Receiver vs. TV-Tuner

Die Zukunft der Set-Top-Box

Moderne Set-Top-Boxen empfangen nicht nur TV-Signale. Doch was wird aus ihnen, nachdem in immer mehr TVs bereits annähernd die gleichen Funktionen integriert sind?

Set-Top-Boxen

© Josef Bleier, Andreas Greil, Stefan Rudnik

Set-Top-Boxen

Fernsehen ohne Tuner funktioniert nicht. Egal, ob im TV-Gerät eingebaut oder als separate Box am Fernseher angeschlossen, ohne Empfänger bleibt jeder Bildschirm dunkel. Dabei ist es unerheblich, welche Empfangsart man wählt. Ob Satellit (DVB-S), Kabel (DVB-C) oder terrestrisch (DVB-T), immer ist ein Tuner im Spiel, der die TV-Signale empfängt und für den Bildschirm umsetzt.

In den meisten Fällen und vor allem in der Vergangenheit waren es sogenannte Set-Top-Boxen (abgekürzt: STBs), die diese Arbeit übernahmen. Der Begriff stammt aus dem Englischen und bedeutet etwa "Draufstellkasten" oder "Beistellgerät". Set-Top-Boxen haben sich von reinen Empfängern digitaler Fernseh-Signale zu Multimedia-Geräten weiterentwickelt. Und genau darin liegt einer der Vorteile.

Während frühere TV-Geräte meist nur einen Empfangsweg kannten, der oft nur terrestrisch (also über Antenne) angeboten wurde und man für Satelliten- oder Kabelempfang generell eine Set-Top-Box benötigte, kommen die modernen Fernseher oftmals gleich mit einem Triple- oder Quattro-Tuner daher. Das heißt, sie erlauben den Empfang von Satelliten-, Kabel-, terrestrischem und Internet-TV. Diese IDTVs (Abkürzung für den englischen Begriff "Integrated Digital Television") benötigen heute keine zusätzliche Box mehr.

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Lediglich im unteren Preissegment sind TV-Geräte dagegen oftmals weniger üppig ausgestattet und bieten häufig nur einen der drei Tuner an. Im Fall des Kabelempfangs bliebe also Satellit außen vor. Abhilfe schaffte daher bisher immer wieder eine Set-Top-Box.

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© Josef Bleier, Andreas Greil, Stefan Rudnik

Senderlisten editieren und Favoriten anlegen: Anders als bei TV-Geräten geht das bei den STBs spielend einfach. Hier als Beispiel das Menü des Vantage-Receivers.

Set-Top-Box vs. TV-Tuner

Die Geschichte dieser Set-Top-Boxen ist lang: deutlich länger als die der in den Fernseher integrierten Sat- und Kabel-Tuner. Daher verwundert es nicht, dass die Sat-Receiver und andere STBs einen Technikvorsprung besitzen, den die TV-Hersteller nur langsam aufholen können. Die derzeit in Fernsehgeräten verbauten Empfänger befinden sich größtenteils auf dem technischen Stand der Set-Top-Boxen vor etwa zwei bis drei Jahren.

Vor allem in den Bereichen Bedienung und Komfort unterscheiden sich die eingebauten Lösungen erheblich von einer separaten Set-Top-Box. Die Tuner im TV-Gerät sind hier immer noch ungelenk, schwer zu bedienen, und nach einem Update sind mitunter alle persönlichen Einstellungen verschwunden.

Wer schon einmal an seinem TV-Gerät versucht hat, Senderlisten zu sortieren, Sender in Favoritenlisten zu packen oder nach bestimmten Sendern zu suchen, weiß ein Lied davon zu singen. Das kann eine STB deutlich besser. Auch die Spezialisierung einer Set-Top-Box spielt eine gravierende Rolle.

