Nostalgie

Die Anfänge des 3D-Fernsehens

Auf den Spuren des 3D-Fernsehens: Folgen Sie uns zurück in eine Welt, als TV noch als Pantoffelkino bezeichnet wurde.

fernseher, 3d, hai, röhre

© Hersteller/Archiv

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Wissen Sie, was eine Anaglyphenbrille ist? So etwas gibt es mit ein wenig Glück beim Optiker Ihres Vertrauens, ist aus Pappe und hat zwei Kunststofffolien in den Farben Grün und Rot anstelle der Gläser. Besonders beliebt war dieser Gegenstand irgendwann Ende der 70er-Jahre, als das öffentlich-rechtliche Fernsehen beschloss, eine Reihe von 3D-Filmen auszustrahlen.

Damals war die Situation so: Es gab das Erste und das Zweite Programm. Das deutsche Fernsehen waren die Namen Köpcke und Huberty, Havenstein und Trenker, und das waren die Sendungen Drehscheibe und Dalli Dalli. Da war die Geschichte vom dreidimensionalen Fernsehen ein echter Knaller.

Plastisch

Vorausgesetzt, man war im Besitz einer solchen Brille, konnte man dann die Fernsehansagerinnen schon Wochen vor dem Event mit kleinen Demonstrationen sehen. Gefolgt von der atemlosen Ankündigung "Sehen Sie, was jetzt geschieht", griffen die Damen virtuell aus dem Bildschirm. Besaß man die Brille nicht, war das Bild nur ein wenig unscharf.

Tatsächlich: Es gab Spielfilme in 3D. Die Familie saß vor dem Fernsehapparat, das Familienoberhaupt versuchte sich in technisch fragwürdigen Erklärungen auf die bohrenden Fragen der Sprösslinge, und der Film war zwar plastisch, aber schwarzweiß und langweilig. Wenn man sich indes umsah und erwachsene, vernünftige Menschen mit lächerlichen Pappbrillen erblickte, hatte wenigstens das einen gewissen Unterhaltungswert.

Und weil 3D besonders gut bei Bewegungen sichtbar wurde, musste - in einem anderen Beitrag - ein bemitleidenswerter Justus Frantz mehrere Male ein Gartengrundstück umrunden und dabei von Musik erzählen. Was er sichtlich lieber im Sitzen getan hätte.

Mit fortschreitendem Abend allerdings wurde die Stimmung immer gedrückter. Der Grund: Die Brillen verursachten bei vielen Menschen Kopfweh, bei entsprechend prädisponierten Personen auch ausgewachsene Migräne-Anfälle. Und nach dem Abnehmen der Brille musste man sich erst wieder an die wirklichen Farben gewöhnen.

3D-Brille mit rot/gelb

© Hersteller/Archiv

3D-Brille mit rot/gelb

Die Technik

Eine Anaglyphenbrille ist ein Filter. Die rote Seite filtert rote Bildinhalte weg, die grüne Seite analog grüne (das geht auch mit Rot und Blau). Wenn man jetzt zwei Bilder übereinander legt, die winkelversetzt geschossen wurden, und wenn man diese Bilder rot oder grün einfärbt, dann errechnet das Gehirn eine dreidimensionale Ansicht. Dazu muss das Ausgangsmaterial mit entsprechenden Kameras aufgenommen werden.

Das Problem beim Fernsehgerät: Die Bildfläche war sehr klein für eine dreidimensionale Darstellung. Wenn man ständig den Rand des Fernsehgeräts, die Wand dahinter und andere echte dreidimensionale Objekte zusätzlich im Auge hatte, dann funktionierte das mit dem virtuellen 3D nicht ganz.

Beziehungsweise nur mit viel Konzentration. Auch der zielstrebig ausgestreckte eigene Arm, der beim Salzstangen-Fassen jäh ins Bild ragte, demonstrierte unserem cerebralen Rechenzentrum schnell und überzeugend den Unterschied zwischen Simulation und Wirklichkeit. Die Kinoleinwand war da besser, denn da störte nichts das Bild, weil alles außer dem Film dunkel war.

Eine 70er-Bildröhre hätte es schon sein dürfen. Die war aber damals sündhaft teuer. Die Zukunft des Fernsehens hatte eben noch nicht begonnen.

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