Surround-Ratgeber

Heimkino-Lautsprecher richtig aufstellen

Echten Kinosound in den eigenen vier Wänden genießen? Das geht! Ein wichtiger Aspekt ist dabei die richtige Aufstellung der Lautsprecher im Raum. Wir fassen zusammen, worauf Sie achten sollten, und geben wertvolle Praxis-Tipps.

Wohnzimmer

© EPSTOCK / shutterstock.com

© EPSTOCK / shutterstock.com

Das Kanonenfeuer blitzt, Schüsse fallen, man zuckt zusammen. Erst mal ein absichernder Blick nach hinten, ob sich der Killer aus dem neu erworbenen Gangster-Streifen nicht vielleicht doch im hinteren Teil des Raumes versteckt hat. Ein Szenario, wie es sich in so manchem Heimkino abspielen dürfte, beziehungsweise sollte, so mitreißend wie viele Surround-Sets heutzutage aufspielen können. Doch auch mit den teuersten Boxen kann das Mittendrin-Gefühl, wie wir es aus dem Kino so schätzen zunächst ausbleiben. Schuld daran ist möglicherweise eine suboptimale Aufstellung der einzelnen Boxen im Raum. Auch dessen Beschaffenheit trägt zum Gesamtklangbild bei.

Raum-Akustik

Richtlinien der ITU zufolge sollten alle Lautsprecher im Idealfall kreisförmig um den Zuhörer im Raum angeordnet werden. Folglich würde sich ein quadratischer Raum anbieten. In der Praxis ist das leider nicht ganz so einfach: Schall wird an sämtlichen Objekten und Wänden zum einen reflektiert, also zurückgeworfen, zum anderen absorbiert (verschluckt). Trifft der Schall gerade auf eine glatte Wand, wird er im gleichen Winkel zurückgeworfen. Somit überlagern sich hin- und zurücklaufender Schall, was Verfärbungen im Klangbild verursacht. In quadratischen Räumen verstärkt sich dieser Effekt, die entsprechenden Frequenzen überlagern und wiegen sich auf und beeinflussen als sogenannte Raummoden das Klangbild äußerst negativ. Insbesondere die niedrigen Frequenzen des Subwoofers sind dafür anfällig, ein unangenehmes Dröhnen tritt auf. Es kommt also neben der Form des Raums auch darauf an, mit welchen Gegenständen oder Bodenbelägen das Heimkino eingerichtet ist. Je nach Beschaffenheit und Material wirken Objekte als Absorber oder Reflektor. Wir haben ein paar nützliche Tipps zusammengefasst.

Wichtig ist, das System, egal ob 5.1 oder 7.1, so symmetrisch wie möglich aufzustellen. Zum einen betrifft dies die Symmetrie zueinander, zum anderen auch die Integration im Zimmer selbst. Zu große Differenzen zwischen dem Abstand der linken Speaker zur Wand und ihrem Pendant auf der gegenüberliegenden Seite können Verschiebungen des Klangbilds hervorrufen. Was die Sitzposition angeht, sollte diese wenn möglich nicht zu nah an der Rückwand ausgewählt werden, da Rear-Effekte sonst nicht zur Geltung kommen. Die aus akustischen Gegebenheiten ideale Position liegt zwischen der Mitte und dem hinteren Drittel des Raums.

Der Klassiker: 5.1

Der Center ist für die Wiedergabe des Sprachkanals zuständig, weshalb er auch unmittelbar über oder unterhalb des TVs angebracht werden sollte, somit auf einer Höhe zwischen ca. 40 und 140 Zentimetern. Ist dies aus Platzgründen nicht möglich, sollte er in jedem Fall in Richtung Hörer geneigt werden. Kommt ein Projektor zum Einsatz, lohnt sich die Investition in eine schalldurchlässige Leinwand. Die beiden Frontlautsprecher werden zum einen rechts und links im selben Abstand von der Bildquelle platziert und sollten nicht zu nah an den Außenwänden stehen. Idealerweise bilden sie gemeinsam mit dem Center eine Linie. Unterschiede in den Laufzeiten können so vermieden werden, um beste Voraussetzungen für eine möglichst homogene Abbildung zu generieren. Befinden sich die Front-Boxen näher beim Hörer, ist eine Nach-Justage mittels AV-Receiver möglich.

Surround-Lautsprecher und-Boxen

© WEKA Media Publishing GmbH

Zusätzlich zu den Surround-Lautsprechern gesellen sich zwei Back-Surround-Boxen im hinteren Drittel des Raumes hinzu.

Einen wichtigen Beitrag zum Kino-Feeling leisten die Surround-Boxen im hinteren Teil des Raums. Klassische Direktstrahler werden so installiert, dass ihre Hochtöner auf Ohrhöhe des Bestplatzierten treffen. Dabei sollten sie rechts und links am hinteren Ende der Couch installiert werden. Dipol-Boxen wiederum strahlen den Schall nach vorn und hinten in den Raum und sollten deshalb etwa 50 bis 70 Zentimeter über Ohrhöhe und parallel zur Couch an der Wand montiert werden.

