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Erotische Tanzbilder von Michael Papendieck

Ungeplant und doch geführt sind die Tanzbilder von fotocommunity-Fotograf Michael Papendieck. Erfahren Sie mehr über Aufnahmetechnik, Arbeit mit dem Model, Shooting, Bildgestaltung und Nachbearbeitung.

Michael Papendieck Fotografie

© Michael Papendieck

Michael Papendieck Fotografie

"Ich bin für die meisten Modelle der blanke Horror", urteilt Michael Papendieck über sich selbst und führt aus, "ich lege mich so gut wie nie im Vorfeld fest, plane nicht und improvisiere beim Shooten aus dem Koffer."

Michael Papendiecks Bildideen werden in dem Moment geboren, in dem das Model das erste Mal vor ihm steht. Sie sind die Essenz aus dem individuellen ersten Eindruck, den es hinterlässt. "Bereits vorhandene Bilder des Models spielen dabei keine Rolle, da ich als jemand, der selbst lange Jahre getanzt hat, eine Person sich bewegen, sprechen und agieren sehen muss, um mit ihr fotografieren zu können", erläutert er. Ein Model, das mit Michaels bereits aufgenommenen Tanzbildern und "Improvisationstheater" nichts anfangen kann, wird nie mit ihm shooten wollen, ist er sich sicher.

Er rät: "Jeder, der sich nicht mit meiner Arbeitsweise arrangieren kann, bleibt besser zu Hause. Das klingt vielleicht arrogant, ist aber konsequent, denn ich bin kein einseitiger Ideenlieferant, sondern mindestens 50 Prozent der Arbeit bei freien Projekten liegen beim Model." Wer ausschließlich seine Ideen umgesetzt haben will, muss ihn als Dienstleister buchen, dann bereitet er sich anders auf das Shooting vor. So fixiert er nur einen Termin im Studiokalender, und dann wird improvisiert.

Fotograf und Model

Michael Papendieck, Fotografie, Portfolio

© Michael Papendieck

Eine minimale Studioausrüstung genügt Michael Papendieck. Zumeist fotografiert er nur mit einer großen Softbox, die an einem Galgenstativ das Set von schräg oben nach altmeisterlichem Vorbild a la Rembrandt beleuchtet. Er beschreibt seine Vorgehensweise: "Nicht ich bewege das Licht dem Model hinterher, sondern dieses bewegt sich im Licht."

So reißt die Verbindung Model-Fotograf nie ab. Er erläutert: "In dem Moment, wo ein Fotograf die Kamera weglegt, um am Lichtaufbau rumzuschrauben, wird das Band zwischen Fotograf und Model durchtrennt, und das Model mutiert zum Fotoobjekt, das ausgeleuchtet werden soll. Dann geht es nur noch um die Technik, mit individueller Fotografie hat das für mich nichts mehr zu tun."

Ausrüstung und Aufnahmetechnik

Auch bei der Kameraausrüstung beschränkt er sich auf eine 50-mm-Festbrennweite. Die Kamera ist bei seinen Aufnahmen nicht Protagonist, sondern zeichnet nur in kurzen Momenten auf, was er sieht oder sehen möchte. Da er im Studio das Licht wählt, sind Belichtungszeit und Blende fast immer gleich - 1/125 Sekunde mit Blende 2 bis 5,6.

Dem angemessen wird dann der Studioblitz, je nach Lichtformer, angepasst. Da sich sein Lichtsetzen auf diese Eingriffe beschränkt, ist es so wichtig, dass er und das Model zusammen improvisieren.

Bildergalerie

Michael Papendieck Fotografie
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Ungeplant und doch geführt sind die Tanzbilder von fotocommunity-Fotograf Michael Papendieck. Erfahren Sie mehr über Aufnahmetechnik, Arbeit mit dem…

Modelführung wie Paartanz

Michael Papendieck gibt etwa einen Schritt vor, das Model folgt und interpretiert diesen in seiner persönlichen Form und schafft damit von seiner Seite wieder einen Ausgangspunkt für Michael, den nächsten Schritt oder eben genau das Gegenteil zu tun. Das funktioniert nur, wenn Model und Fotograf direkt oder nonverbal 100 Prozent miteinander kommunizieren.

