Home und Mobile Entertainment erleben
Dolby Vice President im exklusiven video-Gespräch

Interview zu Dolby Vision: "Samsung bestätigt unsere Arbeit"

Am 22. Juni erscheinen mit „Ich – einfach unverbesserlich 1&2“ endlich die ersten beiden Ultra-HD Blu-rays mit dem erweiterten HDR-Format Dolby Vision (DV). Die Player von Oppo haben bereits ihr Firmwareupdate für das von vielen Heimkinofans begehrte Dolby Vision erhalten und sind ebenfalls startklar. video sprach mit Roland Vlaicu, Vice President Dolby Vision bei Dolby Laboratories in San Francisco darüber, wie es mit DV künftig weitergeht.

Dolby Vision - Logo

© Dolby

Das offizielle Logo von Dolby Vision.

Unter Heimkino-Fans ist ein Hype um Dolby Vision entstanden, obwohl es zumindest im deutschsprachigen Markt noch wenige Programme gibt, geschweige denn Abspielmöglichkeiten. Wie erklärt sich Dolby diese Begeisterung?

Roland Vlaicu: Ich erinnere mich an ein Interview mit Video im Mai 2014, in dem mich der damalige Redakteur zum Thema High Dynamic Range befragt hat und ich ihm meine Vision noch weit vor dem offiziellen Start von Dolby Vision dargelegt habe. Ich glaube zwar nicht, dass dies mit dem von Ihnen beschriebenen Hype zusammenhängt, aber ich bin  ja selbst Heimkino-Fan seit der ersten Stunde. Zudem war mir lange bevor ich bei Dolby gearbeitet klar, dass die Leute in San Francisco wissen, was sie tun. Wir tun alles, um die Verfügbarkeit von Dolby Vision und Dolby Atmos im deutschsprachigen Raum zu beschleunigen. Es gibt z.B. Dolby Cinemas in Österreich und in den Niederlanden, aber leider noch nicht in Deutschland. Maxdome ist gerade mit Dolby Atmos gestartet. Die ersten UHD Blu-rays mit Dolby Vision und Dolby Atmos sind auf dem Weg. Netflix arbeitet mit Hochdruck daran, die Anzahl der Titel in Dolby Vision weltweit zu erhöhen. Es tut sich einiges. Vielen Dank für die Geduld. Es wird sich lohnen. Versprochen!

HDR 10 ist bei Hard- und Software etabliert. In Sachen dynamisches HDR scheint sich dagegen ein Formatkrieg anzubahnen, angesichts diverser Lösungen, u.a. HDR+ von Samsung. War dieser vorauszusehen? Und wie sieht sich Dolby positioniert?

Vlaicu: Die Standardisierung von dynamischen HDR Metadaten in SMPTE läuft bereits seit einigen Jahren. Dolbys Standard wurde vor einiger Zeit verabschiedet. Andere Ansätze sind ebenfalls in Arbeit. Samsungs HDR10+ Format bestätigt letztendlich unsere grundlegende Entscheidung, dass dynamische Metadaten für ein hochwertiges HDR-Erlebnis unerlässlich sind. Das ist auf jeden Fall ein gutes Zeichen. Was dies für die Koexistenz mehrerer solcher Formate bedeutet, wird sich zeigen. Allerdings sehe ich einem solchen Szenario gelassen entgegen. Dolby Vision ist seit einigen Jahren im Markt verfügbar, mit über 100 Partnern in den Bereichen Produktion, Distribution und Playback. Dolby Vision ist weit mehr als nur ein Format. Dolby Vision ist ein Unterhaltungserlebnis, dass bei Dolby Cinema beginnt. Hier werden Dolby Vision und Dolby Atmos optimal präsentiert und vollenden sich im Bereich Home Entertainment.

Warum sollten Hardware-Hersteller und Filmstudios vor allem auf Dolby Vision setzen?

Vlaicu: Die konsequente Umsetzung des bestmöglichen Unterhaltungserlebnisses war schon immer unser Ziel – angefangen im Kino mit Dolby Cinema und fortgeführt im Home Entertainment- und Mobilbereich. Die Kombination von Dolby Vision und Dolby Atmos ist ein Markenzeichen von Dolby, das sonst niemand bieten kann. Konsumenten können sich auf die Marke verlassen und davon profitieren sowohl Filmstudios als auch Hersteller gleichermaßen. Unsere Technologien und Workflows erlauben es den Kreativen außerdem, ihre Inhalte in einem einzigen Arbeitsschritt nach den höchsten Qualitätsstandards herzustellen um diese dann originalgetreu auf unterschiedlichen Endgeräten wiederzugeben.

