Notizverwaltung

Praxistest: Evernote 4.0 - schlank und schön

Die Online-Notizzettelverwaltung Evernote wurde in Version 4 veröffentlicht. Die Entwickler haben zwar praktisch keine neuen Funktionen integriert, aber dennoch ist alles neu. Warum das so ist und warum das Update sich lohnt - magnus.de klärt auf.

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© Archiv

Microsoft ist Marktführer bei den Betriebssystemen, Apple baut die schönsten Computer - und Evernote? Evernote regiert die Welt des digitalen Notizblocks. Der Dienst speichert beliebige Texte und Bilder im Netz. Für die Eingabe kommen PCs, Macs und allerlei Smartphones, die Tastatur, die Webcam und sogar Scanner in Frage. Evernote dient als virtueller Zettelkasten, der sogar mit einer Texterkennung ausgerüstet ist, um fotografierte oder gescannte Texte durchsuchbar zu machen. Ordner, Schlagworte und eine mächtige Suchfunktion helfen dabei, dass man sich auch in größeren Notizbergen gut zurechtfindet.

Von Grund auf neu programmiert

Nun ist die wichtigste Evernote-Software, nämlich die für Windows, in Version 4.0 erschienen und wir haben sie uns prompt zur Brust genommen. Im offiziellen Evernote-Blog heißt es, man habe Evernote komplett neu geschrieben.

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Evernote 4.0 ist auch optisch moderner geworden und ähnelt nun ein wenig Googles Browser Chrome.

Grund war die Sackgasse, in welche man mit Version 3.5 zuletzt geriet. Nutzer beklagten sich über unscharfe Schriften und andere Wehwehchen, aber vor allem war Evernote allgemein unheimlich träge geworden - fatal bei einer Notizverwaltung, die immer sofort zur Hand sein muss, damit man sie auch gerne nutzt. Offenes Geheimnis unter Evernote-Nutzern: Wer einen älteren Windows-PC nutzt, der blieb lieber bei Version 3.0.

Die Evernote-Entwickler sahen keine andere Möglichkeit, als einen kompletten Wechsel der Programmiertechnik. Raus mit den modernen, von Microsoft entwickelten Programmiertechniken .NET und Windows Presentation Foundation (WPF), die laut Hersteller stark zu Evernotes Trägheit beitrugen, rein mit klassischem C++.

Schlank ...

Der Befreiungsschlag ist nach unseren Tests voll gelungen. Die neue Version 4.0 treibt Evernote-Veteranen die Freudentränen in die Augen und lässt die Frage aufkommen - warum nicht gleich so! Selbst mit mehreren tausend Notizen, die aus der alten Version klaglos importiert wurden, ist Evernote 4.0 ein Überflieger. Es startet gefühlt vier Mal schneller und die Gedenksekunde beim Wechsel zwischen Notizen wurde ihm auch ausgetrieben. So exzellent am Gas hängen nur wenige Programme. Auch im Ressourcenbedarf schlägt sich das nieder. Auf unserer Testinstallation riss sich Evernote 3.5 rund 180 MByte Hauptspeicher unter den Nagel, jetzt sind es nur noch 25 MByte.

... und schön

Gleichzeitig haben die Programmierer auch die Fassade renoviert, d.h. Evernote 4.0 erhielt ein neues, modernes Gesicht. Zahlreiche Knöpfe sind in Menüs verschwunden. Dennoch kommen Benutzer der Vorversion sofort mit der neuen Oberfläche zurecht. Wer aber dem alten Menü nachtrauert, der kann es unter "Werkzeuge \ Optionen" mit "Standardmäßiges Windows- Menü anzeigen" reaktivieren.

Bemerkenswert sind die vielen neuen Tastenkombinationen, mit der eine effektive Programmsteuerung ohne Maus möglich wird. Ein Teil von ihnen lässt sich unter "Werkzeuge \ Optionen" im Reiter "Tastaturkürzel" auch auf andere Tasten legen. Ausgenommen davon sind die Tastenkombis, mit denen Menüpunkte gesteuert werden. Wer eines der neuen Displays mit Multitouch-Oberfläche besitzt, darf Evernote sogar mittels Gesten steuern. Kleine Verbesserungen gibt es auch beim Ausdrucken von Notizen und deren Versand per E-Mail.

