Sonys "Epic Fail"

So wurde die PlayStation 3 gehackt

Die PlayStation 3 war jahrelang ungeknackt, erst mit speziellen Jailbreak-USB-Sticks bröckelte die Fassade nach über 3 Jahren. Durch die Veröffentlichungen seit dem Jahreswechsel 2010/2011 ist jedoch klar, dass Sony mit der PlayStation 3 eine massive Sicherheitspanne unterlaufen ist, die weitreichende Folgen hat - nicht nur für die PS3.

  1. So wurde die PlayStation 3 gehackt
  2. Fatale Sicherheitsmängel
  3. Sony und die Hacker
Der PlayStation-3-Hack

© Archiv

Der PlayStation-3-Hack

Bis heute ist die PlayStation 3 begehrtes Objekt der Multimedia-Freaks: Sie ist seit Jahren die technisch leistungsfähigste Spielekonsole und einer der besten Blu-ray-Player auf dem Markt. Nüchtern betrachtet ist die März 2007 in Europa veröffentlichte PlayStation 3 zwar inzwischen etwas in die Jahre gekommen, da der Hauptspeicher mit 256 MByte nicht gerade üppig ist und der Grafikprozessor noch auf der GeForce-7-Architektur basiert, aber den Flair der Eierlegenden Wollmilchsau mit hervorragenden Multimedia-Fähigkeiten hat sie bis heute nicht verloren, vielleicht auch wegen ihres nicht ganz günstigen Preises. Neben der Blu-ray-Unterstützung - quasi Nachfolger der DVD-Wiedergabefunktion der PlayStation 2 - ist das Gerät auch ein sehr guter Netzwerk-Player, die CD-Wiedergabe wird um die Anbindung an eine Online-Titeldatenbank und CD-Ripping ergänzt.

IBMs Cell-Prozessor, der bei der PS3 zum Einsatz kommt

© IBM

Der Cell-Prozessor im Detail: Neben der Haupteinheit links unten, dem PPE, sind rechts daneben auch die SPEs zu erkennen, die u.a. auch Ver- und Entschlüsselungsaufgaben übernehmen können

Früher ging aber noch mehr: Man konnte - mal besser, mal schlechter - dank eines eingebauten (Software-)Emulators PlayStation-2-Spiele weiternutzen, und die "OtherOS"-genannte Funktion erlaubte die Installation einer für PowerPC-Prozessoren kompilierten Linux-Distribution, sodass man die PS3 (fast) wie einen richtigen PC nutzen konnte. Sogar im wissenschaftlichen Bereich war die PlayStation im Linux-Modus aufgrund seines Cell-Prozessors interessant: Die CPU verfügt über eine Art "Hauptprozessor" (PPE, Power Processor Element") und sieben "Nebenprozessoren" (SPE, Synergistic Processing Elements), die bei entsprechender Programmierung für hohe Rechengeschwindigkeiten sorgen (siehe auch Bericht über PS3-Supercomputer auf dieser Webseite).

Seit Firmware-Version 3.21 gehört "OtherOS" der Vergangenheit an - die PS2-Kompatibilität hatte Sony bereits vorher aus der Firmware verbannt. Diese weitere Beschneidung der PS3-Funktionalität letzten Jahres wollten viele nicht hinnehmen und fingen an, sich nach jahrelangen Desinteresses intensiv mit dem Hack der Konsole auseinanderzusetzen, um Linux wieder zum Laufen zu bekommen. Sony hatte die Linux-Unterstützung aus dem Kernel entfernt, nachdem der 21-jährige amerikanische Hacker "geohot" (George Francis Hotz) Anfang 2010 einen ersten Exploit für die PS3 veröffentlichte und dazu die "OtherOS"-Funktionalität nutze. Der Hersteller wollte damit die Konsole wieder sicher machen, erreichte jedoch letztendlich genau das Gegenteil - ein klassisches Eigentor, das jetzt zum Albtraum für Sony werden kann.

Die anderen Lager

In der Vergangenheit wurde jede Konsole gehackt - meist mit dem Ergebnis, dass um raubkopierte Spiele genutzt werden konnten. Zu Beginn waren die Konsolen überhaupt nicht geschützt: Nur wer entsprechende Elektronik-Kenntnisse besaß, konnte die Speicherchips der Spiele-Module auslesen und kopieren. Für die Programmierung war die erfolgreiche Atari-VCS-2600-Spielekonsole Anfang der 1980er so offen, dass der Markt von Spielen überflutet wurde und schließlich das Überangebot zum großen Videospiel-Crash von 1983 führte. Die Spieleindustrie lernte daraus, und die Konsolen waren seitdem "geschlossen". Mehr noch: Programme wurden signiert, damit gewährleistet werden konnte, dass nur offiziell abgesegnete Applikationen gestartet werden können und nicht jeder mit eigenen Programmen auf den Markt drängen kann. Zahlreiche Keys, auch individuelle Keys für jede einzelne Konsole z.B. zum Verschlüsseln der Daten im Hauptspeicher oder auf Festplatte, sollen heute für zusätzliche Sicherheit sorgen.

Sicherheitskonzepte aktueller Spielekonsolen

© Team "fail0verflow", 27C3

Die Sicherheitskonzepte aktueller Konsolen - und die Einschätzung der Hackergruppe "fail0verflow" über ihre Umsetzung bei der PlayStation 3

Auch Hardware-mäßig wurde aufgerüstet: Als CDs und DVDs die Datenträger für Konsolen wurden, sorgten die Konsolenhersteller dafür, dass Selbstgebranntes nicht von der Konsole akzeptiert wurde. Konsolen wie die Wii oder Xbox nutzen zudem anders beschriebene bzw. verschlüsselt geschriebene Medien, sodass sie sich nur mit speziellen Laufwerken und Tools mit dem PC auslesen lassen.

Bis heute sind Wii und Xbox 360, die konkurrierenden Konsolen, besser geschützt als die PS3. Beide Konsolen sind kompromittiert worden: Bei der Xbox 360 gibt es modifizierte Firmware-Dateien für die Laufwerke, um Raubkopien laufen lassen zu können, allerdings schließt Microsoft derart veränderte Geräte nach gewisser Zeit für immer aus dem Online-Netzwerk aus - auch um Cheatern (Schummlern) bei Online-Spielen keine Chance zu geben. Dafür zeigt sich Microsoft beim Kinect-Hack kulant - nach anfänglichen Drohungen will man jetzt die Xbox-Hardware stattdessen jetzt auch offiziell unter Windows unterstützen.

Für den Hack der Wii wird bei der aktuellsten Firmware 4.3 ein präparierter Spielestand und ein Original-Spiel benötigt, und Homebrew-Software läuft nur auf modifizierten Konsolen, da nicht bekannt ist, welche Schlüssel Nintendo verwendet, um Software zu signieren.

Gerade bei der Wii zeigt sich jedoch, dass ein Jailbreak auch ohne Raubkopien im Hinterkopf für einen echten Mehrwert sorgen kann: Man kann die Wii zum Mediaplayer und Webradio umfunktionieren, es gibt eine Google-Earth-Erweiterung, zahlreiche Emulatoren für ältere Konsolen- und Computersysteme, Open-Source-Spiele, die allerdings qualitativ noch nicht an die kommerzielle Konkurrenz heranreichen, und vieles mehr. Nach Aussagen des Hackers "bushing" haben über eine Million Wii-Besitzer weltweit den Homebrew-Channel letztes Jahr installiert gehabt.

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