Mobile Flatrates als Kostenfalle

Die miesen Tricks bei Datentarifen - Anbieter im Überblick

Dank Flatrates ist es möglich, sorglos zu telefonieren oder zu surfen, ohne an lästige Zusatzkosten denken zu müssen - eigentlich. Denn die Anbieter sind geschickt darin, Kosten zu verstecken oder die Bandbreite zu kappen.

Flatrate-Angebote im Überblick.

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Flatrate-Angebote im Überblick.

Eine Welt ohne Flatrates ist heutzutage kaum noch vorstellbar. So hat eine Umfrage von Infratest und E-Plus schon 2010 ergeben, dass deutsche Mobilfunkkunden Flatrates bevorzugen. Die Idee, sorglos zu telefonieren, im Internet zu surfen und endlos viele Nachrichten an Freunde zu verschicken, ohne sich dabei Gedanken über die Kosten machen zu müssen, ist verlockend. So verwundert also nicht, dass in Zeiten von gestiegener Smartphone-Nutzung, die "All-inclusive"-Angebote der Provider boomen.

Schließlich besitzt laut einer Umfrage des Branchenverbandes Bitkom inzwischen jeder dritte Deutsche ein Smartphone - bei insgesamt 115 Millionen Mobilfunkverträgen. Weil sich diese Geräte hervorragend zum Surfen unterwegs eignen, ist auch die mobile Datennutzung im letzten Jahr um ganze 42 Prozent auf rund 93 Millionen GByte gestiegen. Aber nicht nur die Datennutzung, sondern auch mobile Telefongespräche werden immer beliebter.

Laut Bitkom und der Bundesnetzagentur wurden 2011 in Deutschland 3,2 Milliarden Stunden Gespräche per Handy geführt, was einem Plus von 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Somit telefoniert jeder Deutsche im Schnitt mehr als drei Stunden im Monat mobil. Damit diese Gespräche nicht zu teuer werden, bieten sich Flatrates an.

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Bei neuen Android-Smartphones lässt sich der Datenverbrauch genau verfolgen.

Bei Mobilfunkdiscountern und Netzbetreiben stehen "Allnet-Flats" hoch im Kurs. Und alle rühren kräftig die Werbetrommel, um Kunden für ihre Angebote zu gewinnen. So wirbt etwa der Mobilfunkdiscounter klarmobil vollmundig mit dem Spruch "Wer hat die attraktivste Flatrate im ganzen Land". Und damit es für jeden Kunden auch wirklich klar ist, prangt ein "Neu, echte Allnet-Flat" ebenfalls auf der Werbung.

Dass die meisten Allnet-Flats tatsächlich nicht alle Dienste umfassen, stellen viele Handy-Nutzer allerdings erst beim Blick auf ihre Mobilfunkrechnung fest. Da tauchen plötzlich teure Telefongespräche in Handy-Netze auf, die durch den Pauschaltarif eben nicht abgedeckt sind.

Deshalb gilt es, genau zu prüfen, welche Dienste und Gespräche die Flatrate umfasst und welche Dienste man selbst braucht. Erfreulich für Mobilfunkkunden ist aber dennoch: Die Pauschaltarife werden immer günstiger und wer genau hinsieht, kann tatsächlich Geld sparen.

Wer auf der Suche nach der geeigneten Flatrate für sein Smartphone ist, sollte zunächst genau überlegen, welche Dienste für ihn wichtig und unverzichtbar sind.

Entscheidend ist die Wahl der richtigen Flatrate

Wer als Dauertelefonierer zum Beispiel keine Kurznachrichten schreibt, stattdessen aber ständig in Facebook postet, sollte eine Flatrate für alle Netze inklusive Festnetz ins Auge fassen. Community-Flats, die vor allem bei den Discountern verbreitet sind, kommen nur infrage, wenn die meisten Gesprächspartner auch bei dem entsprechenden Provider unter Vertrag stehen. Wer zudem viel im Internet surft, sollte zusätzlich eine Daten-Flat mit möglichst viel Download-Volumen buchen.

Vergleichstest: Top-Smartphones für wenig Geld

Dabei ist nach Erreichen des enthaltenen Download-Volumens nicht Schluss mit dem Surfvergnügen, vielmehr kann ohne Zusatzkosten weitergesurft werden, doch wird die Geschwindigkeit (meist auf 64 kbit/s) gesenkt. So ist bei Angeboten wie etwa dem Xtra Triple der Telekom eine Surf-, eine Telefon- und eine SMS-Flat enthalten. Beim ersten Blick darauf lassen sich Einschränkungen kaum entdecken.

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Beim neuesten Android-Betriebssystem lässt sich auch ein Datenlimit mit Warnung festlegen.

Bei der Surf-Flat sind Download-Geschwindigkeiten von 7,2 Mbit/s möglich, bei der Telefon-Pauschale nur Gespräche ins Mobilfunknetz des rosa Riesen erlaubt, während die SMS-Flat ohne Einschränkungen gilt. Beim genaueren Hinsehen stellen Mobilfunker dann fest, dass auch die SMS-Pauschale nur für Nachrichten ins Netz der Telekom gilt. Wer eine SMS zum Vodafone- oder E-Plus-Netz schickt, zahlt 15 Cent für die Kurznachricht.

