Foto-Praxis: Kleinkinder fotografieren

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Mit hübschen Ideen, viel Geduld und den richtigen technischen Kniffen können Sie Ihr Kleines bezaubernd in Szene setzen und so die wunderbarsten Momente seiner Entwicklung unvergesslich machen. Wir zeigen Ihnen, wie Ihnen die schönsten Aufnahmen mit Babys und Kleinkindern gelingen.

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© Sabine Schneider

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Klein ganz groß

Mit hübschen Ideen, viel Geduld und den richtigen technischen Kniffen können Sie Ihr Kleines bezaubernd in Szene setzen und so die wunderbarsten Momente seiner Entwicklung unvergesslich machen. Wir zeigen Ihnen, wie Ihnen die schönsten Aufnahmen mit Babys und Kleinkindern gelingen.

Egal, ob Schnappschuss oder Porträt - kleine Kinder sind von Natur aus fotogen: Ihr Lachen wirkt immer echt, aufgesetzte Mimiken oder arrogante Posen sind ihnen fremd. Nicht zuletzt deshalb werden sie geboren und sind prompt das beliebteste Motiv für ihre Eltern: Was entzückt auch mehr, als das niedliche erste Lächeln, der hübsche Milchzahn oder die eifrigen, stolzen Gehversuche? Allerdings, um die schönsten Erinnerungen einzufangen, brauchen Sie neben fotografischem Geschick, eine gehörige Portion Geduld und viel Einsatzwillen - trotz zahlreicher schlafloser Nächte. Denn so unwiderstehlich Babys Charme auch ist, so unberechenbar ist die Situation, das liebevolle Engelslächeln da - und flugs auch wieder weg.

Kamerakauf: schnell bereit

Erste Voraussetzungen, die Sie als idealer Kleinkindfotograf deshalb mitbringen sollten, sind eine gute, schnelle Kamera plus viel Zeit. Nach dem Motto "Guck doch mal eben freundlich in die Kamera" funktioniert es in der Regel nicht: In den ersten Wochen schläft das Baby viel und später lacht es eben dann, wann es gerade selbst will. Oft kann es deshalb dauern, bis die Stimmung, der Gesichtsausdruck stimmen und dann sollte die Kamera auch auslösebereit sein - leider ist das das erste Manko vieler Digitalkameras. Denn zumeist brauchen Autofokus und Messvorgang viel zu lange, um den Sekundenbruchteil einer gelungenen Situation treffsicher einzufangen. Achten Sie deshalb bereits beim Kauf der Kamera auf möglichst kurze Auslösezeiten.

TIPP: Um eine lahme Auslöseverzögerung auszutricksen, nutzen Sie einfach die Serienbildfunktion Ihrer Kamera. Sie braucht dann zwar für das erste Bild noch länger, für die Folgeaufnahmen zumindest stellt sich die Kamera dann aber nicht mehr jedesMal neu ein. Voraussetzung hierfür ist allerdings eine gehörige Portion mehr an Speicherplatz. Gegebenenfalls benötigen Sie also auch eine größere Speicher-Card.

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Nutzen Sie einfach die Serienbildfunktion Ihrer Kamera, um den richtigen Augenblick zu erwischen

Zudem kann es Zeit sparen, die Schärfe manuell einzustellen. Bei guten Lichtverhältnissen etwa können Sie mit einer größeren Schärfentiefe arbeiten. Schätzen Sie die Entfernung, stellen Sie die Schärfe vorab ein und verzichten Sie auf den zeitraubenden Autofokus.

Vorüberlegung: richtig blitzen

Schon bevor Sie das erste Bild fotografieren, sollten Sie sich natürlich mit den räumlichen Gegebenheiten und Lichtverhältnissen auseinandersetzen: Ist ein Blitz vonnöten oder genügt das Licht? Zwar können Sie relativ schnell die Filmempfindlichkeit Ihrer Kamera ändern, dennoch dauert auch dieser Handgriff schon zu lange, wenn Ihr Kleines gerade seinen ersten Purzelbaum schlägt.

