Surround Sound

Dolby Atmos - das kann der neue Audio-Standard

Bisher umhüllte der Raumklang die Zuschauer von vorne, von der Seite und von hinten. Mit der Einführung des Tonformats Dolby Atmos kommt der Surround Sound zukünftig auch von oben. Wir erklären, was Sie für die Umrüstung im Heimkino wissen müssen.

Dolby Atmos

© Dolby

Dolby Atmos

Alles Gute kommt von oben! Was einst schon in der Bibel als Grundsatz galt (Jakobus 1,17) und sich seither als deutsches Sprichwort etabliert hat, kommt nun auch in die deutschen Heimkinos. Denn spätestens seit der High End 2015 in München kommt von oben nun eben auch die neuste Dimension des Klangs im Heimkino. Auro 3D, Dolby Atmos und nicht zuletzt dtsX - alles Tonformate für dreidreidimensionalen Klang - sind in aller Munde und lassen die Herzen der Heimkino-Fans höher schlagen.

Einer der größten Hoffnungsträger für Industrie und Endkunden ist derzeit Dolby Atmos. Zum einen, weil mit Dolby Laboratories natürlich ein erfahrenes Unternehmen hinter dem Format steht, zum anderen, weil viele namenhafte Hersteller ihre Geräte in den letzten Monaten aufgerüstet haben.

Was steckt dahinter?

Grundsätzlich ist Dolby Atmos ein neues Tonformat, das ein dreidimensionales Klangerlebnis ermöglicht. Hier kommt Sound - wie auch in der Realität - unter anderem auch von oben. In insgesamt 16 deutschen Kinos kann sich das Publikum bereits jetzt von Atmos überzeugen lassen (Linktipp: Dolby Atmos Kinos finden). Nun soll das Verfahren nach und nach in den deutschen Wohnzimmern und Heimkinos Einzug halten.

Technisch gesehen ist Dolby Atmos ein neues Tonverfahren. Das wichtigste Merkmal dabei ist, dass Atmos objektbasiert funktioniert. Die bisherige Tonaufzeichnung arbeitete stets mit Kanälen statt Objekten. Bei der Produktion wird so der Sound für eine gewisse Anzahl von Kanälen fertig abgemischt. Ein Effekt - beispielsweise eine Explosion - ist so mit einem bestimmten Lautsprecher oder einer Lautsprechergruppe verankert.

Dabei ist eine Explosion noch ein einfaches Beispiel, da diese an einen festen Ort gebunden ist. Bei komplexeren Filmszenen (Musik, Dialoge, Effekte, unterschiedliche Richtungsinformationen etc.) wird es dagegen schwierig, die Effekte an bestimmte Lautsprecher zu binden.

Dieses Problem löst Dolby Atmos mit seiner objektbasierten Verarbeitung. Hier speichern Toningenieure die einzelnen Soundeffekte in einer Art Koordinatensystem - inklusive Tiefen- bzw. Höheninformationen. Die Klangobjekte enthalten den Ton, während die Zusatzinformation Auskunft über die gewünschte Platzierung im Raum gibt. So können Objekte präziser bewegt werden, ohne an einen bestimmten Kanal gekoppelt zu sein. Bei der Encodierung errechnet dann der AV-Receiver die Verteilung der Objekte je nach vorhandenen Lautsprechern im Raum. Dies wird beim Setup im Receiver programmiert. Dank der automatischen Tonanpassung an jedes System ist Dolby Atmos somit flexibel einsetzbar.

Dolby Atmos Wallpaper

© Dolby

Das ganze Bild "hören" und nicht nur sehen ist das Motto hinter Dolby Atmos. Bei einigen Tests wurde dies schon gut erfüllt.

Beim neusten System kann man theoretisch eine unbegrenzte Anzahl von Tonspuren verwenden. Schon die erste Generation von Atmos-Prozessoren unterstützt bis zu 128 Tonspuren (=Audio-Objekte) und bis zu 64 unterschiedliche Lautsprechersignale. Dabei ist das neue Dolby-Format abwärtskompatibel zu früheren Formaten, wie 7.1 oder 5.1, denn diese "klassischen" Heimkino-Konfigurationen dienen auch als Ausgangsposition für den neuartigen 3D-Klang.