Bei der Daten-Flatrate geht es mit schnellen 7,2 Mbit/s nur bis 100 MByte; danach geht es im Schneckentempo weiter. Und das ist bei Weitem kein Einzelfall. Vielmehr steckt bei den meisten Pauschalangeboten der Teufel im Detail. So umfassen "Allnet-Flats" in der Regel Telefongespräche ins deutsche Fest- und Mobilfunknetz. Eine Daten-Flatrate ist meist auch dabei.

Allerdings sind SMS-Kosten häufig nicht eingeschlossen. Die schlagen je nach Anbieter mit 9 bis 19 Cent pro Nachricht zusätzlich zu Buche. Bei vielen Allnet-Flats können SMS-Flatrates noch dazugebucht werden - die Kosten liegen bei 5 bis 10 Euro. Die lohnen sich allerdings erst für echte Vieltexter - bei einem Preis von 9 Cent pro SMS können 55 Mitteilungen verschickt werden; erst danach rechnet sich die SMS-Flat.

Günstige Allnet-Flats gibt's ab 16,95 Euro zum Beispiel bei Fonic. Für 20 Euro bieten mehrere Discounter ihre Pauschalangebote an; dazu gehören Blau.de, simyo oder yourfone. Auffallend dabei ist, dass die meisten dieser Angebote auf das E-Plus-Netz bauen - Ausnahmen sind zum Beispiel Fonic oder 1&1. Diese Reseller nutzen das O2-Netz beziehungsweise das Vodafone-Netz.

Schnelles Surfvergnügen inklusive

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Selbst wenn Allnet-Flats verlockend klingen, lohnt sich ein Blick aufs Kleingedruckte.

Bei allen Pauschaltarifen wird neben der Telefon-Flatrate das schnelle Surfen im Internet gepriesen. Doch auch dabei lohnt sich ein genaueres Hinsehen. Schnelle Internetverbindungen sind nur möglich, bis das Datenlimit erreicht ist. Denn bei allen All-inclusive-Angeboten ist solch ein Datenlimit vorgesehen. Das setzt bei 100 oder 200 MByte ein. Es gibt aber auch viele Angebote, bei denen auch 500 MByte mit Höchstgeschwindigkeit heruntergeladen werden können.

Wer nämlich unterwegs auf seinem Smartphone gern mal ein YouTube-Video anschaut, Internetradio hört oder auch gern mal Bilder auf Facebook postet, wird schnell ausgebremst. Ein YouTube-Video ist gern gleich mal einige MByte groß. Wer dann auch Google-Maps zum Navigieren nutzt, hat schnell das Download-Limit erreicht. Danach wird er sich eher im Schneckentempo auf der Datenautobahn bewegen. In der Regel beträgt die Download-Geschwindigkeit dann nur noch 64 kbit/s.

Und selbst wenn das Datenlimit noch nicht erreicht wird, ist megaschnelles Surfen längst nicht garantiert. Nicht zuletzt liegt das an der Netzabdeckung und -auslastung. Zwar hat auch gerade E-Plus in den Ausbau seines Netzes investiert, doch sind immer noch vergleichsweise viele Orte eben nicht an das UMTS-Highspeed-Netz angebunden.

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So sollte also jeder, der einen Pauschaltarif nutzen will, prüfen, an welches Netz er damit gebunden ist und wie die Verfügbarkeit des Netzes dort aussieht, wo er sich am häufigsten aufhält. Darüber hinaus sollten mobile Vielsurfer überlegen, wie hoch ihr monatliches Datenaufkommen ist. Überprüfen lässt sich das einfach mit der passenden App.

Wer zum Beispiel ein Android-Smartphone mit dem Betriebssystem IceCream Sandwich (Android 4) besitzt, kann den Datenverbrauch über das Menü "Einstellungen/ Drahtlos & Netzwerke/Datenverbrauch" direkt einsehen. Praktischerweise lassen sich dort auch Datenlimits für ein frei wählbares Zeitfenster festlegen. Auch beim iPhone lässt sich die mobile Datennutzung verfolgen. Die Anzeige verbirgt sich in den "Einstellungen/ Allgemein/Benutzung/Mobile Datennutzung".

Zum besseren Verfolgen, lässt sich diese Statistik jeden Monat zurücksetzen. Apps bieten allerdings auch hier den Vorteil, dass sie genau aufschlüsseln, wie hoch der Datenverbrauch einzelner Anwendungen ist. Auch die Provider bieten an, den Datenverbrauch einzusehen. So gibt es beispielsweise bei O2 eine App, die den monatlichen Datenverbrauch anzeigt.

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Verwirrend sind Pauschalangebote auch bei der Telekom: Beim Wunsch-Flat-Paket muss sich der Kunde für eine weitere Telefon-Flat entscheiden.

