Graph Search

Die neue Facebook-Suche erklärt

Die neue Facebook-Suche soll nicht nur besonders intelligent sein - sie bietet auch ein völlig neues Bedienkonzept. Doch im Hinblick auf den Datenschutz haben Experten ihre Zweifel, ob und wie man mit Facebook Graph Search umgehen sollte. Wir erklären, was Facebook-Nutzer jetzt beachten müssen.

Facebook Graph Search

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Facebook Graph Search

Mehr als eine Milliarde Menschen haben sich bei Facebook angemeldet. In Deutschland ist jeder vierte Bürger dabei. Damit ist Facebook nicht nur das größte soziale Netzwerk im Internet. Es ist überhaupt die größte Gemeinschaft von Menschen, die miteinander verbunden sind. Sozusagen ein gigantischer Verein mit Mitgliedern auf der ganzen Welt. Zwar kennen sich die meisten Mitglieder nicht persönlich, doch sie teilen ihre Daten - gewollt oder ungewollt.

Ganz egal, ob ein Facebook-Nutzer etwas öffentlich postet oder ob er es nur für seine Freunde veröffentlicht: Texte, Bilder, Videos, Links und Likes werden in einer Datenbank gespeichert. Jede Statusmeldung, jedes "Gefällt mir" - alles wird archiviert. Den Wert dieser Datensammlung für die Werbung haben die Unternehmen erkannt, die selbst bei Facebook aktiv sind: Wo so viele Menschen zusammentreffen wie bei Facebook, lassen sich leicht neue Kunden gewinnen. Aber auch Facebook selbst weiß um das enorme Potenzial der Nutzerinhalte.

Geschichte(n) zum Anfassen

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Wenn Sie die Möglichkeit erhalten, Social Graph zu nutzen, sollten Sie es schrittweise ausprobieren. Starten Sie am besten mit einer einfachen Suchanfrage wie "Personen, die gerne Fahrrad fahren", um die Funktionsweise besser zu verstehen.

Der neueste Clou ist die Facebook-Suche Graph Search. Sie wertet alle Inhalte aus, die Facebook-Nutzer zum Netzwerk beisteuern. Beiträge, die nur für Freunde oder bestimmte Gruppen veröffentlicht wurden, finden nur die betreffenden Nutzer. Anders sieht es mit öffentlichen Beiträgen aus: Sie tauchen in den Suchergebnisse aller Facebook-Mitglieder auf.

Dabei reicht die Suche weit zurück: Sie findet auch Beiträge, die Jahre zurückliegen. Das Urlaubsvideo von vor drei Jahren, die Fotos von der Party im letzten Sommer, die Kommentare nach der letzten Landtagswahl - alle jemals öffentlich gestellten Inhalte spürt die Facebook-Suche auf.

Datenschützer sehen darin ein Problem. Denn vor Jahren haben wahrscheinlich nur wenige Nutzer daran gedacht, dass ihre Beiträge eines Tages durchsuchbar sein könnten. Und im Nachhinein ist es nur schwer möglich, Inhalte zu prüfen und von den Suchergebnissen auszuschließen - mehr dazu am Ende des Beitrages.

Finde Freunde, die es mögen

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Erweitern Sie die einfache Suchanfrage, indem Sie Kriterien ergänzen, die für Sie wichtig sind. Machen Sie zum Beispiel die zusätzliche Angabe "und aus meiner Heimatstadt stammen", um eine lokale Suche nach Fahrradfreunden zu starten.

Die neue Facebook-Suche trägt nicht von ungefähr die Bezeichnung "Social Graph". Mark Zuckerberg, Gründer und Chef des sozialen Netzwerks, prägte den Begriff schon vor längerer Zeit. Die Merkmale, die Internet-nutzer persönlich verbinden, lassen sich in Form eines Soziogramms grafisch darstellen. Beziehungen zwischen Nutzern sind damit leichter zu erkennen und auszuwerten.

Nach diesem Prinzip funktioniert die neue Facebook-Suche. Der Nutzer sucht nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen sich und anderen Facebook-Mitgliedern. Dabei kann er - und das ist eine echte Innovation - ganze Sätze formulieren, die sein Anliegen beschreiben. "Zeige mir alle Freunde, die AC/DC mögen und voriges Jahr auf einem Konzert waren."

Oder: "Nenne mir ältere Freunde, die gern Whisky von der schottischen Isle of Islay trinken." Oder: "Finde Freunde von Freunden, die sich oft Tierfilme anschauen." Zwar kann man solche Zusammenhänge auch ohne Facebook Graph Search herausfinden. Allerdings müsste man dafür mühsam umherklicken.

Und alle wissen, wer Du bist

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Selbstverständlich können Sie Facebook Graph Search auch nutzen, um ihr persönliches Profil zu durchsuchen. Ihre eigenen Daten sind für Sie immer sichtbar - unabhängig von der Sichtbarkeit für andere Nutzer. Probieren Sie zum Beispiel eine Fotosuche aus.

Wenn man sich Facebook-Profile aufmerksam ansieht, Timelines verfolgt und "Gefällt mir"-Angaben auswertet, entsteht oft ein genaues Bild einer Person. Das dem so ist, beweist beispielsweise das Vorgehen von Personalabteilungen und Arbeitsagenturen: Diese schauen sich die Facebook-Profile von Bewerbern und potenziellen Kandidaten sehr genau an und beurteilen anhand der gesichteten Informationen die Eignung für vakante Positionen.