In der Theorie klingt das zwar vielversprechend, aber Toningenieur und Produzent Chris Heil weiß, dass Dolby Atmos seine Tücken hat: "Bei der Abmischung von Dolby Atmos steigt das Fehlerpotenzial exponentiell. Einfach, weil es viel mehr zu beachten gibt." Dabei zieht Heil einen Vergleich zwischen Straßen- und Flugverkehr. Passiert ein Fehler beim Autofahren, kracht es meist vorne oder hinten. Bei Dolby Atmos kommt die "Gefahr" dann auch noch von oben und unten dazu - ähnlich wie im Luftverkehr. "Und ich bin dabei der Fluglotse", so Heil. "Ich weiß, wann welche Objekte wo unterwegs sind, woher sie kommen und wohin sie wollen, und ich achte darauf, dass sie mit keinem anderen Objekt kollidieren."

Viel kann viel?

So wie auch das Fehlerpotenzial steigt, nimmt auch die Anzahl der Lautsprecher bei Dolby Atmos zu, um eben den Klang von oben realisieren zu können. Die Grundkonfiguration besteht hier aus 5.1, 7.1 (mit Surround Back), 9.1 (mit Front Wide). Dolbys Empfehlung fürs HighEnd Heimkino sieht vier zusätzliche Lautsprecher an der Zimmerdecke vor: zwei vorne, zwei hinten. Dabei werden die Lautsprecher nicht direkt über ihren Gegenstücken am Boden angebracht, sondern leicht nach innen versetzt. So erhält der Zuschauer wahlweise eine 5.1.4 oder 7.1.4 Aufstellung. Die erste Zahl steht dabei wie bereits gewohnt für die horizontalen Lautsprecher, die zweite Zahl für die Anzahl der Subwoofer und die letzte Ziffer für die zusätzlichen Atmos-Speaker an der Decke.

Auch wenn bereits kleinere Modelle für die Wiedergabe atmosphärischer Geräusche ausreichen, die sich leichter an der Decke montieren lassen, erscheinen vier Lautsprecher an der Decke oftmals viel Aufwand für das neue Heimkinoformat. Dass sich dieser Aufwand jedoch lohnen kann, zeigt der video Test des Dolby Atmos Sets von Nubert.

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© Archiv

Die Referenz fürs Heimkino: Dolby Atmos empfiehlt vier Deckenlautsprecher zum bereits vorhanden 7.1-System (oben). Geschickt gespart: Hier zeigt Dolby eine 9.1.2 Version von Atmos. Die beiden Deckenlautsprecher sind hier für den Klang von oben zuständig (unten).

Bei der etwas "abgespeckten" Version lässt sich auch mit zwei Speakern - wahlweise vor oder hinter dem Zuschauer und ebenfalls an der Decke - arbeiten. Diese sind die Mindestvoraussetzung von Dolby, da sie oftmals für hörbare Atmos-Effekte ausreichen (Regen, Hubschrauber etc.).

Chris Heil ist jedoch noch nicht davon überzeugt, dass Dolby Atmos den Weg in jedes Wohnzimmer findet: "Spätestens wenn die Frau im Haus von den Deckenlautsprechern erfährt, wird es kritisch." Eine dritte Alternative - wenn Lautsprecher an der Decke ein Problem darstellen - sind daher Lautsprecher-Aufsätze, die die den Ton nach oben über die Decke reflektieren.

Dank der Reflexion entsteht das Gefühl, die Geräusche kämen tatsächlich von oben. Dabei ist bei den Aufsätzen jedoch eine genaue Positionierung sehr wichtig, um den besten Klangeffekt zu erzielen. Die Aufsatzmodule sollten sich unterhalb der halben Raumhöhe befinden, der Abstand zur Decke mindestens 1,8 m betragen. Dabei sitzt die Membran in den Aufsätzen leicht schief, sodass die Schallwellen von den hinteren und vorderen Lautsprechern zunächst zur Decke strahlen und dann von dieser im passenden Winkel reflektiert werden. Da diese länger unterwegs sind als die Schallwellen der anderen Membranen, muss der AV-Receiver sie ein paar Millisekunden früher losschicken.

