Rezept gegen schlechtes Bild

Den LCD richtig kalibirieren

Die richtige Einstellung ist die oberste Voraussetzung dafür, dass ein Fernseher seine Bilder neutral und normgerecht produziert. Die Werkseinstellungen werden zwar immer besser, doch jedes Gerät lässt sich noch optimieren.

Bildschirm mit Doktor im Bild

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Service/Wissen 05/09

Keine Entscheidung des Video-HomeVision-Teams zog in den letzten Monaten so viele Leserproteste nach sich wie das Nicht-mehr-Abdrucken der optimalen Einstellungen für TV-Geräte. Bei unseren Tests und Messungen gleichen wir ja mit großem Aufwand die Fernseher ab, um wirklich das Beste aus ihnen herauszuholen. Da liegt es nahe, die gewonnenen Erkenntnisse mit unseren Lesern zu teilen, damit sie dasselbe TV-Erlebnis mit dem betreffenden Modell auch zu Hause genießen können.

Leider sind diese Einstellungswerte technisch nur unter Vorbehalt zu genießen, genauso wird der Platzbedarf zum Abdrucken immer größer, da moderne Geräte oft über 20 Parameter zum Bildabgleich anbieten, die sich teilweise gegenseitig beeinflussen. Trotzdem führen wir aufgrund der großen Nachfrage die Einstellungsinfos jetzt wieder ein. In fast allen Fällen wird die Übernahme unserer Werte das Bild verbessern, es wird jedoch nur selten wirklich perfekt sein. Die Einstellungen wurden für die von uns getesteten Geräte-Exemplare in Kombination mit unseren genormten Zuspielern ermittelt. Zu Hause können die Werte um einiges differieren.

Die Realität ist bitter

Dabei sind die Werkseinstellungen in den letzten Jahren erheblich besser geworden. Erst wurden mehrere Voreinstellungen in den Geräten abgelegt, von denen meist 'Kino' und oft 'Standard' einigermaßen normgerechte Bilder produzieren.

Der beim ersten Einschalten gewählte Modus 'Dynamik' soll hingegen im Großmarkt herausbrüllen: 'Ich bin der Tollste'. Und selbst diejenigen, die das Setup-Menü niemals bemühen, werden von einigen besonders schlauen Modellen bei der Erstinstallation (Sendersuche usw.) gefragt, ob Bild und Ton für Wohnzimmer oder Geschäft optimiert werden sollen.Es hat sich also viel Positives bei der Suche nach normgerechter Bildqualität getan, andererseits sind die Justiermöglichkeiten auch massiv erweitert worden. Es reicht beispielsweise nicht mehr, Helligkeit und Kontrast so einzustellen, dass die Videopegel der Quelle richtig auf Schwarz und Weiß abgebildet werden.

Es kommen jetzt eine Kontrastautomatik, Schwarzpegelerweiterung oder Weißbooster hinzu, die das Eingangssignal analysieren und gegebenenfalls mit dem Umgebungslicht vergleichen. Dann werden Gammakurven verbogen oder dominante Helligkeitsbereiche gestreckt, um die häufigsten Inhalte besser differenzieren zu können. Im Farbbereich wird ähnlich gearbeitet.

Weißabgleich

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Der Weißabgleich ist eine Einstellung, die nicht ohne die richtigen Messinstrumente vorgenommen werden kann. Dabei wird die Zusammensetzung von Weiß aus den Grundfarben Rot, Grün und Blau ermittelt. Ein komplexes Verfahren bewertet das Verhältnis der Farbanteile und gibt eine Farbtemperatur aus. Der Wert wird in Kelvin angegeben und soll beim Fernsehen 6500 betragen. Lustigerweise sagt man, ein Bild wirkt kälter, je höher seine Farbtemperatur ist. Es besitzt dann mehr Blauanteil. Bei der Farbtemperatur spielt der Grünanteil keine Rolle, wir gleichen jedoch natürlich auch diesen Parameter ab. "Gain" und "Offset" geben im Einstellungsmenü Grundpegel (Helligkeit, regelt dunkle Bildinhalte) und Verstärkung (Kontrast, regelt helle Bildinhalte) der Grundfarben Rot, Grün und Blau an.

Jahrelang war die Farbtemperatur Angriffsziel der Videopuristen, die Technik der Hersteller jedoch schon viel differenzierter. So können bei identisch gemessener Farbtemperatur durch unlineare Sättigungsmanipulationen (wie Hauttonkorrektur) beliebige Farbnuancen zu einer speziellen Bildcharakteristik verbogen werden.

