Im Bilderzoo - Aufnahmen im Tierpark

Foto-Praxis: Tieraufnahmen

Der Tierpark bietet viele interessante und unterschiedliche Motive. Profifotograf Josef Bleier zeigt Ihnen, was Sie beachten müssen, um perfekte Tieraufnahmen zu machen.?

Praxis: Tierfotografie

© Archiv

Auf Augenhöhe: Um witzige Tieraufnahmen machen zu können, muss man teilweise recht nah an das Motiv herantreten.

Für Tieraufnahmen braucht man besonders viel Geduld. Man muss oft lange Zeit warten, bis das Tier in der richtigen Position ist. Damit Sie den richtigen Augenblick nicht verpassen, ist es hilfreich, bereits im Vorfeld zu wissen, welche Kameraeinstellungen zu treffen sind und wie Sie sich am besten positionieren, damit die Aufnahme dann auch klappt. Stimmen zusätzlich noch das Licht und Equipment, gelingen die Aufnahmen garantiert.?

Praxis: Tierfotografie

© Josef Bleier

Schattenbeine: In Terrarien herrschen kritische Lichtverhältnisse, oft sind Belichtungskorrekturen nötig.?

Licht?

Vormittags und abends sind die besten Zeiten zum Fotografieren im Tierpark. In dieser Zeit ist das Licht wärmer. Die Sonne steht tiefer, dadurch ergibt sich ein interessanteres Seitenlicht. Mittags ist die Farbtemperatur zu hoch, man hat blaues, hartes Licht. Zudem schlafen in der Mittagszeit viele Tiere oder liegen faul in der Sonne und halten Siesta. Erkundigen Sie sich an der Kasse oder schauen Sie im Tierparkführer nach, wann die Fütterungszeiten der einzelnen Tiere sind. Hier können oft gute Aufnahmen gemacht werden, wenn die Tiere der Beute hinterherlaufen. Oft finden auch Vorführungen statt, wie Vogelflugschauen. Im Münchner Tierpark dürfen im Winter die Pinguine im Park frei herumlaufen. Bei dieser Gelegenheit kann man gute Schnappschüsse machen.?

Ausrüstung?

Um gute Tierportaits zu machen, benötigen Sie vor allen Dingen ein Teleobjektiv oder ein Telezoom. Mit diesen Objektiven holen Sie entfernte Gegenstände nah heran. Sollten Sie sich eine kompakte Digitalkamera zulegen wollen und oft Tier- oder Sportaufnahmen machen, achten Sie darauf, dass das Objektiv der Kamera einen großen Telebereich hat. Die Aufnahmen in diesem Artikel sind mit einer Nikon D50 mit einem Nikkor 1:2,8/80-200 mm, einer Fuji S2 mit einem Nikkor 1:4-5,6/70-300 mm sowie einer Sony DCS-F828 gemacht worden. Die Sony ist eine Kompaktkamera, bei der man das Objektiv nicht wechseln kann, aber das Objektiv besitzt mit der Blende 2,8 eine sehr große Lichtstärke. Lichtstarke Objektive sind bei Tieraufnahmen besonders wichtig, da mit langen Brennweiten fotografiert wird und deshalb die Verwacklungsgefahr besonders hoch ist. Die Blende 2,8 besagt, dass die Blendenöffnung sehr groß ist und deshalb viel Licht auf den Chip gelangt und man folglich mit einer kurzen Belichtungszeit fotografieren kann. Je kürzer die Zeit ist, desto geringer ist die Verwacklungsgefahr. Sollten Sie kein lichtstarkes Objektiv besitzen, stellen Sie die ISO-Einstellung an der Kamera auf 400 ISO. Dadurch wird der Chip lichtempfindlicher. Am sichersten bekommen Sie verwacklungsfreie Bilder durch die Verwendung eines Stativs. Für Kompaktkameras genügt ein leichtes Stativ, Spiegelreflexkameras benötigen wegen ihres größeren Gewichtes ein robustes, dadurch aber auch schwereres Stativ.?

