Online-Backup

Datensicherung via Internet

Die Online-Datensicherung zu einem Backup- Provider erfährt immer mehr Zuspruch. Vor allem kleinere Firmen nutzen die Angebote und die Anzahl der Anbieter wächst. Internet Magazin hat das deutschsprachige Angebot genauer betrachtet.

  1. Datensicherung via Internet
  2. Teil 2: Datensicherung via Internet
Daten im Internet

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Daten im Internet

Gemäß einer Studie der Gartner Group sichern 64 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen ihre Daten nicht an einem externen Standort, wo diese im Katastrophenfall sicher wären. Weiterhin sind rund 60 Prozent der Backups nicht vollständig und 50 Prozent der Datenwiederherstellungsversuche schlagen fehl. Lediglich 25 Prozent der Datenbänder werden außer Haus in einer geeigneten Umgebung gelagert.

In der Tat ist eine Datensicherung vergleichsweise aufwändig und teuer, außerdem erfordert sie viel Sorgfalt. Seit einiger Zeit gibt es diverse Anbieter, die eine Datensicherung über das Internet in von ihnen unterhaltenen Rechenzentren anbieten und dieses Verfahren als so genanntes Online-Backup vermarkten. War vor gut einem Jahr die Anzahl der deutschsprachigen Anbieter noch auf etwa zehn beschränkt, so haben wir bei einer aktuellen Recherche im Internet rund 25 Provider gefunden. Hinzu kommen noch diverse Systemhäuser, die derartige Angebote aber nur als Reseller vermarkten. Unsere Übersicht beschränkt sich allerdings auf 17 Anbieter, da einige sämtliche Anfragen ignorierten, nur Großkunden bedienen oder sich das Produkt noch in der Testphase befindet.

Technisch möglich und interessant wird die Online-Datensicherung durch die immer preisgünstigeren DSL-Zugänge mit hoher Bandbreite. Maßgeblich für die Sicherungsgeschwindigkeit ist dabei die Uploadrate des Zugangs. Die Praxis zeigt, dass sich bereits mit 256 kBit/s Upload dank geeigneter Kompression rund 200 MByte pro Stunde sichern lassen. Standard- DSL-Zugänge mit 16.000 kBit/s bieten sogar Upstream-Raten von 1024 kBit/s, woraus eine Sicherungsleistung von bis zu 800 MByte pro Stunde resultiert.

Zu berücksichtigen ist, dass sämtliche Sicherungs-Tools nach einem Komplettbackup aller ausgewählten Bereiche bei der Einrichtung (Initialbackup) stets nur die Änderungen sichern, also ein inkrementelles Backup durchführen. Diese Ergänzungen betragen erfahrungsgemäß täglich weniger als fünf Prozent der Kapazität eines Arbeitsplatzes oder Servers. Beim Online-Backup ist es zudem sinnvoll, die Sicherung auf die eigentlichen Arbeitsdaten zu beschränken, die den Hauptwert darstellen und bei einem Datenverlust den größten Schaden bedeuten. Letztendlich werden auch auf zig GByte großen Servern tagtäglich nur wenige MByte wirklich wichtiger Unternehmensdaten verändert.

Mehr Komfort

Bei der Auswahl eines Providers sind zwei wichtige Aspekte zu betrachten: Welches Rechenzentrum nutzt der Anbieter und welche Backupsoftware verwendet er? Die erste Teilfrage gibt einen Aufschluss über die Aufbewahrung der Daten, berührt den Anwender aber ansonsten weniger, die zweite entscheidet über Funktionalität und Komfort bei der Nutzung. Wer Wert darauf legt, dass die Sicherungsdaten gespiegelt an zwei weit voneinander entfernten Orten aufbewahrt werden, sollte sich dies von den infrage kommenden Providern explizit bestätigen lassen. Auch wenn ein Anbieter mehrere Rechenzentren betreibt, heißt das nicht, dass alles gespiegelt wird.

Datensicherung via Internet

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Über eine Baumstruktur lassen sich bei Novanet Web die Verzeichnisse auswählen.

