Ab Mitte 2016

DVB-T2 HD erklärt: Technikflotte, Bandbreiten, Testsignale

  1. DVB-T2 HD erklärt: Alles über Technik, Geräte und mehr
  2. DVB-T2 HD erklärt: Technikflotte, Bandbreiten, Testsignale

Technikflotte steht parat

Im Wohnzimmer werden dagegen weiterhin Fernseher mit eingebauten DVB-T2-HD-Tunern und spezielle Receiver als Hauptempfänger fungieren. Wichtig zu wissen: Alle bisherigen DVB-T-Empfänger sind dafür nicht geeignet. Weshalb das Gros der Hersteller bereits aufgerüstet hat, auch wenn der offizielle Testbetrieb erst zur Fußball-Europameisterschaft 2016 im Juni beginnen soll und die offizelle Startphase erst für 2017 geplant ist.

Sang-Won Byun, Manager Smart-TV CE bei TV-Marktführer Samsung, erklärt, warum: "Wir legen großen Wert auf die Zukunftssicherheit unserer Geräte. Kunden, die sich in diesem Jahr einen Samsung-TV kaufen, sind so bereits für die Umstellung gerüstet und müssen sich im kommenden Jahr nicht um ein Zusatzgerät für ein Upgrade ihres TVs kümmern." Ähnliches gilt für viele andere TV-Hersteller wie Philips, Sony, Hisense, oder auch Orion. Bei einzelnen Modellreihen wird ein Softwareupdate nötig sein. Außerdem sind entsprechende Set-Top-Boxen in Planung, etwa auch bei Samsungs Korea-Konkurrent LG: "Es ist aus unserer Sicht zu erwarten, dass auch externe DVB-T2 HD-Receiver zum offiziellen Marktstart von DVB-T2 HD in Deutschland verfügbar sein werden. Bei einigen Konsumenten wird es definitiv Bedarf geben, Zugang zu einer günstigen Nachrüstmöglichkeit zu erhalten", weiß Samuel Lee, Head of Home Entertainment Smart TV. Über die Konfigurationen der Receiver will dagegen noch keiner genauer Auskunft geben, da sich laut Samsung-Manager Byun, "auch die Themen Smart TV und Konnektivität rasant weiterentwickeln und wir die neuesten Entwicklungen in kommende DVB-T2 HD-Receiver einfließen lassen möchten."

Nebst den asiatischen Konzernen mischen aber natürlich auch die deutschen Marken weiter mit. Der Rosenheimer Antennen-Riese Kathrein will beispielsweise auf der Fachmesse Angacom im Juni ein passendes T2- Receiver-Modell präsentieren. Technisat hingegen ist mit zwei T2-HD-fähigen Receivern vorgeprescht, die bereits verfügbar sind. Und auch in ihren neuen UHD-Fernseher haben die Rheinland-Pfälzer den enstprechenden Tuner bereits eingebaut.

DVB-T2 HD TechniSat UHD

© Hersteller

DVB-T2-HD-Receiver von TechniSat

Sparsam bei Bandbreiten

Doch für welches Empfangsgerät Sie sich auch immer entscheiden: Ratsam ist in jedem Fall, auf das neue grüne DVB-T2-HD-Logo zu achten. Es garantiert, dass alle notwendigen Spezifikationen erfüllt sind, so etwa die Unterstützung des wichtigen HEVC-Codecs. "Es ist wichtig zu wissen, dass das allgemeine Standard-Logo ,DVB-T2' mit schwarzer und blauer Schrift noch keinen ausreichenden Anhaltspunkt für den Empfang von DVB-T2 HD gibt", klärt Carine Chardon auf, die als Geschäftsführerin der Deutschen TV-Plattform die Entwicklung der technischen Mindestanforderungen begleitet hat.

Da DVB-T2 in anderen Ländern seit Längerem eingesetzt wird, sind im Handel wie etwa bei Amazon schon Receiver verfügbar. Diese sind jedoch häufig nicht HEVC-tauglich und damit nicht für den Empfang der deutschen T2-HD-Sender geeignet.

Apropos: Bleibt noch die Frage, was genau es eigentlich über Antenne künftig zu sehen gibt? Seit einiger Zeit werden erste Testsignale in den Ballungszentren Berlin, München und Köln-Bonn ausgestrahlt - mit wichtigen Erkenntnissen, wie Dr. Andreas Bereczky vom ZDF verrät: "Eine interessante Erkenntnis war zu sehen, dass es kaum Unterschiede gab im Bandbreitenverbrauch bei 720p- oder 1080p-Ausstrahlung. Es hat alle etwas überrascht, dass die Decoder die Signale so gut komprimieren können. Das führte mit zu der Entscheidung, in Zukunft die bessere Qualität auszustrahlen."