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Ein leichter Aufhellblitz kombiniert mit Tages oder Lampenlicht glättet kindliche Konturen

Am natürlichsten wirken Bilder, die ohne Zusatzlicht auskommen. Brauchen Sie unbedingt einen Blitz, sollten Sie ihn nie allein einsetzen. Besser ist eine Mischung aus vorhandenem Licht (Lampe, Tageslicht) und leichtem Aufhellblitz. So wirken die Aufnahmen nicht so hart; die natürlichen, weichen Gesichtszüge bleiben erhalten. Um hässliche Schlagschatten zu vermeiden, bitte auch nie direkt von vorne blitzen!

TIPP: Sie können den Schatten-Effekt durch eine längere Belichtungszeit ab rund 1/30 Sekunde verringern. Besser noch: Verwenden Sie einen externen Aufsteckblitz, den Sie zum Blitzen gegen die Decke richten - so wird Ihr Modell zwar optimal erhellt, Schlagschatten entstehen aber nicht. Sparfüchse verwenden auch ein Stück weißes Papier, das sie zu diesem Zweck im 45- Grad-Winkel vor den Blitz halten.

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Um die Mittagsstunden wirkt Sonnenlicht hart

In Aktion: unauffällig bleiben

Die besten Aufnahmen mit den Kleinen, wenn sie etwas älter sind, sind meist die, auf denen sie gerade beschäftigt sind: tobend, lachend oder spielend. Um die schönsten Augenblicke zu erhaschen, dürfen Sie die Aufmerksamkeit der Kinder nicht auf sich ziehen, sei es durch Worte oder auch nur durch eine auffällige Kamera. Eine kleine, dezente Digicam eignet sich also mehr, den Eifer im Gesicht Ihres Sprösslings einzufangen, wenn er gespannt Bauklötzchen stapelt, als eine High-End-Digital-SLR mit monströsem Teleobjektiv, die ihn sicherlich noch mehr interessieren wird, als die bekannten Plastik- Quader. Auch auf den Einsatz des Blitzes sollten Sie aus gleichem Grund - soweit es natürlich die Lichtverhältnisse zulassen - verzichten. Ebenso werden Worte wie "Komm, nun fahr doch mal mit deinem Buggy lustig im Kreis", später kaum ein stimmiges Bild abgegeben. Besser Sie lassen das Objekt der Begierde erst einmal ganz alleine machen und gesellen sich nach einiger Zeit unauffällig und mit einem gewissen Sicherheitsabstand dazu.

Knallige Farben: das richtige Licht

Kinderaufnahmen leben von Farben: je bunter, desto besser - sofern das Ganze dabei noch echt wirkt. Die schönsten Fotos lassen sich deshalb im Freien einfangen. Zur so genannten goldenen Stunde (vor- oder nachmittags) wirkt das Licht mild. Auch ein hübsches Blätterdach oder einzelne Wolken können hartes Licht absoften.

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Fotografieren Sie mit der Sonne, um die Brillanz der Farben zu erhalten. Zusätzlich kann ein Polfilter die Farbgebung deutlich intensivieren

Größter Feind knackiger Farben sind Gegenlichtaufnahmen: Obwohl dasWetter eigentlich wunderschön war, sind die Farben im Hintergrund, der Himmel, das Meer, auf einmal blass und ausgewaschen. Besser: Fotografieren Sie im so genannten Auflicht, mit der Sonne.

TIPP: Mit einem vorgesetzten Polarisationsfilter können Sie fahle Farben perfekt aufpeppen: Grün wirkt satter, Blau intensiver und Rot leuchtender.

Lichtverhältnisse: optimale ISO-Einstellung

Bei sehr guten Lichtverhältnissen genügt es, die Kamera auf eine ISO 100 oder 200 einzustellen. Bei schlechterem Wetter sollten Sie eine höhere Lichtempfindlichkeit von ISO 400 nutzen. Je höher die gewählte ISO, desto wahrscheinlicher treten aber auch unschöne Bildstörungen (Bildrauschen, Artefakte) auf. Hinzu kommen Kontrastverluste und fahle Farben. Dann hilft am besten die Nachbearbeitung am PC: Dazu gehen Sie in Ihrem Bildbearbeitungsprogramm, etwa Photoshop, auf Bild/Anpassen/Farbton/Sättigung und erhöhen den entsprechende Wert.