Firefox-Erweiterung überarbeitet

Mit Evernote 4.0 wurde auch die dazugehörige Firefox-Erweiterung überarbeitet und in einer neuen Version zur Verfügung gestellt. Sie verbindet den Webbrowser mit der Notizverwaltung. So lassen sich von Webseiten markierte Passagen über das Kontextmenü des Browsers in Evernote archivieren. Das klappt auch ohne Installation des Evernote-Clients über das Web.

Vorsicht beim Update

Wer schon eine alte Evernote-Version einsetzt, wird bei der Installation der 4er-Version darauf hingewiesen, dass die alte Version zunächst deinstalliert und dann ersetzt wird. Vormals war es möglich, parallel Vorgängerversionen von Evernote zu betreiben. Damit ist nun Schluss. Die Notizen bleiben natürlich erhalten, werden aber nach dem ersten Programmstart von Evernote 4.0 neu von den Evernote-Servern heruntergeladen. Nutzer einer Vorversion sollten deshalb vor der Umstellung auf Evernote 4.0 unbedingt noch einmal ihre Daten synchronisieren und dann etwas Zeit für den nachfolgenden Download einplanen.

Preise und Verfügbarkeit

Evernote 4 ist derzeit nur für Windows verfügbar. Wann Mac-Besitzer in den Genuss kommen, ist bis dato nicht bekannt. Auch die Clients für Mobilgeräte wie iPhone, iPad, Blackberry, Android und Symbian wurden bislang nicht aktualisiert. Das tut der Benutzbarkeit von Evernote 4 keinen Abbruch - die Notizen werden weiterhin mit allen Geräten synchron gehalten.

Evernote ist in der Basisversion kostenlos und enthält monatlich 40 MByte Datentransfer zu den Evernote-Servern. Das reicht in der Regel für Tausende von Notizen, wenn man nicht ständig große Fotos oder gescannte Dokumente archiviert. Neben Text- und Bildnotizen können auch Tonaufnahmen und PDFs archiviert werden. Aber nur mit der Premiumversion (45 US-Dollar jährlich oder 5 US-Dollar monatlich) lassen sich auch andere Dateitypen ablegen. Nutzer der Premiumversion können außerdem monatlich 500 MByte Daten hochladen, ihre PDFs durchsuchen, Offline-Notizbücher auf dem iPad/iPhone benutzen und die Notizen über das Webinterface nicht nur lesen, sondern auch bearbeiten. Außerdem wird die Übertragung SSL-verschlüsselt. Die kostenlose Version tut dies nicht und deshalb ist man gut beraten, damit keine vertraulichen Daten zu sichern.

Wer an Evernote interessiert ist, sollte zunächst den kostenlosen Dienst nutzen. In vielen Fällen reicht dieser vollkommen aus, so dass die kostenpflichtige Variante nicht benötigt wird.

Fazit

Evernote 4.0 ist ein Pflicht-Update für Nutzer der Software. Bei so viel Licht ist aber immer auch etwas Schatten zu finden. Ein Manko prägt Evernote seit Anbeginn. Es ist nicht möglich, die Notizen untereinander zu verknüpfen. Hyperlinks ins Web oder auch auf lokale Dateien sind problemlos möglich, aber ausgerechnet eine Verlinkungsoption zwischen einzelnen Notizen existiert nicht. Ein Notbehelf sind sicherlich die Ordner, die Evernote zum Gruppieren anbietet. Außerdem können den Notizen gemeinsame Schlagworte zugeteilt werden, so dass eine Suche sie schnell wieder findet. Aber im Zeitalter des Webs will man natürlich wie in einem Wiki auch eine feste Verknüpfung einrichten. Vielleicht ist das etwas, was Evernote in Version 4.5 anbietet.

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