Bass-Power: Subwoofer

Er sorgt für ordentlich Rumms im Heimkino, ein Action-Film würde ohne ihn nur halb so viel Spaß machen: der Subwoofer. Dabei gilt: je größer die Bass-Membranfläche, desto mehr Wirkung wird erzeugt. Eine leistungsstarke Endstufe und ein großer Tieftöner sind ebenfalls von Vorteil, denn neben dem Hör- nehmen wir auch Körperschall wahr. In Abbildungen ist der Subwoofer meistens zwischen Standlautsprecher und Center platziert, was auch eine geeignete Position darstellt. Keinesfalls sollte er auf oder innerhalb eines Regals platziert werden, da dies zum unangenehmen Mitschwingen des Möbelstücks führen würde. Aufgrund der für das menschliche Ohr nur schwer ortbaren Bass-Pegel (20 bis 200 Hz) hat man hier ein wenig mehr Platzierungs-Spielraum. Kommt ein zweiter Kandidat zum Einsatz, empfiehlt sich eine zum ersten Sub parallele Anordnung.

Das Update: 7.1

Die meisten Heimcineasten schwören auf zwei zusätzliche Schallwandler im hinteren Teil des Raums, die Back-Surround-Kanäle, die insbesondere in großen Heimkinos gut zur Geltung kommen. Auch wenn der Sound auf vielen Discs "nur" in 5.1 abgemischt ist, errechnet der AV-Receiver die ideale Verteilung im hinteren Raum. Platziert werden die Boxen rechts und links hinter dem Hörplatz, idealerweise in einer leicht kreisförmigen Anordnung sowie auf gleicher horizontaler Höhe mit ihren vorderen Spielgefährten, den Surround-Lautsprechern (die im Vergleich zu 5.1 auch ein kleines Stück nach vorne rücken dürfen). Generell sollte der Zuhörer nicht zu nahe an den hinteren Boxen sitzen.

Surround Hörplatz

© WEKA Media Publishing GmbH

Nach ITU-Empfehlung (International Telecommunication Union) stellt der Hörplatz den Mittelpunkt eines Kreises dar, auf dessen Linie sich bei einer 7.1 Anordnung die jeweiligen Speaker einreihen. In der Praxis ist das nicht optimal.

Die dritte Dimension

Dank der neuen Formate wie Dolby Atmos oder DTS:X nehmen wir Effekte auch von oben wahr und werden so noch intensiver vom Filmgeschehen mitgerissen. Hier gibt es zwei Varianten. Möglichkeit 1: Kompakte Aufsatz-Module (Upfiring-Speaker) werden einfach auf die Standboxen montiert und arbeiten mit Reflexionen von oben. Los geht's schon mit zwei Boxen, für eine lückenlose Abbildung sind aber vier Stück zu empfehlen. Etwas komplizierter wird es mit Moglichkeit Nummer 2, der Montage von (bis zu sechs fürs Heimkino empfohlenen) Deckenlautsprechern. Diese werden nicht direkt über ihren Gegenstücken am Boden angebracht, sondern leicht nach innen versetzt.

Auch unter Berücksichtigung sämtlicher Regeln lohnt sich in jedem Fall das genaue Hinhören und gegebenenfalls Umstellen der Boxen. Schließlich kommt es ja auf Ihren ganz persönlichen Filmgenuss an!

Mehr zum Thema

Lautsprecher im Heimkino
Heimkino-Serie

Um ein Heimkino zum Leben zu erwecken, braucht man den richtigen Sound. Doch was ist eigentlich richtig? video zeigt verschiedene Systeme und…
Ultima 40 Surround
Heimkino-Tipps

Welche Boxen passen ins Heimkino und muss ein Subwoofer sein? Audio-Experte Stefan Schickedanz gibt Tipps rund um Surround-Systeme im Heimkino.
Multiroom-Systeme
Sonos vs. Samsung, LG & Co.

Ein Multiroom-System mit Soundbar bietet sich zum Musikhören und zum Filme schauen an. Wir haben vier aktuelle Multiroom-Systeme im Test.
Teufel LT 5 Atmos
Komplettsystem

72,0%
Für 3.500 Euro ist das Teufel LT 5 mit Dolby-Atmos-Siegel ein echter Knaller. Das teilaktive 5.4.1-System wuchs im Test…
Satellit
Sub-Sat-Lautsprecher

Kombis aus Satelliten und Subwoofer sind wohnraumfreundlicher als ausgewachsene Stand-Lautsprecher. Wir haben aktuelle Kompakt-Surroundsets im Test.