Elac-Geschäftsführer Gunter Kürten

Interview - "Elac kann auch Heimkino"

Zu Jahresbeginn übernahm der erfahrene Topmanager Gunter Kürten nach vielen Jahren bei globalen Marken wie Sony, LG und Denon das Zepter beim Kieler Lautsprecherspezialisten Elac. Für video zieht der neue Geschäftsführer seine persönliche 100-Tage-Bilanz und erklärt, was HiFi- und Heimkinokunden künftig von Elac erwarten dürfen.

Elac-Geschäftsführer Günter Kürten

© Elac / Gunter Kürten

Gunter Kürten: Für video zieht der neue Elac-Geschäftsführer seine persönliche 100-Tage-Bilanz.

video: Herr Kürten, wie fällt die Bilanz der ersten 100 Tage aus?

Gunter Kürten: Elac ist wie eine große Familie. Ich bin mit ganz offenen Armen empfangen worden. Alles ist geprägt durch einen großen Teamgeist, ein hohes Zugehörigkeitsgefühl. Im Schnitt sind die Mitarbeiter seit über 20 Jahren dabei. Das spürt man einfach. Ich denke aber, ich kann dazu auch einiges beitragen. Ich bringe durch meine HiFi-Erfahrung ein entsprechendes Netzwerk mit und HiFi ist eben meine große Leidenschaft.

video: Welche Impulse kann der neue Geschäftsführer setzen?

Kürten: Nun, der HiFi-Markt hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Mit Themen wie Streaming, Multiroom, Soundbars und vielem mehr. Meines Erachtens hat sich das Unternehmen diesen Marktveränderungen noch nicht stark genug gestellt. Daher sehe ich es als meine Aufgabe an, Elac in die digitale Zukunft zu führen. Ich denke, dass wir auf der High End im Mai in München schon erste Ergebnisse mit neuen Produktlinien präsentieren können - auch mit komplett neuen Produktideen, die Elac so bisher noch nicht bedient hat.

video: Digitale und vernetzte Technik ist im Gegensatz zum Manufakturhandwerk bei Lautsprechern stark Software-basiert. Wie stark lässt sich hier eine eigene Elac-Identität aufbauen?

Kürten: Natürlich greifen wir in diesem Fall auch auf externe Ressourcen zu. Die Technologien sind zwar für uns nicht unbedingt Neuland, aber wir haben dafür zumindest nicht alle Kompetenzen im Haus. Elac soll aber auf jeden Fall nicht nur ein Lautsprecherspezialist bleiben. Die Marke soll sich weiterentwickeln.

video: Was in puncto Vertrieb und Vermarktung ein ganz anderer Anspruch sein dürfte...

Kürten: Das ist ein ganz anderer Anspruch. Wir arbeiten heute in Deutschland ausschließlich mit Handelsvertretern zusammen. Das funktioniert sehr gut. Aber auch bei den Distributoren gilt es dann die richtige Wahl zu treffen und neue Kompetenzen aufzubauen, auch hinsichtlich der Endkundenbetreuung. Ein klassischer Lautsprecher lässt sich leichter erklären als etwa ein vernetztes Musiksystem. Diesbezüglich müssen wir uns auch intern neu aufstellen.

video: Wird sich dann der klassische Elac-Kunde, wie er heute ist, auch verändern?

Elac-Lautsprecher

© Josef Bleier

video testet die Linie 500 von Elac, hier ein Standlautsprecher, als Heimkino-Set mit Dolby Atmos in der Mai-Ausgabe.

Kürten: Heute ist der typische Elac-Kunde überwiegend sehr musik- und 2-Kanal-interessiert, ein Stereo-Liebhaber, nicht audiophil, aber einer, der beste Qualität zu einem guten Preis-/Leistungsverhältnis wünscht. Wir haben keine 20.000-Euro-Lautsprecher. Wir machen Premium-HiFi, aber bezahlbar.

Was den Kunden der Zukunft betrifft: Nun, alle, die sich für Netzwerkmusiksysteme interessieren, habe heute Elac sicher nicht auf dem Schirm. Oder auch Kunden, die sich für Wireless-Speaker entscheiden, oder für einen Soundbar interessieren.  Das wollen wir ändern.

video: Soundbar ist schon ein guter Anfang. Aus video-Sicht ist aber natürlich besonders spannend, welche Rolle das Thema Heimkino künftig spielen wird.

Kürten: Allein schon die Tatsache, dass wir uns auf der High End in puncto Heimkino sehr stark aufstellen zeigt, dass wir dem eine große Bedeutung beimessen. Das habe ich im Unternehmen auch festgestellt: Wir haben zwar zu allen Lautsprecherserien auch den passenden Center. Trotzdem sind wir als Heimkinospezialist bisher nicht sehr präsent. Da sind andere Marken aktiver.

DTS:X - Konkurrenz für Dolby Atmos

Ich glaube, dass wir diese Kundengruppe in der Vergangenheit nicht ausreichend bearbeitet haben. Mit der High End will ich daher ein Signal setzen, unter dem Motto: Wow, Elac kann auch richtig Heimkino! Und dann werden wir an dem Thema weiter massiv arbeiten.

video: Sie sind selbst gelernter Audioingenieur und, wie Sie schon sagten, passionierter HiFi-Liebhaber. Wie lässt sich diese Leidenschaft im Alltag ausleben?

Elac-Wandlautsprecher

© Josef Bleier

Wandlautsprecher von Elac

Kürten: Ha! (lacht). Mit viel Zeit im Hörraum, um bei Produkttests vor Ort zu sein und meine Hörerfahrung mit einzubringen. In meiner Zeit als Geschäftsführer bei Denon habe ich den Audiomarkt beruflich sehr stark betreut.

Bose Lifestyle 535 Series III im Lesertest

Ich habe aber quasi meine Karriere in der Branche als Praktikant in einem HiFi-Studio begonnen. Ich war also der Szene schon immer stark verbunden und lebe dies nicht zuletzt auch privat aus. Ich hab ein dickes Heimkino zuhause, in dem ich meiner Leidenschaft fröne.

video: Und vermutlich sind Sie entsprechend vernetzt?

Elac-Geschäftsführer Gunter Kürten

© Elac / Gunter Kürten

Gunter Kürten will Elac in nächster Zeit breiter aufstellen. Künftig soll es auch Multiroom-Lösungen, Soundbars und mehr Heimkino-Sets geben.

Kürten:  Mein System läuft zweigleisig. Einmal über das Heimkino, andererseits kann ich auch gut Stereo hören, vernetzt mit App-Steuerung und allem, was dazu gehört. Aus der Denon-Zeit habe ich mir noch eine gute A1-Kette gegönnt. Und ein Transrotor-Plattenspieler steht auch zur Verfügung.

video: Und verraten Sie uns auch Ihre musikalischen Favoriten?

Kürten: Die kommen stark aus der Jazz-Richtung. Übrigens: Ich nutze mein Heimkino sehr stark für Konzerte. Wenn ich mir Blu-rays kaufe, sind das in der Regel Konzertmitschnitte. Hier finde ich zum Beispiel David Foster klasse, oder auch Jazz Legends mit George Duke und Al Jarreau. Auch das Livekonzert von Andrea Bocelli in der Toskana finde ich sensationell.

video: Herr Kürten, vielen Dank für das Gespräch.

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