Fotos mit Wow-Effekt

Foto-Praxis: Studioaufnahmen und Nachbearbeitung

Mit den richtigen Tricks bearbeiten Sie Fotos am PC nach oder machen ansprechende Studioaufnahmen ohne große Ausrüstung.

Foto-Praxis: Studioaufnahmen und Nachbearbeitung

© Josef Bleier

Foto-Praxis: Studioaufnahmen und Nachbearbeitung

Für gute Bilder braucht man nicht immer eine große Studioausrüstung. Mit einer Videoleuchte oder einem Dialeuchtpult kann man schon effektvolle Aufnahmen gestalten. Aber auch einfache Schnappschüsse verfremden Sie in einem Bildbearbeitungsprogramm und gestalten sie effektvoll.

Wald-Ungeheuer freistellen

Achten Sie bei Spaziergängen auf kleine Details am Wegesrand. Nicht nur großartige Landschaften sind es wert, abgebildet zu werden, auch Baumstümpfe, Äste oder Blumen können lohnende Motive sein.

Ein gutes Beispiel hierfür ist der schneebedeckte, abgestorbene Baumstamm, der aussieht wie ein schlangenförmiges Ungeheuer. Die Aufnahme entstand mit einer Sony DSC F828 mit 28mm Weitwinkel. Um den Stamm scharf abzubilden nutzte der Fotograf Blende 8, die kleinste einstellbare Blende. Das zeichnet nicht nur den Stamm scharf, sondern auch den ganzen Hintergrund. So hebt sich das Motiv nur schlecht vom Rest des Bildes ab.

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Mit dem magnetischen Lasso wählen Sie das Motiv aus, um die Teile getrennt vom Rest zu bearbeiten

Zu Hause am PC folgt die Nachbearbeitung des Bildes mit Adobe Photoshop. Die Absicht ist, einen besseren Figur-Grundkontrast zu erreichen. Die Idee war, den unruhigen, scharf gezeichneten Wald unschärfer und dunkler abzubilden. Zuerst erstellen Sie mit dem magnetischen Lasso eine Auswahl des Baumstammes. Bei Motiven, die sich schlecht vom Hintergrund trennen, kann man die Auswahl auch mit dem Zeichenstift erstellen. Diese Auswahl speichern Sie dann als Pfad.

Durch den Pfad ist es möglich, die Auswahl immer wieder zu laden, falls man zu einem späteren Zeitpunkt das Bild noch einmal überarbeiten möchte. Auch die Auswahl des Hauptmotivs mit dem magnetischen Lasso lässt sich als Pfad speichern. Dazu öffnen Sie unter dem Menüpunkt Fenster den Dialog für Pfade und stellen im Unterpunkt Arbeitspfad erstellen einen Arbeitspfad ein.

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Der Filter "Gaußscher Weichzeichner"

Für die Bearbeitung des Hintergrundes laden Sie zuerst die Auswahl neu. Anschließend klicken Sie im Menü Auswahl den Eintrag Auswahl umkehren an. Das selektiert den Hintergrund. Jetzt wählen Sie im Menü den Punkt Filter aus, markieren den Eintrag Gaußscher Weichzeichner und wählen eine geeignete Stärke aus.

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Hintergrund um 20% abdunkeln

Durch das Vorschaufenster kann man den Effekt vorher abschätzen. Im Beispiel zeigt die Stärke von 60,0 Pixeln gute Erfolge. Da der Hintergrund noch zu hell erscheint, wird er im Menü Bild/Einstellungen bei Helligkeit/Kontrast um 20% abgedunkelt.

Hintergrund austauschen

Die Bearbeitung in Photoshop hat das Motiv zwar vom Hintergrund gelöst, aber insgesamt ist das Bild doch etwas zu langweilig. Warum soll es nicht einen komplett neuen Hintergrund bekommen, etwa einen ausdrucksstarken Wolkenhimmel?

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Mit Photoshop wurde das Motiv vom Hintergrund getrennt

Nutzen Sie erneut die Auswahl, kopieren Sie diese und fügen Sie sie in ein neues Bild mit Wolkenstimmung ein. Die dramatische Lichtstimmung verstärkt die Bildaussage. Da das Hintergrundbild scharf fotografiertwar, ist es mit dem Gaußschen Weichzeichner der Stärke 8,0 unschärfer gestellt, damit sich das Motivwieder besser vom Himmel trennt und ein natürlicher Eindruck entsteht. Wenn das Motiv im Vordergrund scharf abgebildet ist, muss logischerweise der weit entfernte Hintergrund unschärfer sein.

Wie das Bildbeispiel am Anfang des Artikels zeigt, kann man mit einer Nachbearbeitung der Aufnahmen die Bildaussagen entscheidend beeinflussen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, höchstens durch die eigenen Fähigkeiten. Photoshop bietet eine ganze Reihe unterschiedlichster Filter, um die Bilder nachzubearbeiten oder zu verfremden.

Beleuchtung anpassen

Ein häufig genutzter Filter ist das Rendering- Filter Beleuchtungseffekte. Damit ändern Sie nachträglich die Beleuchtung eines Fotos. Wenn Sie verschiedene Bilder mit unterschiedlichen Lichtstimmungen zusammenmontieren, ist dieses Filter hilfreich, da Sie mit ihm die verschiedenen Beleuchtungen der Bilder aufeinander abstimmen.

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© Josef Bleier

Der Rendering- Filter Beleuchtungs- effekt

Das Filter bietet verschiedene Lichtarten zur Gestaltung an. Einen Spot, einen Strahler oder diffuses Licht. Die Stärke und die Eigenschaften der Lichtquellen sind einstellbar. An einem Vorschaubild kontrollieren Sie die Einstellungen.

