeys" die erste deutschsprachige DVD auf den Markt. Trotz ihrer "süßen 15" zählt die DVD für viele heute - technisch gesehen - zum alten Eisen. Dabei erfreut sie sich noch immer großer Beliebtheit. Eine Hommage.

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Als James Camerons Kreuzfahrt-Schmonzette Titanic im Herbst 1998 zum ersten Mal als VHS-Kaufkassette erschien und die Deutschen die Media-Märkte, Karstadts und Tengelmänner stürmten, um das Eisbergdrama millionenfach nach Hause zu tragen, dachten viele Fachleute in der Entertainment-Industrie, der Verkauf von Spielfilmen habe seinen absoluten Höhepunkt bereits erreicht. Dabei fingen die goldenen Zeiten gerade erst an.

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Die ersten Bildplatten gab es - die Älteren mögen sich erinnern - schon in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Doch massenmarktreif wurden sie erst Mitte der 90er in Form der DVD. Ursprünglich stand das Kürzel für "Digital Video Disc". Später benannten die Fachleute die DVD in "Digital Versatile Disc" um, um die Vielseitigkeit des Mediums zu unterstreichen. Und damit begann der unaufhaltsame Siegeszug der Silberscheibe, der bis heute anhält.

Zugegeben, nicht einmal der SciFi-Blockbuster Avatar, der Titanic mittlerweile als erfolgreichsten Kinofilm aller Zeiten abgelöst hat, kam mit seinen Verkaufszahlen auf DVD und Blu-ray an dem versunkenen Riesendampfer vorbei. Doch in Summe konnte die Videobranche ihren Umsatz mit dem Verkauf sogenannter "Bildtonträger" seit 1997 mehr als verdoppeln. Video wurde hierzulande zum Milliardengeschäft. 2011 gingen mehr als 120 Millionen Discs über die Ladentheken - ein neuer Rekord.

Und eine Neuerung aus den 90er-Jahren hat maßgeblichen Anteil an dieser phänomenalen Entwicklung: die DVD. Anfangs von vielen vermeintlichen Experten belächelt, erorberte sie Jahr für Jahr mehr und mehr die Herzen der Filmfans und vieler Leute, die bis dahin gar keine großen Filmfans waren. Heute feiert die begehrte Silberscheibe ihren 15. Geburtstag. Wir gratulieren und blicken mit Freude auf eineinhalb unterhaltsame Jahrzehnte mit dem Technik-Teenie zurück.

"Sweet Fifteen" würden die Amerikaner sagen. Dabei sind 15 Jahre für ein technisches Format in der heute so schnelllebigen Zeit bereits ein hohes Alter. Schon seit Jahren bescheinigen die besten Glaskugelleser der Unterhaltungselektronikwelt dem digitalen Datenträger keine allzu lange Lebenszeit mehr. Sie beschwören ihr Ende, spätestens seit im Jahr 2002 ein Industriekonsortium unter dem Dach der Blu-ray Association die Spezifikationen für das Nachfolgeformat in High Definition festgelegt hat.

Sammlerherzen schlagen höher

Doch jeder weiß: Totgesagte leben länger. Dieser Spruch gilt ganz besonders für die DVD, die sich trotz vieler Widrigkeiten, denen sie über die Jahre trotzen musste, noch immer großer Beliebtheit erfreut. Vor allem, als 2003 nach der Musikindustrie erstmals auch der Videomarkt hart von der weltweit boomenden Spielfilmpiraterie via Internet getroffen wurde, begann der globale Abgesang auf die Silberscheibe - zu Unrecht, wie man heute weiß.

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➜ Die VHS-Kassette feierte Anfang der 80er gerade ihre ersten Erfolge, da begann mit dem Aufkommen der CD schon die Geschichte der DVD. ➜ Laserdisc (LD) und Video-CD (VCD) waren in den 90er-Jahren Filmfans bereits ein Begriff. Doch die LD erwies sich als zu klobig, die VCD als zu fehleranfällig. Eine Verbesserung musste her. ➜ Multimedia-CD (MMCD) und Super Density CD (SD) hießen die DVD-Vorläufer, die Mitte der 90er von zwei Industriekon- sortien entwickelt wurden. Auf Druck der Filmindustrie einigte man sich 1995 auf einen gemeinsamen Standard: die DVD. ➜ Concorde, Panasonic und die Zeitschrift video waren es schließlich, die mit 12 Monkeys im Frühjahr 1997 die erste deutsche DVD auf den Weg brachten. Das Bild zeigt die video-Anzeige von 1997, die für den Kauf der ersten DVD warb.

Schließlich hat der runde Silberling so viele erfreuliche Neuerungen gebracht, die insbesondere das Sammler- und Cineastenherz bis heute erfreut. In den ersten Jahren ihrer Existenz stritten Filmstudios und Verpackungshersteller darum, wie man die DVD am besten verhüllen könnte.

