WM 2014 im Live Stream

Die Fußball-WM per TV-Livestream und App mobil erleben

Dank mobiler Datenflatrates, TV-Livestreams der Sender und Apps wie Zattoo oder Magine können Sie die Fifa Fussball WM 2014 wirklich überall verfolgen. Doch wieviel Fernsehen ist mit dem Mobil-Datenkontigent tatsächlich drin, was kostet zusätzliches Volumen und wo gibt's sonst noch Fussball Live für unterwegs?

Fußball WM 2014 Brasilien

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Fußball WM 2014 Brasilien

Das hat schon was: In der Feuerstelle glimmt die Glut, weit und breit keine Nachbarn. Die WM-Party auf der Waldlichtung kann losgehen - Schlaaaaaand! Das iPad empfängt den TV-Stream und ein Bluetooth-Lautsprecher bringt die akustische Stadionatmosphäre dazu rüber. Apps wie Zattoo Live TV oder Magine machen's möglich: Sie zeigen das Live-Programm von ARD, ZDF & Co. kostenlos über jede Datenleitung, die schnell genug ist für einen ruckelfreien Videostream.

Das bieten immer mehr TV-Sender auch selbst: Die öffentlich-rechtlichen TV-Kanäle etwa streamen fast durch die Bank ihr laufendes Programm auch über ihre Mediatheken-Apps. Und wenn man sich nicht gerade mitten in der Walachei befindet, dann ist der mobile Internetempfang auch schnell genug fürs Fussball-TV-Streaming.

Begrenzte Datenkontingente

Zu Hause im WLAN ist all das kein Problem, da flutschen die Daten wie ein Fass ohne Boden durch die Datenleitung. Doch unterwegs im mobilen Datennetz sind die Bedingungen anders. Hier haben Smartphone- und Tablet-Nutzer ein begrenztes monatliches Datenvolumen. Das rangiert je nach Vertrag zwischen einigen hundert Megabyte und ein bis vier Gigabyte pro Monat mit hoher UMTS- (3G-) oder LTE-Datenrate.

Ist dieses Inklusiv-Volumen verbraucht, dann wird die Verbindung bis zum Monatsende auf lahme 64 Kilobit pro Sekunde gedrosselt. Für den Abruf von Text-Mails reicht das noch aus, nicht aber für Videos aus dem Netz. Die Drosselung lässt sich in der Regel gegen Gebühr wieder aufheben - mit einem erneuten Datenkontingent.

Zattoo

© Reinhard Otter

Im kostenpflichtigen Zattoo-Angebot kann man in der Tablet-App auswählen, ob eine möglichst hohe oder eine für 3G optimierte, niederere Datenrate genutzt werden soll.

TV-Streams auf dem Prüfstand

Um herauszufinden, mit welchem TV-Streamingdienst ich die WM-Grillparty am Waldspielplatz am ehesten feiern kann, habe ich im Praxistest die verschiedenen TV-Streamingdienste der beiden WM-Sender "Das Erste" und "ZDF" ausprobiert. Dazu habe ich das laufende Programm der Sender jeweils fünf Minuten im LTE- sowie im 3G-Netz angeschaut und dabei die anfallenden Datenmengen protokolliert. Daraus lässt sich die ungefähre Datenrate des jeweiligen Streams ermitteln.

Ungefähr deshalb, weil parallel zwar alle Apps geschlossen waren, aber dennoch immer mal wieder kleinere Datenmengen vom Betriebssystem des Tablets oder Smartphones empfangen werden können. Die haben vergleichsweise geringe Datendurchsätze, machen das Ergebnis aber nur näherungsweise präzise. Untersucht habe ich dabei das kostenlose Angebot von Zattoo sowie dessen kostenpflichtige HiQ-Variante, außerdem Magine und die Livestreams von ARD und ZDF sowie eine App namens "Live TV", die ebenfalls das Programm einiger Sender live streamt.

Magine

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Der TV-Dienst Magine streamt mit einer recht hohen Datenrate. Das Angebot hat aber eine sehr übersichtliche Benutzerführung.

