Aufnahme abgelehnt: Wo enden die Kundenrechte

Digital-TV in Ketten: Neue Schnittstelle CI+ sperrt Nutzer aus

Wenn es darum geht, dem Konsumenten die Einschränkung seiner Nutzungsrechte als Errungenschaft zu verkaufen, war die Unterhaltungsindustrie schon immer sehr erfinderisch. Die neue Schnittstelle für Digital-TV-Verschlüsselung CI+ macht da leider keine Ausnahme.

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TV-Verschlüsselnungsschnittstelle

© Archiv

TV-Verschlüsselnungsschnittstelle
TV-Verschlüsselnungsschnittstelle

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Ginge es nach dem Zuschauer, liefe bislang alles ganz zufriedenstellend. Falls er ein verschlüsseltes Digital-TV-Programm sehen will, benötigt er einen Empfänger mit CI-Schacht (CI = Common Interface). In diesen Schacht schiebt er - genau wie eine PC-Card in ein Notebook - das zum Programmanbieter passende CAM (CAM = Conditional Access Module) und in das Modul die passende Smart-Karte.

Im DVB-Empfänger passiert dann folgendes: Der vom Programmanbieter verschlüsselte Datenstrom gelangt über die CI-Schnittstelle ins CAM und wird von diesem - sofern eine passende Smart-Karte in ihm steckt - entschlüsselt. Ist dies erst mal erledigt, unterscheiden sich die Audio- und Videoinformationen nicht mehr von unverschlüsselten Inhalten.

Sie können also prinzipiell nach Belieben aufgezeichnet und archiviert, zeitversetzt abgespielt, über ein Heimnetz zu anderen Videogeräten übertragen und natürlich auch auf andere Datenträger überspielt werden.

Schluss mit lustig

Genau damit könnte schon bald Schluss sein. Beim derzeit heiß diskutierten Nachfolger CI+ geht es nicht darum, das illegale Knacken von Pay-TV zu erschweren sondern vielmehr, dem Konsumenten beim Archivieren und Verbreiten von aufgezeichneten Sendungen Restriktionen aufzuerlegen.

Letzten Endes stecken dahinter die großen Studios in Hollywood, also die Produzenten der Inhalte, die den Lieferanten, sprich den Pay-TV-Programmanbietern, immer strengere Vorgaben machen, wie diese ihre Inhalte vor unerwünschten Kopieren schützen sollen. Und CI gilt hier eben nicht als sicher, da der Datenstrom nach dem Durchlauf durch das Entschlüsselungsmodul uncodiert vorliegt und von da an beliebig kopiert werden kann.

Der Pay-TV-Anbieter Premiere hilft sich bislang dadurch aus der Bredouille, in dem er von seinen Kunden verlangt, Premiere-zertifizierte Digital-Empfänger einzusetzen. Die eigentliche Premiere-Entschlüsselung übernimmt dort ein internes Modul (Embedded CA), das nach Premiere-Vorgaben arbeitet.

Damit kann Premiere per entsprechendem Flag den Receiver dazu vergattern, die Aufnahme zu verweigern - wie bei Premiere Pay-per-View der Fall - oder verhindern, dass mit Videorekorder-Funktion (PVR) aufgezeichnete Inhalte digital weiterverbreitet werden. Darüber, dass es sehr einfache Methoden gibt, mit alten oder nicht zertifizierten Boxen trotzdem an das Material zu kommen, spricht man bei Premiere nicht allzu gerne, denn bislang sind die großen Hollywood-Studios mit der Lösung zufrieden.

Alternativ-Programm

TV-Verschlüsselnungsschnittstelle

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Hohe Lizenzgebühren und die offene Lunix-Architektur mit reichlich Ansatzpunkten für Hacker, dürfte es für kleine Hersteller wie Dream Multimedia schwierig machen, CI+ anzubieten.

Freilich können sich andere Pay-TV-Anbieter nicht einfach an die Premiere-Lösung hängen, um den Studios einen "wasserdichten" Kopierschutz zu bieten.

Genau in diese Bresche schlägt CI+, entwickelt von den Branchenriesen Sony, Philips, Panasonic und Samsung. Statt wie bei CI nach dem Entschlüsseln mehr oder weniger die Kontrolle über die Inhalte zu verlieren, lässt sich via CI+ vom Programmanbieter genau festlegen, wer was wann und wie lange aufzeichnet. Das stellt einerseits die Studios zufrieden und erspart andererseits den Programmanbietern eine teure und hohe Supportkosten verursachende Lösung a la Premiere.

CI+ soll also, wenn es nach seinen Befürwortern geht, CI als universale Verschlüsselungsschnittstelle ablösen und damit Herstellern von Empfangsgeräten und Programmanbietern eine normierte Plattform zur Verfügung stellen, die alle Wünsche Hollywoods unterstützt. Welche Verschlüsselung der Programmanbieter wählt, bleibt ihm nach wie vor selbst überlassen und wird - wie bisher - über das entsprechende CAM, das in den CI+ Slot gesteckt wird, bestimmt.

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