Aus Dell mach Mac - mit Hackintosh

Hackintosh auf Dell Mini 9 - MacOS X auf dem Netbook installiert

Der kalifornische Computerhersteller Apple weigert sich standhaft, ein netBook mit Mac OS X zu bauen und zu verkaufen. Andererseits sind in modernen netBooks nur Standard-PC-Komponenten verbaut. Ein aktuelles Mac OS X 10.6 sollte daher auf einem netBook lauffähig sein.

  1. Hackintosh auf Dell Mini 9 - MacOS X auf dem Netbook installiert
  2. Geschwindigkeit und Fazit
Dell Mac Mini

© David Göhler

Aus einem Windows-netBook einen Mini-Mac zu machen, ist gar nicht so schwer

Ein netBook ist richtig klein und leicht, deutlich kleiner und leichter als ein Mac Book Air. Und bei Preisen ab 250 Euro natürlich viel günstiger als das Original von Apple. Das aktuelle Mac-Betriebssystem Mac OS X 10.6 gibt es offiziell für 29 Euro zu kaufen. Und genau das sollte man auch verwenden. Man ist also mit 300 Euro dabei. Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und jemand bei der Installation des Apple Betriebssystems auf einem Dell Mini 9 begleitet. Am einfachsten tut man sich dabei, wenn man einen Mac in Reichweite hat, weil sich damit die Vorbereitungen und die Installation sehr einfach bewerkstelligen lässt.

Die zentralen Fragen - die auch dieser Artikel beantwortet - sind dabei:

Für den Artikel hat sich unser Versuchskaninchen ein Dell Mini 9 ausgesucht, weil das netBook im Ruf steht, hervorragend mit Mac OS X zu funktionieren und die Hardware ohne Probleme einzubinden (was sich als richtig herausstellen wird). Die Geräte werden in eBay für 200 bis 250 Euro gehandelt, teilweise sogar mit vorinstalliertem Mac OS X.

Die drei Fragen bei Dell Mac

  1. Wie fummelig ist die Installation?
  2. Was funktioniert im netBook unter Mac OS X und was geht nicht?
  3. Kann man danach Software-Aktualisierungen von Apple "fahren", ohne die Installation zu zerstören?

Setup

Für die Installation braucht man: Eine Original-Snow-Leopard-DVD, einen 8 GByte-USB-Stick, das netBook mit einer 16-GByte großen Festplatte und einen Mac, um den USB-Stick aufzubereiten. Als erstes wird die Snow-Leopard-DVD mit Hilfe des Festplatten-Dienstprogramms auf den USB-Stick kopiert (genauer: wiederhergestellt). Dazu muss man den Stick formatieren (mit dem Boot-Schema "Master Boot Record") und anschließend "Wiederherstellen". Als Quelle ist die DVD anzugeben, als Ziel die neu erstellte Partition.

Danach muss das Image auf dem Stick mit dem NetBookBootManager 0.8.3 noch patcht werden. Das dauert ca. 10 Minuten. Danach ist der USB-Stick für die Installation vorbereitet. Das Booten vom Stick gelingt nur, wenn man USB Legacy Support im BIOS-Setting anschaltet. Die Installation verläuft wie von einer Snow-Leopard-DVD. Dabei sind keine weiteren Besonderheiten zu beachten. Wer nur eine kleine SSD im netBook hat, sollte nach Möglichkeit keine Druckertreiber, wenig Sprachen und Zusatzpakete installieren lassen.

Erster Start

Nach dem Reboot und Einrichten des ersten Benutzers ist aus dem Verzeichnis "Programme" die Anwendung "NetBookInstaller" zu starten und die nebenstehenden Auswahl zu treffen. Wichtig ist die Auswahl des "Install Chameleon 2 NBI" Bootloaders und "Install Dell Mini 9 Extensions". Der Rest ist optional. Die Installation ist recht robust gegenüber Systemupdates, die Apple über die Software-Aktualisierung einspielt. Es kann allerdings immer passieren, dass bei einer neueren Version des Betriebssystems erst einmal nichts geht. Im Selbstversuch war das Update von 10.6.0 auf 10.6.2 kein Problem. Das muss aber nicht sein. Die kommende 10.6.3 ersetzt offensichtlich eine Kernel-Erweiterung, die schon durch das Patchen des NetBookBootManager ersetzt wurde. Das muss dann erneut überschrieben werden.

