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PC Magazin


Klaus Länger

4. Oktober 2008
Wolkige Aussichten für Traditionalisten: Hardware-Zukunftstrends Bild vergrößern 937 503 http://img2.magnus.de/Hardware-Zukunftstrends-Hardware-der-Zukunft-r937x502-C-115e2cd1-6335307.jpg

Wolkige Aussichten für Traditionalisten

Hardware-Zukunftstrends

Vielfältig und ständig miteinander verbunden: So wird wohl die Zukunft des Computers aussehen. Der klassische PC wird nicht sterben, sondern noch viel leistungsfähiger werden, aber neben ihm wird eine Vielzahl neuer Computertypen entstehen.

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Hardware Zukunftstrends: Hardware der Zukunft
Bild vergrößern 662 520 http://img2.magnus.de/Hardware-Zukunftstrends-Hardware-der-Zukunft-r662x520-C-15a7887e-27299012.jpg Nokia-Studie für ein flexibles Smartphone

Nokia-Studie für ein flexibles Smartphone

Mancher Leser wird sich vielleicht noch an Bildbände aus den 60er-oder 70er-Jahren erinnern, in denen das Leben im beginnenden 21 Jahrhundert beschrieben wird: eine Welt, in der Menschen den Mars und den Meeresboden besiedelt haben, atombetriebene Autos fahren und der Haushalt von Robotern erledigt wird. Aber ausgerechnet den Siegeszug des Personal Computers hat keiner der Futurologen dieser Zeit vorhergesehen.

Wir wollen daher auch nicht so vermessen sein, die Zukunft der Computertechnik der nächsten Jahrzehnte vorhersagen zu wollen, sondern beschränken uns darauf, auf Basis bereits existierender Trends zu überlegen, welche Entwicklungen möglich sind. Aber in einem scheinen sich viele Firmen einig zu sein: In Zukunft werden alle Geräte ständig miteinander und mit großen Serverfarmen vernetzt sein, Daten und teilweise auch Applikationen werden nicht mehr lokal gespeichert sein, sondern verteilt auf Servern liegen.

Als Bezeichnung für diese Struktur haben sich die IT-Auguren den Begriff "The Cloud" ausgedacht. Wie sich diese vernetzte Zukunft im Detail gestalten wird, davon haben unterschiedliche Protagonisten wie etwa Google, Microsoft, Apple, Intel, HP oder IBM durchaus unterschiedliche Vorstellungen, die sich auch auf die Entwicklung neuer Hardware auswirken.

Immer verbunden

Die Vorboten dieser Entwicklung sind mit dem Web 2.0 jetzt schon zu sehen: Fotos oder Videos liegen nicht mehr auf der eigenen Festplatte, sondern auf Flickr oder YouTube und auch Office-Anwendungen wie Google Docs oder Bildbearbeitungen wie Photoshop Express werden nicht von der HDD im Rechner aus gestartet, sondern liegen auf den Servern von Google oder Adobe.

Software wie Adobes Flex oder Microsofts Silverlight wird den Unterschied zwischen lokalen Anwendungen und den Applikationen des Web 3.0 noch weiter verschwimmen lassen.

Geht es nach Google, dann sollen die Rechner in Zukunft nur noch Endgeräte für die Applikationen sein, die auf Googles Serverfarmen liegen werden. Mit welchen Geräten und von wo aus zugegriffen wird, ist dann erst mal zweitrangig. Die dort gespeicherten Daten werden es der oft schon als "Datenkrake" gescholtenen Firma erlauben, Werbung noch feiner angepasst an das Profil der individuellen Nutzer zu liefern. Zudem will man mit gehosteten Applikationen für Firmen mittelfristig auch Geld verdienen.

