Verführt und angeschmiert

Gefälschte Hardware

Plagiate machen nicht nur Herstellern das Leben schwer. Auch Anwender zahlen letztlich drauf, wenn sie auf gefälschte Produkte ohne Herstellergarantie und auf schlechte Qualität hereinfallen. Einige aktuelle Fälschungen im größeren Stil betreffen professionelle Käufer ebenso wie den Endverbraucher.

Gefälschte Hardware

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Gefälschte Hardware

Fälschungen an sich sind nichts Neues und überall zu finden, wo es Geld zu verdienen gibt. Welche Auswirkungen Fälschungen haben, darüber kann man streiten. Wer sich in Bangkok für 5 Euro eine Rolex kauft, weiß, auf was er sich einlässt und stellt an die Kopie kaum die gleichen Ansprüche, denen ein Original genügen müsste. Ärgerlich sind solche Plagiate höchstens für den Hersteller des Originals, wobei man den wirtschaftlichen Schaden nur schwer beziffern kann. Strohhut-Touristen mit Hang zu Billigem würden sich wohl kaum das Original leisten, weshalb sich der reale Verlust in Grenzen halten dürfte, was die Sache allerdings nicht besser macht.

Der Käufer verliert

Anders verhält es sich bei Computer-Produkten, vor allem der Hardware. Hier erwarten sich Kunden vom gekauften Produkt eine reale Leistung, bei der es nicht egal ist, ob die Leistung gegenüber dem Originalproduktum ein paar Prozent abweicht und erst recht nicht, ob eventuelle Schäden von einer Herstellergarantie abgedeckt sind. Vor einigen Jahren tauchten im PC-Bereich gefälschte Prozessoren in großen Stückzahlen auf dem Markt auf. Die CPUs waren nicht einfach nur übertaktet – in diesem Fall hätten die Kunden ja selbst entscheiden können, ob sie das Risiko eingehen möchten oder nicht. Um ordentlich Gewinn zu erzielen wurden die CPUs professionell umetikettiert und als höherwertige Modelle verkauft. Aufgrund der festen Multiplikatoren glauben Intel und Co., den Fälschern erfolgreich das Handwerk gelegt zu haben. Auf Nachfrage hieß es jedenfalls, dass keine Fälschungen im großen Stil bekannt seien.

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Nur Fachleute bemerken bei der gefälschten Cisco-WAN-Interface-Karte (links) das Fehlen der Federn an beiden Befestigungsschrauben an der Frontblende. Außerdem ist die Auswahl der Chips unterschiedlich.

Dennoch kann von einer Entwarnung keine Rede sein. Im Jahresbericht 2006 weist der Zoll zwar im Bereich Computer einen Rückgang der sichergestellten Waren auf einen Gesamtwert von knapp 3,8 Millionen Euro aus. Gleichzeitig verdoppelte sich der Wert bei elektrischen Geräten, zu denen auch computernahe Geräte wie MP3- Player gehören, im Vergleich zum Vorjahr auf rund 110 Millionen Euro. Besonders gerne werden auch in diesen Bereichen Premium-Marken oder zumindest solche mit einem "teuren" Namen abgekupfert. Im März beschlagnahmte der deutsche Zoll nach einer Ziel gerichteten Fahndung eine Ladung mit drahtlosen Microsoft- Controllern für die XBox 360, die ein deutscher Kunde offenbar im guten Glauben aus China bestellt hatte. Experten von Microsoft entlarvten die gut gemachten Kopien schließlich. Wie gesagt handelt es sich bei den vom Zoll veröffentlichten Zahlen nur um die sichergestellten, also erkannten Fälschungen. Wie viele illegale Waren den Einzug in den deutschen Markt schaffen, kann nur geschätzt werden.

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Sehr interessant ist der Bericht auch, wenn es um die Herkunft der beschlagnahmten Ware geht. Wie nicht anders zu erwarten, führt China die Rangliste mit über der Hälfte der als illegal eingestuften (Computer)-Produkte deutlich an. Überraschend dagegen: Mit fast 10 Prozent der beschlagnahmten Plagiate hat sich ausgerechnet die Nation mit den meisten Patenten die Bronzemedaille gesichert – die USA.

