Rückblick

weiter von 1997 bis heute

1997 bis 2000 - Wilde Jugendjahre

Mitte der 1990er-Jahre war die Olympus C-800L aufgrund der "hohen" Auflösung von 810.000 Bildpunkten und ihres günstigen Preises von rund 950 Euro ein echter Verkaufsschlager. Ihr Design war dem der analogen µ nachempfunden. Die ähnlich teure Kodak DC120 punktete mit einem Wechselspeichersteckplatz nach dem CompactFlash-Standard und optischem Dreifachzoom. Ihr LCD-Monitor war schwenkbar, ein Filtergewinde ermöglichte die Montage von Vorsatzobjektiven, und über ein Adapterkabel konnte man sogar ein externes Blitzgerät auslösen.

1998 entwickelte Minolta mit der Dimage EX ein revolutionäres Kamerakonzept mit einer wechselbaren Objektiv-CCD-Einheit: An das Kameragehäuse mit Prozessor, LCD-Monitor und Wechselspeichersteckplatz ließ sich wahlweise ein Weitwinkel- oder Dreifachzoom-Objektiv andocken. Die Optikeinheit war abnehmbar und konnte über ein Kabel mit der Kameraelektronik verbunden werden. Damit waren ungewöhnliche Perspektiven möglich. Dauerhafter Erfolg war dem Konzept aber nicht beschert.

Anfang 1999 wurde die 2-MP-Grenze geknackt, und die Bildqualität erreichte qualitativ akzeptablere Gefilde. Olympus gründete mit der Camedia C-2000 Zoom eine neue Kamerafamilie, deren Konzept über viele Jahre nur kosmetisch verändert wurde und lange erfolgreich war. Nikon kam fast zeitgleich mit der Coolpix 950 auf den Markt, die dem Schwenkgehäuse ein ergonomisches und eigenständiges Design gab.

Der Markt setzte sich Ende des letzten Jahrtausends in etwa so zusammen: Das Einstiegssegment bildeten VGA-Kameras mit Fixfokus- oder Autofokus-Objektiv. Die billigsten Modelle hatten keinen Bildschirm, dafür waren sie bereits für unter 300 Euro zu haben. Für das Doppelte bekam man eine Kompaktkamera mit Dreifachzoom und 1,5 bis 2 Megapixeln Auflösung.

Bei den Spiegelreflexkameras waren die Schwergewichte Canon und Nikon noch nicht in der Lage, eigenständige Produkte anzubieten. Beide kooperierten mit erfahreneren Mitbewerbern: Nikon arbeitete mit Kodak und Fujifilm zusammen, Canon konzentrierte sich ausschließlich auf Kodak. 1998 kam beispielsweise die Canon EOS D2000 auf den Markt, die mit 2 Megapixeln Auflösung etwa 16.000 Euro kostete.

Modular: Die Minolta Dimage bot die Möglichkeit, das schwenkbare Objektiv komplett abzunehmen.

© Minolta

Modular: Die Minolta Dimage bot die Möglichkeit, das schwenkbare Objektiv komplett abzunehmen.

2001 bis 2005 - Die Digitalfotografie wird erwachsen

Während die klassischen Kamerahersteller endlich ernsthaft in die Digitalfotografie einstiegen, kurbelten UE-Anbieter wie Casio, Panasonic und Sony den Markt noch weiter an. So startete das Pixelrennen um höhere Auflösungen. Die wachsenden Datenmengen erforderten schnellere Prozessoren sowie Speicherkarten mit hohen Kapazitäten.

Nikons erste komplett selbst entwickelte DSLR D1 im APS-C-Format hatte 2,7 MP und kostete 5500 Euro. Die Canon EOS D30 mit 3,3 Megapixeln gab es für rund 3200 Euro und die Olympus E10 für 2200 Euro mit 4 MP. Profis griffen für 6500 Euro zur Nikon D1X mit 5,5 MP.

Ab 2002 ging es Schlag auf Schlag: Mit der fast 10 000 Euro teuren EOS 1Ds (11 MP, KB-Sensor) adressierte Canon Profis und sorgte im April 2003 mit der 2000 Euro teuren EOS 10D für einen Preiskracher im Amateurbereich. Sechs Monate später kostete das abgespeckte Modell 300D nur noch 1100 Euro. Ebenfalls 1100 Euro verlangte Nikon kurz darauf für die vergleichbare D70. Die Digitalkamerageneration mit 6-MP-APS-C-Sensoren hatte endlich mit Analogen gleichgezogen - und das zum konkurrenzfähigen Preis.