Bildausschnitt wählen

Kinder sind immer in Bewegung - je wilder die Stimmung, desto gelungener werden spontane Bilder. Insbesondere die gewohnte Umgebung, das Kinderzimmer, aber auch der Spielplatz, Sandkasten oder das Schwimmbad sind Garanten für schnelle Auslöser. Allerdings: Gerade noch auf dem Display sind die Kids auch schon wieder weg - als Fotograf brauchen Sie nicht nur eine gute Portion Nerven, sondern auch eine besonders ruhige Hand, um das tobende Volk unverwackelt auf den Chip zu bannen. Denn ein Stativ ist in der Kinderfotografie fehl am Platz: Es steht im Weg und schränkt Ihre nötige Beweglichkeit nur ein. Versuchen Sie, mit möglichst kurzen Belichtungszeiten zu arbeiten.

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Kopf, Beine oder Hände dürfen angeschnitten werden

Da Sie im Eifer des Gefechts bildkompositionelle Überlegungen vor Ort vergessen können, wählen Sie beim Fotografieren zunächst einen großen Bildausschnitt und schneiden Sie die Aufnahme später am PC nach Ihrem Gusto zu: In Photoshop aktivieren Sie dazu das Freistellungs-Werkzeug in der Werkzeugleiste und ziehen damit einen Rahmen um den gewünschten Ausschnitt. Fassen Sie diesen an den Noppen, um ihn exakt zu justieren. Ein Doppelklick auf den Bereich genügt, und der Ausschnitt ist freigestellt.

TIPP: Spielen Sie doch mal mit den verschiedenen Ausschnitten. Sie werden überrascht sein, welchen besonderen Reiz etwa ein asymmetrisch angeschnittenes Portrait hat oder wie eindrucksvoll ein groß gezoomtes Paar Kinderaugen wirken kann.

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Um das Grinsen mit den ersten Milchzähnchen auf den Chip zu bannen, sollten Sie den gewählten Bildausschnitt auf das Gesicht begrenzen

Inszenierung: der geplante Schnappschuss

Was nach Schnappschuss aussieht, muss übrigens nicht immer ein echter sein: Inszenieren Sie doch einfach eine schöne Situation, um einzelne Entwicklungphasen Ihres Kindes festzuhalten. Dabei sollten Sie beachten, dass nicht nur Sie, sondern auch Ihr Kind bequeme Kleidung trägt, sich also ganz ungezwungen bewegen kann.

Da sich die ganz Kleinen das erste halbe Lebensjahr motorisch noch sehr wenig bewegen, ist dies eigentlich die ideale Zeit für sinnliche Detailaufnahmen einzelner Motive wie Ohren, Füße, Hände oder die ersten Zähnchen. Etwas älter geben die ersten Krabbel- oder Laufversuche witzige Eindrücke ab. Motivieren Sie Ihr Kleines doch zu zeigen, was es kann, indem Sie es begeistert Seifenblasen oder Luftballons jagen lassen. Auch Wasserspiele, ein Spiegel oder einfach nur das Lieblingsspielzeug verlocken zu den besten Bildern. Fangen Sie doch mal den Zauber der ersten, unbekümmerten Freundschaft ein. Versuchen Sie hier unbedingt, den natürlichen Charme der Situation zu bewahren, indem Sie nicht blitzen und die Kinder nicht rufen. Solche Situationen ergeben sich oft auf Familienfesten oder in Baby-Kursen.

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Vor allem in den ersten Wochen bewegen sich Babys noch wenig

Die richtige Perspektive: Spannung aufbauen

Um den Aufnahmen eine gewisse Spannung zu verleihen, können Sie zwischendurch mit Perspektive, Blende und Brennweitenbereich spielen. Für letzteres nutzen Sie entweder ein Wechselobjektiv, die Zoom-Funktion Ihrer Kamera oder spezielle Vorsatzlinsen für Digitalkameras, die sich mit wenigen Handgriffen vor dem Objektiv befestigen lassen. So empfiehlt sich eine geringe Schärfentiefe durch ein leichtes Teleobjektiv 80-105mm (KB) für Porträts oder um ein Motiv im Vordergrund zu betonen. Eine kleine Blendenöffnung von 5,6 verstärkt den Fokussierungs- Effekt zusätzlich.