Bezüglich der Sicherungssoftware verfügen nur wenige Provider über eine eigene Entwicklung. Bei Carbonite, Iron Mountain Digital, Maxdata und Stepping Stone ist das der Fall, die meisten setzen aber auf Tools von unabhängigen Herstellern. So findet ein Anwender bei unterschiedlichen Providern identische Werkzeuge vor. Beispielsweise verwenden Outback, Netzhaus und Arvato ein recht verbreitetes Produkt vom Backupsoftware-Spezialisten Novastor, hier unterscheiden sich die Oberflächen nur geringfügig. Web2know und Ticope nutzen das ebenfalls recht verbreitete Asigra Televaulting, weiterhin ist Ahsay mehrfach vertreten und auch die Software von Iron Mountain Digital wird wie bei der Swisscom oder Netrics gerne in Lizenz genutzt.

Die Technik

In der Regel ist auf jedem zu sichernden System, egal ob Notebook, Arbeitsplatz oder Server ein Backup-Client zu installieren, der mit dem Rechenzentrum des Providers über das Internet Verbindung aufnimmt.

Die Sicherung mehrerer Systeme über Freigaben im Netzwerk via Client ist zwar in vielen Fällen prinzipiell möglich, aber alles andere als optimal, da der Einstiegspunkt an der Freigabe hängt und hinterlegte Rechte den Zugriff auf einzelne Bereiche sperren können. Außerdem ist dies von den Providern oft nicht gerne gesehen, auch wenn Sie natürlich den belegten Platz dann abrechnen können.

Iron Mountain Digital kombiniert die Sicherung einzelner Clients optional mit einer zentralen Administration über ein Web-Portal. Hier wird zwar jeder Client einzeln gesichert, ein Administrator kann aber für alle Systeme unter anderem einen Sicherungszeitplan und Backup-Regeln festlegen.

Datensicherung via Internet

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Übersichtlich werden bei Asigra Televaulting die Speicherungsquoten angezeigt.

In erster Linie Netzwerk- orientiert arbeitet nur Asigra Televaulting, welches die administrativen Freigaben in einer Domänenumgebung nutzt und so unabhängig von manuell eingerichteten Shares agieren kann. Dabei trennt es die gesicherten Systeme logisch und erlaubt so bewusst das übersichtliche, agentenlose Backup mehrerer PCs.

Der Client übernimmt im Zusammenspiel mit dem Server auf Provider-Seite wichtige Aufgaben, um die zu übertragende Datenmenge möglichst zu reduzieren und die Datensicherheit zu gewährleisten. So werden die zu sichernden Dateien mit dem bereits vorhandenen Datenbestand verglichen, um die geänderten Dateien zu ermitteln und nur diese zu übertragen. Standardmäßig wird inkrementell gesichert, also die Änderungen seit der letzten Sicherung. Auf Ahsay Online Backup aufsetzende Angebote erlauben alternativ auch ein differenzielles Backup, also die Sicherung aller Änderungen seit der letzten Vollsicherung, was in diesem Umfeld aber eher unüblich ist, da dann die zu sichernde Datenmenge kontinuierlich wächst und in gewissen Abständen Vollsicherungen durchzuführen sind.

Sind die Daten ermittelt, werden sie vom Client komprimiert und verschlüsselt. Am weitesten verbreitet ist hier eine Verschlüsselung mit 128 Bit nach dem AES Standard. Allein bei der Stepping Stone GmbH werden die Daten nicht verschlüsselt, nur die Übertragung ist mit SSH gesichert. Hier müssen die Kunden sehr viel Vertrauen zum Provider haben.

Bei einer Wiederherstellung werden die Dateien verschlüsselt zurück zum Client übertragen und dort entschlüsselt sowie entkomprimiert. Keines der vorgestellten Systeme bietet eine Unterstützung von Hardwareschlüsseln an.

Minimalismus

Bei der Datenermittlung verwenden alle Programme spezielle Funktionen zur Dateianalyse. Sie sichern bei nur geringfügig geänderten Dateien nicht alles, sondern entweder nur die geänderten Blöcke (Delta- Block-Sicherung) oder ermitteln die Änderungen tatsächlich auf Dateiebene. Wird beispielsweise bei einer mehrere MByte großen Worddatei nur eine Zeile eingefügt oder angehängt, werden auch nur wenige KByte gesichert. Wichtig ist diese Funktion auch bei .pst-Dateien von Outlook, die meist mehrere MByte groß sind und bei denen sonst jeder Aufruf eine Vollsicherung nach sich ziehen würde.