Neuling Casio überholte die bisher erhältlichen 2,1-MP-Kompaktkameras mit dem 3,3-MP-Modell QV-3000EX, das Abzüge jenseits des Postkartenformats ermöglichte. Danach brachte diese neue Auflösungsklasse eine sehr erfolgreiche Generation hervor.

Digitalkameras entwickelten sich vom Spielzeug für Technikfreaks zu ernstzunehmenden Amateurkameras und zum Lifestyle-Produkt, dessen Design Bedeutung hatte. Trendsetter war Sonys DSC-P1. Casio setzte mit der Exilim EX-M1 einen weiteren Meilenstein, als es einen MP3-Player in die nur scheckkartengroße Kamera integrierte.

Lesetipp: RAW - Bilder bearbeiten und umwandeln

Im Jahr 2000 war auch die Geburtsstunde der Megazoom-Kameras. Die Olympus C-2100 Ultra Zoom und die Sony MVC-CD1000 kamen mit optischem 10x-Zoom und Bildstabilisator auf den Markt. Der Erfolg hielt sich in Grenzen, weil mittlerweile viel bessere DSLRs bezahlbar geworden waren. Trotzdem haben Megazoomer auch heute noch ihre Fans.

Bestseller: Kameras wie Canon 300D oder Nikon D70 boten tolle Technik für circa 1000 Euro.

© Canon

Bestseller: Kameras wie Canon 300D oder Nikon D70 boten tolle Technik für circa 1000 Euro.

2006 bis heute - Die Blütezeit der DSLR

In der zweiten Hälfte des letzten Jahrzehnts erreichten digitale Spiegelreflexkameras den Massenmarkt. Jeder engagierte Fotograf hatte inzwischen ein digitales Gehäuse. Immer beliebter wurden Vollformatmodelle im KB-Format (24 x 36 mm). Denn je größer der lichtempfindliche Sensor, desto rauschärmer und lichtempfindlicher ist er bei vergleichbarer Auflösung. Allerdings wurden die Sensoren mit zunehmender Größe deutlich teurer und benötigen aufwendige Optiken. Trotzdem ergatterten sich Vollformatkameras einen erklecklichen Anteil am DSLRMarkt.

Noch mehr Modelle nutzten Sensoren im etwa halb so großen APSC- Format. Diese Größe war ein guter Kompromiss zwischen Preis und Leistung. Die Platzhirsche Canon, Nikon und Sony hatten in beiden Kategorien gleich mehrere Modelle am Start, die in schneller Folge wechselten. Die Sensorauflösung pendelte sich bei 16-24 MP für APS-C und bei 24-36 MP fürs Vollformat ein. Ausnahmen wie die Profimodelle von Canon und Nikon, deren Sensoren mit 16-18 MP auf hohe Lichtausbeute statt auf maximale Auflösung getrimmt waren, bestätigen die Regel. Zugleich stieß Canon mit der 5DS und der 5DS R mit 50 Megapixeln explizit in die Auflösungsbereiche der Mittelformater vor. Immer mehr SLRs boten 4KVideo und machten damit Camcordern heftig Konkurrenz.

Während zuvor jährlich eine neue, verbesserte Generation erschien, waren die Unterschiede zwischen den etablierten und den neuen Modellen bald nur noch marginal. Das führte zum dramtischen Preisverfall: Eine SLR mit Kit-Objektiv kostete bald nur noch rund 400 Euro. Zu den Innovationen dieser Jahre zählen Komfortsteigerungen wie Live-View, Videofunktionen und abgedichtete Gehäuse. Hasselblad, Leica und Pentax bauten für die professionelle Studiofotografie Mittelformatkameras mit Auflösungen oberhalb von 40 MP.

Wachablösung: Vollformat-DSLRs stehen aktuell hoch im Kurs, doch die Zukunft gehört den Spiegellosen.

© Sony / Nikon

Wachablösung: Vollformat-DSLRs stehen aktuell hoch im Kurs, doch die Zukunft gehört den Spiegellosen.