Hardware Zukunftstrends: Hardware der Zukunft
Bild vergrößern 659 521 http://img2.magnus.de/Hardware-Zukunftstrends-Hardware-der-Zukunft-r659x521-C-e42c8847-27299015.jpg MID-Prototyp von Lenovo

MID-Prototyp von Lenovo

Mit der Handy-Plattform Android (code.google.com/android) hat Google nun auch eine erste, selbst definierte Hardware-Basis geschaffen, die zeigt, in welche Richtung für Google die Entwicklung gehen soll: Günstige Endgeräte mit minimalem lokalen Speicher, aber einem schnellen Internetzugang. Herkömmliche PCs finden in diesem Modell keinen Platz mehr, kleine Netbooks oder günstige Mini-Rechner reichen aus. Für Spieler täte es auch eine Konsole mit Internetzugang.

Microsoft verfolgt mit Live Mesh (www.mesh.com) einen anderen Ansatz: Hier steht der PC weiterhin im Mittelpunkt. Allerdings wird er über Live Mesh mit einer Vielzahl anderer Geräte wie Smartphones oder Mobile Internet Devices kommunizieren und Daten synchronisieren oder für andere Anwender online freigeben.

Live Mesh wird nicht auf Windows-Geräte beschränkt bleiben, sondern auch Zugang für Apple-Rechner bieten. Apple selbst hat ja mit MobileMe (www.me.com) bereits jetzt einen Dienst gestartet, der mit verschiedensten Geräteklassen zusammenarbeitet, sie synchronisiert und Programme über das Web zugänglich macht.

Für genügend freie IP-Adressen für die Vielzahl neuer Geräte wird die Umstellung auf das Internet Protokoll Version 6 (IPv6) sorgen. Beim bisherigen Protokoll Version 4 gibt es etwa 4 Milliarden theoretisch nutzbare IP-Adressen. Von diesen sind aber viele aus organisatorischen Gründen nicht verfügbar, da zum Beispiel die gesamten First-Level-Domains, etwa der US-Administration, mehrere Millionen Adressen mit Beschlag belegen, diese aber gar nicht nutzen.

Hardware Zukunftstrends: Hardware der Zukunft
Bild vergrößern 662 512 http://img2.magnus.de/Hardware-Zukunftstrends-Hardware-der-Zukunft-r662x512-C-9c631d5b-27299018.jpg HP Touchsmart (Touchscreen-PC)

HP Touchsmart (Touchscreen-PC)

Nach Schätzungen werden die IPv4-Adressen bis zum Jahr 2011 vergeben sein. Zwar werden Adressen schon heute dynamisch vergeben oder über das NAT-Verfahren komplette Netzwerke über eine Adresse angebunden, aber das erhöht wieder die Komplexität. Mit IPv6 stehen dagegen etwa 340 Sextillionen Adressen zur Verfügung, eine Zahl mit 39 Stellen. Das sollte genügen, um alle nur erdenklichen internettauglichen Geräte mit einer IP-Adresse zu versorgen.

Die Zukunft wird vielfältiger

Schon jetzt beginnen Mobilrechner, den PCs den Rang abzulaufen – ein Trend, der sich in Zukunft noch verstärken wird. Denn neben herkömmlichen Notebooks gewinnen die kleinen und günstigen Netbooks an Bedeutung. Intel setzt große Hoffnungen in die unter Linux (www.moblin.org) arbeitenden MIDs (Mobile Internet Devices) mit Atom-Prozessor, die nicht nur als mobiles Internet-Device fungieren sollen, sondern auch als Media-Player oder Navigationssystem.

Daneben werden im selben Segment neue UMPCs mit Windows entwickelt (origamiproject.com). Und schließlich zeigen das Apple iPhone und Smartphones unter Windows-Mobile oder anderen Betriebssystemen, dass die Grenzen zwischen Mobilrechnern und Mobiltelefonen immer weiter verschwimmen.

Hardware Zukunftstrends: Hardware der Zukunft
Bild vergrößern 662 478 http://img3.magnus.de/Hardware-Zukunftstrends-Hardware-der-Zukunft-r662x478-C-b0ee004e-27299021.jpg Microsoft Surface

Microsoft Surface

Ob sich also die MIDs gegen die immer stärkeren und vielseitigeren Smartphones durchsetzen können, bleibt abzuwarten. Denn diese sind ja schon heute nicht nur Mobiltelefone, sondern auch als Navigationsgerät, Mediaplayer und Surfgerät einsetzbar. Wie man sich die Smartphones der Zukunft vorstellen kann, zeigt das Morph-Konzept von Nokia, ein Gerät mit flexiblem Display, das man einfach ums Handgelenk legen soll und dessen Display sich dank Nanotechnologie selbst reinigt. Die Energieversorgung erfolgt teilweise über eingebettete Solarzellen.