12 Monkeys, Europas erste PAL-DVD, die Concorde mithilfe der Zeitschrift video auf den Markt brachte, erschien wie viele weitere DVD-Erstlingswerke noch in einer sogenannten Jewel-Box, wie sie von der Audio-CD oder CD-ROM bekannt war. Um die Wertigkeit der Filmscheibe zu erhöhen, kam die größere Super-Jewel-Box, musste sich aber am Ende der praktischeren Softbox geschlagen geben.

Und nach dem Ende des Verpackungskriegs war endlich Zeit für viele neue Vermarktungsideen: Mit der DVD kamen erstmals Box-Sets und Sammler-Editionen auf. Überhaupt wurden nicht mehr nur Spielfilm-Neuheiten, sondern auch ältere Streifen, also die Katalogtitel der Studios, auf DVD gebannt. Bonusmaterial und sogenannte Extras wurden zum Teil eigens für die DVD-Veröffentlichung produziert.

Fernsehserien aus den 60er-, 70er- und 80er-Jahren, die auf privaten Spartenkanälen beinahe unter Ausschluss der Öffentlichkeit in der Endlos-Wiederholungsschleife liefen, wurden auf DVD zum erneuten Verkaufsschlager. Zeitschriften begannen, ihre Titelseiten mit DVD-Filmen zu schmücken - und viele wie beispielsweise PC Magazin und PCgo tun dies heute noch mit Erfolg. Filme gab es dank der DVD längst nicht mehr nur in der Videothek, sondern plötzlich an jeder Ecke: in Elektrofachmärkten, Kaufhäusern, im Supermarkt, im Baumarkt und an der Tankstelle.

Weniger erfreulich für Sammler waren Einschränkungen wie Kopierschutz und Regionalcode. Doch Not machte schon immer erfinderisch. Oft halfen Elektromeister und Technik-Freaks dabei, den DVD-Player "re-gionalcodefrei" zu schalten, damit amerikanische Originalscheiben auch auf deutschen Abspielgeräten liefen. Die DVDs aus den USA waren vor allem deshalb so begehrt, weil damals noch größere Zeiträume von teilweise mehr als sechs Monaten zwischen den DVD-Starts in den USA und Europa lagen.

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Schon das Vorserienmodell des DVD-A100 von Panasonic sorgte in der video-Redaktion für helle Begeisterung. Im Herbst 1996 durften die Testredakteure den ersten DVD-Player in Augenschein nehmen. Im Bericht war von "offenen Mündern" und "hervorragender Qualität" die Rede.

Erfreulich entwickelte sich auch der Preis. Neue DVDs gab es schon bald für unter zehn Euro. Für 20 Euro kann man heute eine herrliche Collection-Box sein Eigen nennen. Cineasten wurden zu Schnäppchenjägern. Experten mutmaßen, dass bis zu 40 Prozent aller gekauften Discs gar nicht angesehen, sondern nur ins Regal gestellt werden. Sammelleidenschaft wurde ein Wirtschaftsfaktor.

Segen aus Hollywood

Nicht zu vergessen: Die DVD etablierte sich nicht nur als Verkaufsschlager. Sie schaffte auch eine zuvor nie dagewesene Akzeptanz für Home Entertainment in der Filmszene, vor allem in Hollywood. Unzählige Regie-Päpste, die ihr Werk zuvor stets nur für die große Leinwand schufen, gaben der Vertriebsform DVD hochoffiziell ihren Segen, weil sie von ihrer Qualität überzeugt waren.

Ergo: 15 Jahre DVD sind ein guter Grund zum Feiern, auch wenn ihre HD-Schwester namens Blu-ray ihr inzwischen immer mehr Anteile vom Jubiläumskuchen abnagt. Doch 15 Jahre haben ihre Spuren hinterlassen: Zu den wichtigsten zählen die 100 besten DVDs aller Zeiten, die wir Ihnen auf den Folgeseiten präsentieren möchten. Viel Spaß beim Schmökern!

"Wir kaufen gerne Filme"

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Michael Ivert ist Geschäftsführer des deutschen Independent- Anbieters Concorde Home Entertainment (Twilight, Iron Man), der 1997 gemeinsam mit video und Panasonic die erste deutschsprachige DVD auf den Markt brachte.

Video-HomeVision: Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als die DVD auf den Markt kam?

Michael Ivert: Ja: 1997. Und es war eine aufregende Zeit. Die Videowelt spürte, dass etwas Umwälzendes auf sie zukommt. Die jahrelang den Videomarkt beherrschende, jedoch längst veraltete analoge VHS-Kassette sollte endlich abgelöst und durch die Digital Versatile Disc ersetzt werden - ein Abspielmedium für Filme, das aussieht wie eine Musik-CD. Die DVD brachte die Revolution - eine tolle Pionierzeit, die ich selbst miterleben durfte.

VHV: Wie kam es dazu, dass ausgerechnet ein Independent wie Concorde die erste deutschsprachige DVD produzierte?