Das mittelfristige Ende der DSLR-Dominanz läuteten - erst noch leise - die spiegellosen Systemkameras ein. Vorreiter waren Olympus und Panasonic, die Systemkameras ohne Spiegel im Micro-Four-Thirds-Format bauten. Das erste Modell am Markt war 2008 die Panasonic G1, die zeigte, dass ein umklappbarer Spiegel in einer Hightech-Kamera nicht nötig ist. Optisch erinnern Systemkameras ohne Spiegel an die Messsucherkameras aus analogen Tagen. Sie nutzen das Signal des Bildsensors, um zu fokussieren und korrekt zu belichten. Vor allem höherwertige Modelle leiten dieses Bild an einen elektronischen Sucher weiter. Der bietet Funktionen, die mit Spiegel nur eingeschränkt möglich sind, zum Beispiel Vorschaufunktionen für Fokus und Belichtung. Meist sitzt auch dieser Sucher in der Mitte, sodass auch die spiegellosen Modelle wie SLRs aussehen.

Langsam, aber kontinuierlich stieg der Marktanteil spiegelloser Systemkameras. Ihr Plus: kleinere Abmessungen und bessere Sucherinformationen. Zugleich sind sie als vollwertige Systemkameras mit Wechselobjektiven und umfangreichem Zubehör für jede denkbare fotografische Aufgabe gerüstet.

Die Kompaktkameras wurden ab 2010 noch kleiner und bunter, ihre eingebauten Bildschirme konsequent größer. Im im Extremfall belegten sie die ganze Rückseite der Kamera und waren berührungsintensiv, sodass man die Kameras per Touchscreen steuern konnte. Während das Marktsegment der günstigen Kompakten derzeit verschwindet - wer nur schnell knipsen will, nutzt das Smartphone - bleibt der hochpreisige Kompaktbereich in Bewegung.

Lesetipp: Smartphone-Kameras im Vergleich (connect.de)

Zu den jüngsten Neuerungen zählen größere Sensoren, der wachsende Zoombereich, aber auch Video bis 4K. 2012 ging das Megapixelrennen zu Ende, die Auflösung der Kompakten liegt heute zwischen 12 und 20 Megapixeln. Mittlerweile geht bei Topmodellen der Trend weg vom winzigen 1/2,33-Zoll- Sensor, hin zu 1-Zoll-Sensoren mit einer Auflösung von 20 Megapixeln.

Die zukünftige Entwicklung

Mit 40 Jahren steht die Digitalfotografie, wie der Mensch, in den "besten Jahren". Die Kinderkrankheiten liegen Jahrzehnte zurück, über die Sünden der Jugendzeit kann man mittlerweile schmunzeln, und das Heute ist ein "langer, ruhiger Fluss". Doch wie geht es weiter? Wie sieht die Zukunft der Digitalfotografie aus? Das fragten wir Prof. Dr. Sabine Süsstrunk, Leiterin des Labors für Images and Visual Representation der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL).

Prof. Dr. Sabine Süsstrunk leitet das Labor Images and Visual Representation an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL).

© Sabine Süsstrunk

Prof. Dr. Sabine Süsstrunk leitet das Labor Images and Visual Representation an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL).

1. Frau Prof. Süsstrunk - wann wird Ihrer Meinung nach die letzte SLR mit Spiegel gebaut?

Sagen wir mal so: Es wird auf absehbare Zeit von Firmen wie Canon oder Nikon sicher noch ein oder zwei SLR-Modelle geben, weil es immer noch Menschen geben wird, die eine haben wollen. Und sei es nur, um ihre alten Objektive weiter zu benutzen. Die große Menge wird in den nächsten drei Jahren verschwinden, das Segment wird dann auch kommerziell nicht mehr sehr attraktiv sein.

Die Zukunft gehört der spiegellosen Systemkamera, wenn die Bildqualität entscheidend ist, und natürlich dem Smartphone in allen kommenden Formen - für die einen als Ergänzung für die anderen als einzige "Kamera".