Aber trotz aller neuen Mobilgeräte wird auch der PC nicht verschwinden. Allerdings ist schon jetzt abzusehen dass die stationären Rechner nur noch zu einem geringen Teil die grauen oder schwarzen Kisten sein werden, die heute noch neben den Schreibtischen stehen. Statt dessen wird es eine Fülle von Bauformen geben, deren Vorboten schon heute zu sehen sind: schicke Mini-PCs, All-in-one-Rechner mit Touchscreen, Media-Center-Rechner und Home Server als zentrale Datenspeicher.

Was in naher Zukunft zu erwarten ist, demonstrieren HP und Microsoft schon heute in Disneyland, im Innoventions Dream Home). Für die fernere Zukunft ist zu erwarten, dass Rechner modularer werden und dass Kabel drahtlosen Verbindungen weichen werden. So wird Wireless-USB derzeit in der Bundesrepublik nur dadurch blockiert, dass die erforderlichen Frequenzen noch belegt sind. Und selbst Wireless-HDMI steht schon von mehreren Herstellern zur Verfügung, derzeit wird aber noch um eine gemeinsame Norm gerungen.

Touchscreen und Gedankensteuerung

Hardware Zukunftstrends: Hardware der Zukunft
Bild vergrößern 662 504 http://img2.magnus.de/Hardware-Zukunftstrends-Hardware-der-Zukunft-r662x504-C-a58f9a9d-27299024.jpg Studie für einen Tablet-PC

Studie für einen Tablet-PC

Bisher dominieren bei der Bedienung von Rechnern immer noch Taststatur und Maus oder bei Notebooks dasTouchpad. PCs mit Stiftbedienung oder Touchscreen sind durch ihre hohen Preise bisher eine Randerscheinung geblieben. Das wird sich in naher Zukunft ändern, denn der Vista-Nachfolger Windows 7 wird Multitouch beherrschen, also die Erkennung mehrerer Finger.

So können etwa Objekte auf dem Bildschirm einfach mit zwei Fingern skaliert oder gedreht werden. Eine Windows-7-Demo auf dem Dell Latitude XT, der bereits Multitouch unterstützt, kann auf Youtube angesehen werden. Und auch der bereits erhältliche HP TouchSmart, ein All-in-one-PC mit 22-Zoll-Display, erkennt im Prinzip mehrere Finger.

Noch einen Schritt weiter geht Microsofts Surface-Technologie, die in Form eines Tisches mit Display und Touch-Erkennung bereits in Kleinserie produziert wird (www.surface.com). Surface erkennt nicht nur mehrere Finger, sondern kann auch von mehreren Anwendern gleichzeitig bedient werden und ist zudem fähig, Objekte zu identifizieren, die auf dem Tisch abgelegt werden.

Surface nutzt Kameras zur Erkennung, das Monitorbild wird mit Rückprojektion erzeugt. Ähnliche Projekte gibt es aber auch von anderer Seite, etwa der TU München und der Universität Augsburg.

Mit Sphere haben Microsoft- Entwickler sogar ein kugelförmiges Surface-Gerät gebaut, beim TouchWall-Konzept fungiert die Wand als Touchscreen, ähnlich wie im ScienceFiction-Streifen Minority Report. Neben den Fingern werden in Zukunft wohl auch immer mehr die Stimme oder gar bloße Gedanken für die Steuerung von Rechnern eingesetzt werden.

Hier wird eine ähnliche Technik wie bei einem EEG eingesetzt, um einfache Muster zu identifizieren. Der amerikanische Hersteller OCZ bietet mit dem Game-Controller nia ( Neural Impulse Actuator) sogar schon ein kommerzielles Produkt an.

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