So kann man - wenn man denn eines hat - nur mit einem gepflegten Facebook-Profil punkten. Deshalb gilt: Wer sich nicht ins Abseits manövrieren will, muss immer darauf achten, welche öffentlichen Inhalte er bei Facebook einstellt. Unter allen Umständen sollte man es vermeiden, Inhalte zu posten oder "Gefällt mir"-Angaben zu machen, die dem eigenen Ansehen irgendwann in irgendeiner Weise schaden könnten. Schlaue Facebook-Nutzer klicken lieber einmal weniger als einmal zu viel.

Peinliche Angelegenheit(en)

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Abhängig davon, wonach Sie häufig suchen, was Sie selbst mögen, wer Ihre Freunde sind und was diese gern haben, macht die Suche Vorschläge für Suchanfragen. Mit den Pfeiltasten können Sie zwischen diesen Vorschlägen zappen - rechts sehen Sie die Vorschau der Ergebnisse.

Leicht könnte Facebook Graph Search zur peinlichen Angelegenheit für jene werden, die einmal zu viel auf peinliche Angelegenheiten geklickt haben. Die neue Suche macht keinen Bogen um heikle Inhalte und unüberlegte "Gefällt mir"-Klicks - egal, ob absichtlich oder aus versehen geklickt wurde. Suchanfragen wie "Zeige mir Freunde, die gern DVDs rippen" oder "... die den Kopierschutz-Knacker AnyDVD verwenden" sind noch harmlos im Vergleich zu anderen Möglichkeiten, die Graph Search bietet.

Einmal gestellte Fragen wie "Zeige mir Personen denen XXX-Tube gefällt" oder "Welche Personen mögen Sexspielzeug", treiben bestimmt vielen Facebook-Nutzern den Schweiß auf die Stirn und lassen sie überlegen, wie sie ihr Profil bereinigen können. Übers Aufräumen des eigenen Profils und der persönlichen Timeline werden allerdings etliche Anwender nachdenken (müssen).

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Beispiel für die neue Facebook-Suche: "Restaurants in London, die meine Freunde besucht haben".

Wer nicht sicher ist, ob öffentliche Beiträge älteren Datums für jedermann sichtbar sein sollen, muss in den sauren Apfel beißen, die eigene Timeline von vorn bis hinten zu durchforsten. Öffentliche Beiträge sind an der kleinen Weltkugel neben dem Beitragsdatum erkennbar. Nach Klick darauf lässt sich die Sichtbarkeit auf "Freunde", "Nur ich" oder bestimmte Gruppen ändern.

Fotos können dank Zuordnung zu Alben schneller von "Öffentlich" auf "Freunde" umgestellt werden. Dazu klickt man im eigenen Profil unterhalb vom Profilbild auf "Fotos" und anschließend oberhalb der Miniaturbilder auf "Alben". Öffentliche Alben sind an der Weltkugel erkennbar. Nach dem Klick darauf lässt sich eine andere Sichtbarkeit einstellen, die für alle im Album enthaltenen Bilder gilt.

In Deutschland derzeit nur per Warteliste

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Das Prinzip Social Graph: Menschen sind über Interessen und Freundschaften virtuell verbunden.

Facebook verzeichnet seit Ankündigung der neuen Suche sogar eine gewisse Fluktuation von überwiegend jüngeren Nutzern in Deutschland. Ein Zusammenhang mit Graph Search ist allerdings nicht bewiesen. Zudem ist die Suche hier in Deutschland noch nicht einmal richtig gestartet. So können derzeit nur ausgewählte Nutzer eine Beta-Version der neuen Facebook-Suche testen.

Stück für Stück sollen weitere Anwender hinzukommen. Unter der Internetadresse facebook.com/about/graphsearch kann sich jeder zunächst auf eine Warteliste setzen lassen, um die Freischaltung der neuen Suche für das eigene Profil zu beschleunigen. Ein "Run" auf die Plätze ist nicht zu beobachten, ebensowenig aber auch eine Flucht aus Facebook - das könnte sich aber noch ändern.

INFO Facebook Home: Die neue Android-App

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Das Bild zeigt, wie ein Chat optisch aus Facebook Home heraus aussehen kann.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg bewirbt derzeit höchstpersönlich in einem Werbespot die neue Android-App Facebook Home. Während er dort eine Rede zu Mitarbeitern hält, tauchen wie aus dem Nichts Dinge um ihn herum auf. Zuckerberg sieht live, was seine Freunde gerade tun.

Genau das soll die kostenlose Android-App leisten: Sie verwandelt die Startseite des Smartphones in einen fortlaufenden Strom aus Beiträgen und Fotos der Facebook-Freunde. Nach Einschalten des Smartphones werden die neuesten Beiträge angezeigt und schöne Fotos erscheinen bildfüllend als Smartphone-Hintergrund.

  • Einfachste Bedienerführung

Zweimaliges Berühren eines Beitrages genügt für "Gefällt mir". Außerdem bietet Facebook Home Verknüpfungen zu Anwendungen wie dem Fotoprogramm Instagram oder dem Musik-Streaming-Dienst Spotify - und natürlich zur Facebook-App. Geht es nach Mark Zuckerberg, soll Facebook Home als universelle Start-Applikation für alle Lieblingsanwendungen genutzt werden.

  • Der Facebook-Manager

Für die "komplette Facebook Home Nutzererfahrung" muss allerdings der Facebook Messenger installiert sein. Mit der App lässt sich mit Facebook-Freunden chatten, während man andere Anwendungen benutzt. Auch lassen sich SMS-Nachrichten direkt aus Facebook Home heraus verschicken.

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