DRM killt Vista

DRM killt Vista

Bunt, laut und lustig soll es zugehen mit dem neuen Vista, verspricht Microsoft - doch viele Anwender werden eher einen schwarzen Bildschirm sehen. Mit der DRM-Gängelung seiner Kunden läuft der Redmonder Software-Riese Gefahr, seinem neuen Betriebssystem eigenhändig den Todesstoß zu versetzen.

DRM killt Vista

© Wolf Hosbach

DRM killt Vista

Bunt, laut und lustig soll es zugehen mit dem neuen Vista, verspricht Microsoft – doch viele Anwender werden eher einen schwarzen Bildschirm sehen.

DRM killt Vista

© Wolf Hosbach

Hätten Sie gerne ein Auto, das sich weigert, verkehrt herum in die Einbahnstraße einzubiegen? Oder das in der Ortschaft haargenau bei 49 km/h den Saft abdreht. Gut, Sie fahren nie falsch in Einbahnstraßen und schon gar nicht zu schnell. Aber stellen Sie sich ein Auto vor, das am Rhein die Bremsen reinhaut, weil es nicht für Frankreich zugelassen ist oder nicht schneller als 80 km/h fährt, weil es dem Geschäftsmodell des Herstellerswiderspricht oder sich weigert, weibliche Passagiere ans Steuer zu lassen, weil die eh nicht einparken können...

So ähnlich müssen Sie sich DRM am PC vorstellen. Das ist prinzipiell nichts Neues, aber Windows Vista geht einen deutlichen Schritt weiter in der Kontrolle über seinen Fahrer an der Maus.

Der neuseeländische Sicherheitsexperte Peter Gutmann machte die Details des Vista-DRM durch eine Analyse in der Öffentlichkeit bekannt (www.cs.auckland.ac.nz/ ~pgut001/pubs/vista_cost. html). Er resümiert: "Die Vista-Spezifikation über den Schutz von Inhalten könnte sehr gut den längsten Abschiedsbrief der Geschichte darstellen." Vista killt sich selbst mit DRM.

Der Schutzmechanismus gegen vermeintliche Raubkopierer – meist trifft es den ehrlichen Anwender – basiert prinzipiell auf dem Secure Media Path: Ein Film oder Musikstück bleibt auf dem ganzen Weg durch den Rechner, vom Player bis zur Ausgabe, verschlüsselt, so dass ein Angreifer es an keiner Stelle kopieren kann. Erst das Ausgabegerät entschlüsselt den Inhalt. Um das sicherzustellen, betreibt Vista einen enormen Aufwand. Stellt das DRM-System beispielsweise an einer Stelle fest, dass ein Kopieren möglich wäre, verweigert es die Wiedergabe komplett.

Das betrifft "Premium Content", derzeit also Filme auf HD-DVD und Blu-ray oder Musik von der Super-Audio-CD (SACD). Microsoft hat aber nicht genau definiert, was Premium ist und es liegt in der Hand der Firma und der Unterhaltungsindustrie, Premium künftig nach Belieben festzulegen.

Probleme mit Hardware

Alle Geräte müssen Vista-DRM-ready sein, was derzeit meistens nicht der Fall ist. Ein HD-ready-Bildschirm ist noch lange nicht Vista-DRM-fähig, wird es nie sein und wird bei hoch auflösenden Filmen im Laufwerk schwarz bleiben. Viele Käufer wurden so getäuscht.

DRM killt Vista

© Wolf Hosbach

Die Webseite BadVista.org der FSF bietet Blog, Nachrichtenschau und Infos über Vista-DRM.

Ähnliches gilt für viele Multimediakarten. Haben sie einen digitalen Sound-Ausgang nach dem herkömmlichen Standard S/P-DIF, der keine Sicherheitsfunktionen bietet, verlangt Vista, dass er abgeschaltet ist, sobald Premium-Inhalte laufen. Die wenigsten Geräte und Treiber beherrschen das. Ähnliches gilt für den digitalen Video-Ausgang, der mit HDCP verschlüsselt (HDMI) sein muss. Das ist bei vielen Karten nicht der Fall, selbst wenn HDMI auf der Packung steht (www.firing squad.com/hardware/ati_nvidia_hdcp_sup port). Immerhin ein Grund, die Geräte umzutauschen.

Viele Soundkarten unterstützen das beliebte Steinberg Audio System (ASIO), das komplett an der Windows-Sound-Verarbeitung vorbei geht. Es (oder gleich die ganze Karte) wird ebenfalls mit Premium-Geschichten nicht funktionieren. Das ist ein eindeutiger Qualitätsverlust und bedeutet den kalten Ausschluss eines Konkurrenten durch die Hintertür.

Ebenfalls eine Enttäuschung wird die automatische Echounterdrückung sein (AEC, verhindert die unangenehm quietschenden Rückkoppelungen zwischen Mikrofon und Lautsprecher). Denn für sie legt das System eine Kopie des Sounds an, und modifiziert diese leicht. Und da könnte ein Raubkopierer ansetzen. AEC gibt es nur noch mit einer herunter gerechneten Kopie, was die Wirkung deutlich einschränkt.

In manchen Fällen bleibt der Bildschirm nicht komplett schwarz, sondern zeigt ein Bild in geringer Qualität, wenn z.B. die eine Komponente erkennt, dass die andere bei DRM nicht mitspielt.

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