In unserem Beispiel ist der Lichteffekt nur auf den Hintergrund angewendet, deshalb laden Sie den ersten Pfad, erstellen dann eine neue Auswahl des Motivs und kehren sie um, sodass nur der Himmel vom Rendering-Filter betroffen ist.

Wasserglas mit Minzeblättern

Bei Getränkeaufnahmen kann man mit einer Mischung aus Glycerin und Wasser schöne Tropfenbildungen auf Gläsern erreichen. Glycerin ist in Apotheken erhältlich. Es wird von Werbefotografen sehr häufig bei Foododer Getränkeaufnahmen verwendet. Bei Lebensmittelaufnahmen wird es sehr häufig über die Produkte wie z. B. Fisch gepinselt. Es ist farbneutral und gibt der Aufnahme einen schimmernden Glanz wie Öl. Man nimmt eine Mischung aus 1/3 Glycerin und 2/3 Wasser.

Um Tropfen auf einem Glas zu erhalten, wird dieses erst dünn mit Haarspray eingesprüht. Dadurch erhält es eine rauere Oberfläche. Sprüht man dann mit einem Wasserzerstäuber die Wasser-Glycerinmischung vorsichtig in mehreren Schichten auf das Glas, bilden sich Tropfen. Einzelne Wassertropfen können auch gezielt mir einer Spritze gesetzt werde. Um einen tief schwarzen Hintergrund zu erhalten, befestigen Sie schwarzen Samt an der Wand.

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Hartes, seitliches Licht von einer Videolampe setzt die Wassertropfen in Szene

Als Beleuchtung benutzen Sie zum Beispiel eine Videoleuchte, die Sie auf der linken Seite positionieren. Dieses harte Licht bringt die Minze und die Wassertropfen gut zur Geltung. Bei der ersten Aufnahme stand zudem eine weiße Reflexwand auf der rechten Seite, das hellt die rechte Seite des Glases auf.

Um die Flüssigkeit im Glas heller abzubilden, kann man auch eine helle Reflexionsfläche hinter das Glas platzieren, die das Licht nach vorn zurückstrahlt und so die Flüssigkeit aufhellt. Im Beispiel dient als Aufheller eine in Form des Glases ausgeschnitte Spiegelfolie, die an das Glas gelehnt ist. Im fertigen Bild ist sie wegen des Aufnahmewinkels dann nicht mehr zu sehen.

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Eine Spiegelfolie in der Größe des Glases hellt die Flüssigkeit auf

Martini in Blau

Studioaufnahmen zeichnen sich oft durch einen sehr grafischen Bildaufbau aus. Die Aufnahme des Martiniglases mit der blauen Flüssigkeit dominiert ein starker Hell/Dunkelkontrast, verstärkt durch den komplementären Kontrast der Flüssigkeit und der gelben Folie, die sich im linken Drittel des Aufbaus befindet.

Die Aufnahme ist sehr einfach zu realisieren. Die einzige Beleuchtung besteht aus einem Diabetrachtungskasten. Der Leuchtkasten ist aufgestellt, auf die rechte Seite wurde eine Maske aus schwarzem Karton in Form des Glases aufgeklebt. Um die proportional richtige Größe der Maske zu ermitteln, stellen Sie eine Lampe an die Kameraposition und zeichnen den Schattenwurf mit einem Bleistift nach.

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Auf die linke Seite des Glases ist erst eine gelbe Kunststofffolie und darüber ein schwarzer Karton geklebt. Der Untergrund ist eine schwarze Schaumstoffmatte in Form einer Schiefertafel. Dieses Requisit stammt aus einem Dekorationenladen und ist eigentlich für Schmuckläden zur Präsentation der Ausstellungstücke im Schaufenster gedacht. Die Matte ist für kleinere Sachaufnahmen sehr gut geeignet, da sie unzerbrechlich und leicht ist und man Gegenstände wie z.B. Ketten oder Ringe, gut mit Nadel darauf fixieren kann. Die Flüssigkeit im Glas ist Blue Curacao. Dieser Likör wird gern zum Färben bei Mixgetränken verwendet. Beim Fotografieren mischen Sie ihn am besten mit Wasser, so erhält er ein leuchtend helles, strahlendes Blau, das sehr kühl wirkt. Im Beispiel ist der Curacao allerdings unverdünnt, da das Gegenlicht des Leuchtkastens sehr hell ist und die Flüssigkeit sonst nicht so kräftig abgebildet würde.

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Durch einen Aufheller hinter dem Glas wird das Motiv gleichmäßig ausgeleuchtet

Kiwi als Makroaufnahme

Die Makroaufnahme der Kiwi entstand auf dem Leuchtkasten. Um einen schwarzen Untergrund zu erhalten schneiden Sie aus einem schwarzen Karton ein Loch in Form der Frucht. Um die feinen Härchen der Kiwi darzustellen, verschieben Sie die Frucht ein kleines Stück, sodass Licht von unten durchdringen kann und die Härchen beleuchtet.

Beim Fotografieren stellen Sie Kamera so auf, dass die aus dem Karton geschnittene Maske durch die Frucht verdeckt wird. Bei Sachaufnahmen mit Videoleuchten und Leuchtkästen, die nicht so lichtstark sind, kommt man schnell in den Bereich langer Belichtungszeiten. Die Gefahr, die Aufnahme zu verwackeln ist groß. Besonderswenn Sie mit einer kleinen Blende fotografieren, um eine große Tiefenschärfe zu erreichen. Deshalb sollten Sie die Aufnahmen mit einem stabilen Stativ anfertigen.

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Das Gegenlicht des Leuchtkastens lässt die feinen Härchen der Frucht gut zur Geltung kommen

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