Praxis: Tierfotografie

© Josef Bleier

Auf Augenhöhe: Kameras mit schwenkbarem Display machen Aufnahmen aus tiefer Position leicht.

Tierfotografen brauchen vor allem Geduld. Oft stehen sie längere Zeit vor einem Gehege und warten auf ein geeignetes Motiv. Hier ist es wesentlich geruhsamer, die Kamera steht schussbereit auf dem Stativ, als sie im Anschlag zu halten. Falls Ihnen das Mitschleppen eines Stativs zu umständlich ist, gibt es als Kompromiss Einbeinstative. Diese Stative bestehen aus einer ausziehbaren Teleskopstange und haben meist einen kleinen Kugelkopf, auf den die Kamera montiert wird. Die Aufnahmen mit einem Einbeinstativ sind zwar nicht so sicher wie mit einem Dreibeinstativ, aber immer noch besser als aus der Hand.?

Praxis: Tierfotografie

© Josef Bleier

Ohne Störungen: Gehen Sie mit dem Objektiv ganz nah an die Glasscheibe. Wassertropfen darauf werden dann unsichtbar.?

Wenn Sie mit langen Brennweiten aus der Hand, ohne Stativ, fotografieren, versuchen Sie, sich zusätzlich Halt zu verschaffen, legen Sie die Kamera an einem Zaun oder auf einen Baumstamm auf. Eine andere Möglichkeit ist, sich hinzuknien und den linken Ellbogen auf das Knie abstützen. Dadurch können Sie die Kamera ruhiger halten. Das Bild der Wölfe wurde mit der Brennweite 300 mm bei einer Belichtungszeit von 1/30s belichtet. Um die Aufnahme nicht zu verwackeln, wurde die Kamera auf eine Informationstafel aufgelegt, die vor dem Gehege aufgestellt war.?

Praxis: Tierfotografie

© Josef Bleier

Schlechte Lichtverhältnisse: Durch Auflegen der Kamera kann man auch bei längeren Belichtungszeiten noch verwacklungsfrei fotografieren.

Kameraeinstellung?

Bei Tieraufnahmen wird die ISO Zahl auf 400 gestellt, um auf kurze Belichtungszeiten zu kommen. Die Belichtung wird auf Automatik, gestellt, um sich voll aufs Motiv konzentrieren und um schnell reagieren zu können. Wenn ein geeignetes Motiv erscheint, muss die Kamera schussbereit sein, man hat nicht viel Zeit, sich erst für die richtige Zeit/Blendenkombination zu entscheiden. Fotografiertman mit Blendenautomatik, kann man eine kurze Belichtungszeit an der Kamera vorwählen; das verhindert ein Verwackeln. Die Kamera stellt dann, je nach Helligkeit, die richtige Blende dazu ein. Verschiedene Kameras haben Motivprogramme, hier kann man das Sportprogramm benutzen. Auch hier wird eine kurze Zeit bevorzugt, um schnelle Bewegungen einzufrieren. Soll ein Tierkopf formatfüllend aufgenommen werden, wie bei dem Bild des Papageis, wird die Blende möglichst weit geöffnet, auch hier haben lichtempfindliche Objektive wieder den Vorteil, dass sie eine größere Blendenöffnung haben. Als Belichtungsautomatik können Sie hier die Portrait- oder Zeitautomatik benützen. Bei der Zeitautomatik wählt man die Blende vor und bestimmt dadurch die Tiefenschärfe bei der Aufnahme, die Zeit wird automatisch nachgeführt. Wichtig ist, wie bei allen Portraits, dass die Schärfe auf das Auge eingestellt wird. Wenn Sie nun belichten, erhalten Sie ein Bild, bei dem das Auge besonders scharf abgebildet wird, der Kopf noch im Schärfenbereich liegt, aber der Hintergrund ist unscharf. So wird das Motiv vom Hintergrund getrennt.?

