Ratgeber: "Hardware"

Der ideale Videoschnitt-PC im Eigenbau

Die Filmbearbeitung stellt an den PC spezielle Anforderungen. Wer diese optimal erfüllen will, greift zu teuren Workstations. Oder baut sich seine Schnitt-Maschine selbst. Wie es geht, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Der ideale Videoschnitt-PC im Eigenbau

© PCMagazin

Der ideale Videoschnitt-PC im Eigenbau

Der Anrufer ist hörbar sauer: "Wie habt Ihr denn die Videoschnittsoftware getestet?", will der Leser  wissen. Dessen Schnitt-Software, die in unserem Test ordentlich gearbeitet hatte, ruckelt bei der   Bearbeitung von hoch auflösendem Material nervtötend vor sich hin. Anders als bei unserem  Testsystem mit CUDA-GPU macht sich bei dem Leser die Beschleunigung durch die Grafikkarte durch eine neue AMD-GPU kaum bemerkbar. "Dabei verspricht der Anbieter das genaue  Gegenteil", ärgert sich der Anrufer. Wie ihm geht es vielen Anwendern. Denn für die  Videonachbearbeitung müssen die Komponenten optimal aufeinander abgestimmt - und von der Software unterstützt sein. Die von den AMD-Karten unterstützte OpenCL-Schnittstelle hilft wenig,  wenn die Software nur die CUDA-Beschleunigung (optimal) nutzt.

Mainboard, CPU und Firewire-Karte

AMD oder Intel, lautete die auch in der Redaktion heiß diskutierte Grundsatzfrage. Für ein AMD-System wäre der AMD FX-8150 auf dem gut ausgestatteten Board Asus Sabertooth 990FX ein heißer Kandidat. Der 8-Kerner kostet knapp 190, das Board etwa 150 Euro. Wir  haben uns dennoch für einen deutlich kostspieligeren Intel Core i7-3930K entschieden. Zum einen  aufgrund der besseren Leistungswerte - aber auch, weil wir von einigen Software-Herstellern  wissen, dass sie ihre Tests nur mit Intel-CPUs durchführen. Der 6-Kerner ist mit 3,2 GHz getaktet  und erreicht im Turbo-Boost-Modus bis zu 3,8 GHz. Die CPU kann mit 12 MByte L3-Cache und einem Speichercontroller mit vier Kanälen aufwarten, was eine hohe Leistung bei speicherintensiven Anwendungen garaniert. Als Mainboard wählten wir das Asus Rampage IV Formula auf Basis des Intel-X79-Chipsatzes.

Zur Ausstattung zählen vier PCIe-3.0-x16-Slots für 4-Wege-SLI und CrossFireX. Zum  Anschluss von Massenspeichern stehen vier SATA3-, vier SATA2- und zwei eSATA3- Anschlüsse, sowie vier USB-3.0-Schnittstellen zur Verfügung. Was dem Board leider fehlt, ist ein FireWire-Anschluss. Eine PCIe-Zusatzkarte von Lindy (51182) hilft diesem Manko ab.

Grafikkarte

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© Archiv

Eine Frage der Unterstützung: Einige Videoschnitt- Programme, darunter der Avid Media Composer, setzen zwingend bestimmte Grafikkarten voraus. Der Media Composer prüft bereits beim Programmstart, ob eine entsprechende Karte installiert ist.

Immer mehr Anbieter setzten auf GPU-Power zur beschleunigten Berechnung aufwändiger Rechenoperationen. Ob Adobe, Autodesk, Avid oder BlackMagic Design: Praktisch alle Programme mit professionellem Anspruch unterstützen die CUDA-Schnittstelle von Nvidia. Ob  eine Quadro-GPU Sinn macht, hängt von der Treiber-Unterstützung des jeweiligen Programms  ab: für Speedgrade/Resolve/3ds ja, Premiere Pro profitiert dagegen von einer GPU mit GTX  580 mehr als von einer 4000er. Dieser Trend aus der Profi-Ecke setzt sich selbst bei Consumer- Produkten durch - schon vor einem Jahr "erbte" das Pinnacle-Studio die GPU-Beschleunigung  von Liquid. Bei der Zusammenstellung des Referenz-PCs orienterten wir uns an den aktuellen  Mindestanforderungen marktführender Hersteller wie Adobe oder Avid. Daher entschieden wir  uns für die Quadro 600 für die Display-Anzeige sowie die Quadro 4000 als "Rechenknecht".

Arbeitsspeicher

Speicherhungrig sind sie alle: Arbeitsspeicher satt ist gerade für die Filmnachbearbeitung enorm wichtig. Aufgrund des hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnisses und eigener Erfahrungen entschieden wir uns für 32 GByte DDR3-1600 RAM von A-DATA (vier 8-GByte- Module, AD3U1600W8G11-R, Premier).

Festplatte

Niemand wartet gerne - wir auch nicht. Betriebssystem und Anwendungsprogramme installierten  wir auf dem Solid State Drive ADATA S510 mit 120 GByte. Die aktuellen Projektdateien legten  wir auf die S511 mit 240 GByte - eine noch etwas schnellere, leider auch teurere SSD. Als  Datenarchiv bauten wir die 3 GByte große Seagate Barracuda ein, eine ebenso flotte wie  vergleichsweise preiswerte SATA-HDD. Für Profis wäre eine PCI-Express-Zusatzkarte mit  externem RAID-System empfehlenswert - etwa das Areca ARC1880 mit acht HDDs.

Gehäuse und Netzteil

Leise sollte er schon sein, der Schnitt-Rechner - sonst lassen sich Aufnahmen nur noch mit guten  Kopfhörern beurteilen. Daher legten wir Wert auf leise Komponenten. Der ursprünglich  vorgesehene geräuschgedämpfte Cooler Master Silencio 550 (75 Euro) stand uns nicht  rechtzeitig zur Verfügung, daher entschieden wir uns für den sehr geräumigen HAF 932. Der  Bigtower bietet sehr viel Platz für Grafikkarten und Festplatten, die sich leicht einbauen lassen  und auch gut gekühlt werden. Das Gehäuse bietet optimal zugängliche Ausgänge vorne oben  unter anderem für Firewire und für USB 3.0. Für den nötigen "Saft" sorgt das 1050 Watt starke  Silent Pro Hybrid 1050W von Cooler Master. Das mit 80Plus Gold zertifizierte Netzteil arbeitet  bis zu einer Last von 200 Watt passiv und damit lautlos. Über eine 5,25-Zoll-Blende mit zwei Drehreglern lassen sich die Drehzahl des Netzteillüfters und von bis zu drei Gehäuselüfter auch manuell einstellen.

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