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© www.googlezeitgeist.com/de
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Was das Web bewegte
Google Zeitgeist 2011 - Die häufigsten Suchbegriffe
"Was ihr den Geist der Zeiten heißt / Das ist im Grund der Herren eigner Geist / In dem die Zeiten sich bespiegeln." - So ließ Goethe dereinst seinen Faust über den Zeitgeist philosophieren. Google geht es pragmatischer an, um herauszufinden, was die Menschheit bewegt: Jedes Jahr veröffentlicht der Suchmaschinenriese eine Liste der Persönlichkeiten und Begriffe, die am häufigsten im Web gesucht wurden.
Die weltweite Top Ten im "Google Zeitgeist 2011", die sich im Netz unter www.googlezeitgeist.com/de findet, wirkt jedoch stellenweise etwas befremdlich.
Zugegeben, dass Steve Jobs beziehungsweise das noch nicht erschienene iPhone 5 und das iPad 2 in dem Ranking erscheinen, ist nicht weiter überraschend. Schließlich hat Apple eine Heerschar Fans im Rücken, die sehnlichst auf neue Gadgets warten und deren Schöpfer Jobs beinahe so sehr verehren wie gläubige Katholiken den Papst. Klar, dass rund um den Tod des Apple-Mitbegründers in der ersten Oktoberwoche die Statistik der Suchanfragen am höchsten war.
Ein weiteres Ereignis, das die Welt - zumindest laut Google - in ähnlichem Ausmaß bewegte, war das Erdbeben in Japan und die darauffolgende Atomkatastrophe in Fukushima. Die Havarie des Kernkraftwerkes brachte hierzulande die Debatte um den Ausstieg aus der Kernenergie erneut ins Rollen und mobilisierte die Anti-Atomkraft-Bewegung. Überraschend: Die Finanzkrise taucht nicht auf, obwohl zahlreiche Länder - darunter die Supermacht USA, Griechenland und Portugal - kurz vor dem Staatsbankrott standen oder stehen.
Entweder fühlen sich die User, anders als bei Fukushima, nicht unmittelbar von den Auswirkungen der Krise betroffen oder aber ein Egoshooter wie "Battlefield 3" wird tatsächlich von der Mehrheit der Internetnutzer als relevanter, zumindest interessanter betrachtet. Das Spiel des Herstellers EA Games wurde von den Fans lange erwartet und fand kurz nach Erscheinen reißenden Absatz.
Während es in "Battlefield 3" darum geht, virtuelle Gegner in Iran, Irak oder den USA zur Strecke zu bringen, wurde der sehr realen Tötung Osama Bin Ladens nicht annähernd so viel Beachtung zuteil. Zumindest nicht genug, um es unter die zehn am meisten gegoogelten Begriffe zu schaffen. Auch sein größtes Attentat, der Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001, der sich 2011 zum zehnten Mal jährte, wird nicht erwähnt.
Das trifft auch auf den Arabischen Frühling zu, der seit Anfang des Jahres beinahe täglich ein Nachrichtenthema ist, für die Zeitgeist-Top-Ten jedoch uninteressant scheint. In der arabischen Welt fällt ein Regime nach dem anderen, die Länder strukturieren sich politisch neu - via Google informieren sich darüber jedoch weit weniger Menschen als über das neue Netzwerk Google+. Als Facebook-Konkurrent wirbt es mit mehr Transparenz und stärkeren Mitbestimmungsrechten der Nutzer. Bislang blieb die große Völkerwanderung von einem Sozialen Netzwerk in das andere jedoch aus.
Was das Web bewegte - und was nicht
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Jedes Jahr wertet Google aus, welche Begriffe am häufigsten in die Suchmaschine eingegeben wurden. Das Ergebnis ist die Zeitgeist-Liste, deren Top Ten 2011 teils merkwürdig anmuten.
© www.googlezeitgeist.com/de
Ob "Jackass"-Stuntman Ryan Dunn einen eigenen Facebook- oder Google+-Account pflegte, ist schwer zu sagen. Sicher ist hingegen, dass er eine Menge Fans im Sozialen Netzwerk hatte. Sein Unfalltod im Juni - er steuerte seinen Sportwagen volltrunken gegen einen Baum - entbehrte nicht einer gewissen Ironie. Schließlich kam er bei all seinen waghalsigen Stunts stets glimpflich davon.
Dunn ist vielen ein Begriff. Rebecca Black hingegen dürfte trotz ihres ersten Platzes im Ranking nicht jeder kennen. Die 13-Jährige landete mit ihrem Song "Friday" auf YouTube einen Überraschungshit - der Clip avancierte zum meistgehassten Video. Kollegin Adele, ebenfalls ein Darling der Google-Nutzer, ist von dort quasi nicht mehr wegzudenken. Ihr Hit "Rolling In The Deep" bescherte ihr mehrfach Platin, das dazugehörige Album "21" ebenfalls - ihre Musik bewegte die Öffentlichkeit unbestreitbar.
Während sämtliche bisher genannten Top-Ten-Themen auch hierzulande aktuell waren, ist die letzte Protagonistin der Google-Liste ein große Unbekannte: Casey Antony, eine 22-jährige US-Amerikanerin, wurde beschuldigt, ihr zweijähriges Kind getötet zu haben. Der Fall sorgte in den Vereinigten Staaten für Entrüstung und Aufsehen - erst recht, als das Gericht die junge Mutter von jeder Schuld freisprach, obwohl sie sich mehrfach in Widersprüche verstrickte. Hierzulande ausreichend bekannt ist hingegen Sänger und Dschungelcamp-Absolvent Jay Kahn. Dennoch überrascht es, dass er neben Größen wie Ashton Kutcher, Scarlett Johansson und Britney Spears als einziger deutscher Promi in der Liste der meistgegoogelten Stars auftaucht. Allerdings bezieht sich dieses Ranking nur auf Deutschland, nicht auf das weltweite Suchverhalten.
Was sagt eine solche Statistik über die Gesellschaft aus? Interessieren sich die Internetnutzer weltweit hauptsächlich für Lifestyle, Prominente und Sensationen? Oder bieten diese Themen die beste Abwechslung zu den teils dramatischen Entwicklungen, von denen die Nachrichten berichten? Eines ist sicher: Das Web dient nicht nur als Informationsquelle, sondern auch als Medium, das Realitätsflucht ermöglicht. Möglicherweise wird Google von der Mehrheit der User aber auch schlicht dazu verwendet, um sich über aktuelle Medienphänomene kundig zu machen - "richtig" informieren lässt man vielleicht dann doch eher von den Onlinepräsenzen klassischer, renommierter Printmedien.