YouTube im Belagerungszustand

Die Klagewelle rollt

Die Luft wird dünner auf dem Onlinevideo-Olymp. Eine neue Medien-Allianz macht Front gegen YouTube. Mit unschönen Folgen für dessen Nutzer.

Die Klagewelle rollt

© Ulrich Klein

Die Klagewelle rollt

Denkt man an Online-Video fällt der Begriff YouTube so sicher wie das Amen in der Kirche. Aber schon bald soll YouTube ernst zu nehmende Konkurrenz bekommen. Denn NBC Universal und Medienmogul Murdocks News Corporation wollen noch im Sommer dieses Jahres mit einem eigenen Online-Videoportal dagegenhalten. Damit könnten für Film-Liebhaber, die mal eben ihre Liebslingsszene des letzten Blockbusters auf YouTube hochladen, schwere Zeiten anbrechen. Denn im Zuge des schärferen Wettbewerbs dürfte sich auch die Jagd nach Urheberrechts-Verletzungen auf YouTube verschärfen. "Ebenso wie andere in unserer Industrie glauben wir, dass YouTube nur legales Material auf seiner Site haben sollte", windet sich AOL-Sprecherin Anne Bentley unter der Nachfrage der Onlineredaktion.

Spätestens seit Google 1,24 Milliarden Euro (1,65 Milliarden US-Dollar) für YouTube ausgegeben hat, dürfen sich diese beide Unternehmen wegen angeblicher Copyright-Verstöße mit Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe auseinandersetzen. Den Anfang machte mittlerweile das Medienunternehmen Viacom (http://www.viacom.com), zu dem unter anderem die Marke MTV Networks gehört. Viacom mahnt Google und YouTube an, dass zirka 160.000 Clips unauthorisiert auf YouTube zugänglich gemacht worden sind und diese mehr als 1,5 Milliarden mal angesehen wurden. Viacoms Forderung: Mehr als eine Milliarde US-Dollar (749.776.941 Millionen Euro) Schadenersatz und eine einstweilige Verfügung, die weitere Urheberrechtsverstöße durch Google und YouTube verhindern soll. "Es ist keine Frage, dass YouTube und Google ohne Erlaubnis damit fortfahren, die Früchte unserer Anstrengungen zu ernten und damit enorme Werte vernichten", klagt Viacom sein Leid.

Die Branche beobachtet den Ausgang mit Spannung: "Bis jetzt sieht es nicht dannach aus, dass Viacom den Rechtsstreit gewinnen wird. Sobald es dazu Hoffnung gibt, werden sich die meisten anderen Unternehmen anschließen", prophezeit Forrester-Analyst James McQuivey.

Alleingänge sind zum Scheitern verurteilt

Blinden Aktionismus seitens Medienunternehmen hält McQuivey allerdings für unangebracht: "Medienunternehmen haben es jetzt eilig, YouTubes Ablenkung in Rechtsangelegenheiten auszunutzen, um Alternativen zu dessen Marktdominanz in Stellung zu bringen." Medien-Unternehmen, die auf Einzel-Sites setzen würden, zu der die Besucher kommen müssen, um Shows zu sehen und gleichzeitig dem Rest des Internets ihre Clips vorenthalten würden, hätten das Thema verfehlt. Das Erfogsrezept hat McQuivey dann auch gleich parat: "Um Erfolg zu haben, muss eine Site, die einem Medien-Unternehmen gehört, ihre Inhalte mit sovielen Distributionspartnern wie möglich gleichberechtigt teilen."

An ein gleichberechtigtes Teilen scheinen aber NBC Universal und News Corp derzeit noch nicht zu denken. Als Distributionspartner sitzen Google- und YouTube-Wettbewerber AOL, MSN, Yahoo und MySpace mit im Boot. Deren US-amerikanische Nutzer dürfen sich ab Sommer über unbegrenzten Zugriff auf den Content freuen. Wann sich das neue Online-Videoportal deutschen Nutzern öffenen wird, steht ebenso in den Sternen: "Zu Beginn werden die Videos nur in den Vereinigten Staaten verfügbar sein", erklärt Microsoft-Manager Adam Sohn. Weitere Details über weltweite Aktivitäten seien Microsoft derzeit nicht bekannt. Über den Namen schweigen sich NBC Universal und News Corp. ebenfalls aus. "Der Name des neuen Services wurde bis jetzt noch nicht bekanntgegeben", erklärt Yahoo-Sprecherin Julie Mathis auf Nachfrage.

YouTube und seine Verfolger

YouTube selbst gibt sich nach außen gelassen: "Wir schätzen NBC Universal und Fox sehr", erklärt ein YouTube-Sprecher, der nicht genannt werden will, auf Nachfrage der Onlineredaktion. Beide Unternehmen würden Youtube-Nutzern Content zur Verfügung stellen und dies auch in Zukunft tun wollen, um ihre Programme zu bewerben.

Noch hält YouTube seinen Vorsprung vor den anderen Video-Portalen, wie eine aktuelle Auswertung von Nielsen//Netratings zeigt:

Globale Top-ten Video/Movies -Sites / Februar 2007
Rang:Name:Reichweite:
1YouTube23,44 Prozent
2Google Video9,72 Prozent
3IMDb - Internet Movie Database6,64 Prozent
4MSN Video4,49 Prozent
5Netflix3,73 Prozent
6Moviefone3,39 Prozent
7Lycos Europe Movie2,96 Prozent
8Dailymotion2,52 Prozent
9Blockbuster2,22 Prozent
10Yahoo! Video2,12 Prozent

Quelle: Nielsen//Netratings (http://www.nielsennetratings.com)

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