Monster Inc.

Firmenportrait: Monster Cable

Wie alle guten US-Selfmademen startete Noel Lee sein Kabel-Business in der eigenen Garage. Seine Firma ist inzwischen zu einem den Markt bestimmenden Monster herangewachsen. Wir trafen das "Head Monster" in Stuttgart.

“Head Monster

© Hersteller, H. Biermann

Monster Inc., kabel, hifi

Monster Cable hält eine starke Stellung in vielen Marktsegmenten. Firmengründer Noel Lee, der sich auf seiner Visitenkarte augenzwinkernd als "Head Monster" bezeichnet, sonnt sich gern im Glamour des Show Business mit internationalen Stars.

Etwa mit Dr. Dre: Die mit dem Hip-Hop-Produzenten initiierte Beat-Serie ist Kopfhörer-Kult. Auch die anderen Hörer verkaufen sich bestens. Ein lukratives Geschäftssegment des Unternehmens aus San Francisco, das in erster Linie hochwertige Anschlusskabel herstellt.

Dennoch fing alles ganz klein an. Der Aufstieg zum Weltkonzern erinnert an andere US-Start-ups, die wie Apple oder Microsoft in der Garage der Firmengründer begannen. Dabei suchte der Nuklear-Physiker und Profimusiker Lee ursprünglich nur nach einer preiswerten Möglichkeit, den Klang seiner Lautsprecher zu verbessern.

Lees Lösung: Lautsprecherleitungen, die aufgrund ihres stattlichen Durchmessers und des daraus resultierenden abgrundtiefen Bassfundaments den Namen "Monster Cable" verdienten. Schließlich waren 1978 dünne Klingeldrähte üblich, über deren Klangeinfluss sich niemand Gedanken machte.

Kabel als "Push-Produkt"

Noel Lee und seine Firma

© Hersteller, H. Biermann

Firmengründer Noel Lee kam 1948 - wie er selber sagt - als "ABC" (American Born Chinese) in San Francisco auf die Welt. In seinen Zwanzigern behauptete er sich als professioneller Drummer, studierte am angesehenen California Poly College of Engineering und forschte im Lawrence Livermore Laboratory im Bereich Physik. Die Mischung aus beiden Bereichen verdichtete sich 1978 zu einem eigenen Unternehmen, das auf einem Lautsprecherkabel aufbaute.

Der Tüftler war vom Klang seiner unterschiedlich aufgebauten Kabel so angetan, dass er im darauffolgenden Jahr mit einem Messestand auf der Consumer Electronics Show (CES) in Chicago auftrat. Dort fand er das perfekte Forum, um seine Produkte vorzuführen.

Bis dato wurde Lee belächelt, weil er etwas, das seinerzeit als kostenlose Zugabe angesehen wurde, vermarkten wollte. Er vergleicht seine Anfänge mit dem Versuch, in Flaschen abgefülltes Trinkwasser verkaufen zu wollen: im Amerika der 70er-Jahre ein verrücktes Unterfangen.

Lee begriff schnell, dass der Erfolg eine Frage der richtigen Demonstration war. Seine Kabel betrachtete er als "Push-Produkt", das man dem Kunden empfehlen und vorführen muss, weil er sonst gar nicht weiß, was ihm klanglich verloren geht. So steht hinter dem schnellen Durchbruch nicht nur das Vermögen des versierten Ingenieurs Noel Lee, sondern auch das eines brillanten Verkäufers.

Dabei kam ihm sicherlich seine Bühnenerfahrung als Profimusiker zugute. So gilt in dem auf 600 Mitarbeiter angewachsenen, weltweit erfolgreichen Unternehmen nicht nur der Grundsatz "Sound really matters", sondern auch die "M-5-Strategie": Die fünf großen "M" stehen für den richtigen Mix an Produkten, Merchandizing mit einprägsamen Displays, "Monsterization" (sprich Verkäuferschulung), Marketing und Messungen.

Monströses Wachstum

Band in den 70er-Jahren

© Hersteller, H. Biermann

Schon während der High School machte Noel Lee leidenschaftlich gerne Musik, er war schließlich seit der Kindheit ein Audiophiler. Mit 25 Jahren behauptete er sich als professioneller Drummer (Mitte) und sammelte erste Erfahrungen als Business Man: Er verhandelte mit Clubbesitzern über Gagen und erlebte nebenbei die "beste Zeit in seinem Leben".

Mit diesem Masterplan wuchs ein Konzern heran, der den Zubehörmarkt revolutionierte und beispielsweise den Markt mit HDMI-Zubehör beherrscht. 200 internationale Patente hält das in mehr als 100 Ländern aktive Unternehmen, dessen Angebot 4.000 Produkte umfasst. Allein in Europa arbeiten 60 Angestellte am monströsen Erfolg, die hiesige Firmenzentrale sitzt in Irland, das Lager befindet sich in den Niederlanden.

Als wir den Entrepreneur während eines Besuchs auf dem Kontinent, wo er auf den Spuren legendärer Sportwagen wandelte, in Stuttgart trafen, beteuerte er, wie lange er an der Fertigung am Stammsitz in den USA festgehalten habe. Doch Kostendruck durch die internationale Konkurrenz, die in China fertigen lässt, führte zu einer Verlagerung der Produktion.

Dennoch, und darauf ist "Mr. Monster" stolz, arbeiten in San Francisco im strategisch günstig in der Nähe des Flughafens gelegenen Hauptquartier 600 Mitarbeiter im Dienste von Forschung, Marketing und Verkauf.

Monster Cable Products Inc. steht längst für eine Reihe von Labels. Dazu gehören Monster Cable, Monster Power, Monster Mobile, Monster Performance Car, Monster Game, Monster Computer und Monster Music, das Groschengrab des Unternehmens, wie Lee freimütig bekennt.

Dass er dennoch an der wenig lukrativen Musiksparte festhält, lässt sich vor allem mit seinem musikalischen Background und der gerne auf Messen demonstrierten Nähe zu den Stars der Musikbranche erklären.

Blonde Frau mit Kopfhörern

© Hersteller, H. Biermann

Zahlreiche Stars verewig ten sich in der Kult-Serie Beats by Dr. Dre mit eigenen Kopfhörer-Kreationen. Das erfolgreiche Business verkaufte Monster an HTC.

Diese Beziehungen führten schließlich auch zu einem ganz großen Wurf des Unternehmens, der die technisch geprägte Stellung als Marktführer für HDMI-Zubehör mit seinem Glamour überstrahlte: Vor drei Jahren traten Dr. Dre und Jimmy Iovine, der Chef von Interscope Geffen A&M, mit der Idee für eine Kooperation im Kopfhörer-Segment an ihn heran.

Noel Lee schätzt den persönlichen Einsatz des bekannten Musikers und Produzenten Dr. Dre, der eine pop-affine Abstimmung mit Monster-Bässen einbrachte, die angesichts der musikalischen Vorlieben der angepeilten jungen Klientel durchaus sinnvoll erscheint.

Monster übernahm Entwicklung, Produktion und den Vertrieb und die Stars machten die Beats by Dr. Dre binnen kurzer Zeit zur Legende. Sogar Skandalnudel Lady Gaga war neben P. Diddy mit eigenen Modellen vertreten. Auch in HP-Notebooks und in Sound-Systemen von Autos der Marke Chrysler sorgen Sound-Chips der Beats-Bruderschaft für den guten Ton.

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