TIPP: Eine ganz besonders schöne Erinnerung für Geburtstagsgäste: Wählen Sie die größtmögliche Blendeneinstellung plus eine möglichst große Brennweite und fokussieren Sie in Gruppenaufnahmen nur auf ein Kind. So entstehen bezaubernde Bilder, die das gemeinsame Spiel ganz individuell dokumentieren.

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Heben Sie mittels einer längeren Brennweite und einer großen Blendeneinstellung ein Kind hervor

Weitwinkelaufnahmen verkürzen den Brennweitenbereich und vergrößern den Bildwinkel - Sie können also vom gleichen Aufnahmestandort einen größeren Bildausschnitt aufnehmen oder - bei kleinem Aufnahmeabstand - durch perspektivische Verzerrungen Details im Vordergrund, etwa den Schnuller, riesengroß erscheinen lassen.

Zusammen mit der passenden Perspektive lassen sich ausgefallene Motivideen realisieren. Bedenken Sie dabei aber: Im Stehen fotografieren Sie Ihr Kind aus der so genannten Vogelperspektive. Was schon klein ist, wird also noch kleiner. Andersherum wirkt die Aufnahme aus der Froschperspektive riesig. Am schönsten sind im Normalfall Aufnahmen, die die Welt mit Kinderaugen dokumentieren: Gehen Sie auf Augenhöhe oder noch niedriger mit Ihrem Sprössling, also in die Hocke oder - wenn es schnell gehen muss - strecken Sie Ihren Arm mit der Kamera nach unten und kontrollieren Sie von oben das Display. Um die Perspektive blitzschnell zu variieren, eigenen sich am besten Kameras mit integriertem Schwenk-Klapp-Display, wie sie etwa die beiden neuen Canon-Modelle PowerShot A630 und A640 bieten.

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Was klein ist, wirkt noch kleiner - gehen Sie besser auf Augenhöhe oder noch tiefer mit Ihrem Kind, um die große Welt aus seinen Augen zu schildern

Mit Köpfchen: das erste Porträt

Wollen Sie ein Porträt aufnehmen, kommen Sie nicht umhin, ein richtiges Foto-Shooting zu arrangieren. Doch keine Sorge: Mit dem Lieblingsspielzeug, den passenden Worten und dem richtigen Know-how kriegen Sie das schnell hin. Je kleiner Ihr Modell ist, desto mehr sollten Sie sich auf die Unterhaltung oder das Spiel nebenbei konzentrieren. Ist das Kind unter einem Jahr, kann eine zweite Person etwa die Aufmerksamkeit und den Blick des Kindes über ein Mobile steuern und es zugleich in der richtigen Sitzposition halten. Dabei sollte das Kind möglichst unverkrampft bleiben. Ein Spielzeug, Legosteine oder eine Puppe kann dabei helfen, die Händchen sinnvoll zu platzieren.

Geben Sie dem Kind immer erst Anweisungen kurz bevor Sie abdrücken und das in kindlich verständlichen Worten oder Gesten (etwa "guck mal hier: dein Bärchen" statt "schau mal nach rechts oben"). Wichtig: Das Gesicht sollte im Mittelpunkt der Aufnahme stehen und der Ausschnitt eng gewählt werden. Achten Sie außerdem auf einen möglichst einfarbigen, ruhigen Hintergrund (eine Wand, ein Teppich, eine Rasenfläche) und eine gute Ausleuchtung (Seitenlicht). Als ideale Porträtbrennweite empfiehlt sich ein 80-105mm Objektiv (KB): Dabei wird der Hintergrund leicht unscharf dargestellt. Bei Digitalkameraswählen Sie die dazugehörige Menü- Voreinstellung über das Porträt-Symbol.

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Mit den richtigen Worten und dem passenden Spielzeug gelingen auch mit Einjährigen Porträts

TIPP: Durch den Einsatz spezieller Fotofilter (etwa www.niksoftware.de) verstärken Sie die Stimmung: Mittels Softfilter lässt sich das Porträt etwa weicher gestalten; Sepia-getönte oder Schwarz-Weiß-Aufnahmen ergänzen wunderbar die Ahnengalerie im Flur.

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