Für Dauersurfer, die dafür nicht so viel telefonieren, lohnt sich auch ein Blick auf günstige Prepaid-Angebote, zu denen einfach eine Daten-Option mitgebucht werden kann. Wer als mobiler Nomade aber sein Leben mit seinem Smartphone verbringt, ständig unterwegs telefoniert, surft und Mitteilungen verschickt, muss für ein echtes All-inclusive-Angebot schon etwas tiefer in die Tasche greifen.

Bei den Netzbetreiben O2, Vodafone oder Telekom kosten die Rundumsorglospakete ab 50 Euro im Monat. Und auch bei den Angeboten gibt es Einschränkungen. Je nach Provider sind die Datenpakete, die Anzahl der SMS oder die Gespräche in Fremdnetze limitiert.

Ohne Flatrate: Mehrwertdienste verursachen immer hohe Kosten

Was jedoch bei allen Pauschalangeboten außerdem Zusatzkosten verursacht, sind Anrufe bei Service-Nummern, Telefonate ins oder aus dem Ausland sowie die Nutzung von Mehrwertdiensten. Häufig werden Mobilfunker auch bei Anrufen zur Mailbox zur Kasse gebeten. Diese Angaben sind in den Tarifdetails auf den Webseiten der Anbieter zu finden oder in den Geschäftsbedingungen. Bei den meisten Pauschaltarifen binden sich Kunden schließlich 24 Monate lang an einen Anbieter. Und das sollte gut überlegt sein.

Die Chance, dass die Mobilfunkgebühren in der Zeit weiter sinken, sind recht hoch. Nicht ohne Zusatzkosten, aber wirklich spannend für Vieltelefonierer und Dauersurfer, die auch oft im Ausland surfen, ist die Allnet-Flat Pro von 1&1. Zu einem Preis von 40 Euro kann der Globetrotter monatlich 100 MByte in 36 verschiedenen Ländern Daten absurfen. Danach fallen zusätzliche 83,3 Cent pro MByte an. Die Daten-Flat hierzulande umfasst immerhin ein Gigabyte Datenumsatz bei Geschwindigkeiten von bis zu 14 Mbit/s (im Vodafone-Netz).

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Bei günstigen Allnet-Flatrates werden Kunden für das Verschicken von SMS extra zur Kasse gebeten.

Aber Vorsicht: Gespräche und Kurzmitteilungen im Ausland sind selbst in dem Auslandspaket nicht enthalten. Die Gefahr bei Pauschalangeboten liegt auch bei allen anderen Tarifen darin, dass sich Mobilfunker in einer gewissen Sicherheit wiegen und sich über Zusatzkosten keine Gedanken machen.

Gerade im Ausland kann das immer noch teuer werden. Bei allen mehr oder minder echten Flatrates gilt aber auch, dass Anrufe bei Service-Nummern Zusatzkosten verursachen. Wer also mal eine 0800er- oder eine 0180er-Nummer anruft, wird bei jedem Pauschaltarif zur Kasse gebeten.

So vermeiden Sie Flatrate-Fallen

  • Mobilfunkverhalten analysieren - Überprüfen Sie, wofür und wie oft Sie Ihr Mobiltelefon nutzen, um zu sehen, ob sich Flats lohnen.
  • Einschränkungen lesen - Lesen Sie die Tarifdetails und prüfen Sie, ob es sich um echte Flatrates handelt.
  • Flatrate-Angebote vergleichen - Vergleichen Sie die verschiedenen Angebote und wählen Sie das passende für Ihren Bedarf.
  • Vorsicht bei Rückruf auf SMS - SMS, die zum Rückruf aufrufen, führen häufig zu Sonderrufnummern, die Kosten verursachen.
  • Apps nutzen - Setzen Sie möglichst Apps ein, um das Downloadvolumen gering zu halten.
  • Datennutzung beobachten - Setzen Sie Apps oder integrierte Tools ein, um Ihr Datenaufkommen zu kontrollieren.
  • WLAN nutzen - Richten Sie Apps so ein, dass Updates nur im WLAN ausgeführt werden.
  • Messenger statt SMS - Statt kostenpflichtige SMS zu verschicken, können Sie auch kostenlose Messenger nutzen.
  • Vorsicht bei Sonderrufnummern - Service- und Sonderrufnummern verursachen immer Zusatzkosten.
  • Roaming im Ausland deaktivieren - Schalten Sie Roaming im Ausland vorsichtshalber ab, um teure Downloads zu verhindern.

Fazit

Insgesamt sind All-inclusive-Angebote meist nur für echte Dauernutzer lohnend. Eher auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten sind günstige Tarife, bei denen Zusatzoptionen wie etwa Daten- oder SMS-Flatrates hinzugebucht werden können. So kann ein Prepaid-Tarif mit Gesprächstarifen von 7,5 Cent pro Minute ohne Vertragsbindung eine Alternative zu Pauschaltarifen sein.

Wer zu seiner Flatrate auch noch ein Smartphone hinzubucht, muss für seinen Pauschaltarif noch tiefer in die Tasche greifen. Je nachdem für welches Gerät sich der Mobilfunker entscheidet, kann es unter Umständen günstiger sein, das smarte Mobiltelefon über andere Kanäle zu erwerben.

Download: Tabelle

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