2. Welche hardwareseitigen Entwicklungen haben wir Ihrer Meinung nach zu erwarten?

Da wäre zuächst einmal die Plenoptik. Und zwar weniger als Lichtfeldkamera wie Lytro, sondern als Add-on-Technologie wie die von Pelican, die mit verschiedenen Sensor- und Fokustechnologien zusammenarbeitet. Auch wenn die Entwicklung hier spürbar langsamer läuft, als wir das erwartet haben: Diese Technologien werden bis Ende des Jahrzehnts ihren Platz in hochwertigen Smartphones finden. Aber eigentlich sind sie eher etwas für ernsthafte Fotografen, die sich damit beschäftigen wollen.

3. Werden Video und Foto zu einem einzigen "Bildmedium" verschmelzen?

Davon gehe ich aus. Und zwar in der Form, dass Videos in voller Sensorauflösung zur Verfügung stehen und daraus Fotos gegrabbt werden können. Dass wir heute noch ein ganzes Stück davon entfernt sind, liegt an der ungeheuren Datenmenge. Und es ist nicht einmal die Berechnung selbst, die dabei das Problem ist, sondern der hohe Stromverbrauch.

4. Müssen wir für den nächsten Entwicklungsschritt auf eine neue Akku-Technologie warten?

Fakt ist: Manche Anwendungen wären längst möglich, wenn sie nicht so energieintensiv wären. Das muss aber nicht unbedingt allein eine neue Akku-Technologie richten. Neue Sensoren und Prozessoren mit kleineren Strukturen werden wesentlich energieeffizienter sein und können ebenfalls einen Beitrag dazu leisten. Zudem wird im Bereich Automotive intensiv an neuen Lösungen geforscht. Ich glaube, dass wir bis 2025 hier marktreife Umsetzungen sehen werden.

5. Welche Entwicklungen haben wir denn gerade auf Seite der Sensoren zu erwarten? CMOS ist doch nicht das Ende der Fahnenstange?

Der CMOS ist technisch heute schon ein Dinosaurier, er hält sich aber, weil er so günstig herzustellen ist. Foveon und andere Systeme bewähren sich im Labor nicht schlechter, teilweise besser, scheitern aber an den zu hohen Herstellungskosten. Sobald etwas kommt, was ähnlich billig herzustellen ist, wird der CMOS weg sein, so wie vor ein paar Jahren der CCD.

6. Verlassen wir zum Schluss die Technik. Welche Entwicklungen sehen Sie denn sonst noch in der Fotografie?

Durch die breite Verfügbarkeit von Foto und Video wird der Umgang damit immer mehr zum Standard. Sie können heute schon einer Bewerbung ein kleines Video beifügen, in dem Sie sich selbst vorstellen. Und das wird immer wichtiger. So, wie man heute in praktisch jedem Beruf zumindest rudimentäre Computerkenntnisse braucht, muss man auch mit Bildern umzugehen lernen. Für viele endet die Kommunikation mit Bildern heute doch bei der selbstgestalteten Weihnachtskarte.

Fotografie wird immer mehr zu einem integralen Bestandteil unserer Kommunikation, und wir können viel mehr damit transportieren als reine Information. Der Mensch ist primär ein visuelles Wesen und deshalb sind Bilder für uns so wichtig. Mit welchem Gerät wir diese Bilder festhalten, ist absolut zweitrangig.

Wir gründen hier in Lausanne gerade ein neues Institut, das Digital Humanities heißen wird - auf Deutsch würde man wohl Digitale Geisteswissenschaften dazu sagen. Hier arbeiten neben uns Imaging-Leuten noch Philosophen, Historiker und Sprachwissenschaftler, und es geht darum herauszufinden, wie man Bilder zusammen mit Texten und anderen Elementen für die menschliche Kommunikation nutzt. Wir möchten zusammen lernen, Bilder besser zu verstehen - und die Art wie Menschen Bilder machen.

Umfrage: Blicken Sie in die Zukunft

Wir möchten von Ihnen wissen: Wie sehen Sie die Zukunft der Fotografie? Kann das Smartphone mittelfristig tatsächlich eine Fotoausrüstung ersetzen? Werden wir uns in zehn Jahren hochauflösende Standbilder einfach aus unseren Videos rechnen? Oder erlebt die analoge Fotografie mit Mittelformatkamera und SW-Film ein Comeback wie der Plattenspieler und die Vinyl-Schallplatte?

Posten Sie uns Ihre Erfahrungen und Ihre Erwartungen und diskutieren Sie mit auf unserer Facebook-Seite.

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