Behütete Geheimnisse

HD-plus- und Pay-TV-Recording

TV-Mitschnitte sind ein edles Gut im Digitalzeitalter: Nicht jeder Kanal darf uneingeschränkt aufgenommen werden, erst recht nicht auf allen Geräten. Es sei denn, man knackt den Rekorder-Tresor - und wagt sich damit auf dünnes Eis.

© Hersteller/Archiv

HD-plus- und Pay-TV-Recording

Stellen Sie sich vor: Sie schauen die beliebte Kultserie aus dem australischen Urwald. Dort führen Protagonisten der deutschen TV-Unterhaltung geistreiche Dialoge und treiben Sport. Und gerade dieses "anspruchsvolle Stück abendländischer Kultur" dürfen Sie nicht für die Nachwelt konservieren? Tragisch!

Spott beiseite: Im Digitalzeitalter ticken die Uhren der Videorekorder anders. Wo es einst als hohe Kunst galt, einen Videorekorder programmieren zu können, ist es heute schwierig, das passende Gerät zu finden: eines, mit dem man seine Lieblingssendungen mitschneiden darf und das gleichzeitig den eigenen Ansprüchen genügt, denn nicht jeden Sender darf man überall archivieren. Es geht dabei um den Schutz von Geschäftsmodellen, den der Jugend oder vor Kopien - und um Medienpolitik.

Kurzum: Der Videorekorder, wie wir ihn kannten, ist passe. Wir zeigen, welche Grenzen die TV-Aufzeichnung heute hat, warum das so ist und wie sich immer mehr Menschen wehren.

Digital entschlüsselt

Egal, wie Sie es angehen: Am digitalen Empfang kommt heute keiner mehr vorbei, der beim Fernsehen halbwegs auf der Höhe der Technik sein möchte. HDTV-Sender gibt es nur per Digi-tal Video Broadcasting (DVB). Pay-TV-Programme sind auch in Form von Bits und Bytes zu haben - ebenso wie ihre Verschlüsselungssysteme.

Alle Aufnahme-Einschränkungen betreffen digitale Programme - und viele davon HDTV-Sender. Sie haben stets etwas damit zu tun, dass Sender ihre Programme gegen den freien Zugang abschotten.

Das Zugangssystem via Smartcard, Kartenleser und Spezial-Empfänger ist die Hauptvoraussetzung, um bestimmte Sendungen oder Programme effektiv gegen den freien Zugriff und beliebige Aufnahmen abzuschotten. Es gibt derzeit in Deutschland im Wesentlichen drei TV-Systeme, bei denen Aufnahmefunktionen beeinträchtigt werden:

Der Bezahlsender Sky sendet sein komplettes Programm von Haus aus verschlüsselt. Es ließ sich bis vor Kurzem auf offiziellem Wege nur über Sky-zertifizierte Set-Top-Boxen empfangen - und nur über Sky-Festplatten-Receiver aufnehmen. Die boten an sich keine Einschränkungen - außer, dass man die Aufnahmen nicht aus der Box weiterkopieren kann.

HD-Plus ist die Verschlüsselungsplattform einiger Privatsender wie RTL, ProSieben oder Sat.1, die ihre HDTV-Kanäle via Satellit darüber ausstrahlen. Das Programm lässt sich mit HD-Plus-PVRs aufzeichnen. Bei der Wiedergabe ist der schnelle Vorlauf gesperrt, so dass man etwa Werbepausen nicht überspringen kann.

Die meisten Kabelnetze verschlüsseln digital ausgestrahlte Privatsender, egal ob in SD oder HD. Wer diese digital sehen möchte, benötigt eine vom Kabelanbieter zertifizierte Empfangsbox - und die passende Smartcard. Auch hier sind Aufnahmen in der Regel nur über zertifizierte Festplatten-Receiver möglich.

Abgesehen davon, dass die Entschlüsselung unabhängig von Pay- oder Free-TV immer mit zusätzlichen Kosten verbunden ist, bringen die Verschlüsselungssysteme für all jene Zuschauer Nachteile, die öfters mal eine Sendung programmieren und mitschneiden wollen.

Kein Fall für Universalisten

Das Hauptproblem dieser digitalen Verbreitungssysteme: Sie bieten immer nur auf bestimmten Geräten alle Funktionen. Sky etwa erlaubt seinen Kunden, Sendungen nicht nur anzuschauen, sondern auch zu pausieren, aufzunehmen, später anzuschauen und dabei beliebig vorzuspulen - wenn sie eine Sky-Box nutzen.

Seit einigen Wochen können auch Besitzer von Fernsehern und Set-Top-Boxen mit dem neuen Common Interface Plus (CI-Plus) - das Bezahlprogramm von Sky empfangen (siehe die Tabelle oben). Der Haken: Über das Modul erlaubt Sky keine dauerhaften Aufnahmen. Man kann das Programm anhalten und binnen 90 Minuten anschauen. Die Aufnahme taugt so nur fürs kurzfristige Timeshifting.

Genauso verfährt HD-Plus: Neben den reinen HD-Plus-Boxen gibt es ein CI-Plus-Modul, mit dem sich passende Geräte fit für die privaten HDTV-Sender machen lassen. Die Einschränkung ist die gleiche: Via CI-Plus gibt's keine dauerhafte Aufnahme. Pikanterweise bietet HD-Plus auch ein Kartenlesermodul für Geräte mit dem normalen, älteren CI-Einschub.

Das funktioniert mit Set-Top-Boxen, die per Firmware-Update den schnellen Vorlauf in HD-Plus-Aufnahmen ebenso unterbinden wie in Boxen mit eingebautem HD-Plus-Kartenleser. Es gibt also in Sachen Aufnahme ebenso lästige Einschränkungen, das Modul für den CI-Slot kann aber mehr als das Modul mit dem "Plus" im Namen.

Auch in den Kabelnetzen von Unitymedia und Kabel Deutschland werden inzwischen CI-Plus-Module angeboten - ebenfalls mit Einschränkungen gegenüber Original-Boxen bei Aufnahmen oder anderen Funktionen. Es gilt also: Ob und was man aufnehmen, wiedergeben, pausieren oder vorspulen darf, entscheidet der Plattformbetreiber. Außer im CI-Plus-Gerät - da gibt's keine echten Aufnahmen.

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