Fotoreise

Wüstentrekking im Sinai

Die Sinai-Halbinsel in Ägypten ist eine karge Landschaft aus Sand und Stein. Für Fotografen bietet sie jedoch zahlreiche faszinierende Motive.

Fotoreise Sinai

© Symbolbild / Alex Kork - Fotolia.com

Fotoreise Sinai
Maximilian Weinzierl

© Maximilian Weinzierl

Maximilian Weinzierl, Profifotograf und Journalist

Maximilian Weinzierl war mit Beduinen und einer Abenteurer-Gruppe zehn Tage lang unterwegs im Süden des Sinai. Abwechselnd zu Fuß und auf dem Kamelrücken ging das Wüstentrekking über Hochplateaus, durch weiße Sandsteinberge, bunte Canyons, feinsandige Wadis (ausgetrocknetes Flussbett) und tiefe Schluchten. Gewaltige Eindrücke boten sich: von Wind und Wetter geschaffene Steinformationen, unendliche Weite, Abgeschiedenheit und Stille. Ein Ort zum Meditieren und ein Paradies für Landschaftsfotografen.

Die intensive Sonne, die Hitze tagsüber, die Kälte nachts, der Staub, der zeitweilige Wind, der schnell zum Sandsturm anwachsen kann, das Marschieren im tiefen Sand, bergauf und bergab, das stundenlange schaukelnde Reiten auf einem Passgänger-Reittier: Das Abenteuer in der Wüste ist eine besondere Herausforderung, nicht nur für den Menschen, sondern auch für die Fotoausrüstung. 

Geführt von Beduinen

Von Dahab am Roten Meer aus geht es zunächst eine Stunde mit dem Minibus ins Landesinnere, westlich der Oase Ain Khudra. Am Startplatz warten schon vier Beduinen, die einheimischen Guides auf dieser individuell geplanten Tour, und die Reit- und Lastkamele. Jeder bekommt sein "eigenes" Kamel zugeteilt, das er mit seinen persönlichen Gegenständen, mit Kleidung und Schlafsack beladen kann.

Karte von Ägypten

© lesniewski - Fotolia.com

Die Sinai-Halbinsel liegt im Nordosten von Ägypten.

Der Fotorucksack, hier ein Kata R-103, sollte einen genügend großen und stabilen Griff aufweisen, damit er am Knauf des Sattels eingehängt werden kann und so auch während des Reitens bequem von oben zugänglich ist. Neben den Reitkamelen (genauer: Dromedare, sie werden aber allgemein als "Camel" bezeichnet) gibt es mehrere Lastkamele, die den täglichen Bedarf für alle transportieren: Wasser, Nahrungsmittel, Zelte und Planen und die Kochausstattung.

Jeder in der Karawane kann jederzeit selbst entscheiden, ob er reiten oder neben seinem Kamel hergehen möchte, lediglich an Gefahrenstellen - steilen Hängen und am Abgrund - ist Reiten nicht möglich. Zum zwischenzeitlichen Auf- und Absteigen müssen die Kamele in die Knie gehen, und das ist mit bestimmten Kommandos verbunden, die der Neu-Kamelreiter erst mal erlernen muss. Aber schon nach kurzer Zeit wird das Kamel zum Freund - eigenartiger Weise spricht man dann mit ihm, wie mit einem Kumpel; und nicht nur alle Gegenstände, die am Kamel hängen, auch der Reiter selbst nimmt allmählich den Geruch des Kamels an. 

The Sinai Experience

Quelle: Maximilian Weinzierl
4:51 min

Das Kamel als Foto-Caddie

So ein Kamel ist ein idealer Fotoassistent. Es trägt die schwerste Ausrüstung ruhig und sicher (selbst die bloße Kamera am Gurt kann zwischenzeitlich mal schnell an den Sattelknauf gehängt werden), es bleibt jederzeit geduldig stehen, wenn der Fotograf ein Bild machen möchte, und es bietet sogar eine erhöhte Plattform für Übersichtsaufnahmen. Und so zieht die Karawane durch Wüste und Sandsteingebirge - allmählich stellt sich ein ganz beschaulicher, fast meditativer Rhythmus ein: genügend Zeit und Muße für Überlegungen und großartige Bilder, beeindruckt von der unendlichen Weite, der kargen Schönheit und der absoluten Ruhe und Einsamkeit in der Wüste.

Dank des Kamels kann sogar ein großes Stativ mitgenommen werden, für wohlüberlegte Bilder und Langzeitbelichtungen in den fotogenen Übergangszeiten, für das Farbenspiel von Sonnenauf- und -untergang und für den nächtlichen Sternenhimmel.

Die zehn Tage Wüstenabenteuer vergehen schnell, und so wie sich die Kamele auf die Tränke in der Oase freuen, - sie bekommen während der Tour nur einmal Wasser - so freute ich mich auf die Wohltat einer heißen Dusche. Das verstaubte Kamera-Equipment kommt gleich nach der Ankunft zu Hause zum Kundendienst zur allfälligen Intensivreinigung.