Datenvolumen für eine Halbzeit bis zwei Spiele

Alle Varianten empfing ich am selben, gut mit Mobilnetzen versorgten Standort, sowohl über das UMTS-/3G-Mobilfunknetz als auch mit eingeschalteter LTE-Technik am iPhone und iPad. Aus den errechneten Datenraten ermittelte ich dann noch die theoretische Spielzeit, bis ein mittleres Datenkontingent von einem Gigabyte erschöpft ist. Die Ergebnisse stehen in der Tabelle oben, die Umrechung für andere Datenkontingente ist einfach: bei 500 MB halbiert, bei 2 GB verdoppelt sich die Spielzeit, bis die Datenbremse spätestens greift. Die Ergebnisse sprechen für sich selbst: 1 GB genügt längst nicht mit allen Streamingangeboten für ein komplettes Fussballspiel. Pro Monat.

Download: Vergleich Datenmengen: mobiles TV-Streaming

Nur Zattoo bietet in seiner kostenlosen SD-Variante auf dem Smartphone eine so geringe Datenrate, dass man zwei Mal 90 Minuten pro Monat streamen kann - aber auch das ohne Verlängerung und Elfmeterschießen. Die Qualität konnte sich dabei auf dem iPhone-Bildschirm dennoch sehen lassen - kein HD-ähnlicher Bildeindruck, aber doch scharf genug, um dem Ball zu folgen. Auf dem iPad beanspruchte Zattoo-SD etwas höhere Datenraten - und lieferte auch ein entsprechend schärferes Bild. Das Datenvolumen reichte dann aber nur noch für eine Partie inklusive Vor- und Nachberichten.

Magine

© Reinhard Otter

Bei Magine kann man sogar die Tonspur wählen und Untertitel einblenden lassen.

Alle anderen Live-TV-Übertragungen via Internet sehen zwar besser aus, beanspruchen aber auch deutlich höhere Datenraten - bis hin zum ARD-Livestream, der im Praxistest deutlich mehr als 3 Mbps saugte. Die HD-Variante von Zattoo auf dem iPad und der beinahe makellose, kostenlose TV-Stream von Magine standen dem kaum nach. Die Folge: Bereits nach 40 bis 60 Minuten erscheint die Meldung auf dem Bildschirm, dass das Datenvolumen für den Monat erschöpft sei - Schluss mit Schland, schon zur Halbzeitpause! Bei der Telekom lässt sich das Datenkontingent für 4,95 Euro mit einem weiteren Gigabyte auffrischen, bei anderen Anbietern liegen die Tarife ähnlich. Eine echte Datenflatrate wie bei DSL-Anschlüssen gibt es im Mobilfunknetz aber nicht.

Mobile TV Telekom

© Reinhard Otter

Bei Mobile TV von der Telekom kostet das Streaming von 16 Free-TV-Sender im Mobilfunknetz 7,50 Euro pro Monat - inklusive der benötigten Datenmenge.

Alternative: Mobile TV vom Anbieter

Dass die mobile Datenübertragung ins Geld geht, ist ja an sich nichts Neues. Und dass TV- und Videostreams nicht eben sparsam mit den Megabytes umgehen, dürfte auch bekannt sein. Mobil-TV ist also auf jeden Fall gleichbedeutend mit Pay-TV, auch wenn für die WM kein Abo bei Sky notwendig ist. Alternativen bieten die beiden großen Netzbetreiber. Kunden der Telekom etwa können über die Mobile-TV-App für 7,50 Euro pro Monat 16 Free-TV-Sender wie Das Erste, ZDF, Pro7, Sat1 oder Eurosport mobil anschauen, ohne dass das Datenvolumen dafür vom Vertrags-Datenkontingent abgeht. Bei Buchung im laufenden Monat fällt nur der anteilige Preis bis zum Monatsende an.

Mobile TV Telekom

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Die Übertragungsqualität schwankte im Praxistest bei Telekom Mobile TV allerdings recht stark.

Damit spare ich mir also das zusätzliche Datenpaket und kann nach Herzenslust fernsehen - über jeweils eigene Apps auf dem iPhone oder dem iPad sowie für Android- und Windows-Phone-Geräte. Die Qualität war im Praxischeck auf dem iPhone ganz ok, obgleich das Bild häufiger mal pixelig wurde. Fürs Tablet war die Bildauflösung dann aber doch deutlich pixeliger und verschwommener als etwa bei Zattoo mit guter Datenrate. Telekom-Mobil-TV ist auch wirklich nur im Mobilnetz und von Telekom-Kunden empfangbar. Man muss also auch zu Hause die WLAN-Funktion abschalten, um den TV-Stream zu starten.