Testsignale empfangbar

Die Testsignale sind auch für Verbraucher mit DVB-T2-HD-Tunern in den drei Regionen bereits empfangbar. Allerdings handelt es sich hierbei noch nicht um Vollprogramme. Undeine aktive Beteiligung der Verbraucher an den drei laufenden Tests sei nicht vorgesehen, so Veit Olischläger von der Initiative DVB-T2 HD. "Ab Beginn der Einführungsphase kann mehr als die Hälfte der Bevölkerung DVB-T2 HD testen und erleben."

Lesetipp: DVB-C2 und DVB-T2 - die Zukunft des digitalen Fernsehens

Dies wird allerdings erst im kommenden Frühsommer der Fall sein. ZDF-Mann Bereczky: "Das wird Media Broadcast organisieren, und ich denke, jede der großen Sendergruppen wird im Zuge dessen für einen überschaubaren Zeitraum ein Programm anbieten. Bei uns ist es das Hauptprogramm des ZDF. Wirklich starten wollen wir dann 2017. Im Frühjahr oder Spätwinter, das ist noch nicht ganz klar. Auf jeden Fall im ersten Quartal. Zu diesem Zeitpunkt wollen wir alle Programme aussenden, die wir verantworten." Gleiches plant die ARD. Die ProSieben-Gruppe will laut Klaus Steffens "ab dem zweiten Quartal 2016 mit den Sendern ProSieben HD und SAT.1 HD in die Einführungsphase gehen. Unsere weiteren vier HD-Sender kabel eins, ProSieben MAXX, sixx, und SAT.1 Gold folgen dann zum Start im Frühjahr 2017." Bei RTL entstehen noch Entscheidungen aus: "Das genaue Senderportfolio steht noch nicht fest", sagt Horst Indek. "Wir gehen allerdings davon aus, dass alle unsere Free-TV-Sender in HD verbreitet werden. An der Einführungsphase werden wir uns beteiligen." Insgesamt sollen zumindest in den Ballungsräumen rund 40 Sender via DVB-T2 HD zu empfangen sein - deutlich mehr, als über das herkömmliche DVB-T.

Abgeschlossen sein soll die Umstellung auf den neuen Terrestrik-Standard mit Full-HD-Qualität im Jahr 2019, allerspätestens 2020. In diesen drei Jahren dürfte via Satellit, Kabel und IP jedoch längst das Angebot an Ultra-HD-Programmen signifikant steigen. Ist 4K bzw. UHD daher auch ein Thema für die Antenne? "Im klassischen Produktionsalltag der Fernsehsender ist derzeit eine höhere Bildauflösung als HD kein Thema", sagt IRT-Pressesprecher Schierbaum. "Um das Potenzial auszuschöpfen, müsste die Technik aller Arbeitsabläufe, von der Außenproduktion über die Studios, den Programmaustausch bis hin zum Sendeablauf umgestellt werden. Dennoch ist es wichtig, frühzeitig Erfahrungen mit UHD-TV zu sammeln." Dazu gehörten nach Schierbaums Ansicht nicht nur eine höhere Bildauflösung, sondern auch weitere Merkmale, wie größere Farbdynamik und höhere Bildwiederholraten, "um für den Konsumenten ein wirklich überwältigendes Fernseherlebnis zu ermöglichen." Die gute Nachricht: "Aus diesem Grund testet das IRT derzeit den Reifegrad solcher Merkmale und wirkt an der Entwicklung eines einheitlichen Standards mit."

Invest in Millionenhöhe

Doch zuvor heißt es erst einmal, Antennen-TV in Full-HD erfolgreich auf den Weg zu bringen. Stellt sich abschließend die Frage, wer den Spaß eigentlich bezahlt? "Zunächst gehen die Sendenetzbetreiber mit Millionen in Vorleistung", klärt TV-Plattform-Chefin Chardon im video-Interview auf (rechts). "Auch der Plattformveranstalter hat hohe Investitionskosten. Die Sender investieren ihrerseits, Verträge über ihre Verbreitung via DVB-T2 HD werden mit Sendenetz- bzw. Plattformbetreibern ausgehandelt." Und nicht zuletzt bezahlen natürlich die Zuschauer, sowohl über die klassischen Gebühren als auch, wenn sie die Angebote der privaten Sendeanstalten nutzen wollen.

