Blu-ray auf der Überholspur

Duplizieren

Duplizieren verboten -oder erwünscht?

Der Kopierschutz spielt eine ganz besondere Rolle bei der Blu-ray. Erst relativ spät in der Entwicklungsphase einigte man sich auf das intelligent komplexe Zugriffsschlüssel austauschende und sperrende System AACS. Leider wurden von bösen PC-Hackern einige Universalschlüssel aus Blu-ray- Abspielprogrammen ausgelesen und das System galt erst einmal als geknackt.

Zum Glück für die aufgeschreckte Filmindustrie hatte die Blu-ray noch ein Ass im Ärmel, das die konkurrierende HD DVD nicht bieten konnte - den zusätzlichen Kopierschutz BD+. Nicht zuletzt machte dieses Verfahren die Blu-ray für die Filmanbieter attraktiver und frei nach dem Grundastz "Content is King" besiegelte die Entscheidung des Branchenriesen Warner, sich auf Blu-ray zu konzentrieren, den Untergang der HD DVD.

Es wurde viel kritisiert an den ausgefeilten Kopierschutzmechnismen. Dabei sei angemerkt, dass die Kopieroptionen einer Blu-ray weitaus mehr Optionen anbieten als bei der DVD. Das Rippen einer DVD, bzw. das in Umlauf bringen einer dazu nötigen Software ist ein Straftatbestand.

Blu-ray lässt den Filmanbietern zumindest die Möglichkeit einer gezielten Kopie offen. So können Filme in geringer Auflösung auf ein USB-Gerät oder eine SD-Karte überspielt werden, um sie auf einem portablen Gerät nutzen zu können. Das wird von der Disc gezielt gemanaged.

Die Profile: BonusView und BD-live

Report: Blu-ray-Spezial

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In Deutschland erhältliche Blu-ray-Filme: Seit Ende 2006 erscheinen monatlich 20 bis 50 Filme auf Blu-ray. Tendenz: ab jetzt stark steigend.Monatliche Releases (blau) Titel gesamt (rot)

Eine Norm muss sich erst etablieren, und nicht zuletzt sind die Wünsche der Konsumenten nicht immer von Entwicklungsingenieuren vorhersagbar. Bei der Evolution der Blu-ray-Player kommt ein anderer Effekt hinzu. Als die ersten Chipsätze fertig waren, stellte sich heraus, dass die Konkurrenz auf einmal schon bessere Features anbot.

Dass es zwei Varianten von Blu-ray-Playern geben sollte, preiswerte ohne und teurere mit Internetextras war schon lange beschlossene Sache. Dass aber die Geräte der ersten Generation offiziell nicht den finalen Anforderungen entsprachen, ist ärgerlich. Das Profil 1.0, also die Technik der ersten Geräte, wurde Ende 2007 durch das finale Standardprofil 1.1 abgelöst.

Der entscheidende Vorteil - neben 256 MByte Festspeicher für Extras - nennt sich BonusView. Die Geräte des Profils 1.1 benötigen Bild- und Tondecoder in doppelter Ausführung, damit Bild-im-Bild- Einblendungen von Extras möglich werden. Zwei weitere technische Aspekte waren mit der ersten Generation noch nicht in den Griff zu bekommen.

Erstens waren damals die Umsetzungen einiger Tonnormen offen und konnten noch nicht in Hardware gegossen werden, von einer vollständigen Nutzung der HDMI-Schnittstelle als Ton-Übertragungsmedium gar nicht zu reden. Zum anderen wurde die Anforderung, die an die Rechenleistung der Geräte gestellt werden sollte, unterschätzt. Blu-ray erlaubt das Laden von recht komplexen Applikationen in der Programmiersprache BD-Java.

Einige Filmanbieter, allen voran Disney, nutzen diese phänomenal interaktiven Optionen von Anfang an exzessiv. Die Discs laufen mit ihren Minigames im rechenpotentesten aller Blu-ray-Player, der Playstation3, super, doch die ersten normalen Wiedergabegeräte strichen ihre Segel und ließen einige Sekunden lang auf interaktive Reaktionen warten. Mittlerweile ist die Komplexität der Games angepasst und die neuen Player sind schneller geworden.

Erst seit kurzer Zeit gibt es Blu-ray-Player im höchsten Ausstattungsprofil 2.0, auch BD-live genannt. Was sich auf den ersten Blick recht profan anhört: "die Geräte besitzen einen Netzwerkanschluss", ist vielleicht der größte Fortschritt der Discmedien seit Jahren. Während eine CD oder DVD ein statisches Medium ist, das einmal fertig gestellt wird und seinen Inhalt nie verändert, erwachen Blu-ray-Scheiben, die BD-live bieten, wirklich zum Leben.