Von Vorteil ist es hier, wenn die Aufsätze vom selben Hersteller wie die Standboxen stammen. Hier gibt es unter anderem die Onkyo SKH-410 oder KEF R50. Noch einfacher sind integrierte Lösungen, sprich Standlautsprecher, die bereits Aufsätze in der Box verbergen.

Die passenden Zuspieler

Für das Dolby Atmos Erlebnis im Heimkino braucht es aber mehr als "nur" die passenden Lautsprecher. Ein weiteres Element ist der AV-Receiver. Ältere AV-Receiver können mit den Dolby-Atmos-Zusatzdaten nichts anfangen, da Atmos jedoch abwärtskompatibel ist, spielen diese Geräte aber wie gehabt die 5.1- oder 7.1-Dolby-Tonspur mit allen Toninformationen ab. Neueste AV-Receiver mit Dolby-Atmos-Decoder lesen dagegen zusätzlich die Atmos-Daten aus.

RX-A3040 xon Yamaha

© Yamaha

Der RX-A3040 xon Yamaha ist einer der derzeit verfügbaren Dolby Atmos Receiver und lässt sich auf 11.2-Kanal erweitern.

Dabei ist es im Consumer-Bereich jedoch derzeit nicht ganz einfach, Atmos-Receiver zu bekommen, die mit den Lautsprecheranschlüssen nicht an ihre Grenzen kommen. Aus der HighEnd-Abteilung gibt es derzeit den Altitude32 von Trinnov Audio, der jedoch exklusiv von MediaLantic in Deutschland vertrieben wird und zudem den Anschaffungspreis eines Kleinwagens übersteigt. Gängige Atmos-Receiver be-dienen meist 11.2 Kanäle, womit bei einer Konfiguration von 7.2.4 Schluss ist.

Content aus Hollywood

Damit die neuen Decoder auch genügend Material bekommen, gibt es Blu-rays mit Atmos-Tonspur. Die Objekte stecken dort in einer Erweiterung der Dolby-TrueHD-Tonspur, die zumindest neuere Blu-ray-Player klaglos wiedergeben können. Die Auswahl an Atmos-Filmen ist derzeit noch etwas begrenzt. Wie bei jeder neuen Technologie und neuen Formaten braucht es auch hier einige Zeit, um die Hollywood-Filme auf den Weg zu bringen. Doch im Gegensatz zu Ultra HD gab es bei Dolby Atmos bereits von Anfang an das passende Trägermedium: die bekannte Blu-ray. Da bereits einige Studios ihre Filme in Atmos produzieren und so auch in die Kinos schicken, dürfte der Übergang ins Heimkino nicht mehr allzu steinig sein.

Und die Liste der Veröffentlichungen wächst täglich. Leider muss der Zuschauer hier deutlich zwischen den USA und dem deutschen Markt unterscheiden, denn viele deutsche Fassungen kommen dann ohne Dolby Atmos auf den Markt.

Besser im Original Besser beraten sind also Heimkino-Fans, die Filme gerne in Originalton sehen. Doch erste Hörproben auf der High End 2015 zeigen, dass Dolby Atmos auch mit gängigen Musikstücken Spaß macht. Die AV-Receiver sind nämlich in der Lage, gängigen Content hochzuskalieren. Nubert zeigte unter anderem Ausschnitte aus "Sambadio" von Live aus Verona von Werner Schmidbauer, Pippo Pollina & Martin Kälberer. Hier ist die Atmosphäre und die Räumlichkeit des Live-Konzerts trotz gängiger Tonabmischung in 5.1 mit den Deckenlautsprechern aus Schwäbisch-Gmünd deutlich zu hören. Denn am Ende ist Dolby Atmos wohl - wie auch bei den Konkurrenten - am besten zu verstehen. Und wer schon einmal das Vergnügen hatte, dreidimensionalen Klang zu erleben, der hört, wieso sich der Aufwand hinter der neuen Technologie lohnt. Filme und Musik erwachen zu neuem Leben und reißen den Zuschauer mit!

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