Ratgeber

Elektronische Sucher

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E-330 LiveView

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In nicht allzu ferner Zukunft könnten elektronische Sucher die SLR-Sucher obsolet machen. Der hochauflösende elektronische Sucher erhält sein Bildsignal vom Aufnahmesensor und zeigt exakt mit optimaler Helligkeit den richtigen Bildausschnitt. Selbstverständlich ist die Suchervergrößerung nicht nur hoch, sondern es lässt sich auch auf Knopfdruck jeder gewünschte Ausschnitt in Echtzeit noch einmal vergrößert darstellen, um die Schärfe zu beurteilen. Das Suchersignal durchläuft den Bildprozessor der Kamera und so sieht der Fotograf ein entsprechend den Voreinstellungen korrigiertes Bild. Dies ermöglicht unter anderem eine optimale Beurteilung von Helligkeit und Weißabgleich. Unter- und überbelichtete Stellen markiert zur Warnung eine feine rote Linie. Auf Wunsch markiert eine zweite blaue Linie alle Zonen, die in der Schärfe liegen. Da ein derartiger elektronischer Sucher einem Minifernseher ähnelt, muss er mit einer hohen "Framerate", also Bildwiederholungsfrequenz, arbeiten. Nur so erscheinen schnelle Schwenks sauber dargestellt.

Ok, das war die Wunschvorstellung. In der Praxis sind wichtige Punkte wie die schnelle Auslesung der Bilddaten, die Datenverabeitung, aber auch ein genügend hoch auflösendes Sucherpanell nicht gelöst. Bis zu einem befriedigend arbeitenden elektronischen Sucher ist noch sehr viel zu erledigen: Sowohl die Auflösung und Schnelligkeit der Displays, die Geschwindigkeit, mit der Sensoren hochauflösende Bilder liefern können, und auch die Rechenleistung zur Verarbeitung dieser Daten müssen gesteigert werden. Die derzeitigen Lösungen können SLR-Sucher nicht ersetzen, doch sind die potentiellen Vorteile des elektronischen Suchers verlockend. Viele Punkte aktueller SLR-Digitalkameras sind nur noch in kleinen Schritten optimierbar. Beim Sucher besteht die Chance, eine deutlich bessere Lösung als die aktuelle zu entwickeln.

Eine interessante Zwischenlösung zeigen Olympus und Panasonic. Olympus setzt in den Strahlengang des Porroprisma-Suchers der E330 einen zweiten CCD, der für den Monitor ein Livesignal liefert. So steht weiterhin der SLR-Sucher zur Verfügung, doch kann alternativ der Monitor bei der Motivsuche genutzt werden. Zugleich bleibt auch der Autofokus funktionsfähig, da die Spiegel im Strahlengang stehen bleiben und so Licht auf die AF-Module lenken. Umgekehrt bedeutet dies: Das Signal kommt eben nicht vom Aufnahmesensor. Wie beim optischen Sucher sieht der Fotograf nicht genau, was er später fotografiert. Die Abdeckung ist geringer, der Weißabgleich und die Dynamik entsprechen nicht den Werten des endgültigen Foto, Kameraeinstellungen bleiben unberücksichtigt. Dazu geht im Sucher noch etwas mehr Helligkeit verloren als bei konventionellen Suchern. In einem zweiten Modus erhält der Monitor das Bildsignal vom Aufnahmesensor. Doch muss Olympus hierzu den Spiegel aus dem Strahlengang schwenken, sodass der Autofokus nicht mehr arbeitet. Zudem ist dieser Modus recht langsam und berücksichtigt ebenfalls nicht alle Einstellungen, da der Prozessor die Daten nicht schnell genug verarbeitet. Panasonic verzichtet in der bauähnlichen L1 auf den zusätzlichen Sensor. Die L1 nutzt ausschließlich das Signal des Bildsensors für die Vorschau auf dem Monitor. Diese "LiveView"-Funktion ermöglicht vor der Aufnahme die Kontrolle der Belichtung samt Histogramm und Weißabgleich: Zunächst klappt der Spiegel aus dem Strahlengang und lässt das Licht vom Objektiv auf den Sensor fallen. Soll nun der Autofokus scharfstellen, klappt der Spiegel zurück, lenkt das Licht zum AF-Modul, auf dem Monitor erscheint ein "eingefrorenes" Bild. Beim manuellen Scharfstellen aktiviert der Fotograf im Live-View-Modus eine Sucherlupe und stellt anhand des Bildsignals vom Aufnahmesensor scharf. Grundsätzlich könnte man auch das Signal des Bildsensors für den AF nutzen. Dies ist bei Kompakten üblich, doch arbeiten die speziellen AF-Module der SLRs schneller.

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