Tipps

  • An-/Einreise: Anreise nach Sharm el Sheikh: Direktflug von allen großen Flughäfen aus. Flugzeit ca. 4 Std. Bei Reisen auf den Sinai muss ein Visum erworben werden, Visumschalter im Flughafen (ca. 12 Euro).
  • Einfuhr/Ausfuhr: Persönliche Bedarfsgegenstände können im "normalen touristischen Rahmen" eingeführt werden, auch Kameras. Bestimmte Konsumartikel (z.B. Zigaretten und Alkohol) sind einfuhrbeschränkt. Bei mehreren hochpreisigen Kamera-gehäusen und Objektiven ist man auf der sicheren Seite, wenn das Equipment bei der Einreise im Reisepass aufgelistet wird. Souvenirs: Striktes Ausfuhrverbot von antiken Kunstschätzen aller Art, auch Kleinteile; ebenso ist es verboten, geschützte Tiere und Pflanzen sowie alle Korallen - die oftmals von einheimischen Händlern angeboten werden - auszuführen. Selbst Korallenteile, die am Strand herumliegen, dürfen nicht mitgenommen werden!
  • Geld: 1 ägyptisches Pfund hat 100 Piaster; derzeit (Jan. 2013) 1 Euro = 8,6 EGP. Geldumtausch am besten am Flughafen, bei einer Bank und im Hotel. In den Touristenorten werden Euro akzeptiert. In der Wüste benötigten wir nur ein einziges Mal Bargeld, als wir in eine Oase kamen, wo gekühlte Softdrinks in Dosen verkauft wurden. (Nach Tagen in der heißen Wüste eine kalte Cola - da zahlt man jeden Preis.)
  • Sicherheit: Wegen der angespannten Lage rät das Auswärtige Amt allgemein bis auf Weiteres von Ägyptenreisen außerhalb der Touristenorte ab, besonders von Reisen in den Nord-Sinai und ins ägyptisch-israelische Grenzgebiet. Die Hauptstraßen des Süd-Sinai entlang der Küste und ins Landesinnere werden vom Militär kontrolliert, und alle paar Kilometer wird das Fahrzeug von einem Wachposten angehalten. Achtung: Das Fotografieren von Militärposten, -fahrzeugen und -personal ist verboten und wird bei Verstoß geahndet.
  • Mobilität: Transfer Flughafen Sharm el Sheikh ins Hotel in Dahab an der Küste mit dem Auto, von dort am nächsten Tag Fahrt zum Startplatz ins Landesinnere mit dem Minibus, dann das "eigene" Kamel.
  • Stromversorgung: 10 Tage lang kein Strom! Genügend Akkus mitnehmen, lieber zuviel als zuwenig, und diese vorher noch im Hotel "randvoll" aufladen. Spannung: 220 Volt, 50 Hz.
  • Übernachtung und Verpflegung: In der Wüste: Schlafsack und Thermomatte; man liegt auf dem Boden im "Sandbett". Die mitgeführten Zelte werden nicht benötigt. Die Verpflegung ist einfach, wird aber von den Beduinen für jede Mahlzeit frisch zubereitet, was jedes Mal mit Holzsammeln, Feuermachen, Kochstelle aufbauen etc. 3 Stunden in Anspruch nimmt. Es gibt Gemüse, Hülsenfrüchte, Fladenbrot und eine Art Fetakäse; starken Schwarztee und Mineralwasser in Flaschen. Tipp: Die Beduinen würzen spärlich, eventuell Gewürze mitbringen. Anlässlich einer Feier gab's in der Wüste als kulinarischen Höhepunkt Ziegenfleisch mit Kartoffeln und Zwiebeln, im Erdofen geschmort (unten). Die Ziege (Frischfleisch) wurde dafür vor Ort geschlachtet.
  • Klima/Gesundheit: Tagsüber (im Oktober) in der Wüste bis 35 Grad, gut verträgliche trockene Hitze - genügend trinken! Nachts in den Wadis um die 5 Grad, auf der Hochebene um den Gefrierpunkt. Zu empfehlen ist die Mitnahme von Medikamenten gegen Magen- und Darmerkrankungen. In jedem Fall: Sonnenschutz, Sonnencreme 50+ und spezielle UV-dichte Kleidung.
  • Equipment: Alles, was Sie jemals brauchen könnten, auch ein Stativ - das Kamel trägt's ja.
  • Veranstalter: Veranstalter von Wüstentouren auf dem Sinai finden Sie im Internet und auch in Dahab vor Ort; es werden fertige "Packages" angeboten, aber auch individuelle Touren mit einer privaten Gruppe nach eigenen Wünschen organisiert.

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