Er führt aus: "Ich bewege mich beim Shooten viel hin und her und beeinflusse mit meiner Position im Raum die meines Gegenübers, beziehungsweise das Model nimmt eine Position in Raum und Licht ein, die wiederum meine eigene steuert." Wäre die Modelführung ein Paartanz, hätte Michael Papendieck den männlichen Part und das Model hätte darauf zu vertrauen, dass Michael weiß, wo er den nächsten Schritt hinsetzt.

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Bildaufbau und Komposition

Das Motiv bestimmt bei Michael immer die Bildgestaltung. Porträts legt er angelehnt an Mittelformataufnahmen oft mittig an, um die Fotografien abschließend zu einem Quadrat zu beschneiden. Ansonsten nutzt er gängige gestalterische Mittel wie Diagonale oder Goldener Schnitt. Allerdings durchbricht er auch gerne gewollt bestehende Regeln, um den Betrachter aus seiner Sehgewohnheit zu lösen.

Zu 99 Prozent blicken seine Model als eine Art Abstraktion nicht in die Kamera, nur selten adressiert er den Betrachter direkt. Somit entsteht eine bisweilen sterile Atmosphäre, in der ein Model selbst komplett unbekleidet sein kann, ohne dass es anstößig, nackt oder voyeuristisch wirkt. "Menschliche Formen treffen dabei auf grafische Bildgestaltung", fügt Papendieck an.

Locations

Da er meistens im Studio fotografiert, tauchen Locations auf den Bildern von Michael Papendieck eher selten auf. Lediglich für eine Tanzserie, bei der allerlei Tänzer an verschiedenen Plätzen/Orten in der Stadt agieren, verlagerte er das Shooting nach draußen.

Dabei wählte er Orte mit repräsentativem Wiedererkennungswert, um lokale Bezüge herzustellen. Ansonsten sucht er Outdoor-Locations nach individuellen Bedürfnissen aus. Dabei muss die Umgebung aber stets ohne Model sehenswert sein. Das Model ist dann später lediglich ein dekoratives Element.

Retusche

Mehr Bilder von Michael Papendieck

Die Nachbearbeitung beschränkt Michael Papendieck in erster Linie auf Korrekturen. Er säubert Wände oder Böden und retuschiert am Model nur gängige Wünsche wie Pickel, Mückenstiche oder blaue Flecken.

Bildausdruck

Michael Papendiecks Bilder sind die Sicht der Dinge, wie er sie im Moment der Aufnahme wahrnimmt oder im Zusammenhang mit dem Tanz rein bildgestalterisch choreographiert. Porträts hingegen sollen Personen individuell darstellen. Er beschönigt nichts und stellt die Menschen so dar, wie sie es ihm erlauben. Dabei arbeitet er nur mit dem, was die Personen bereit sind zu zeigen.

Bei Aktfotos geht es ihm nicht um den Transport erotischer Inhalte. Seine Bilder bieten den nackten Körper nicht an. Unsere Serie "Menschen hinter der Kamera" präsentiert Fotografen der fotocommunity und deren außergewöhnliche Bilder. "Für mich sind unbekleidete Körper Modelliermasse. Wie Knetmännchen, nur hübscher", kommentiert er augenzwinkernd. Die individuelle Persönlichkeit des Models tritt beim Akt hinter seinen physischen Eigenheiten zurück, die als gestalterische Mittel der Bildkomposition mit Licht dienen.

Bedeutungsschwangere Inhalte sucht der Betrachter daher in Michael Papendiecks Fotografien vergebens. Bildtitel für Online-Auftritte sind zudem mit Absicht völlig an den Haaren herbeigezogen oder für den Betrachter nicht nachvollziehbar, aus Gesprächen, Spinnereien oder kleinen wohlwollenden Frotzeleien beim Shooting entstanden.

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