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Das Tonband feiert zur IFA 2010 sein 75-jähriges Jubiläum

Auf der Internationalen Funkausstellung anno 1935 war es die Sensation, vergleichbar mit der ersten CD oder dem ersten Flachbildbild-Fernseher: die Rede ist vom ersten Tonband-Gerät - klobige Geräte mit zwei großen Spulen, verbunden mit einem braunen magnetisierten Kunststoff-Band. Klingt abgefahren, ist aber bis heute die Grundlage jeglichen Aufzeichnungs-Verfahren, angefangen von der Compact-Cassette bis zum Digitalen DAT-Band oder aktuellen Festplatten in PCs und Unterhaltungs-Endgeräten wie MP3-Player oder Digital-Receiver. Aber von Anfang an...

Compact Cassette von TDK

© Wikipedia

Compact Cassette von TDK

Die Pionier-Jahre des Tonbands

Die Erfindung des Tonbandes geht zurück bis auf das Jahr 1898. Bereits damals entwickelte der dänische Physiker Valdemar Poulsen ein Gerät namens Telegraphon, womit sich Schallwellen als elektromagnetische Induktion auf ein Stahlband beschreiben ließen. Diese Erfindung stellte Poulsen 1900 auf der Weltausstellung in Paris vor und begeistert damit die Öffentlichkeit. Sogar Kaiser Franz Joseph I. von Österreich und Ungarn (genau, der Mann von Sissi) war fasziniert und nahm mit diesem Gerät ein paar Worte auf.

Es dauerte allerdings weitere 28 Jahre, bis sich dieser Erfindung jemand annahm und weiterentwickelte. 1928 meldete der deutsch-österreichische Erfinder Fritz Pfleumer sein Tonband-Gerät zum Patent an. Anstelle eines Stahlbandes verwendete er ein Papierband mit einer Beschichtung aus pulverisiertem Eisen. Nach weiteren vier Jahren konnte Pfleumer den Gerätehersteller AEG und den Chemie-Konzern BASF für seine Idee gewinnen und zusammen mit dem AEG-Entwickler Eduard Schüller entstand schließlich das erste marktreife Tonband-Gerät unter der Bezeichnung Magnetophon K1 - zu sehen gab es das Gerät auf der Internationalen Funkausstellung 1935 in Berlin. Leider vernichtete damals ein Großbrand in Halle 4 alle Ausstellungsgeräte.

1938 eroberte dann das Nachfolgegerät Magnetophon K4 von AEG die Rundfunkstudios. Denn gegenüber den konkurrierenden Wachsplatten mit 4 Minuten Spielzeit konnte das Tonband bereits 22 Minuten am Stück wiedergeben. Zudem standen Ende der 30er und Anfang der 40er zahlreiche technische Verbesserungen wie Rauschunterdrückung und Stereo-Aufzeichnung in Aussicht.

Das Tonband wird massentauglich

Tonbandgerät Magnetophon 3000 HiFi von Telefunken

© Wikipedia

Tonbandgerät Magnetophon 3000 HiFi von Telefunken

In den Kriegswirren anno 1945 eroberten die US-Amerikaner etliche Tonbandgeräte. Und weil deutsche Patente zu dieser Zeit wertlos waren, machten sich die Amis daran, Tonbandgeräte für den heimischen Massenmarkt herzustellen. Das erste US-amerikanische Tonbandgerät trug den Namen "Soundmirror" und kam von der Firma "Brush Development Co".

In Deutschland dauerte es bis zu den 1950er Jahren, bis zunächst AEG, Grundig und später auch Loewe wieder Tonbandgeräte für den Endkunden fertigten. Zu jener Zeit fielen die ersten Koffergeräte preislich unter 1.000 Mark und es folgten Innovationen wie Reverse-Betrieb, Stereo-Ton, Batterie betriebene Geräte für unterwegs und Vierspurtechnik.

Der Siegeszug der Compact-Cassette

Die nächste bandtechnische Revolution stellte 1963 der holländische Elektronikkonzern Philips mit seiner Compact Cassette auf der IFA vor. Damit war es nun erstmals für den Otto-Normalverbraucher möglich, mit erschwinglichen Endgeräten eigene Aufnahmen anzufertigen. Auch der erste Kassetten-Recorder stammte von Philips, hieß EL3300 und kostete 300 Mark. Da der Konzern auf jegliche Lizenzgebühren verzichtete, steht der Kassette ein jahrzehntelanger Siegeszug bevor.

Stetige technische Verbesserungen wie das Rauschunterdrückungs-System Dolby B sowie klanglich verbesserte Band-Materialien wie Chromdioxid verhalfen dem Tonband 1972 zur HiFi-Normtauglichkeit. Als dann noch der japanische Elektronikkonzern Sony den ersten Walkman veröffentlichte, etablierte sich die Kassette auch unterwegs zum ständigen Begleiter.

Das Tonband wird digital

Einzig unsere Lena hört heute noch Kassetten...

© Universal

Einzig unsere Lena hört heute noch Kassetten...

Die Einführung der CD 1981 beeinträchtigte die Erfolgskurve der Compact Cassette zunächst nicht. Zudem versuchte man die Kassette trendgemäß ebenfalls ins neue digitale Zeitalter zu bringen. Es folgten 1987 nach vierjähriger Entwicklungszeit das Digitale Audio Tape (DAT), 1991 die Mini-Disc (MD) sowie 1992 die Digital Compact Cassette (DCC). DAT konnte sich immerhin erfolgreich in Musik-Studios und Rundfunksendern durchsetzen, MD und DCC hatten im neuen Jahrtausend inmitten von brennbaren CDs (seit 1993) und MP3s (seit 1995) keine Chance mehr - genauso wie die mittlerweile veraltete analoge Compact Cassette. Als 2001 Apples erster iPod auf den Markt kommt, mutieren MP3-Dateien zum mobilen Musikmedium schlechthin.

Das prinzipielle Aufzeichnungsverfahren der Tonbandgeräte ist in unserem technischen Leben allerdings nach wie vor allgegenwärtig. Egal ob Video-Bänder, IT-Backup-Streamer und vor allem Festplatten arbeiten immer noch nach der Methode, die einst vor 110 Jahren zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt wurde und vor 75 Jahren erstmals in Geräteform greifbar war. Happy Birthday, liebes Tonband.

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