Eine weitere Funktion zur Einsparung wird von vielen Tools genutzt, indem die Clients identische Dateien in verschiedenen Verzeichnissen ermitteln und diese nur einmal speichern. Wer Datenbanken (SQL, Oracle) oder einen Exchange-Server sichern möchte, muss darauf achten, dass die Software dies über mitgelieferte Agenten oder Plug-ins unterstützt. Auf Ahsay Online Backup und Asigra Televaulting basierende Angebote unterstützen dies standardmäßig. Bei Novanet Web besitzt nur die Advanced-Version einen SQL- und Exchange-Agenten.

Daten im Internet

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In der Regel arbeiten alle Produkte mit Sicherungszeitplänen, die sich recht individuell an die jeweiligen Bedürfnisse anpassen lassen. Wichtig sind hier auch die Aufbewahrungsregeln, in denen festgelegt wird, wie viele Versionen gesichert werden und wie lange gelöschte Dateien noch aufgehoben werden. Klar sollte dabei sein, dass viele Versionen und eine lange Aufbewahrungsdauer Speicherplatz kosten, der letztendlich vom Kunden zu bezahlen ist. Die Tools von Asigra und Novastor erlauben sogar täglich mehrfache Sicherungen in Stundenabständen.

Am sparsamsten geht übrigens Carbonite mit dem Plattenplatz um. Statt eines variablen Zeitplans prüft der Client alle 24 Stunden, was zu aktualisieren ist, auf dem Sicherungsserver wird stets nur die letzte Version gehalten, auf dem Client gelöschte Dateien bleiben noch 72 Stunden auf dem Server.

Festplattenversand

In der Praxis sind Backup und Restore recht gut an die meist asymmetrische DSL-Leitung angepasst: Das tägliche Backup ist gering, hier reicht die niedrigere Upload-Rate, bei einem Restore größerer Datenmengen gelingt dieser aufgrund der höheren Downloadrate auch sehr schnell. Ein Problem stellt allenfalls das Initialbackup dar, welches nach der ersten Inbetriebnahme eines Clients fällig wird. Sicher gibt es die Möglichkeit, erst einmal über mehrere Stunden oder gar Tage hinweg sichern zu lassen. Bei den Produkte Asigra Televaulting und Ahsay Online Backup gibt es aber einen eleganteren Weg. Über ein so genanntes Offline-Backup werden die Dateien durch den Client nicht zum Provider übertragen, sondern lokal in einem Verzeichnis gesichert. Dabei werden sie gleich verschlüsselt und komprimiert. Anschließend können die Daten auf eine externe Festplatte oder DVD kopiert und zum Provider geschickt werden. So entfällt die zeitaufwändige Erstkopie, durch die Verschlüsselung sind die Daten während des Transports vor fremdem Zugriff geschützt. In der Praxis dürfte das aber nur erforderlich sein, wenn am Anfang viele GByte über einen schmalen DSL-Zugang gesichert werden müssen. Wird eine bestehende lokale Datensicherung abgelöst, so kann diese auch noch einige Tage weiterlaufen, während die Initialsicherung rund um die Uhr Daten überträgt.

Im umgekehrten Fall zur Wiederherstellung großer Datenmengen ist das Offline- Backup ebenfalls nutzbar. Muss dieses schnell geschehen, kann der Provider die Daten dem Kunden auf einer externen Festplatte übersenden. Der Client spielt diese dann wieder an die ursprüngliche Stelle zurück. Bei Iron Mountain Digital kann der Anwender jederzeit über einen Web-Zugang CDs bzw. DVDs mit seinen Daten anfordern.

Datenschutz

Etwas unterschiedlich ist bei den Anbietern das Konzept zur Datenverschlüsselung. Zum Teil wird der Encryption Key in verschlüsselter Form auf dem Backup- Client gespeichert. Dies bietet den größten Datenschutz, da der Schlüssel den Client nicht verlässt und nur der Anwender diesen kennt.

Es gibt aber auch Nachteile: Vergisst der Anwender den Schlüssel, kann niemand die Daten wiederherstellen. Das kann fatale Auswirkungen haben, wenn beispielsweise ein Außendienstmit-arbeiter wichtige Projekt- oder Kundendaten zusammengetragen hat, dieser aber plötzlich verstirbt. Weiterhin ist es nicht möglich, den Schlüssel zu wechseln, sollte dieser einmal unberechtigten Personen bekannt werden. Dann greift nur noch der Zugangschutz zum Provider mit Benutzerkennung und Passwort. Ist der Encryption Key dagegen auch auf dem Backupserver verschlüsselt gespeichert, lassen sich die Daten gegebenenfalls umschlüsseln.