IRT-Sprecher Thomas Schierbaum sieht jedenfalls mit DVB-T2 HD die Zukunft der Terrestrik als gesichert an: "Fernsehen über Antenne ist ein attraktiver Verbreitungsweg und wird es auch in Zukunft bleiben. Gerade die zunehmende mobile und portable Nutzung massenattraktiver TV-Programme benötigt einen drahtlosen Empfangsweg."

Alle Geräte auf "grün"

"Für den Verbraucher ist das grüne Logo eine Orientierungshilfe beim Gerätekauf", sagt Carine Chardon, Geschäftsführerin der Deutschen TV-Plattform. "Geräte, die das grüne Logo tragen, sind in der Lage, DVB-T2-Dienste in Deutschland zu empfangen und darzustellen." Chardon betont: "Es ist wichtig zu wissen, dass das allgemeine Standard-Logo "DVB-T2" in schwarzer und blauer Schrift noch keinen ausreichenden Anhaltspunkt für den Empfang von DVB-T2 HD gibt!" Grundlage zur Verwendung des neuen Logos sind für die Hersteller die sogenannten "Minimum Requirements", die Mindestvoraussetzungen, die erfüllt sein müssen, um die technischen Anforderungen zu erfüllen. Diese sind in einem 30-seitigen Papier zusammengefasst, das alle Faktoren von der HEVC-Unterstützung, über Audio-Codecs bis hin zur HbbTV-Integration und der Möglichkeit des Digital Rights Managements (DRM) umfasst.

Neues Fernsehen, neue Ware

So viel steht fest: Wer das neue Antennenfernsehen genießen will, muss sich mit neuer Hardware eindecken. Rückwärtskompatibilität: Fehlanzeige. Hersteller und Handel hoffen zum Start des Testbetriebs im Umfeld der Fußball-EM 2016 und dem offiziellen Startschuss für DBV-T2 HD Anfang 2017 einen Absatzschub, insbesondere bei Receivern. Neuheiten wie der DigiPal ISIO HD von Technisat (Bild) wurden bereits auf der IFA letzten Jahres in Berlin vorgestellt. Weitere Marken und Modelle werden folgen.

Mit DVB-T2-fähigen Zimmerantennen lässt sich das Empfangsignal in vielen Wohnhäusern deutlich verstärken. Zubehöranbieter One For All etwa verspricht eine Signalverstärkung von bis zu 51 dB, je nach Modell. Integrierte 3G/4G/LTE-Blockfilter garantieren dem Anbieter zufolge eine "störungsfreie Signalgüte". Der Clou: Mit der SV 9220 stehe eine Antenne bereit, die unsichtbar auf Wandhalterungen von One For All hinter dem Flachbildschirm versteckt installiert werden kann.

Immer mehr Verbraucher kaufen neue Fernseher mit Triple-Tuner, sprich, nebst Kabel- und Sat-Empfänger ist bereits ein Modul für terrestrische Programme integriert. Samsung (Bild), Sony, LG, Philips und viele andere TV-Lieferanten haben mehrere Modellreihen bereits 2015 auf den neuen Sendestandard vorbereitet. Der Vorteil: Eine externe Set-Top-Box ist nicht nötig. Zum Start des kompletten Sendebetriebs Anfang 2017 dürften alle verfügbaren Geräte kompatibel sein.

Mehr zum Thema

Philips PD9003
Ratgeber Mobil-TV

Sie sind nicht zu Hause und wollen dennoch auf ihre Lieblingssendungen nicht verzichten? Mit diesen Geräten können Sie unterwegs fernsehen.
EyeTV Micro
Mobiler TV-Spaß

Filme schauen, Fernsehen empfangen oder einfach Musik hören: Für beste Unterhaltung unterwegs sorgen insbesondere Tablets. Wir sagen Ihnen, was Sie…
Devolo dLAN TV Sat Multituner
Sat-IP-Server

Der dLAN TV Sat Multituner leitet Sat-TV-Signale übers Netzwerk an einen Empfänger weiter. Wir haben den Sat-IP-Server getestet.
Satellit
DVB-C2 und DVB-T2

Der DVB-Standard macht mit DVB-T2 und DVB-C2 den nächsten Evolutionsschritt. Doch Deutschland tut sich mit dem Wechsel in die Zukunft des digitalen…
Tivizen Nano HD Hybrid
Tivizen Nano HD Hybrid

Der Tivizen Nano HD Hybrid von icube ermöglicht drahtlosen TV-Empfang im ganzen Haus auf dem Tablet oder Smartphone. Neu sind HD-Sender per DVB-C.