Ratgeber

Der Kontrastumfang

Der Pixelzahl gilt oft das größte Interesse bei Digitalkameras. Unsere Tests zeigen, dass es auf mehr ankommt. So zeigen Kameras mit hohem Kontrastumfang auch dann noch Zeichnung in Schatten und Lichtern, wenn andere passen.

Wenn die Kamera weiße Lichter und schwarze Schatten ohne Zeichnung liefert, nützen höchste Pixelzahlen und hochauflösende Objektive gar nichts. Dem Bild fehlt dann an wichtigen Stellen die Detailzeichnung, obwohl die Kamera Mega-Pixelzahlen bietet. Besonders problematisch sind die hellsten und dunkelsten Stellen sehr kontrastreicher Motive. Häufig ist dann die Helligkeitsdifferenz im Motiv, also der Objektkontrast oder Dynamikumfang, so groß, dass ihn die Kamera nicht aufzeichnen kann. In den Lichtern und/oder Schatten geht die Detailzeichnung verloren.

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Eine durchschnittliche Landschaftsaufnahme etwa  mit einem Motivkontrast von 1:32 ist unproblematisch. Bei einer Landschaftsaufnahme mit extremem Gegenlicht, kommen aber auch Kontraste von bis zu 1:10 000 vor. Wer Schadensbegrenzung betreiben und das Maximum an Zeichnung in den Bildern wieder finden möchte, braucht eine Kamera, die einen möglichst hohen Objektkontrast aufzeichnen kann.

ColorFoto misst zu jeder Kamera für ISO 100 und 400 den - mit zunehmender Empfindlichkeit abnehmenden - Objektkontrast. Er wird in Blenden (entsprechend EV- oder LW-Stufen) angegeben, weil sich z. B. unter "9 EV" oder 9 Blenden jeder Fotograf etwas vorstellen kann, die wenigsten dagegen unter der entsprechenden physikalisch exakten Angabe "2,7 Dichten". Als akzeptable Grenze für den Objektkontrast gilt ein Signalrauschabstand in den Schatten von 3: ColorFoto bestimmt also, welchen maximalen Motivkontrast die Kamera erfasst, bis in der dunkelsten Partie der Signal/ Rauschabstand auf  3 sinkt. In der Tabelle finden Sie diesen Wert als Objektkontrast in Blenden. Es erklärt zugleich, warum Kameras mit einem starken Rauschen einen schlechteren Objektkontrast liefern als rauscharme Modelle.

Eine schlechtere Dynamik zeigt sich im Grenzfall nicht nur durch ausgefressene Lichter und zugelaufene Schatten. Wer sein Foto mit dem praktischen Photoshop-Werkzeug "Tiefen/Lichter..." optimiert, gewinnt bei der Schattenaufhellung eines Fotos von einer Kamera mit guter Dynamik Zeichnung in den Schatten. Bei einer Kamera mit schlechter Dynamik dagegen wird nur das Rauschen deutlicher sichtbar, da es die Detailzeichnung überlagert und damit verschwinden lässt. Eine Umrechnung der Blenden in Kontraste und Dichtedifferenzen bietet die Tabelle unten. Wer nachrechnen will: "0,3 Dichten" entsprechen "1 Blende".

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Was tun in der Praxis?Um die maximale Dynamik einer Kamera so weit wie möglich auszunutzen, ist eine optimale Belichtung unerlässlich. Bei deren Beurteilung hilft, wenn vorhanden, die Histogrammfunktion der Kamera. Die Belichtung sollte so gewählt werden, dass sich bei einem durchschnittlichen Motiv weder links noch rechts am Ende der X-Achse des Diagramms Berge bilden - eine Aufgabe für die Belichtungskorrektur. Lässt sich wegen des großen Motivkontrastes ein Berg nicht vermeiden, sollte er keinesfalls scharf rechts, in den Lichtern entstehen. Wie beim Diafilm empfiehlt sich im Zweifel auch bei Digitalfotos eine knappere Belichtung. Aus Schattenbereichen lassen sich mit einem Bildbearbeitungsprogramm noch Details herausholen, während sie in den überbelichteten Bereichen verloren sind.

Natürlich sollte man sehr helle, etwa Schnee-Fotos, oder ganz dunkle Motive nicht überkorrigieren und den "Berg" im Diagramm per Belichtungskorrektur in die Mitte treiben. Schließlich soll der Schnee nicht grau oder die dunkle Nacht hell erscheinen. Dennoch gilt auch hier, dass eine angemessene Korrektur die das Maximum im Histogramm leicht vom Rand löst, die Zeichnung verbessert.

Sind die Schattenbereiche nicht zu groß, kann der Motivkontrast durch einen Aufheller oder - falls es nicht unnatürlich wirkt - auch einen Blitz reduziert werden. Profis setzen auf eine Lichtermessung, wenn sie auf Nummer sicher gehen wollen. Dazu sollte die Kamera eine Spotmessung erlauben. Wer damit das hellste Motivdetail anvisiert und dann die Belichtung um +2 oder +2,5 EV nach oben (!) korrigiert, erhält gerade noch Zeichnung in den Lichtern und kann aus den Schatten das Beste machen.

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Der BildumfangFür die Darstellung des aufgezeichneten Objektkontrasts im Bild stehen durch den 24-Bit-Binärcode der Digitalkamera maximal 256 Graustufen zur Verfügung. Dabei steht der Wert "0" für das dunkelste Schwarz und "255" für das hellste Weiß. Wenn die Kamera diesen Bereich nicht voll ausnutzt und der Weiß-Wert nur bei 240 liegt, schränkt das zwar nicht die Dynamik im endgültigen Bild ein, wohl aber den Nuancenreichtum. Ein Bild mit nur 240 Stufen lässt sich per Tonwertkorrektur problemlos auf 256 Stufen hochziehen, doch bleiben dann im Histogramm Lücken, weswegen ColorFoto auch den Bildumfang im Test bestimmt. Wie kontrastreich Bilder letztendlich wiedergegeben werden, hängt nicht nur vom Aufnahme-, sondern auch vom Wiedergabemedium ab. Hier sind selbstleuchtende oder durchleuchtete Medien wie Dia oder Monitor immer im Vorteil gegenüber Medien, die vom reflektierten Licht leben, sprich Papiervergrößerungen.

Darstellung im Display der Kamera

© Archiv

Dieses Bild ist etwas dunkel, aber in allen Partien durchzeichnet und lässt sich am Rechner problemlos korrigieren. Ein Großteil der Histogrammfläche steht etwas zu weit rechts über dem dunklen Bereich des kleinen Graustufenkeils.
Darstellung im Display der Kamera

© Archiv

Dieser helleren Aufnahme fehlt die Zeichnung in den Lichtern, was zu irreparablen weißen Flächen führt. Die Fläche des Histogramms stößt in den Lichtern an die Grenze.

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