Alternative zu PS4, Xbox One und Co.

Gamefly: Netflix für Spiele

Tomb Raider Gamefly

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Tomb Raider Gamefly

Wer sich schon mal die Werbeprospekte diverser Computer-Anbieter angesehen hat, weiß: Spiele-PC kosten richtig Geld. Einen simplen Bürorechner bekommt der Kunde schon für rund 500 Euro. Für einen Gaming-PC werden auch schon mal 1000 bis 2000 Euro fällig. Spiele-Konsolen sind zwar mit rund 300 Euro deutlich billiger, aber dafür auch nicht so flexibel einsetzbar.

Lesetipp: PC-Eigenbau von 300 bis 1.500 Euro

Zudem kosten aktuelle Spiele zusätzlich bis zu 60 Euro für oft nur wenige Stunden Spiele-Spaß. Der Spiele-Dienst Gamefly - auf LG-, Philips- und Samsung-Fernsehern abrufbar - schlägt mit seinem neuen Angebot gleich zwei Fliegen mit einer Klappe:

  1. Er bietet eine Auswahl von Spielen im Abo als Flatrate an.
  2. Die aufwendige 3D-Berechnung übernimmt nicht der schwachbrüstige Fernseher, sondern ein Gamefly-Server im Netz.

Cloud-Gaming nennt sich dieses Verfahren, was auch von anderen Anbietern genutzt wird. Der Trick: Die Controller-Befehle werden übers Internet auf einen Gamefly-Server geschickt. Dieser erledigt die umfangreichen 3D-Berechnungen und streamt anschließend das Monitorbild auf den Fernseher zurück.

Das Ganze geht so schnell vonstatten, dass der Nutzer den Eindruck hat, das Spiel laufe auf dem Fernseher selbst ab. Beworben wird eine Latenz-Zeit von 100 Millisekunden. Das bedeutet, dass zwischen Steuerbefehl und Reaktion auf dem Bildschirm nur eine Zehntelsekunde vergehen sollen. Das klingt zwar nach einer sehr kurzen Zeitspanne, echte Gamer rümpfen allerdings schon bei der Hälfte (50 ms) die Nase. In Multiplayer-Spielen wie etwa der beliebten Battlefield-Serie sind - bei nicht zu weit entfernten Servern und guter Internetanbindung - auch Antwortzeiten zwischen 10 und 20 Millisekunden möglich. Im dynamischen Action-Geballer mit bis zu 64 Spielern macht das oft schon den Unterschied zwischen Erfolg und Scheitern aus.

Gelungene Auswahl

Das wissen natürlich auch die Gamefly-Entwickler und haben deshalb hauptsächlich Spiele im Paket, die mit dieser Latenz-Zeit auskommen. So sind viele Action-Adventures wie etwa "Batman Arkham City", "Tomb Raider" oder "Deadfall" im Programm, bei denen es nicht auf eine Hunderstelsekunde ankommt. Zudem wurde bei multiplayertauglichen Spielen der Mehrspieler-Modus deaktiviert - noch, wie die Pressemitteilung von Samsung verlauten lässt.

Batman Arkham City Gamefly

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Das Gamer-Pack kostet rund 10 Euro pro Monat und bietet derzeit den Zugriff auf 30 mehr oder weniger aktuelle Spiele zu aktuellen Preisen zwischen 20 und 40 Euro pro Titel. Das „Family Pack“ kostet ebenfalls 10 Euro und enthält weitgehend gewaltfreie Titel. Ohne Anmeldung kann der Nutzer die Spiele bis zu zehn Minuten testen.

Der Praxistest

Zum Test mit einem Philips 55PUS7101 dockten die Redakteure den Fernseher über eine Fritz!box 7390 an einen 100 Megabit-Anschluss der Deutschen Telekom an. Am TV selbst kam der Game-Controller Logitech F-310 zum Einsatz. Zu Beginn jeder Spiele-Session testet die Gamefly-App erst einmal die Internet-Verbindung. Erforderlich ist eine minimale Datenrate von acht Megabit pro Sekunde für das 720p-Streaming. Darüber hinaus bewertet die App auch die interne Verbindung: Ist der Fernseher nur per 2,4 GHz -WLAN verbunden, verweigert die sie ihren Dienst.

Beim ersten Probanden "D4 Dark Dreams Don't Die" - ein Rätsel-Spiel mit comicartigen Sequenzen - sah es tatsächlich so aus, als sei eine Playstation 4 oder Xbox One am Fernseher angedockt worden. Die Ladezeiten des Spielinhaltes, als auch die Bildqualität können mit den Konsolenspielen locker mithalten. Bei deutlich dynamischeren Spielen wie etwa "Operation Flashpoint Dragon Rising", "Red Faction Armageddon" oder "Fear 2" schlichen sich aber hin und wieder Artefakte (Klötzchen) ein. Selbst beim schnellen Durchscrollen im Gamefly-Startmenü waren Bildfehler auszumachen. Ein weiterer Schwachpunkt: Viele Story-Modus-Spiele laufen nur in Englisch ab. Immerhin gibt es bei einigen auch deutsche Untertitel.

Gamefly Klotz Artefakte

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Bei schnellen Bewegungen gab es im Test mit Gamefly-Spielen gelegentlich Unschärfen oder Klotz-Artefakte. Diese Bildfehler entstehen bei Engpässen im Datenstrom im Netzwerk oder beim Provider.

Etwas Umgewöhnung erfordert allerdings die vorhandene Latenzzeit bei Rennspielen. In der Rallye-Simulation "Grid2" von Codemasters landet man anfangs doch öfter im Straßengraben, wenn man die klassische Konsolensteuerung gewöhnt ist. Das Auto reagiert auf Befehle des Controllers eben einen Tick später - ebenso bei "F1 Formula1 2014" oder "Moto GP 15".

Zur Ehrenrettung sei gesagt, dass die Verzögerung und die damit einhergehenden Bildfehler sowohl von der verwendeten Hardware als auch vom Internet-Provider und dessen Verbindung zum Gamefly-Server abhängt.

Fazit

Wer ungern viele Geräte am Fernseher stehen hat, über einen schnellen Internetanschluss verfügt und noch dazu im Spiele-Sektor die Abwechselung mag, für den ist Gamefly-Streaming ein interessantes Flatrate-Modell. Power-Gamer mit Qualitätsanspruch werden wohl eher die Konsolen-Variante wählen. Aber Ausprobieren kostet ja bekanntlich nichts und selbst das Abo ist monatlich kündbar.

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