Jubiläum

Ein Rückblick auf 400 Ausgaben Video

Seit 33,33 Jahren begleitet die video die Entwicklungen der Unterhaltungselektronik. Zum Jubiläum lohnt sich eine Rückschau insbesondere auf die Themen der ersten Ausgabe, die 1979 das Licht der Welt erblickte.

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400 Ausgaben, das sind immerhin 33,33 Jahre faszinierende Magazin-, aber vor allen Dingen Technikgeschichte. Manch treuer Weggefährte mag sich noch gut an die Anfänge Ende der 70er- und 80er-Jahre erinnern, als der Videorekorder zum Shooting-Star der Unterhaltungselektronik avancierte. Ob VHS, Video 2000 oder Betamax obsiegen würden, stand noch nicht fest.

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Auch an sich hässliche Dinge versprühen manchmal ihren Charme. In meinen Fall Satelliten-Schüsseln: Wächst man in einem kleinen Dorf auf, ist das…

Shooting-Star Videorekorder

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Es war Sommer, genauer gesagt im Juli 1979, als die Nr. 1 der video das Licht der Welt erblickte. Sie folgte damit auf die Schwesterzeitschrift AUDIO, die zwei Jahre zuvor an den Start ging.

Aufzuzeichnen gab es nicht viel. Nur ARD, ZDF und die Dritten Programme standen zur Wahl. Kaum mehr vorstellbar heute in einer Zeit, in der man - je nach Empfangsart - aus 30 oder gar mehreren Hundert TV-Kanälen wählen kann.

Wer hip sein wollte, musste dennoch tief in die Tasche greifen. "Manche Rekorder haben schon die Schwelle von 2.000 Mark unterschritten", jubelte der Autor der Videorekorder-Marktübersicht in der video Nr. 1 im Juli '79. Heute liefern Kabel- und Sat-Receiver mit Festplatten-Rekorder für wenige Hundert Euro ein Vielfaches des damaligen Funktionsumfangs.

Als deutlich visionärer erwiesen sich die Redaktionskollegen seinerzeit in ihrem Erstlingswerk mit einem anderen Topthema: Unter der vielversprechenden Überschrift "Das Milliardending" prophezeiten sie: "Wenn die Bildplatte kommt, werden Fernsehen und Freizeit revolutioniert."

Mit dieser Aussage behielten die video-Gründungsväter fraglos recht. Jedoch ahnten die Experten damals sicher nicht, dass es noch mehr als 20 Jahre dauern würde, bis sich das geschäft mit Bildplatten zu jenem "Milliardending" entwickeln würde. Formate wie DVD und Blu-ray waren Ende der 70er-Jahre schließlich noch lange nicht geboren. Lediglich deren Vorgängerin, die ebenfalls 12 cm große Compact Disc, stand kurz vor ihrem Debüt.

Gepriesen wurde dagegen der Video-Longplay-Spieler von Philips, eine Art Vorläufer der späteren Laserdisc-Technik, der den Weg in die große Bildplatten-Ära ebnen sollte. Auch Teldec versuchte in dieser Zeit, mit dem TED-Bildplattenspieler den Markt zu erobern.

Ganz ohne Augenzwinkern wagten die Kollegen Fachjournalisten bei dieser Gelegenheit einen Blick in die Glaskugel: Sie sagten voraus, dass sich mit dem Siegeszug der Bildplatte ab 1985 sogenannte Sehzirkel bilden würden, die nach dem Abonnement-Prinzip der aus dem Bereich der Illustrierten bekannten Lesezirkel funktionieren sollten. Die Idee: Ein Bildplatten-Stapel liegt freitags vor der Haustür, darf eine Woche behalten werden, um danach gegen den nächsten Stapel ausgetauscht zu werden.

Nun dauerte es nicht nur sechs, sondern mehr als 20 Jahre, doch im Gegensatz zur Bildplatte selbst kam das Verfahren durchaus, wenn auch nur ähnlich geartet, zum Zug: in Form der heute bekannten DVD- und Blu-ray-Online-Versender. Bei Firmen wie Lovefilm oder Video Buster kann man heute Filmscheiben ordern, eine Weile behalten und dann gegen neue ersetzen. Wahrlich visionär, die erste video-Redaktion!

Weltinnovation Hotel-TV

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Auf 82 schwarzweißen Seiten lieferte die Crew um Gründungschefredakteur Hannes Scholten unter anderem einen großen Vergleich der auf dem Markt befindlichen Videorekorder aller konkurrierenden Systeme, eine Marktübersicht für Videokameras sowie die Kritiken zu zehn auf Videokassette erschienenen Spielfilmen, darunter Steiner - Das eiserne Kreuz, Der letzte Mohikaner und Die Geschichte der O. Die Kassetten kosteten damals zum Teil bis zu 300 D-Mark. Wer sich diese Investition ersparen wollte, für den gab es jede Menge TV-Tipps in der Rubrik "Schneiden Sie mit!".

Aber lassen Sie uns weiter schmökern in der Erstausgabe der video.

Wer sich heute in YouTube zu Hause fühlt, seinen Urlaub über eines der unzähligen Reiseportale bucht oder sein Ferienziel gar über Verkaufskanäle wie sonnenklar.TV auswählt, würde bei dem Beitrag mit der Überschrift "Fernweh-Programm" heute ins Schmuzeln geraten. Bald solle es möglich sein, schrieben die Autoren im Sommer '79, sich sein Urlaubsziel per Videoclip auszuwählen - erst auf entsprechenden Messen und später am besten auch direkt im Reisebüro. Heute in Zeiten des Endlos-Internets ist kaum mehr vorstellbar, wie limitiert die technischen Möglichkeiten seinerzeit waren.