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"Hinsichtlich bereits integrierter Tuner in IDTVs sollte man allerdings bedenken, dass diese sich normalerweise auf verschiedene Empfangswege beziehen und es nur in den seltensten Fällen einen Bedarf gibt, sowohl über Satellit, als auch über Kabel zu empfangen", meint Franz Simais, Geschäftsführer bei Humax. "Unsere Receiver sind hingegen auf einen Empfangsweg spezialisiert und liefern entlang eines jahrelang gewachsenen Know-hows um Tuner-Technologie ein optimales TV-Signal und somit die eindeutig bessere Bild-sowie Tonqualität", so Simais weiter.

Im Gegensatz zu vielen IDTVs besitzen Set-Top-Boxen ab der Mittelklasse meist einen Doppel-Tuner. Das hat den Vorteil, dass man ein Programm anschauen kann, während man ein anderes aufzeichnet. Denn auch das ist dank eingebauter Festplatte oder eines USB-Ports für den externen Anschluss eines Speichermediums möglich. Eine USB-Schnittstelle und in den seltensten Fällen eine eingebaute Festplatte findet man zwar auch bei Fernsehern, doch bei der Set-Top-Box erscheint die Technik ausgereifter, flexibler und leichter zu bedienen.

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Ein weiterer Aspekt in diesem Zusammenhang sind der Empfang und die Aufzeichnung von Pay-TV; zu den Anbietern gehören etwa Sky und die privaten HD-Sender unter dem Dach von HD+. TV-Geräte besitzen keinen Smartcard-Schacht und auch kein integriertes Entschlüsselungsverfahren. Will man Sky oder HD+ genießen, muss man mit einem entsprechenden CI-Plus-Modul hantieren. Sollen die Programme beider Anbieter auf den Schirm kommen, muss das Modul gewechselt werden.

Bei STBs ist das anders. Es gibt Sat-Receiver, die bereits für HD+ konzipiert sind und einen entprechenden Kartenschacht und eine zusätzliche CI-Plus-Schnittstelle besitzen. Der gleichzeitige Empfang von Sky und HD+ ist damit gewährleistet. Noch einfacher geht es mit dem Sky-Receiver: einfach Abo abschließen und zusätzlich HD+ freischalten lassen. Fertig.

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© Josef Bleier, Andreas Greil, Stefan Rudnik

Zusatznutzen pur: Mit dem Sky Go-Angebot kann man sich die Filme nach seiner momentanen Stimmung zusammenstellen und dann den Receiver fernprogrammieren.

Hybrid-Receiver: Internet-fähig

Die STBs können noch einen weiteren Pluspunkt verbuchen: Die meisten sind mittlerweile Internet-fähig und stellen damit die neue Riege der Hybrid-Receiver dar. Sie bieten nicht nur die Einbindung ins heimische Netzwerk, sondern auch gleich ein Smart-TV-Portal. Somit kann ein älteres TV-Gerät ohne Smart-TV-Funktionen schnell und sicher mit einer Set-Top-Box aufgerüstet werden. Und mit der Integration ins Netzwerk lassen sich aufgezeichnete Inhalte auf andere Endgeräte wie Tablets oder Smartphones streamen, oder der Receiver holt sich Filme, Musik und Bilder aus dem Heimnetzwerk.

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Doch was passiert mit den herkömmlichen STBs? Stirbt der "normale" Sat-Receiver aus?

Michael F. Auer, Produktmanager von Kathrein, meint: "Durch die Netzwerk-Schnittstelle kann der Receiver ins Heimnetzwerk eingebunden werden und wird somit zum Hybrid-Receiver. Bereits seit über fünf Jahren bietet Kathrein entsprechende hochwertige Satelliten-Receiver an.

Zusätzliche Funktionen wie Steuerung per App, Smart-TV-Portale, HbbTV etc. machen die Hybrid-Funktionen immer umfangreicher und halten somit Einzug in immer mehr Geräte, auch in den mittleren und unteren Preisklassen. Somit wird man den ,normalen' Sat-Receiver zukünftig sicherlich nur noch in der Einstiegsklasse finden."

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