NetBookInstaller

© David Göhler

Das kleine Tool Netbookinstaller erledigt das nachträgliche Patchen des fertig installierten Mac OS X auf dem Dell.

Was geht und was nicht?

Die erste Kontrolle der Funktionen und Programme war sehr erstaunlich: Es geht (fast) alles. Bluetooth läuft, WLAN geht, externer Monitor funktioniert, Video-Kamera läuft, SDHC-Steckplatz auch, USB-Schnittstelle sowieso. Die Akku-Zeuge funktioniert wie erwartet, auch das Zuklappen und Aufklappen (Ruhezustand) macht (erst einmal) keine Probleme. Sogar die Power-LED pumpt im Schlafmodus. Was nicht geht: Der Mikrofon-Eingang und das eingebaute Mikrofon (das ließ sich teilweise beheben).

Mac-Anwendungen, die keine besondere Hardware erfordern, gehen alle ohne Ausnahme - die mitgelieferten Programme sowieso, aber auch nachinstallierte Anwendungen. Hardware-nahe Programme wie etwa AirRadar (das nach HiFi-Hotspots sucht) wollten nicht starten, weil man dazu die WLAN-Hardware in einen speziellen Modus schalten muss. WLAN an sich geht aber sauber, auch mit WPA und WPA2 in allen 2,4-GHz-Netzen, 5 GHz unterstützt die verbaute Dell-Hardware nicht.

EyeTV auf Dell Mini

© David Göhler

Da schauste: Auch Fernsehen ist auf dem kleinen Dell kein Problem. Mit EyeTV und TV-Stick gibt es kein Ruckeln.

Der Bildschirm hat eine Auflösung von 1024 x 600 Punkten, was in der Höhe manchmal Ärger macht. Manche Programme öffnen Fenster, deren minimale Höhe mehr als 600 Punkte erfordert. Dann sind die Schaltflächen unten nicht sichtbar und mit der Maus nicht erreichbar. Aber hierfür gibt es spezielle Tools, die solche Programmfenster skalieren.

Beim Sound half das Nachinstallieren eines Soundtreibers (ALC268). Damit erwacht zumindest der Mikrofon-Eingang.

Dell Mini bei eBay

© Archiv

Gebraucht bekommt man ein Dell Mini 9 bei ebay zwischen 200 und 250 Euro. Wenn die SSD größer ist oder das netBook UMTS eingebaut hat, eher 300 Euro.

Eine gute Quelle für alle Fragen, Tools und Patches ist dabei das Dell Mini Forum Mac OS X.

Für das Trackpad liefert das Patchpaket ein eigenes Modul für die Systemeinstellung mit aus, das auch "Trackpad" heißt, aber in der Systemeinstellung unter "Sonstiges" auftaucht. Mit ihm lassen sich auch die normalen Zweifinger-Gesten einstellen. Für mehr als zwei Finger fehlt es offensichtlich an der Multitouch-Fähigkeit des Dell-Trackpads.

Bei Bluetooth schien zu Beginn alles sauber zu funktionieren. Erst nach dem Ruhezustand und erneutem Aufwachen gab es Verbindungsprobleme. Das ließ sich über BIOS-Settings (USB Legacy Support und USB Wake Up beide ausschalten!) und einen Patch aber beheben. Sogar Apples Magic Mouse mit Touch-Oberfläche funktioniert einwandfrei.

Insgesamt muss man zur Unterstützung der Hardware sagen: Es fühlt sich wie ein richtiges Apple Notebook an. Außer dem Mikrofon lief alles wie erwartet. Man vergisst schnell, dass das Gerät nicht aus Kalifornien stammt.

Auf der nächsten Seite erfahren Sie, wie schnell Mac OS X auf dem Dell Mini 9 läuft.

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