Auch Filme persönlich auf dem Fernseher im Hotelzimmer auswählen zu können war keinesfalls eine Selbstverständlichkeit, im Gegenteil. Das Züricher Hotel Nova-Park tat sich laut video-Bericht als Vorreiter der Angebotsform des Pay-TV im Zweibettzimmer hervor. Sensationelle 20 Filme diverser Genres von Western bis Sex umfasste das Angebot. "Das war Kino satt", zitierte die video damals einen Hotelgast.

TV als Computer

Nur wenige Seiten weiter lauerte indes bereits das nächste Thema mit einer höchst zukunftsträchtigen Headline: "Bald wird der Bildschirm zum Computer", sagten die Technik-Experten der 70er-Jahre voraus. Und auch in diesem Fall behielten sie recht. Bekanntlich verfügen seit ein paar Jahren viele neue Flach-TVs über einen Ethernet-Anschluss und können zum Teil direkt via Browser oder Apps auf Internet-Inhalte zugreifen.

Zugegeben: Die Kollegen schrieben 1979 eher noch dem Bildschirmtext eine große Zukunft zu, von Smart TVs konnten sie damals noch nichts ahnen. Dennoch schlugen sie immerhin vor, sich künftig über BTX zu verabreden, Nachrichten und Infos abzurufen oder Termine auszutauschen - Facebook lässt grüßen.

Wem all diese Themen von anno dazumal noch immer nicht visionär genug erscheinen, dem wollen wir gern zum Schluss noch einen weiteren interessanten Beitrag der Erstlingsvideo präsentieren, Motto: "Wie ein Wohnzimmer in zehn Jahren aussehen wird". Die damaligen Voraussagen für das Jahr 1989: Flach-TVs hängen an der Wand, der Ton kommt direkt aus der Wand, die Zuseher spielen TV-Schach, ein kleines Steuerpult dient als Schaltzentrale. Und mit Mobilgeräten kann man im Auto oder beim Friseur fernsehen.

Welch Weitblick! All diese Ideen sind heute längst Realität geworden, auch wenn die meisten erst weit nach 1989 auf den Markt kamen. Flach-TVs und In-Wall-Speaker sind heute ebenso Usus wie das Steuern aller Funktionen etwa über Smartphones oder Tablet-PCs. Und mit Letzteren lässt sich auch exzellent mobil fernsehen.

Auf den Punkt gebracht

So verneigen wir uns mit Hochachtung vor den Kollegen von 1979, denen es gelang, die faszinierenden Technikthemen der Zukunft schon derart beeindruckend auf den Punkt zu bringen, und nehmen dies gern als großen Ansporn, um auch in den nächsten 400 Ausgaben der video immer den passenden Ton zu treffen.

Chronik: 33,33 Jahre video

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Interview: Hannes Scholten, Gründungs-Chefredakteur

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Hannes Scholten, Gründungs -Chefredakteur

Wie kam es '79 zur Gründung der video?

H. Scholten: Ich hatte 1978 bereits AUDIO gegründet. Die Hi-Fi-Konkurrenz wurde nach wenigen Ausgaben überrundet, stereoplay (ursprünglich eine italienische Lizenzausgabe, die ein deutscher Mini-Verlag herausgab) wurde in einer Schnellaktion von der Motorpresse gekauft. Der Erfolg war also offensichtlich. Daher lag die Programm-Komplettierung durch eine Schwesterzeitschrift video auf der Hand. 

Das erste Heft video 1979 war ein Test, eiligst zusammengeschustert, weil die damalige Geschäftsleitung monatelang alle Anträge verzögert hatte, dann aber plötzlich innerhalb von zwei Monaten ein Heft auf dem Tisch haben wollte. Wie Geschäftsleitungen halt so sind.

Hätten Sie seinerzeit erwartet, dass die video nach 33,33 Jahren am Markt noch immer ihre Leserschaft beglückt?

H. Scholten: Oh ja - warum auch nicht? Einige deutsche Zeitschriften sind über 100 Jahre alt und leben immer noch, mit zeitgemäßem Inhalt und moderner Optik. Die video wird es so lange geben, wie das Medium Film existiert und zu seinem Konsum ein Abspielgerät notwendig ist - also gut und gerne noch 200 Jahre.

Welche Idee steckte damals hinter der video?

H. Scholten: Wir waren alle fasziniert von den Möglichkeiten des Bildmediums - sehen, was man will, wo und wann immer man es will. Filme selber produzieren zu können war eine neue Erlebnisdimension wie seinerzeit die Polaroid-Kamera. Wer also den kommenden Video-Boom, zu dem ja auch die Privatfernsehsender gehörten, nicht sah, der muss sogar auf den Hühneraugen blind gewesen sein.

In der Stuttgarter Königstraße mit drei Filialen der UE-Kette "Lerche" warteten die Leute in 200-Meter-Schlangen, um schweineteure Leerkassetten zu ergattern. Das war ein Verteilermarkt, kein Käufermarkt.

Wie reagierte die Branche auf das neue Magazin video?

H. Scholten: Wie immer in solchen Fällen, natürlich positiv. video war mit über 130.000 verkauften Heften eindeutiger Marktführer.

Was erwarten Sie heute und in Zukunft von der video?

H. Scholten: Weiterhin so gute Qualität - mindestens für die nächsten 33,33 Jahre!

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