"Ich bin audiovisuell vernetzt"

Heimvernetzung: Interview mit BITKOM-Experte Michael Schidlack

Michael Schidlack ist Bereichsleiter Consumer Electronics & Digital Home. Er berichtet, warum Heimvernetzung mittlerweile ein Thema für jedermann ist, welche neuen technischen Entwicklungen es gibt und wie er persönlich zuhause vernetzt ist.

Michael Schidlack - Bitkom

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Michael Schidlack - Bitkom

Über das "Connected Home" wird viel gesprochen. Aber ist es wirklich ein Thema für jedermann?Wenn man vor ein paar Jahren vom vernetzten Heim sprach, stellte man sich darunter eine Luxuslösung für den gehobenen Wohnbedarf vor, die sich nur wenige leisten können. Dies hat sich dank des technischen Fortschritts deutlich geändert.

Mittlerweile bieten fast alle  CE-Hersteller Lösungen an, zudem viele Hersteller aus dem Bereich der Elektrotechnik, auch Stromerzeuger sind in den Markt eingestiegen und sogar Lösungen zur medizinischen Versorgung  werden angeboten. Auch die Standardisierung macht Fortschritte: So haben sich führende CE-Hersteller auf DLNA als gemeinsamen Standard geeinigt, der neue Standard WiFi Direct ermöglichst die Direktvernetzung  von Geräten auch ohne Router. Vor kurzem wurde Wireless Display vorgestellt, eine Technologie, mit der man beispielsweise PC-Inhalte auf dem Fernseher darstellen kann. Smartphones übernehmen immer mehr die Funktion einer Fernbedienung, für sehr viele Geräte von Markenherstellern gibt es dafür inzwischen geeignete Apps - bis hin zur Steuerung von Licht und der Heizung.

Wir gehen davon aus, dass in wenigen Jahren die meisten elektronischen Geräte vernetzbar sind. In 10 Jahren werden Kunden es sogar merkwürdig finden, wenn ein Gerät nicht in ein Heimnetzwerk eingebunden werden kann. Viele Menschen finden die Idee, sich das Leben daheim durch Heimvernetzung zu erleichtern, grundsätzlich spannend, doch sie scheuen die praktische Umsetzung. Warum?Laut einer Studie von FORSA in Zusammenarbeit mit Waggener Edstrom und BITKOM finden gut 55 Prozent der Konsumenten die Vorstellung  interessant, in einem vernetzten Heim zu wohnen. Aber nur 10 Prozent fühlen sich informiert darüber, welche konkreten Produkte und vor allem welche konkreten Anbieter entsprechende Lösungen anbieten.

Als weiterer Hemmschuh ist die Vorstellung des Verbrauchers zu nennen, seine Daten seien in einem vernetzten Heim nicht sicher - diese Vorbehalte äußerten immerhin 54 Prozent der Verbraucher. Ein Drittel meint, die Lösungen sind zu teuer und ebenfalls ein knappes Drittel hält die Technik für noch nicht ausgereift. Es besteht also ein hoher Aufklärungsbedarf . Der Kunde kann und wird  kaum etwas kaufen, von dem er nicht weiß, von wem er es bekommen kann und wie die genaue technische Lösung dazu aussieht - und von dem er meint, es sei nicht sicher oder zu teuer.

Dass die meisten Probleme inzwischen gelöst sind, ist  leider weitgehend unbekannt. Bei den meisten CE-Produkten kaufen die Verbraucher schon jetzt vernetzbare Produkte, ohne es immer zu wissen: So kann heute jedes dritte verkaufte TV-Gerät in ein Heimnetzwerk integrieren  werden - und jedes Smartphone auch! Ein Problem ist, dass man "Heimvernetzung" häufig nicht so einfach im Laden kaufen kann. Wird sich das ändern?Das wird sich definitiv ändern. Wir als High-Tech-Verband sehr intensiv daran. So haben wir 2010 den ersten Kongress mit begleitender Ausstellung initiiert, der sich ausschließlich auf Heimvernetzung fokussiert, die ConLife in Köln. Die nächsten Jahre werden wir diese Veranstaltungsplattform weiter ausbauen. Fast alle Firmen von Rang und Namen treten hier auf, der Dialog auf Entscheiderebene ist also im vollen Gang.

Auch arbeiten wir eng mit Forschungseinrichtungen  und Standardisierungsgremien zusammen. Um die Präsenz von Produkten im Handel und Handwerk zu verbessern,  haben wir zudem mit anderen Verbänden eine Weiterbildungsoffensive für das Fachhandwerk und den Handel für vernetzbare Medientechnologien gestartet, genannt "Pluralmedia".

Mittlerweile bauen immer mehr Betriebe Heimvernetzung zu einem wichtigen Geschäftsfeld aus, das wird auch die Beratung zu diesem komplexen Thema verbessern.

Ich bin audiovisuell vernetzt, kann also in jedem Zimmer meine Musiksammlung, Fotos und Filme von einer zentralen Festplatte oder aus dem Internet abrufen.

Zum Schluss Sind Sie eigentlich selbst schon vernetzt? Ich bin audiovisuell vernetzt, kann also in jedem Zimmer meine Musiksammlung, Fotos und Filme von einer zentralen Festplatte oder aus dem Internet abrufen. Zudem kann ich dank IPTV jederzeit sehen, was ich will. Ich habe auch eine sehr preiswerte Lösung einbauen lassen, mit der ich das Licht zentral steuere: Beim Verlassen der Wohnung werden automatisch alle unnötigen Stromverbraucher inklusive Beleuchtung ausgeschaltet. Das alles hat kaum mehr gekostet, als frühere Geräte ohne diese Funktion. Dabei ich steuere das alles über mein Smartphone, egal ob von zuhause oder unterwegs.

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