Sie laden bestimmte Inhalte aus dem Internet nach, speichern sie lokal (die Player benötigen jetzt 1 GByte Festspeicher) und bauen diese Extras in die Disc-Navigation ein. Es kann also tatsächlich sein, dass eine Blu-ray, die man jeden Tag einlegt, jeden Tag neues, aktuelles Bonusmaterial liefert. News, Trailer und Filminfos sind nur der Anfang. Neben neuen Kommentarspuren, Livecams, Blogs und Foren sind bereits viele Ideen in den Köpfen der Filmanbieter und werden bald realisiert.

Bild und Ton

Report: Blu-ray-Spezial

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"CSI Miami" von Universum Film ist Deutschlands erste Blu-ray mit BD-live. Selbst im Vergleich zu geplanten US- Titeln sind die Interaktivitäts-Ideen des deutschen Authoringstudios Imagion wegweisend.

Hauptargument für die Blu-ray als Nachfolger der DVD ist die verbesserte Bild- und Tonqualität. TV- Ausstrahlungen, die dazugehörigen Fernsehgeräte sowie angeschlossene Zuspieler hielten über viele Jahrzehnte an der Auflösung von PAL bzw. NTSC fest.

Dabei verbesserten sich zwar Farbauflösung und horizontale Pixelnutzung etwas, doch die Obergrenze von 720x576 (PAL, 50Hz interlaced) oder gar nur 720x640 (NTSC, 60Hz interlaced) Bildpunkten konnte auch von der DVD nicht durchbrochen werden. Vor wenigen Jahren begann HDTV sich endlich durchzusetzen, erst in Japan, dann in den USA und bald auch bei uns.

Report: Blu-ray-Spezial

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Schon 2007 waren 23% der deutschen Haushalte mit HD-Ready-TVs versorgt, können also Blu-ray problemlos in guter Qualität genießen. Bald werden es schon mehr als die Hälfte aller Deutschen sein.

Die neue TV-Norm setzt neue Qualitätsreferenzen mit einer Auflösung von bis zu 1920x1080 Pixeln mit einer Wiederholrate von 50 oder 60 Hz, ebenfalls im Halbbildverfahren, also interlaced. Alternativ können progressiv, also mit 50 oder 60 echten Vollbildern pro Sekunde Filme in einer Auflösung von 1280x720 Bildpunkten gesendet werden.

Die Blu-ray nimmt sich praktischerweise dieser Daten an, ergänzt sie aber sinnvollerweise durch die native Speicherung eines Films, der ja in den Kinos mit 24 Vollbildern pro Sekunde zu sehen ist. Das ist auf den ersten Blick nichts Weltbewegendes, denn auch eine NTSC-DVD kann Filmdaten in 24p enthalten.

Die Welt bewegt hatte hingegen die Firma Pioneer, die 2006 BD-Player und TV-Geräte entwickelte, die die ruckelfreie Bildwiedergabe der originalen Kinorate 24p erstmals unterstützen. Mittlerweile muss dies jeder BD-Player und jedes gute TV-Gerät unterstützen.

Codec: LPCM Dolby Digital Dolby Digital Plus Dolby True-HD (Lossless) DTS digital surround DTS-HD High Resolution DTS-HD Master Audio
Max. Bitrate 27.648 Mbps 540 kbps 1.664 Mbps geplant 4.736 18.64 Mbps 1.524 Mbps 6.0 Mbps 24,5 Mbps
Max. Kanäle 8 (48 kHz, 96 kHz), 6 (192 kHz) 5.1 7.1 8 (48 kHz, 96 kHz), 6 (192 kHz) 5.1 8 (48 kHz, 96 kHz), 6 (192 kHz) 8 (48 kHz, 96 kHz), 6 (192 kHz)
Bits/Sample 16, 20, 24 16 - 24 16 - 24 16 - 24 16, 20, 24 16 - 24 16 - 24
Sampling Frequenz 48 kHz, 96 kHz, 192 kHz 48 kHz 48 kHz 48 kHz, 96 kHz, 192 kHz 48 kHz 48 kHz 96 kHz, 192 kHz 48 kHz, 96 kHz, 192 kHz
Variable Bitrate Nein Nein Ja Ja Nein Nein Ja
Verlustfrei Ja Nein Nein Ja Nein Nein Ja

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