Know-How: HDBaseT

HDBaseT für ein besseres HDMI-Signal

Ab etwa zehn Meter Kabellänge schwächelt HDMI. Was tun, wenn der TV-Schirm weiter weg steht? Eine Technik verspricht Abhilfe: HDBaseT befördert HDMI-Signale bis zu 100 Meter via Kabel - und zwar über günstige Netzwerkstrippen.

Kabel, hdbt, hdbaset

© Hersteller/Archiv

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Digital und hochauflösend trat HDMI im Jahr 2002 seinen Siegeszug in der Unterhaltungselektronik an. Der Erfolg ist bis heute ungebremst, denn HDMI befördert Bild und Ton gemeinsam über ein Kabel, und das von Beginn an in HDTV-Qualität. HDMI 1.4 und die gerade erst verabschiedete HDMI-Version 2.0 sind außerdem fit für ultrahoch auflösende Bilder (UHD oder 4K) mit bis zu 4.096 x 2.160 Bildpunkten. Doch eine Grenze kann HDMI nicht überwinden: Die Verbindung ist für eine Länge bis etwa zehn Meter ausgelegt. Die maximale Leitungslänge lässt sich nicht genau beziffern, denn in Einzelfällen können größere Distanzen überbrückt werden. Sowohl die Qualität des Kabels als auch die der Chipsätze spielen eine Rolle. Doch es gibt eine Lösung: HDBaseT.

Was ist HDBaseT?

HDBaseT überträgt HDMI-Signale in Originalqualität über Netzwerkstrippen bis zu 100 Meter Länge. Weil HDBaseT zudem verschiedene Steuersignale transportiert, eignet sich die Technik auch zur Steuerung eines smarten, vernetzten Heims.

Was brauche ich für HDBaseT?

Im einfachsten Fall stellt ein Extender-Set (ab etwa 230 Euro) die Verbindung zwischen Zuspieler und Empfänger her - etwa zwischen einem BD-Player und einem Flat-TV. Extender bestehen aus einem Sender (Transmitter) und einer Empfangsbox (Receiver). Der Extender besitzt einen HDMI-Eingang, der Receiver einen entsprechenden Ausgang. Transmitter und Receiver werden per Netzwerkkabel miteinander verbunden.

Infrarot-Auge, HDBaseT-Extender-Set, hdba

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Infrarot-Auge. Über Infrarot-Empfänger und -Augen lassen sich Geräte im Nebenraum mittels Fernbedienung steuern, die über ein HDBaseT-Extender-Set verbunden sind.

Netzwerk- oder Ethernet-Kabel gibt es in unterschiedlichen Qualitätsklassen. Sie werden Kategorien ("Cat") genannt. Für HDBaseT können Cat5e- oder Cat6-Kabel verwendet werden. Während eine HDMI-Strippe fünf Euro und mehr pro Meter kostet, sind Cat5e-Netzwerkkabeln bereits für unter 50 Cent je Meter zu haben.

Was kann HDBaseT?

HDBaseT transportiert verschiedene Signale über eine Strippe. Die HDBaseT-Allianz, ein Zusammenschluss verschiedener Hersteller wie Samsung oder Sony, unterscheidet fünf verschiedene Signaltypen und nennt dieses Kernmerkmal von HDBaseT daher 5Play:

1. Full-HD-Videosignale, Full-HD-3D-Videos sowie 4K oder ultrahoch aufgelöste Filme. Aktuelle HDBaseTGeräte können das, was auch HDMI 1.4 leistet: Sie übermitteln 4K-Signale mit 3.840 x 2.160 Pixeln bis zu einer Bildfrequenz von 30 Hertz und 4K-Videos mit 4.096 x 2.160 Pixeln mit bis zu 24 Bildern pro Sekunde.

2. HDBaseT befördert alle hoch auflösenden Audioformate von HDMI 1.4, inklusive Dolby TrueHD oder DTS HD-Master Audio.

3. Wie bei HDMI 1.4 klappt per HDBaseT auch die Heimvernetzung mit 100 Megabit pro Sekunde. Dies ist aber abhängig von den jeweils verwendeten HDBaseTÜbertragern - den sogenannten Extendern.

