Quergedacht

Geschwindigkeit im Geschäft

Das Tempo ist so wichtig wie der Inhalt: Zum Start seiner neuen Kolumne erläutert Matthias Kolbusa, warum Geschwindigkeit im Geschäft per se ein Kernprinzip sein sollte. Denn nur wer von Anfang an richtig Fahrt aufnimmt, kommt pünktlich ans Ziel.

davis - Fotolia.com

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Zwei Mal bekam ich diese Woche von Klienten die Frage gestellt, wo man am besten ansetzen solle, um ein Programm zu beschleunigen. Man sei hinter dem Zeitplan und die Leute wären nicht mehr motiviert. Meine Antwort darauf: "Genau da." - Klient: "Wo?" - "Direkt am Symptom, das hier meist gleichzeitig Wurzel ist: an der Geschwindigkeit."

Meine Erfahrung ist, dass Dinge umso schwieriger und schlimmer werden, je länger sie dauern. Umsetzungskomplexität kann nur bezwungen werden, wenn alle Beteiligten in hoher Geschwindigkeit durch den Prozess gezogen werden. Mir geht es bei dieser Aussage in erster Linie um die Haltung und Überzeugung, dass wir die Dinge zügig erledigen müssen. Denn wieso ziehen sich Projekte in die Länge?

Schnell starten, schnell ankommen

Einmal abgesehen von der uns Menschen leider innewohnenden Trägheit, die es täglich zu überwinden gilt, doch nicht, weil wir nicht versuchen, die Projekte zügig zu erledigen. Sondern weil wir gerade in größeren Organisationen die Tendenz haben, uns absichern zumüssen und alles genau bedacht und durchgeplant zu haben. Doch erfolgreiche Umsetzungen zeichnen sich durch Geschwindigkeit aus. Dies mache ich an vier Punkten fest:

  • Je länger wir über etwas nachdenken oder in Runden besprechen, desto mehr Gründe, Möglichkeiten und Risiken fallen uns ein, warum Dinge nicht gehen. Aber müssen wir nicht sicherstellen, das Richtige zu machen? Meiner Beobachtung nach ist der einzige Weg, dies herauszufinden, es zu tun.
  • "Vom Bauch" her wissen wir alle meist sehr genau, was wie zu tun ist. Wir müssen einfach nur in die sprichwörtlichen Gänge kommen und in Bewegung bleiben.
  • Arbeit dauert so lange, wie man ihr Zeit gibt. Wird dieses Prinzip richtig beachtet, sorgt es für enorme Produktivität, indem wir gezwungen sind, uns auf das wirklich Wichtige zu konzentrieren.
  • Da Dauer sehr häufig mit der Anzahl an Beteiligten korreliert, gilt ebenso: Je mehr Leute involviert sind, desto zäher gestaltet sich der Prozess. Wir übertreiben es leider zu häufig mit der Einbindung.

Die Wahl der Beifahrer

Matthias Kolbusa

© Matthias Kolbusa

Der Autor: Matthias Kolbusa

Wenn sie schnell fahren, haben Sie wenig Möglichkeit, sich selbst durch alle möglichen interessanten Dinge ablenken zu lassen. Sie sind voll auf das Ergebnis fokussiert. Zudem haben Ihre Mitfahrer keine Chance, auszusteigen, sich etwas anderes zu überlegen oder neue Routenvorschläge zu machen. Entscheiden Sie also selbst, mit welcher Geschwindigkeit Sie Ihre Themen "fahren" wollen.

Dabei sollte Ihnen klar sein: Je schneller Sie sein wollen, desto weniger Leute können Sie mitnehmen. Denn Ziel und Sinn müssen von allen Mitfahrern verstanden worden sein. Mit einem Motorrad können Sie zwar maximal beschleunigen, aber auch nur eine weiterePerson mitnehmen. Das sieht bei einem Porsche schon etwas anders aus.

Viele von uns sind von Anbeginn eher mit einem Traktor inklusive riesigem Anhänger unterwegs. Wir wollen alle mitnehmen, gehen das jedoch falsch an. Nicht der Stärkere gewinnt, sondern der Schnellere.

Die Geschwindigkeits-Prinzipien:

  1. Überlegen Sie genau, wie viele Leute Sie wirklich bei sich im Wagen mitnehmen müssen. Meist sind es weniger, als Sie glauben.
  2. Wählen Sie das schnellste Gefährt aus, das Ihnen zur Verfügung steht. Aber eines, mit dem Sie auch trainiert sind! Es bringt nichts, wenn Sie bisher Reisebus gefahren sind und nun auf einmal verteilt auf zehn Ferraris unterwegs sein wollen.
  3. Sorgen Sie dafür, dass kontinuierlich immer wieder gewartet und trainiert wird. Je schneller Sie fahren, desto wartungsintensiver ist der Motor.

Ich wünsche Ihnen eine gute Fahrt!

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