Abgesehen von diesen Details ist in allen Fällen ein Vertrauen zum Provider erforderlich, wenn Unternehmensdaten per Online-Backup das Haus verlassen. In manchen Firmen gibt es Regeln zum Umgang mit Daten, die grundsätzlich dagegen sprechen. Dann bietet es sich an, eine der Backup-Lösungen zu lizenzieren und inklusive Sicherungsserver komplett selbst zu betreiben. So können die Backup- Produkte von Asigra, Ahsay, Novastor sowie Iron Mountain direkt bei den Herstellern erworben werden. Durch eine derartige Vorgehensweise ergeben sich für größere Firmen häufig auch preislich Vorteile, denn sie zahlen nur die Software, nicht die Dienstleistung und zugleich sind die Daten jederzeit unter eigener Kontrolle.

Vergleichstabelle, Teil 1

Hersteller Metanet Netrics Netzhaus AG Ntt Communications Outback Stepping Stone GmbH Stepping Stone GmbH Ticope GmbH & Co. KG Ticope GmbH & Co. KG
Produkt Metadisk Online Backup Onlinebackup Steady Backup Online Backup Service Online Backup Online Backup Professional Datensafe Web Attached Backup Professional
Ausstattung / Preis                  
Preis/monat - 1 Client mit 1 GByte kapazität - 12,40 Euro 14,80 Eur 4,99 Euro 82 Euro inkl. Tel. Hotline 6,05 Euro 8,04 Euro 15,50 Euro 14,28 Euro
Preis/monat - 1 Client mit 5 GByte kapazität 10 GB für 5 Euro 10 GB für 37,20 Euro 29,00 Euro 24,95 Euro 70 Euro zzgl. Tel Hotline 16,15 Euro 22,37 Euro 59,50 Euro 71,40 Euro
Preis/monat - 1 Client mit 50 GByte kapazität 20 Euro 25 GB für 96,90 Euro 115,00 Euro 249,95 Euro - 64,55 Euro - 476,00 Euro 565,50 Euro
Preis/monat - 1 Client mit 250 GByte kapazität - - 525,00 Euro 1247,50 Euro - 272,40 Euro - - 2380 Euro
einmalige Bereitstellungsgebühr/Client 50 Euro nein 24,95 Euro kostenlos 237 Euro nein nein 357 Euro 177,31 Euro
Preis von Client-Anzahl/kapazität abhängig/als Lizenzmodell erhältlich ja/ja/nein ja/ja/nein ja/ja/nein nein/ja/ja ja/ja/nein ja/ja/nein ja/ja/nein nein/ja/ja nein/ja/nein
genutztes Produkt Backup Agent 3.11 Iron Mountain Digital, Connected Backup/PC Novastor Novanet Web Advanced Ahsay Online Backup Novastor Novanet Web Sepiola Iron Mountain Digital, Connected Backup/PC Asigra Televaulting Asigra Televaulting 7.0.1.6
Betriebssystem-unterstützung Win Win Win Win, Linux, Solaris, Netwar Mac Win Win, Mac, Linux Win Win, Mac, Linux, Novell Netware Win, Mac, Linux
Funktionen                  
Backup Dateien/verzeichnisse/Berechtigungen ja/ja/ja ja/ja/ja ja/ja/ja ja/ja/ja ja/ja/nein ja/ja/ja ja/ja/ja ja/ja/ja ja/ja/ja
Backup mailsystem Lotus Notes/mS exchange nein/ja nein/optional nein/ja ja/ja nein/nein nur mit zusätzlichen Scripts nein/nein ja/ja ja/ja
Backup Datenbank mS SQL/mySQL/Oracle ja/nein/nein nein/nein/nain ja/nein/nein ja/ja/ja nein/nein/nein nur mit zusätzlichen Scripts nein/nein/nein ja/ja/ja ja/ja/ja
Sicherheit                  
Datenverschlüsselungs-Algorithmus AES128, AES256 AES128 AES128 AES128, 3DES, Twofish 448 Bit Blowfish, 3DES, DES keine (SSH) AES128 AES256 AES128, AES192, AES256, DES
Chiffrierschlüssel-Wechsel ja nein ja nein ja nein nein mit Einschränkung nein
Chiffrierschlüssel auf Backupserver ja ja nein nein ja nein ja nein nein

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was vor einem Online-Backup zu tun ist...

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