Sender hinter Schloß und Riegel

Die Boxen-Flut

Die Boxen-Flut

Empfangsboxen

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Zwangs-Verwandtschaft: Je nach Kabelnetz oder Pay-TV-Kanal braucht der Zuschauer eine unterschiedliche Digital-Empfangsbox. Das schafft nicht nur Verwirrung bei den Zuschauern, sondern füllt auch die Kataloge der Hersteller mit zig ähnlich lautenden Typenbezeichnungen. Die Geräte dahinter unterscheiden sich oft nur im Entschlüsselungs-System.

Im Extremfall bedeutet das für den Kunden, einen Boxenstapel für verschiedene Systeme unterm Fernseher platzieren zu müssen. Denn für jedes Verfahren gibt es andere Geräte. Ähnlich zäh: Umzüge. Wer von Bayern (Kabel Deutschland, Nagravision) ins Schwabenland zieht (Kabel BW, NDS), der braucht für Pay-TV einen neuen Empfänger. Ähnlich kann es aber auch Menschen gehen, die aus der Berliner Innenstadt (z.B. Kabel Deutschland) in den Speckgürtel auswandert, wo Tele Columbus ein Kabelnetz betreibt. Auch dieser Pendler kommt am Boxen-Neukauf nicht vorbei. Für Hersteller ist die Vielfalt ebenfalls eine Herausforderung: Humax etwa bietet in Deutschland sieben verschiedene Pay-TV- taugliche Receiver'Typen an, die jeweils zu bestimmten Anbietern wie Arena, Premiere oder einzelnen Kabelanbietern passen. Dazu kommen unterschiedliche Ausstattungen wie etwa eine Festplatte oder HDTV-Technik.

Das Verschlüsselungs-Chaos sorgte in der Vergangenheit bereits für Pleiten, Pech und Pannen bei den Pay-TV-Kartellen: Nachdem die Unity-Tochter Arena 2006 die Rechte der Bundesliga-Übertragung gekauft hatte und "Cryptoworks" als Verschlüsselung wählte, mussten bisherige Premiere-Kunden neue Geräte kaufen, um weiter Fußball live sehen zu können: Die Premiere-Receiver "dBox/dBox2" ließen sich nicht für Cryptoworks umrüsten.

Wer Bundesliga (Arena) und aktuelle Filme (Premiere) sehen wollte, brauchte zwei Geräte. Ergebnis: Arena warb nicht genug Abonnenten und beteiligte sich nach knapp einer Saison Premiere wieder an der Fußball-Übertragung.

Integrierte Empfänger

Boxenstapel im Regal und zusätzliche Fernbedienungen auf dem Couchtisch müssen nicht sein. Immer mehr gut ausgestattete Fernseher empfangen mit Sat'und Kabeltunern selbst Digital-TV. Vorreiter dafür waren die deutschen TV-Hersteller Loewe und Metz, doch mittlerweile haben auch internationale Anbieter wie Sharp und Sony sowie Digital-TV-Spezialisten wie Humax und Technisat Fernseher im Programm, die alle digitalen Signaltypen von der Antenne, aus dem Kabel oder dem Orbit fischen.

Das Problem: Die meisten Geräte sind nicht für für bestimmte Kabelnetze oder Pay-TV-Anbieter zertifiziert. Ausnahmen bilden allenfalls TVs von Technisat oder Humax für den Empfang von Premiere HD. Was mit ihnen passiert, wenn ein neuer Pay'TV-Sender HD-Programme startet und anders verschlüsselt, ist jedoch offen.

Die inoffizielle Lösung

Digital-Receiver

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Jedem Netz seine Box: Digital-Receiver sind immer häufiger für den Einsatz bei einem bestimmten Kabelnetz-Betreiber ausgerüstet.

Die übrigen Hersteller legen sich mit ihren Geräten nicht auf das eine oder das andere Pay-TV-System fest. Hinter vorgehaltener Hand setzen sie auf eine inoffizielle Lösung: Die Empfangsteile der TV- Geräten haben - wie viele Set-Top'Boxen auch - einen Common-Interface'Einschub für Smartcard- Leser. Der nimmt Module auf, in die man die Pay'TV-Abokarte steckt.

Das beliebteste dieser Conditional Access Module (CAM) ist das "Alphacrypt-Modul" von Mascom. Es beherrscht fast alle Verschlüsselungssprachen - außer dem neuen Premiere-System NDS Videoguard. Wer ein solches Modul einsetzt, der kann Pay-TV-Programme via Sat oder Kabel über nicht zertifizierte Geräte anschauen, auf Festplatte aufnehmen und je nach Geräteausstattung sogar zum PC übertragen und dort auf DVD brennen.

Den Pay-TV-Machern ist das suspekt: Sie sind ihren Lieferanten gegenüber verpflichtet, für die Sicherheit der Inhalte zu sorgen - etwa in Sachen Kopierund Jugendschutz. Verlustfreie Kopien passen ebenso wenig in dieses System wie die Tatsache, dass sich in den meisten CA-Modulen die Jugendschutz-Abfrage beim Zappen auf Sendungen "ab 16 oder 18 abschalten lässt.

Wer sein Pay-TV- Programm über eine nicht zertifizierte Box entschlüsselt, handelt deshalb gegen die Geschäftsbedingungen des Anbieters. Theoretisch könnte dieser ihm das Abonnement kündigen. Wahrscheinlicher ist, dass der TV-Schirm des Kunden schwarz bleibt, wenn der Anbieter seine Verschlüsselung umstellt, so wie das Premiere gerade tut. Mit technischem Support können CI-Nutzer dann ebenso wenig rechnen wie mit einer Kulanz des Senders, wenn der Schirm schwarz bleibt.

CI Plus - der Heilsbringer?

Verschlüsselungsvarianten Astra Kabel Deutschland Kabel BW Unity Medai Tele Columbus Kabelkiosk
öffentlich-rechtliche Programme - - - - - -
privates Free-TV - +/Nagravision alt - +/Nagravision neu +/NDS Videoguard, Conax +/NDS Videoguard, Conax
eigene Pay-TV-Angebote kein Angebot +/Nagravision alt +/NDS Videoguard +/Nagravision neu +/NDS Videoguard, Conax +/NDS Videoguard, Conax
Premiere-Programme +/NDS, Nagravision neu +/Nagravision neu +/NDS Videoguard +/Nagravision neu +/NDS, Nagravision neu -
andere verschlüsselte TV-Angebote Arena Sat. Cryptoworks, Xtra Music: Cryptoworks Kabel Digital International Nagravision neu - - - -

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