Vodafone hat ein ähnliches Angebot. Es heißt Vodafone MobileTV, kostet pro Woche 1,49 Euro und ist - Tusch, Trommel, Fan-Gesang - während der WM sogar kostenlos nutzbar. Das mobile Schland-TV schlägt hier allerdings mit aufs Vertrags-Datenkontingent. Immerhin sind die Datenraten bei solchen Mobil-TV-Streams niedriger als in denen von Zattoo, Magine & Co.. Mit einem oder den im Vodafone-Tarif Red L integrierten vier Gigabyte kann man schon eine ganze Menge Spiele live und unterwegs verfolgen. Nach der WM sollten Sie nur nicht vergessen, das TV-Abo wieder zu beenden. Das klappt ohne lange Vertragslaufzeit, aber man muss eben daran denken. Gegenüber dem T-Mobile-Fernsehen läuft Vodafone-TV übrigens auch in heimischen oder öffentlichen WLAN-Funknetzen.

Elgato Eye-TV Mobile

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DVB-T am Tablet: Ein Aufstecktuner wie der Elgato Eye-TV Mobile macht TV-Empfang unabhängig vom Mobilfunknetz möglich.

Oder doch lieber mit dem DVB-T-Tuner?

Viele Daten, pixelige Bilder, hohe Kosten - man kann es drehen und wenden wie man mag, die nächtliche Fussballparty am Grillplatz geht mit Tablet- oder Smartphone-Bordmitteln ganz schön ins Geld. Da kann man auch gleich einen eigenen Tuner kaufen. DVB-Aufstecktuner wie der Elgato Eye TV Mobile kosten nicht die Welt. Mit 60 bis 80 Euro sind Sie dabei. Der Empfang ist nach meiner Erfahrung gar nicht schlecht. Bleibt nur die Frage nach der DVB-T-Versorgung vor Ort.

In der näheren Umgebung eines Sendemastes - also in der Nähe fast aller größeren Städte - ist die Empfangssituation im Freien meist unproblematisch. Wer sich aber weiter aufs Land wagt, der sollte den DVB-T-Betrieb vorab checken - das Mobilfunknetz kann einen da aber genauso im Stich lassen. Und noch eines gilt es zu beachten: Ähnlich wie der 3G- oder LTE-Datenempfang saugen auch die DVB-T-Tuner massiv am Akku des Mobilgerätes. Ein zusätzlicher Not-Akku sollte also dabei sein, wenn die Outdoor-Fussballsause steigt.

Elgato Eye-TV Mobile

© Reinhard Otter

Eine eigene Empfangs-App des DVB-Tuners organisiert automatisch alle empfangbaren Sender und ermöglicht sogar Mitschnitte aufs Tablet oder Smartphone.

Fazit

Dauerhaftes Mobilfernsehen mit dem Tablet funktioniert nur über's kostenlose Zattoo-Angebot mit einer annehmbaren Datenrate und Qualität - oder für Telekom-Kunden mit leichten Qualitätseinbußen und für 7,50 Euro pro Monat in der Mobil-TV-App des Anbieters. Für die Outdoor-Fussballparty würde ich allerdings eher einen DVB-T-Tuner empfehlen, denn auch die niedrigsten TV-Datenraten in meinem Vergleich beanspruchen annähend 500 MB für ein einziges Fussballspiel. Das entspricht gleichzeitig dem typischen Inklusiv-Volumen in günstigen Mobilfunk-Verträgen bei Base, Vodafone oder T-Mobile.

Wer nicht ganz so weit draußen gucken möchte, sondern etwa nur im eigenen Garten, der verlängert besser die Reichweite seines WLAN ins Freie und streamt so ohne Zusatzkosten und in hoher Datenrate. Grillen kann man da genauso gut, zu nächtlicher Stunde müssen nur noch die Nachbarn mitspielen. Aber wahrscheinlich sitzen die ja auch draussen und gucken Fussball! Auf die Waldlichtung können wir auch noch nach der WM gehen. Nicht zum Fussballgucken.

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