Samsung propagiert, im Gegensatz zu Dolby Vision einen offenen Standard anzubieten. Worin liegen die größten technischen Unterschiede?

Vlaicu: Dieses Argument hört man oft. Allerdings ist es in Wahrheit so, dass alle relevanten Technologien von Dolby – angefangen mit Dolby Digital – vor mehreren Jahrzehnten schon immer standardisiert waren und dies wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Allerdings bedeutet ‚standardisiert’ und ‚offen’ nicht gleichzeitig ‚kostenlos’, weder bei uns, noch bei unseren Mitbewerbern.

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Ist Dolby Vision technisch gesehen „fertig“, oder wird sich das Format mit Markteinführung von Hardware und Software noch weiterentwickeln?

Vlaicu: Dolby steht für Innovation. Das bestmögliche Unterhaltungserlebnis ist kein statischer Zustand, sondern entwickelt sich ständig weiter, genauso wie das Publikum und die Lebenssituationen in denen wir unterhalten werden möchten. Dolby Vision als Marke steht für das bestmögliche visuelle Unterhaltungserlebnis. Wir haben seit der Einführung bereits an mehreren Verbesserungen gearbeitet und dies wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Diese Innovation wird selbstverständlich so umgesetzt, dass trotz ständig verbessertem Seherlebnis die Inhalte als auch die Endgeräte zueinander kompatibel bleiben. Ein Vorteil von Dolby Vision ist es, dass Filme, die heute in Dolby Vision erstellt werden, auch noch von verbesserten Displays in 3 oder 5 Jahren profitieren können.

Auf der CES hatte man das Gefühl gewonnen, Dolby Vision ist in der Hardwareindustrie angekommen. Wie sehen die Kooperationspläne für das laufende Jahr konkret aus? Welche Partner sind noch zu erwarten?

Vlaicu: Wir konzentrieren uns weiterhin darauf, unser Ökosystem schnellstmöglich auszubauen. Am Anfang standen die ersten Filme, die ersten TV Geräte, Netflix, Amazon. Im nächsten Schritt geht es darum, weitere Hersteller, mehr kostengünstige Endgeräte sowohl mobil als auch im Home Entertainmentbereich auf den Markt zu bringen. In Zukunft wird es zusätzliche Verbreitungsmedien, wie z.B. UHD Blu-ray und Pay-TV als auch Gaming-Anwendungen und TV-Liveübertragungen in Dolby Vision zu sehen geben. Man darf gespannt sein.

Erste Hersteller haben AV-Receiver mit Dolby-Vision-Passthrough angekündigt. Dies wurde zunächst als technisch schwierig angesehen, zumindest rückwirkend für ältere Modelle. Sind alle Probleme gelöst?

Vlaicu: Wir haben Ende letzten Jahres ein Development Kit für AV-Receiver und Soundbars zum Thema „Compatible Dolby Vision“ veröffentlicht, um die Passthrough-Kompatibilität dieser Geräte sicherzustellen. Seitdem haben sich ziemlich alle Hersteller in diesem Bereich vorgenommen, neue Modelle mit dem Logo auszustatten. Yamaha und Onkyo haben bereits vor einiger Zeit Modelle für 2017 angekündigt. Seit dieser Woche ist auch Sony mit dabei und ich erwarte im Laufe des Jahres weitere Ankündigungen. Was ältere Geräte betrifft, so überlassen wir die Entscheidung den Herstellern, inwieweit sie diese durch Softwareupdates kompatibel machen werden.

Wie wichtig ist für die Durchsetzung von Dolby Vision das neue HDMI 2.1?

Vlaicu: Wie Sie vielleicht wissen, war bei Dolby Vision die Systemkompatibilität bzgl. HDMI von Beginn an eingebaut, sodass die dynamischen Metadaten von Dolby Vision heute über jede HDMI 1.4b Verbindung übertragen werden können. Unsere Lösungen haben wir dann im Laufe der Zeit bei HDMI eingebracht, was letztlich dazu führte, dass HDMI 2.1 nun auch standardmäßig dynamische Metadaten unterstützen wird. Dolby wird allerdings weiterhin die direkte Übertragung über HDMI weiterentwickeln, um die Innovation im Bereich HDR und Dolby Vision schnellstmöglich in den Markt bringen zu können.

