Mail - und Kommunikationsserver

Exchange Server 2016: Das sind die Neuerungen

Ohne viel Aufsehen stellte Microsoft den neuen Exchange Server 2016 vor. Wir werfen einen Blick auf die Neuerungen.

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Exchange Server 2016: Eher Update als eine neue Version?

Microsoft Exchange Server gilt in der Branche als der Mail- und Kommunikationsserver für Unternehmen und hat bereits vor vielen Jahren diese Vormachtstellung von IBMs Notes Server übernommen. Während die technologischen und strukturellen Unterschiede vom 2003 zum 2007 Exchange sehr groß waren, fiel die Umstellung für Administratoren von 2010 nach 2013 eher gering aus.

Diesem Trend folgend ist der 2016er Exchange Server auf den ersten Blick eher ein Update denn eine gänzlich neue Vollversion. Leider ein Update mit Einschränkungen, da ein simples In Place Upgrade, also ohne Neuinstallation, von einer Vorgängerversion überhaupt nicht möglich ist. Trotz dieser Schwierigkeit ist der Exchange 2016 jedoch der ideale Server für Kunden, die vom Exchange Server 2007/2010 wechseln möchten.

Vieles bleibt, wie es ist - auch einfach!

Während die aufwendigen Migrationspfade für Exchange somit weiterhin Consultants auf der ganzen Welt beschäftigen, gibt es hinsichtlich der Rollenverteilungen künftig mehr Übersichtlichkeit. Die Hub- Transport-Serverrolle wurde durch die Transportdienste ersetzt, die auf der Postfachserverrolle ausgeführt werden. Die Postfachserverrolle beinhaltet die Dienste Microsoft Exchange Transport, Microsoft Exchange Mailbox Transport Delivery, Microsoft Exchange Mailbox Transport Submission und Microsoft Exchange Frontend Transport. Die Zusammenfassung der Dienste in eine einzige Rolle soll der günstigeren CPU-Leistung Rechnung tragen.

Screenshot: E-mail

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Mit vielen Jahren Verspätung dürfen nun auch Exchange-Benutzer ihre Gefühle über kleine Gesichter zum Ausdruck bringen.

Die Installation eines Exchange-Servers ist dank der leistungsfähigen Installationsprogramme kein Hexenwerk mehr. Lediglich einige Komponenten muss der Mail-Verantwortliche noch von Hand einspielen. Weitgehend entspricht der Vorgang somit dem Vorgänger, lediglich das Konzept des "getrennten Sicherheitsmodells" ist für große Unternehmen hinzugekommen. Microsoft reagierte auf eine seit Jahren geforderte Möglichkeit, die Active-Directory-Verwaltung von der Exchange-Administration zu trennen. Dies ist nun möglich, jedoch sollte der Mail-Administrator diese Option schon bei der Installation wählen, eine nachträgliche Änderung ist nur schwer zu bewerkstelligen.

Bezüglich der Sicherheit haben die Entwickler in Redmond nachgelegt. Eine Mehrfaktorauthentifizierung ist über die neuen Funktionsbibliotheken leicht umzusetzen. Soll beispielsweise zusätzlich zu den traditionellen Anmeldedaten noch ein SMS-Passcode zum Einsatz kommen, ist dies nun ohne Zusatz-Software realisierbar.

War Exchange früher dafür bekannt, eigentlich nur mit dem Internet Explorer richtig zu funktionieren, so zeigt sich der jüngste Spross der Serie deutlich flexibler: Microsoft Egde, IE 11, Google Chrome, Safari und Mozilla Firefox stehen auf der Kompatibilitätsliste. Neben der Überarbeitung der Outlook Web App (OWA) für Desktop-Systeme wurde die Oberfläche für Smartphones und Tablet-PCs optimiert.

Das User-Interface erhielt mit der Version 2016 die meiste Aufmerksamkeit der Produkt-Manager. Allgemeine Verbesserungen sind die neue einzeilige Ansicht im Posteingang, ein optimierter Lesebereich, verbesserte Archivierungsfunktionen und - man höre und staune - die Möglichkeit für den Anwender, Postfachaktionen, wie das Löschen oder Verschieben einer Nachricht, ohne die Hilfe des IT-Supports wieder rückgängig machen zu können. Kontakte kann der Benutzer nun mit LinkedIn-Konten verbinden, in den E-Mails direkt auf Emojis zugreifen und beim Design der OWA-Oberfläche aus drei neuen Themen auswählen.

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Dank der DLP-Vorlagen ist es für den Administrator nicht so schwer, den Exchange-Server mit eigenen Compliance-Richtlinien auszustatten.

Besseres Zusammenspiel mit der Cloud-Plattform

Immer mehr wandelt sich Microsoft von einem Software-Unternehmen hin zu einem Service-Anbieter. Office 365 ist wohl ohne Frage die größte Exchange-Installation weltweit. Das Zusammenspiel von Ressourcen wie SharePoint oder OneDrive mit dem Exchange wird für den Anwender immer wichtiger. Anstelle eine Datei als E-Mail-Anhang zu verschicken, haben Exchange-2016-Benutzer die Möglichkeit, die Dateien per OneDrive-Link zur Verfügung zu stellen. Um Geschäftsstandards und branchenspezifische Compliance-Richtlinen einzuhalten, müssen Organisationen vertrauliche Informationen schützen und verhindern, dass sie versehentlich offengelegt werden. Zu vertraulichen Informationen, die nicht außerhalb der eigenen Organisation bekannt werden sollten, zählen personifizierte Daten wie die Sozialversicherungsnummer oder Konto- und Kreditkarten-Details. Mit einer neuen DLP-(Data Leak Prevention-)Richtlinie und Transportregeln in Exchange 2016 können Administratoren ermitteln, überwachen und schützen - rund 80 Arten von vertraulichen Informationen mit neuen Bedingungen und Aktionen.

Die Compliancesuche ist ein neues Tool für die eDiscovery-Suche in Exchange mit neuen Funktionen für Skalierung und Leistung. Mail-Administratoren können damit eine große Anzahl von Postfächern gleichzeitig durchsuchen. Tatsächlich ist die Anzahl der Postfächer, die in einer Suche durchsucht werden können, unbegrenzt. Administratoren können daher alle Postfächer in ihrer Organisation in einem einzelnen Suchvorgang betrachten. Schadberichte versendet der neue Exchange an Verteilerlisten und nicht mehr an einzelne Personen.

Böse Zungen betiteln den Exchange 2016 eher als größeres Service Pack denn als neue Version des Kommunikationsservers. Mag sein, dass die 2013er-Version sich kaum am Markt durchgesetzt hat, da viele Migrationsprojekte noch auf Version 2010 zielten. Mit dem 2016er Exchange erscheint nun der würdige Nachfolger zu 2010.

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