4. HDBaseT übermittelt verschiedene Steuersignale - der Grund, weshalb Installationsfirmen gerne HDBaseT einsetzen. Denn neben der CEC-Steuerung (Consumer Electronic Controls), die einige Steuerbefehle an HDMIGeräte übermittelt, klappt auch die Gerätesteuerung per RS-232-Protokoll. Diese wird oft für die Heimautomation und im professionellen Bereich verwendet. Zudem überträgt HDBaseT Infrarot-Fernbedienungssignale. So lässt sich beispielsweise ein BD-Player im Nebenraum über HDBaseT steuern. Ebenso möglich ist die Steuerung per IP Control, das etwa zur Kontrolle von Netzwerkkameras dient.

5. HDBaseT ermöglicht die Spannungsversorgung per Netzwerkkabel (Power over Cable). So kann HDBaseT Geräte bis zu 100 Watt Leistungsaufnahme mit Strom beliefern. Der Empfänger (Receiver) eines HDBaseTExtender-Sets muss daher nicht in der Nähe einer Steckdose aufgestellt werden, sondern lässt sich frei platzieren.

Welche Geräte gibt es?

Neben den bereits erwähnten HDBaseT-Extendern - Sets aus Sender und Empfänger - gibt es Matrixen, die mehrere Eingangssignale auf mehrere Empfänger verteilen können. HDBaseT-Matrix-Switches mit vier Ein- und vier Ausgängen bekommt man schon für 2.250 Euro im Fachhandel. Zudem sind verschiedene Endgeräte auf dem Markt, die HDBaseT-Buchsen besitzen. Sie ersetzen teilweise HDBaseT-Extender. Epson bietet etwa den Präsentations-Projektor EB-G6800 mit HDBaseT-Eingang für rund 5.100 Euro. Auch Pioneers AV-Receiver-Flaggschiff in den USA, der SC-79, setzt auf einen HDBaseTAusgang, um Geräte im Nebenraum über größere Distanzen zu beliefern. Das Produkt ist nur in den USA erhältlich und kostet dort 3.000 US Dollar.

Wie funktioniert HDBaseT?

HDBaseT Extender, hdba, Extender

© HDBaseT

HDBaseT Extender. Set aus Sender und Empfänger als sogenannte Wallplate zum Wandeinbau. Das Produkt der Firma B-RUN (399 Euro) überträgt 4K, 2K, Ethernet und IR.

HDBaseT wandelt die HDMI-Signale in ein eigenes, proprietäres Protokoll um. Dies ist nicht mit dem Ethernet-Protokoll identisch, obwohl HDBaseT zur Übertragung herkömmliche Netzwerkkabel verwendet. Chips der Firma Valens übernehmen die eigentliche Umsetzung eines HDMI-Signals in HDBaseT. Dabei verwendet HDBaseT eine sogenannte Puls-Amplituden-Modulation, um HDMI-, Steuer- und Ethernet-Signale über die verdrillten Drahtpaare (Twisted Pair) zu übertragen - im Unterschied zu der TMDS-Technik, die HDMI nutzt.

Was ist der Unterschied zu einem Heimnetzwerk?

Bei HDBaseT handelt es sich um kein Netzwerk im klassischen Sinn. Denn HDBaseT 1.0 stellt ausschließlich Punkt-zu-Punkt-Verbindungen her. Das bedeutet: Jeder Zuspieler beliefert ein Gerät. Eine HDBaseT-Matrix kann die Signale eines Players zwar auf mehrere Bildschirme verteilen. Doch dies basiert auf einer anderen Technik als Ethernet. Es können nicht alle Geräte per IP-Adresse beliebig aufeinander zugreifen. Die künftige Version HDBaseT 2.0 soll Punkt-zu-Multipunkt-Verbindungen einfacher ermöglichen.

HDBaseT-Verkabelung

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HDBaseT-Verkabelung. Hier sind mehrere HDMI-Zuspieler an eine 4 x 4-HDMI-Matrix angeschlossen (um 390 Euro), die HDMI- in HDBaseT-Signale umwandeln kann. So lassen sich entfernte HDBaseT-Receiver versorgen.

Wie zukunftssicher ist HDBaseT?

HDBaseT ist ein Industriestandard, der von namhaften Herstellern unterstützt wird. Sie sind in der HDBaseTAllianz vertreten. HDBaseT 1.0 verteilt Video und Audio in High-End-Qualität. Es eignet sich für den Heim- und Profibereich, ersetzt aber kein Heimnetzwerk.

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