Michael Ivert: Die Hardware-Industrie, allen voran das japanische Unternehmen Panasonic, war in der Entwicklung von DVD-Playern bereits fortgeschritten, aber es fehlte ihnen der entsprechende Content. So kam es, dass Concorde video unterstützend den Film 12 Monkeys von Terry Gilliam beisteuerte und so in Deutschland die erste europäische PAL-DVD auf den Markt kam. Bis zum endgültigen Marktdurchbruch der DVD sollte es allerdings noch vier weitere Jahre dauern.

VHV: Es gab anfangs viele Skeptiker, die gar nicht an den Erfolg der DVD geglaubt haben.

Michael Ivert: Die Akzeptanz beim Verbraucher gelang erst, als die Marketing-Experten ihren Werbefokus neu ausrichteten, indem sie feststellten, dass die DVD ein abwärtskompatibles Medium ist. Ergo ein DVD-Player kann auch CDs abspielen. Und als dann nach diesem Strategiewechsel auch noch der Ladenpreis auf ein bezahlbares Niveau gebracht wurde, stieg plötzlich die Nachfrage und nur kurze Zeit später boomte der Markt. Heimkino-Fans waren begeistert!

VHV: Die DVD hat den Markt weitgehend verändert. Man hatte plötzlich die Möglichkeit, Riesenkataloge, -kollektionen etc. zu vermarkten. Wie hat sich das aus Ihrer Sicht ausgewirkt?

Michael Ivert: Die digitale Nutzung der DVD bot plötzlich die Möglichkeit einer gewissen Vielseitigkeit, daher auch der Urname "versatile". Zum Beispiel: zusätzliches Filmmaterial als Bonus mit anbieten zu können. Das wertete das Produkt enorm auf. Aber auch ihre im Vergleich zur VHS attraktive Kompaktheit sprach die Fans an: Sie hatten nun die Möglichkeit, ganze Filmbibliotheken auf kleinem Raum zusammenzustellen.

VHV: Es gibt sicherlich heute noch Produkte, bei denen es berechtigt ist, Extras zu produzieren. Aber als es mit dem Bonusmaterial anfing, dachte man, man müsse das nun bei jedem Titel machen.

Michael Ivert: Der Wunsch nach Bonusmaterial ist nun mal ein gelernter Bestandteil des Produktangebots. Zweifelsfrei ist nicht mehr jedes zusätzliche Film-Feature eine Notwendigkeit - hier steht ganz klar Qualität vor Quantität. Die Rückmeldungen von unseren Kunden zeigen, dass ein Making-of, sofern vorhanden, nach wie vor gern gesehen wird.

VHV: Was ist der Grund für die deutsche Sammelleidenschaft, die stärker ausgeprägt ist als in anderen Ländern? Und warum wächst der Markt ausgerechnet hier noch weiter, während er in vielen anderen Ländern bereits schrumpft?

Michael Ivert: Sicher ein Grund dafür ist das weit gestreute Filialnetz der deutschen Handelslandschaft, das für jede Region ein optimales, auf die Kundenbedürfnisse abgestimmtes Filmangebot bereithält. Hinzu kommt aber auch das virtuelle Einkaufserlebnis mit Online-Anbietern. Last but not least: Wir Deutschen kaufen und sehen wirklich gerne Filme zu Hause. Und es ist nicht so, dass allein der Preis dafür den Ausschlag gibt.

VHV: Und der Boom geht weiter.

Michael Ivert: Es scheint so. Gemessen an der Menge aller verkauften DVDs und Blu-rays, war das vergangene Jahr 2011 das beste Jahr, seit es dieses Medium gibt. Und die Ausgaben für Kino und Video zusammen haben im vergangenen Jahr einen neuen Rekord aufgestellt.

VHV: Wollen wir mal anlässlich der 15 Jahre DVD in die Zukunft blicken? Was sind denn nun die nächsten Schritte innerhalb der Branche, auf die wir uns vorbereiten dürfen?

Michael Ivert: Keine Frage, der digitale Vertriebsmarkt hält Einzug in unser Nutzungsverhalten. Ob nun Internet-basiertes Fernsehen bzw. Smart TV, iTunes oder vielleicht UltraViolet, die Lust auf Film ist ungebrochen. Die Frage für die Zukunft ist: Wie schnell werden sich diese neuen Vertriebsformen durchsetzen und langfristig das physische Produkt, sprich DVD und Blu-ray, ablösen? Noch stecken diese neuen Kanäle in den Kinderschuhen und sind derzeit meist der jungen Zielgruppe vorbehalten, aber in wenigen Jahren wird daraus ein wichtiger Bestandteil des Videomarktes werden.

VHV: Wie sieht die Zukunft der Filmwelt aus?

Michael Ivert: Meiner Einschätzung nach wird es die DVD bzw. Blu-ray Disc noch einige Jahre geben. Ergänzend dazu entwickelt sich der digitale Filmabruf rasant. Solange es gelingt, immer wieder neue tolle Filme ins Kino zu bringen, die das Publikum begeistern, wird es auch das Kino daheim geben. Ob nun zum Anfassen oder virtuell, das entscheiden schlussendlich die Filmfans.

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