Für Laien kaum zu erkennen

Der gewerbsmäßige Handel mit Plagiaten und der gewaltige Umsatz, der mit den gefälschten Produkten erzielt wird, erlaubt vielen Fälschern, Produktionsmittel einzusetzen, die denen der Originalhersteller nahe kommen. Als Endkunde hat man angesichts der Professionalität, mit der zu Werke gegangen wird, oft gar nicht die Möglichkeit, eine Fälschung vom Original zu unterscheiden. Der Zoll gibt dennoch einige Ratschläge, die dem Endverbraucher helfen sollen, faule Eier zu erkennen. So gibt der Zollverwaltung zufolge schon der Preis einen ersten Hinweis.

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Zwei Gigabit-Interface-Converter von Cisco: Das Layout der eingebauten Platine ist bei der Fälschung rechts sichtbar anders als beim Original links. Laut Cisco liegt die Fehlerhäufigkeit bei Fälschungen oft höher, die Durchsatzraten dagegen niedriger.

Liegt dieser bei Neuware deutlich unterhalb der Herstellerempfehlung, ist Misstrauen angesagt. Doch hier fangen die Probleme schon an: Die unverbindliche Preisempfehlung zu ermitteln, ist nicht allzu schwierig. Oft liegen diese allerdings auf unrealistisch hohem Niveau, gerade wenn der Hersteller selbst nicht verkauft, um den geilen Geiz-Märkten die atemberaubenden "Tiefstpreise" überhaupt erst zu ermöglichen und Schnäppchenjäger zu ködern. Und dass ausgerechnet entsprechende Angebote bei Online-Auktionsbörsen nicht selten auf Piraterie, Diebesgut oder Grauimporte schließen lassen, verunglimpft so manchen ehrlichen Händler.

Der Tipp, auf spezielle Verpackungen, besondere Formen, Farbgebungen, Druckqualität, Sicherungsmerkmale, Hologrammaufkleber oder Aufdrucke wie die Artikelbezeichnung zu achten, dürfte auch nur selten fruchten. Die vielen günstig auf den Markt gebrachten "Bulk-Versionen" dürften jeglichesMisstrauen gegenüber "komischen" Darreichungsformen längst getilgt haben.

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Ebenfalls Misstrauen erregend sind laut Zoll das Fehlen oder eine minderwertige Qualität obligatorischer Dreingaben, Beipackzetteln, Garantiezertifikaten, Seriennummern, Sicherheitsetiketten, Kabel, CD-ROMs oder Gebrauchsanleitungen. Auch hier muss nicht immer gleich alles im Argen liegen – siehe Bulk-Versionen. Und Bedienungsanleitungen in groteskem Deutsch finden sich hin und wieder auch bei größeren asiatischen Unternehmen, die von ihren Übersetzern lediglich drei komplett gesehene Derrick- Folgen als Qualifikation fordern. Wird einem aber ein Gerät eines renommierten Herstellers angeboten, in deren Anleitung sich Anweisungen wie "den Festplattenhafen an die Zwischengesicht verbinden" finden, sollte man sich den Kauf in der Tat überlegen und lieber erst mal beim Hersteller nachfragen.

Ist man auf eine Fälschung hereingefallen, ist Panik fehl am Platz. Für Endkunden stehen im Allgemeinen kaum rechtliche Konsequenzen zu befürchten. Es sei denn, man entschließt sich, den Schwarzen Peter weiterzugeben: Wer nachgemachte Ware wieder veräußern möchte, tritt in den Kreis des Handels und es drohen empfindliche Strafen. Auch insofern bergen illegal erstellte Artikel für den normalen Abnehmer Risiken, die den günstigen Preis nicht rechtfertigen

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Vom Zoll kassiert

Was kann man tun?

Die Tipps vom Zoll sind mit Sicherheit keine Allheilmittel, aber durchaus Wert, darüber nachzudenken. Ansonsten schützt man sich vor Plagiaten am besten durch den gesunden Menschenverstand: Geschenkt wird einem nichts und wenn man schon beim Händler um die Ecke kaufen kann, sollte man ihm dem Versender aus Weitfortistan gegenüber den Vorzug geben. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann bei Herstellern auch autorisierte Händler aus der Umgebung oder im Internet anfragen oder zumindest Distributoren, die dann von ihnen belieferte Endkundenhändler nennen können.

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