Um normgerechte Messungen hinzubekommen, schalten wir all dies ab, wohl wissend, dass falsch produzierte oder schlecht übertragene Quellsignale mit diesen Optimierungsschaltungen teils schön nachgebessert werden können.

Es heißt also nicht, dass sie nicht auch einmal genutzt werden dürfen. Wer sich darüber aufregt, dass RTL zu bunt, arte zu kontrastarm und das Vierte zu verrauscht senden, darf auch gerne nachregeln.

Standard oder Geschmackssache

Kontrast-Einstellungen

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Die guten alten Zeiten analoger Röhrenfernseher, als nur Kontrast, Helligkeit und Farbe einstellbar waren, sind vorbei. Digitaltechnik und der hohe Qualitätsanspruch haben Schärfe- und Farbtemperaturregelungen zum Standard erhoben und Dutzende weitere Korrekturen und automatische Optimierungsschaltungen eingeführt. Von diesen Möglichkeiten wissen nur wenige Menschen, was sie wirklich bewirken. Daher werden auch so manche Menü-Einträge teils fragwürdig ins Deutsche übersetzt. Zur Abstimmung von Brillanz, Farbe und Schärfe kommen Optimierungen für 100-Hz-Bewegungswiedergabe und Tricks gegen Stottern, Rauschen und Blockbildung (schlechtes Digital-TV). Wir können leider nur bei den wichtigsten Parametern unsere Ratschläge abdrucken.

Die von uns ermittelten optimalen Einstellungswerte beziehen sich auf unsere Testmuster, die von einem normgerecht eingestellten Blu-ray-Player über HDMI in 1080i60 angesteuert werden, wenn möglich in YCC4:2:2, 12 Bit. Nachbesserungen in der TV-Serienfertigung (neuer Grundabgleich) sind genauso vorbehalten wie Pegeldifferenzen von Playern. Scart-Eingänge oder gar Digital/Analog-Tuner von Fernsehgeräten benötigen im Detail stets andere Settings aufgrund anderer Grundpegel, Rauschverhalten, Schärfe, Schatten usw.

Nur Grundtendenzen wie z.B. Farbtemperatur lassen sich fast immer problemlos übernehmen. Wer es richtig machen möchte, sollte seinen Player mit einbeziehen und eine Test-DVD beispielsweise von Burosch einsetzen.

Dann stimmen Brillanz, Sättigung und Schärfe schon einmal. Die Farbtemperatur kann nur mit einem Messgerät wie mindestens dem Spider-TV objektiv nachjustiert werden. Wer es wirklich normgerecht haben möchte, kann die Dienste eines professionellen Kalibrators in Anspruch nehmen. Diese Justage nach TV-Normen ist jedoch nicht ganz billig.

Fakten zur Bildoptimierung

Fakten zur Bildoptimierung

  • Die Werkseinstellungen sind schlecht: TV-Geräte werden ab Werk darauf getrimmt, heftigste Kontraste, brutale Schärfe und satteste Farben für den Vergleich im Verkaufsregal zu erzeugen. Mit Natürlichkeit hat das nichts zu tun.
  • Voreinstellungen werden immer besser: Um zu Hause ein besseres Bild zu erzeugen, haben die Hersteller Voreinstellungen wie "Kino" integriert. Gute TV-Geräte fragen bei der Installation "Geschäft oder Wohnzimmer?"
  • Der Abgleich ist abhängig von der Bildquelle: Die perfekte Einstellung ist immer nur für eine Bildquelle richtig (Tuner, DVD, Blu-ray, Foto). Manche TV-Sender haben darüber hinaus eigene Bild- und Klangphilosophien.
  • Ungenauigkeit durch Serienstreuung: Leider weichen die Grundeinstellungen für Helligkeit, Kontrast und Farbe bei gleichen Modellen bis zu 10% ab.
  • Unsere Testmuster sind erster Serienstatus: Manchmal werden die von uns gefundenen Voreinstellungen nach unseren Tests noch ab Werk feinjustiert.
  • Abgleich optimal mit Discs, perfekt mit Messgeräten: Eine wirklich perfekte Einstellung bezieht die Quelle mit ein. Nicht jeder DVD/BD-Player ist gleich hell, kontrastreich oder bunt. Manche Parameter lassen sich ohne Hilfsmittel (Farbfilter, Farbtemperaturmessgerät) nicht sicher einstellen.

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