Praxis: Tierfotografie

© Josef Bleier

Weit entfernt: Damit Sie ein so formatfüllendes Tierportrait erzeugen können, ist ein Objektiv mit langer Brennweite Vorraussetzung.

Die Schärfe stellt man am besten auf kontinuierlichen Autofokus. Der Auslöser wird bis zum ersten Druckpunkt gedrückt, die Kamera stellt die Schärfe nach, auch wenn sich das Motiv bewegt. Wichtig für gute Tieraufnahmen ist eine Kamera, die schnell und möglichst verzögerungsfrei auslöst. In manchen Fällen kann es auch sinnvoll sein, die Schärfe manuell einzustellen. Beim Fotografieren durch ein Käfiggitter kann es vorkommen, dass die Messung durch den Zaun beeinflusst wird, manchmal kann die Kamera auch gar nicht scharfstellen. Wenn Tiere sich besonders schnell bewegen, wie bei der Aufnahme eines fliegenden Uhus, haben viele Digitalkameras das Problem, die Schärfe nicht schnell genug nachziehen zu können. Die Aufnahme entstand während einer Flugschau von Greifvögeln im Tierpark. Da hier die Flugbahn der Vögel weitgehend bekannt ist, wurde die Schärfe manuell auf einen Punkt kurz vor dem Pfosten eingestellt, den der Vogel anfliegen wollte. Die Kamera wurde auf Serienbild gestellt. Als sich der Vogel dem Pfosten näherte, wurde die Kamera ausgelöst und mehrere Aufnahmen wurden getätigt. Hier hat die Digitalkamera den Vorteil, dass beliebig viele Aufnahmen gemacht werden können, ohne dass teures Filmmaterial verbraucht wird. Schlechte Aufnahmen werden einfach gelöscht und die Speicherkarte neu beschrieben.?

Praxis: Tierfotografie

© Josef Bleier

Junger Bär: Spielende Jungtiere sind schnell. Damit der richtige Moment festgehalten wird, muss die Kamera verzögerungsfrei auslösen.

Käfige, Aquarien und Terrarien?

Beim Fotografieren durch Gitter oder Glasscheiben sind einige Regeln zu beachten. In Aquarien und Terrarien schaltet man am besten den Blitz der Kamera aus. Die Tiere werden durch das starke Blitzlicht nur gestresst. Außerdem entstehen durch das direkte Blitzen auf die Glasscheiben störende Reflexe. Terrarien sind meist gut beleuchtet, allerdings oft mit stark gerichteten Strahlern, so dass die Belichtungsautomatik getäuscht wird. Es entstehen Aufnahmen mit sehr starken Kontrasten. Hier wird die Belichtungsmessung der Kamera auf Spotmessung geschaltet, das Tier angemessen und mit diesem Wert belichtet. Eine andere Möglichkeit, auf die richtige Belichtungszeit zu kommen, ist, mit der normalen Einstellung eine Testaufnahme anzufertigen und dann die Aufnahmen auf dem Display zu begutachten. Die meisten Kameras besitzen die Möglichkeit einer Belichtungskorrektur. Machen Sie eine weitere Aufnahme, indem Sie die Korrektur ins Plus oder Minus verschieben, je nach Aussehen der Testaufnahme. Man kann auch die Kamera aufmanuelle Belichtung stellen und eine Blende vorwählen, die von der Tiefenschärfe für die Aufnahme geeignet ist. Dann machen Sie eine Belichtungsreihe mit mehreren Zeiteinstellungen. Belichten Sie die Aufnahme nach Belichtungsmesser korrekt, anschließend machen Sie ein oder zwei Bilder, indem Sie die Fotos erst unterbelichten und dann überbelichten. Zuhause am Rechner werden dann die besten Aufnahmen ausgesucht.?

