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PopSpeed fürs Land "Digitale Dividende": Hoffnung für schnelles DSL in ländlichen Regionen?

Schnelles Internet ist in Dörfern Mangelware. Mit der digitalen Dividende wollen die Mobilfunker Abhilfe schaffen.
DSL auf dem Land
Mit professionellem Equipment wird die Leis- tungsfähigkeit geprüft.

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Auf der Ostalb in der Nähe von Aalen in Baden-Württemberg: Auf einem Berg thront malerisch das Schloss Baldern, ringsherum schmiegen sich niedliche Ortschaften in die weitläufige Landschaft. Traktoren und Viehzucht gibt’s ebenso wie kleine und feine Neubaugebiete mit jungen Familien.

Hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Bis auf die Tatsache, dass sich die Bevölkerung rund um Schloss Baldern teilweise noch mit ISDN ins Internet einwählen muss; DSL-light mit 384 kbit/s ist im Umkreis von etlichen Kilometern das höchste der Gefühle.

Wann und ob es hier DSL geben wird, ist nicht absehbar. Und der Leidensdruck wächst. Das sieht man schon in der Schlossverwaltung, wo viele Reservierungen für Schlossbesichtigungen mittlerweile per E-Mail eintrudeln, was mit ISDN eine Qual ist.

Ein Silberstreif am Horizont kommt aus der Luft und geistert derzeit unter dem Stichwort „Digitale Dividende“ durch die Medien. Wie bei Aktien versteht man unter einer Dividende den Teil eines Gewinns, in diesem Fall den Gewinn an Frequenzen. Gewonnen wurden diese durch die Einführung des digitalen terrestrischen Fernsehens DVB-T. Jetzt nicht mehr benutzte Frequenzen können neu genutzt werden.

Eine Idee ist, die Frequenzen für Mobilfunk zu verwenden, um neben UMTS schnelle Daten durch die Luft zu schicken. Von dieser Idee sind die Mobilfunker begeistert und versprechen der Politik, die mit schnellem Internet unterversorgten ländlichen Gebiete über die Luft an die moderne Datengesellschaft anzuschließen.

Und so hat fast jeder Netzbetreiber in Eigenleistung ein oder mehrere Pilotprojekte installiert und karrt Politiker und Journalisten von weit weg dorthin, um für die Frequenzen und deren Bedeutung für den ländlichen Raum zu trommeln. Das Motto: Wir wollen der armen Landbevölkerung helfen, wenn wir nur die Frequenzen bekommen. Doch warum haben die Netzbetreiber auf einmal ihr Herz entdeckt? Um das herauszufinden, hat connect den Vodafone-Piloten in Schloss Baldern besucht.

Hightech in alten Gemäuern

Im Schlossturm, durch einige Wendeltreppen erreichbar, steht jede Menge Mobilfunktechnik von diversen Netzbetreibern, darunter auch ein Vodafone-GSM-Standort. Ganz neu hinzugekommen ist eine Basisstation von Ausrüster Ericsson. Die sieht aus wie eine ganz normale UMTS-Node-B, funkt allerdings im Uplink zwischen 825 und 830 Megahertz (MHz), im Downlink zwischen 870 und 875 MHz. Zum Vergleich: UMTS funkt bei 2100 MHz, also mehr als doppelt so hoch.

Ansonsten handelt es sich technisch um WCDMA wie bei UMTS. Drei Zellen hat Vodafone am Start, deren Signale über drei Sektorantennen ausgestrahlt werden. Dabei kommt in jeder Zelle HSPA mit 14,4 Mbit/s im Downlink und 3,0 Mbit/s im Upstream zum Einsatz. Macht also schon mal über 50 Mbit/s an Daten, die theoretisch über die Station laufen. Diese Mengen müssen natürlich von der Station ins Kernnetz.

Aus diesem Grund hat Vodafone eine hochkapazitive SDH-Richtfunkstrecke bei 13 GHz zum rund 13 Kilometer entfernten Richtfunksammler in Aalen installiert. Über 100 Mbit/s leistet diese Strecke bis Aalen. Von dort geht der Internetverkehr über Richtfunkmasten zum MSC nach Ulm, weiter per Glasfaser-Backbone in die Zentrale nach Düsseldorf-Ratingen und schließlich ins Internet. Im künftigen Regelbetrieb geht das Signal aber früher ins Internet.

110 Testkunden aus mehreren Gemeinden haben Vodafone und die örtlichen Behörden ausgewählt, ungefähr 25 Kunden sind gewerbliche Nutzer wie Handwerker. Sämtliche Testkunden haben spezielle Funkmodems erhalten. Diese Modems können bislang nur HSDPA mit 7,2 Mbit/s, das reicht aber dicke.

Die Modems bringen die Internetverbindung wahlweise via LAN-Kabel oder WLAN-Datenfunk zum Rechner. So kann das Modem bei schwachem Empfang am Fenster postiert werden. Es gibt auch einen Anschluss für eine Außenantenne. Die ist aber im Gegensatz zu WIMAX, wo eine solche aufgrund der hohen Frequenzen obligatorisch ist, nur in Ausnahmefällen nötig. Ebenfalls können hier Versuche unternommen werden, ob der Sender den DVB-T-Rundfunk oder Funkmikrofone von Veranstaltungen stört – beides liegt in der Nähe des Frequenzbereichs der digitalen Dividende.

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