Falschmeldungen

Fake-News erkennen: Wichtige Tipps und Tricks

Mit Fake-News manipulieren Nutzer sozialer Netzwerke die Wirklichkeit. Warum Falschmeldungen auf Facebook & Co. gefährlich sind und was Sie tun können.

  1. Fake-News erkennen: Wichtige Tipps und Tricks
  2. Fake-News erkennen: Checkliste
Alle aktuellen News im Überblick

© Sergey Nivens - Fotolia

In sozialen Netzwerken verbreiten sich Falschmeldungen rasant. Wir helfen, Fake-News zu entlarven.

Das Phänomen „Fake-News“ hat ein Gesicht: Es ist das des mit 19 Jahren nach Deutschland geflüchteten Anas Modamani. Sein 2015 mit Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgenommenes Selfie ging als Sinnbild deutscher Willkommenskultur um die Welt. Es wurde aber auch zur Grundlage vieler bösartiger Falschmeldungen. So haben Unbekannte die Aufnahme zum Beispiel mit dem Fahndungsfoto von einem der mutmaßlichen Attentäter von Brüssel kombiniert und mit der Überschrift „Dumm, dümmer, Angela: Hat Merkel ein Selfie mit einem der Brüssel-Terroristen gemacht?“ versehen. Ein anderes Mal soll er der Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz sein, ein drittes Mal gehört er angeblich zu einer Gruppe von fünf Syrern, die einen Berliner Obdachlosen in Brand gesetzt haben sollen.​

Einmal in die Welt gesetzt, verbreiten sich die Falschmeldungen durch tausendfaches Teilen in den sozialen Netzwerken, insbesondere auf Facebook. So wird mit gefälschten Informationen die politische Diskussion beeinflusst und Stimmung gegen Migranten gemacht. Zugleich verändert sich das Leben Modamanis massiv. Er wird angefeindet und macht sich Sorgen um seine private wie berufliche Zukunft. Irgend etwas bleibt schließlich immer hängen.​

Was sind Fake-News?  

Es ist bekannt, dass nicht alles, was auf Websites steht, der Wahrheit entspricht. Aber es gibt verschiedene Arten von Unwahrheiten. Die klassische Zeitungsente ist zum Beispiel keine Fake-News, sondern schlicht ein Fehler, wie er nicht passieren sollte, aber passieren kann. Auch bei Satire, wie sie Websites wie Der Postillon​ verbreiten, handelt es sich um keine Fake-News. ​

Fake-News sind bewusste Lügen, die absichtlich erschaffen werden. Sie tarnen sich als seriöse Nachrichten, aber ihr Zweck ist nicht die Übermittlung von Fakten. Vielmehr dienen Fake-News dazu, den politischen Gegner zu diskreditieren, krude Ansichten mit erfundenen Fakten zu untermauern, konkurrierende Unternehmen zu schädigen oder einzelne Personen zu mobben.​

Dazu werden Fakten erfunden und häufig mit aus dem Kontext gerissenem Bildmaterial kombiniert, das sie zu untermauern scheint. Nicht selten entsteht der Meldungstext vor dem Hintergrund des aktuellen, politischen Geschehens, aber die Fotos und Videos sind schon viele Jahre alt. Auch die verfälschende Bildbearbeitung gehört zum Fake-News-Handwerk. So wurde zum Beispiel das Selfie von Merkel und Modamani bearbeitet, um eine größere Ähnlichkeit zwischen dem Syrer und dem Brüssel-Attentäter herzustellen.​

Als Problem erweisen sich Fake-News überall dort, wo sie nicht als solche erkannt und womöglich sogar weiterverbreitet werden. Vor allem Nachrichten, die gut in das eigene Weltbild passen, empfindet man als besonders glaubwürdig und gibt sie auch gerne weiter, um andere zu überzeugen oder sich als Teil einer Gemeinschaft zu beweisen.​

Die Diskussion um Fake-News 

Zwischenzeitlich wehrt sich Modamani in einem möglicherweise richtungsweisenden Prozess vor dem Landgericht Würzburg. Er will Facebook gerichtlich dazu zwingen, weitere Veröffentlichungen des Bildes zu verhindern. Aktuell ist das Unternehmen dazu nicht verpflichtet. Die gesetzlich vorgeschriebene Praxis ist das „Notice and take down“ (Löschung auf Hinweis), bei dem Facebook erst aktiv wird, wenn ein Nutzer eine Nachricht meldet. Zwar gibt es erste Diskussionen zu Gesetzesänderungen, doch Entscheidungen sind wohl erst nach der Bundestagswahl 2017 zu erwarten.​

Facebook hat sich zwar in wenigen Jahren zu einem der reichweitenstärksten Medien entwickelt. Es ist den gängigen Kontrollinstanzen für Medien aber genauso wenig unterworfen wie andere Netzwerke, zum Beispiel Twitter. Nicht einmal eine Verpflichtung zur Veröffentlichung einer Gegendarstellung trifft die sozialen Medien. Die traditionell wichtigste Waffe, um sich gegen Falschmeldungen zu wehren, existiert online nicht.​

Die Selbstreinigungskräfte von Facebook sind gering. Den selbst auferlegten Gemeinschaftsstandards liegt ein weitgehendes Verständnis von Meinungsfreiheit zu Grunde, das sich mit deutschen Anforderungen an den Schutz persönlicher Rechte kaum deckt. Dass Facebook nur wenige Meldungen von sich aus löscht, dürfte aber auch an kommerziellen Interessen liegen.​

Technische Lösungen in Kinderschuhen  

Mit dem Trust Project zeichnet sich ein erster Lösungsansatz ab, der auf technischen und organisatorischen Maßnahmen beruht. Im Trust Project haben sich viele US-amerikanische und einige europäische Medien zusammengeschlossen. Ziel ist die Entwicklung von Methoden, über die sich vertrauenswürdige Meldungen als solche kennzeichnen lassen, zum Beispiel über Zusatzangaben zur Erfahrung des Autors, zum redaktionellen Prozess etc. Details zum Verfahren, zu Kooperationen mit Facebook und Google oder die Frage, wer das System vor Missbrauch schützt, sind aber noch ungeklärt.​

Ähnlich ist auch der Stand der Browser-Erweiterung FiB​. Das Plugin soll die Nachrichten in der eigenen Facebook-Timeline beim Durchblättern auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen. Dazu werden sie an Server des Plugin-Anbieters übermittelt und dort zum Beispiel mit Hilfe von Gesichtsanalyse, Stichwort-Recherchen und Quellen-Analyse eingeschätzt. Doch der Realisation stehen ungelöste Probleme entgegen. Zum einen lassen sich Facebook-Nachrichten nicht so einfach maschinell auslesen, zum anderen fällt es der Software schwer, Meldungen von Meinungen zu unterscheiden.​

Fazit 

Mangels anderer Lösungen müssen Sie Fake-News derzeit selbst identifizieren. Sich der Existenz von Fake-News bewusst zu sein, ist dabei die halbe Miete. Ist der Verdacht, dass es sich bei einem Beitrag um eine Falschmeldung handeln könnte, erst einmal entstanden, finden Sie das notwendige Handwerkszeug für die Aufklärung in unserer Checkliste auf der folgenden Seite. Hilfereich Infos zum Thema finden Sie außerdem auf den Websites www.mimikama.at​ und spam-info.de​.​

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