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Wie lautet Ihre Prognose: Werden Filme mit Dolby Vision für die Filmstudios eine Kategorie ausgewählter Premiumprodukte werden, oder wird es sich auf breiter Basis durchsetzen? Oder stärker auf Streaming-Plattformen? Wird Dolby Vision am Ende eine von mehreren HDR-Optionen auf UHD Blu-rays sein?

Vlaicu: Unser Ziel ist es auf jeden Fall, den Horizont und die Vielfalt von Dolby Vision sehr schnell zu erweitern. Angefangen haben wir mit  Blockbuster Filmen der Hollywoodstudios und diese Titel werden auch weiterhin dank Dolby Cinema sehr wichtig sein. Dicht gefolgt von den Serien auf Netflix und Amazon. Darüber hinaus wird Dolby Vision in Kürze auf UHD-Blu-ray verfügbar sein. Wir arbeiten an der Integration ins Pay-TV, dabei sind Liveübertragungen genauso wichtig wie Filme und Serien. Gaming-Anwendungen und Spielkonsolen sowie der Einsatz auf mobilen Plattformen sind Bereiche, auf die wir uns in den nächsten Monaten verstärkt konzentrieren werden. Sie sehen also, dass wir neben Premium auf jeden Fall auch sehr auf Anwendungen und Produkte auf breiter und erschwinglicher Basis setzen.

Im Juni kommen die ersten UHD-Blu-rays mit Dolby Vision auf den Markt. Die beiden „Despicable Me“-Filme sind keine Neuheiten, sondern Katalogtitel. Macht die Verarbeitung dynamischer Metadaten für jeden Film Sinn, ob neu oder alt?

Vlaicu: Auf jeden Fall. Im Masteringbereich wird der Dolby Vision Workflow inzwischen weltweit bei fast allen HDR Produktionen eingesetzt. Der Grund dafür liegt einfach darin, dass unser Workflow auf breiter Ebene als hochwertigster Weg angesehen ist, um ein Master herzustellen, von dem alle anderen Formate wie z.B. HDR10 und die Standard Rec.709 Version abgeleitet werden können. Dabei werden auch die dynamischen Metadaten für Dolby Vision erzeugt. Wir haben mit verschiedenen Studios bereits auch Klassiker aus den 40er Jahren in Dolby Vision gemastert und die Ergebnisse sind atemberaubend. CGI-Animationsfilme wie ‚Despicable Me’ sind außerdem auch deswegen ideal, weil sich die Computerdaten, aus denen der Film besteht, natürlich perfekt für eine solche Nachbearbeitung eignen. Es wird natürlich auch neue Titel in Dolby Vision auf UHD Blu-ray geben. Sony Pictures hat z.B. ihren ersten Titel angekündigt: ‚Resident Evil: Vendetta‘, verfügbar ab Juli 2017. Auf der CES haben außerdem Universal Pictures, Warner Brothers und Lionsgate Titel für 2017 angekündigt.

Zunächst werden nicht viele Verbraucher die Gelegenheit haben, Programme in Dolby Vision zu sehen. Wird es etwa für nicht DV-fähige TV-Geräte via Player/AVR ein Upscaling auf DV-ähnliche Bildqualität geben?

Vlaicu: Es gibt hier auf jeden Fall verschiedene Ansätze. In den aktuellen TV-Geräten finden sich solche Wiedergabemodi, die von den Herstellern selbst entwickelt wurden. ,Aber wir haben in dieser Richtung ebenfalls einige Ideen ...

Zum Schluss: Welchen persönlichen Filmfavoriten würden Sie selbst gerne demnächst in Dolby Vision sehen?

Vlaicu: In den Gesprächen mit meinen Kollegen in Hollywood, die gemeinsam mit den Studios die Filme aus dem Archiv aussuchen, die neben den neuen Titeln in Dolby Vision neu aufbereitet werden, fallen definitiv Namen, die meinem persönlichen Filmgeschmack entsprechen. Zum Glück haben wir im Home Entertainmentbereich die meisten Filmstudios an Bord , d.h. die Auswahl ist wirklich vielfältig. Ich bin mir sicher, dass meine Lieblingstitel in Kürze auch mit dabei sein werden.

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