Praxis: Tierfotografie

© Josef Bleier

Streifenfrei: Mit einer langen Brennweit und offenen Blende werden störende Gitter unsichtbar.

Bei der Aufnahme im Polarium benutzte ich ein Weitwinkelzoom mit der Brennweite 18 mm. Ich wollte die Tiefe der Anlage zeigen, indem ich im Vordergrund einen vorbeischwimmenden Pinguin mit fotografierte. Die Glasscheibe war von innen mit Wassertropfen voll gespritzt, deshalb ging ich mit dem Objektiv ganz nah an die Scheibe heran, damit die Spritzer unscharf werden und auf dem Bild nicht zu erkennen sind. Beim Fotografieren in Aquarien treten oft störende Lichtreflexe an den Glasscheiben auf. Man könnte diese Reflexe mit einem Polarisationsfilter mindern. Da diese Filter aber bis zu drei Blenden Licht schlucken und es in den Aquarien recht dunkel ist, würde das zu langen Belichtungszeiten führen. Dadurch käme es zu verschwommen aufgenommenen Bildern. In diesem Fall muss man versuchen, durch eine gute Aufnahmeposition die Reflexe zu vermeiden. Oft genügt es, einen Schritt auf die Seite zu machen oder die Aufnahmehöhe zu verändern und die Reflexe verschwinden. Fotografieren Sie Tiere in Käfigen, stört das Gitter. Auch hier gilt: Möglichst nah an das Gitter herantreten, mit möglichst langer Brennweite und weit geöffneter Blende aufnehmen. Die erste Aufnahme der Zebramangusten wurde mit einer Brennweite von 85 mm und Blende 8 gemacht. Bei der zweiten Belichtung, mit der Einstellung 120 mm und Blende 2,8, verschwindet das Gitter durch die geringe Tiefenschärfe. Allerdings kann es sein, dass die Schärfe manuell eingestellt werden muss, da der Autofokus durch das Gitter irritiert wird.?

Praxis: Tierfotografie

© Josef Bleier

Hinter Glas: Störende Reflexe auf Glasscheiben können oft durch eine veränderte Aufnahmeposition vermieden werden.

Aufnahmeposition?

Tiere sollten aus einer niedrigen Aufnahmeposition fotografiert werden, so dass man auf derselben Augenhöhe mit dem Tier ist. Bei kleinen Tieren, wie der Ente in unserem Bildbeispiel, wird vom Autor deshalb gern die Sony F828 verwendet, da diese ein schwenkbares Display hat. So kann von sehr tief unten fotografiert und von oben in das Display geschaut werden. Witzige Tieraufnahmen können auch mit dem Weitwinkel gemacht werden. Bei der Aufnahme der Kuh wurde mit dem Objektiv nah an das Motiv gegangen und der Kopf von unten fotografiert. Das Weitwinkelobjektiv verzeichnet stark. Die Nase wird überbetont, Kopf und Ohren treten zurück. Allerdings muss man sehr nah an das Tier herantreten.?

Praxis: Tierfotografie

© Archiv

Auf Augenhöhe: Um witzige Tieraufnahmen machen zu können, muss man teilweise recht nah an das Motiv herantreten.

Präsentation der Bilder?

Sollten Sie die Bilder in einer Diaschau zusammenstellen, um sie Freunden und Bekannten zu zeigen, denken Sie daran, die Schau abwechslungsreich zu gestalten. Wechseln Sie zwischen Kopfaufnahmen und Ganzkörperbildern. Streuen Sie ein paar Tiere in Bewegung ein. Machen Sie ein paar Aufnahmen von schönen Gehegen; in manchen Tierhäusern sind tropische Pflanzen angebaut. Machen Sie Nahaufnahmen von farbigen Blüten oder den Pflanzen. In Streichelgehegen kann man manchmal witzige Aufnahmen von Kindern machen, die mit den Tieren spielen.

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