Finstere Zeiten?

Wissen: Projektoren mit 3D

In den vergangenen Monaten gab es einen großen Hype um neue TV-Geräte und Blu-ray-Player mit 3D-Technik. An Filmen mangelt es noch, sie kommen aber. Doch von Projektoren keine 3D-Spur? Video-HomeVision hat nachgeforscht, wo es klemmt.

Projektor von Acer im Mondschein

© Video Homevision

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Zum letzten Jahreswechsel verhalf "Avatar" 3D zum Durchbruch im Kino. Seither wächst auch die Modellvielfalt bei 3D-TVGeräten und die ersten 3D-Blu-ray-Player erblickten das Licht der Welt. Nur das zurzeit geringe Angebot an 3D-Blu-ray-Titeln dämpft ein wenig den Schwung.

Das Dumme: Hardcore-Heimkino-Fans blieben dabei auf der Strecke. Wer 3D-Filme auf seiner Heimkino-Leinwand sehen möchte, schaut auf vage Ankündigungen und ein einsames Produkt: den LG CF3D. Dieser 12.000 Euro teure LCoS-Projektor ist der bislang einzige lieferbare 3D-Beamer, und er benötigt eine Leinwand mit Silberbedampfung, die man nicht "an jeder Ecke" kaufen kann. Wo also klemmt es?

Aufmerksame Leser werden mit Recht anmerken, dass es bereits 3DProjektoren gibt, sogar recht preiswert. Den Acer H5360 hat Video- HomeVision bereits getestet. Doch der Acer und seine preiswerten 3D-Kollegen sind vorgesehen für die Wiedergabe 3D-fähiger Grafikkarten wie der aktuellen NVIDIA-Produktpalette, für die Wiedergabe von 3D-Blu-rays sind sie hingegen nicht geeignet.

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Blu-ray-taugliche Projektion muss genauso funktionieren wie bei TV-Geräten: Der 3D-Player reicht das Signal an den Projektor weiter. Der bereitet das…

Es fehlt ihnen die zum Übertragen von 3DBlu-rays nötige HDMI-1.4-Schnittstelle, und sie akzeptieren in aller Regel auch nicht die dafür genormten Signale mit in 720p/30 und 1080p/24 sequenziell übertragenen, stereoskopischen Bildern.

Spätestens bei den sich daraus ergebenden 1920 x 1080 Pixeln mit 48 Hertz bei Filmen von 3D-Blu-rays versagen die Geräte. Auch können diese Projektoren keine Shutterbrillen steuern. Das muss die Grafikkarte im PC übernehmen.

Und da 120 Hertz Bildfrequenz mit 3D-Inhalten bei HDMI bis 1.3 nicht vorgesehen ist, müssen diese Projektoren das Signal der Grafikkarte antiquiert über die analoge VGA-Schnittstelle entgegennehmen. Die für funktionierendes Heimkino notwendigen Voraussetzungen sind hier nicht erfüllt.

Wie kommt nun richtiges 3D auf die heimische Leinwand? Der Projektor muss einen HDMI-1.4-Eingang besitzen und die Übertragungsmodi der 3D-Blu-ray beherrschen. Und dann muss er, wie ein 3D-Fernseher, das Signal für eine Übertragungstechnik aufbereiten und die Bilder für das Augenpaar trennen.

Es gibt drei Methoden, die Bilder für das linke und rechte Auge separat auf die Leinwand zu bringen:

  • eine ausreichend schnelle, alternierende Bildfolge und eine Shutterbrille, ähnlich der für die meisten 3D-TVs,
  • mit entgegengesetzt polarisiertem Licht und passiver Polarisationsbrille
  • oder mit der Farbinterferenztechnik und entsprechenden, ebenfalls passiven Filterbrillen.
Blu-ray-taugliche Projektion

© Video Homevision

Blu-ray-taugliche Projektion muss genauso funktionieren wie bei TV-Geräten: Der 3D-Player reicht das Signal an den Projektor weiter. Der bereitet das Signal auf und kontrolliert gegebenenfalls die Shutterbrille.

Letzteres hat nichts mit den Kopfschmerz induzierenden alten anaglyphen Farbbildern zu tun, wie sie in den 50er-Jahren im Kino eingesetzt wurden und die man aus Zeitschriften kennt. Auf der diesjährigen High-End-Messe in München demonstrierte Video-HomeVision, wie gut diese Technik funktioniert. Im Kino vertreibt Dolby diese Technik, lizenziert von der Ulmer Firma Infitec.

Hierbei werden die Bilder für das linke und rechte Auge in ihrem Farbspektrum ein klein wenig gegeneinander verschoben und dann getrennt übertragen. Das kann durch zwei Projektoren mit den entsprechenden Filtern im Objektiv geschehen oder mit einem rotierenden Filter im Lichtweg eines einzelnen Projektors, ähnlich wie bei der Farbradtechnik von DLP. Betrachtet wird das Ganze mit einer passiven Brille mit den gleichen Filtern.

Die Vorteile: Die Technik ist mit aktueller Projektortechnik umsetzbar. Es kann eine gewöhnliche Leinwand verwendet werden. Durch die Filterung geht nur wenig Licht verloren. Die Farbwiedergabe ist perfekt, die Kanaltrennung ist groß. Die Technik kann mit einem oder mit einem Paar Projektoren eingesetzt werden, und sie hat sich im Kino durch Dolby tausendfach bewährt.

Die Nachteile: Bei Einzelprojektion benötigt man ein Filterrad und verliert gut 50 Prozent Licht, denn die stereoskopischen Bilder werden abwechselnd gezeigt. Im Projektor ist ein aufwendigeres Farbmanagement nötig.

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