In einer neuen Dimension

Fazit:

Wie gut ist 3D-TV?

Räumliches Fernsehen konnte im Test immer dann überzeugen, wenn Sendungen speziell für 3D produziert wurden. In Fußballspielen etwa funktioniert das besonders gut, wenn das Spiel aus halbhoher Position relativ weitwinklig gefilmt wird. Schnitte, Schwenks und Naheinstellungen stören den Raumeindruck eher. Die aktuellen 3D-Übertragungen werden - mit überwiegend eigenen Kamera-positionen - separat zu den 2D-Ver-sionen produziert.

Andere 3D-Inhalte zeigten vor allem in puncto Raumwirkung wechselnde Qualitäten. Eine Schussfahrt auf Skiern, die aus der Perspektive des Skifahrers auf der Hahnenkamm-Abfahrt aufgezeichnet wurde, wirkte in 3D sehr unruhig; Boxkämpfe oder Eishockey-Spiele dagegen erschienen sehr plastisch.

Unabhängig vom Raumeindruck war die Bildqualität in unserem Praxistest insgesamt gut. Allerdings litt sie in den IPTV-Übertragungen von T-Home Entertain bisweilen unter einer stark reduzierten Datenrate: Der grüne Fußballrasen erschien teils flächig und detailarm, Spieler hoben sich kulissenhaft vom Grün ab.

Zusätzlich zu diesen Kompressions-Artefakten fiel auch die halbierte horizontale Auflösung der 3D-Bilder im Side-by-Side-Format auf: Gegenüber HDTV-Bildern haben 3D-Filme im Fernsehen eine insgesamt etwas geringere Detailauflösung. Diese Qualitätseinbußen waren auch in den 3D-Bildern von Sky zu sehen, allerdings mit deutlich weniger Kompressions-Artefakten. Der Fußballrasen und die Spieler wirkten hier plastischer und detailreicher.

Fernsehen daheim

© Video Homevision

Daheim Fernsehen

3D-Standard für die TV-Übertragung

Die Art und Weise, wie 3D-Bilder derzeit im Fernsehen übertragen werden, erfordert keine besondere Standardisierung. Die Bezeichnungen des Systems lauten "Frame Compatible Transmission" oder "Side by Side". Das umschreibt das Prinzip: Beide Teilbilder werden in einem HDTV-Bild nebeneinander gesendet, erst der 3D-Fernseher macht daraus das 3D-Doppelbild. Alle anderen Fernseher zeigen 3D-Sendungen als verzerrte Bildpaare.

Der europäische TV-Verband European Broadcasting Union (EBU) will die 3D-Übertragung standardisieren. Einige Sendeanstalten wollen dabei auch ein Verfahren für die parallele Ausstrahlung von Sendungen in 3D und 2D definieren. Das ist aber laut dem TV-Experten Dr. Dietrich Westerkamp nicht so einfach umsetzbar:

  • Der Sender müsste der Empfangsbox signalisieren, wann ein 3D-Kanal übertragen wird.
  • Man muss dann am Empfänger einstellen können, ob der angeschlossene Fernseher das 3D-Doppelbild bekommt oder nicht.
  • Für die Anzeige von 3D-Bildern auf 2D-TVs muss die Empfangsbox das Doppelbild umrechnen: Eines der beiden Side-by-Side-Teilbilder wird in die Breite gezogen, so dass es die gesamte Bildbreite füllt, das andere wird ignoriert. Das so gewonnene Bild hat allerdings nur die halbe HDTV-Auflösung.

Eine solche Signalisierung für die 2D-/3D-Kompatibilität beherrscht bislang kein Empfänger. Sie würde Updates für alle HDTV-Receiver erfordern. Laut Dr. Westerkamp ist sie aber nicht unbedingt wünschenswert: Inhalte in 2D und 3D haben ihm zufolge verschiedene Anforderungen an die Kameraführung und Bildgestaltung. So lässt sich ein Tiefeneindruck in 2D-Filmen etwa mit Schärfeverlagerungen vermitteln.

In 3D-Filmen ist dieses Stilmittel aber für den Raumeindruck schädlich: Hier wirken knackscharfe, weitwinklige Bilder besser. Kombinierte 2D-/3D-Sender dürften also eher die Ausnahme sein - etwa wenn HDTV via DVB-T ausgestrahlt wird und der Platz für zusätzliche 3D-Sender eines TV-Kanals knapp ist. Bei der HDTV-Ausstrahlung via Antenne in Italien, Frankreich oder Spanien ist das beispielsweise der Fall.

Fazit

3D wird nicht über Nacht zum bestimmenden Thema im Fernsehen. Doch die aktuellen Bemühungen von Sky, T-Home und Pay-TV-Anbietern im Ausland haben Potenzial: Sport-Highlights, Kinofilme und HD-Dokumentationen rechtfertigen die 3D-Technik. Voraussetzung für die weitere Entwicklung im Fernsehen ist aber nicht nur, dass genügend Menschen zu Hause 3D sehen wollen. Sie müssen auch bereit sein, dafür extra zu bezahlen.

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