Ratgeber

Das bietet Video on Demand

Wir zeigen Ihnen, wann Online-Videotheken ihre ganze Stärke ausspielen und welche dabei am meisten bieten.

Streaming: Die Grundlagen

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Streaming: Die Grundlagen

Pantoffelkino in der guten Stube, eine Serienfolge in der U-Bahn oder ein schneller Cartoon vor dem Einschlafen - es gibt kaum eine Gelegenheit, in der man nicht gerne Filmkunst genießt. Und Hand aufs Herz: Wie oft hatten Sie schon Lust auf einen guten Film, der dann aber gerade weder im Fernsehen lief noch als Film-Disc im Schrank lag. Zur Videothek gehen oder bis morgen warten? Auch keine Alternativen.

Die ideale Lösung heißt "Video on Demand". Digitale Online-Videotheken schicken nahezu jeden Film auf Knopfdruck via Internet ins Wohnzimmer. Keine andere Technik macht es so leicht, jederzeit das zu sehen, was man gerade sehen möchte. Keine Technik ist derart kosteneffizient: Sie bezahlen ausschließlich das, was Sie wirklich sehen.

Anhand der folgenden Beispiele lesen Sie, wie das funktioniert und wo es den besten Service gibt.

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Video ausleihen: Leiht man in einer Online-Videothek einen Film, dann erwirbt man ab dem ersten Start für einen bestimmten Zeitraum das Recht, den Film anzuschauen, so oft man will. Mittlerweile hat sich eine Leihfrist von 48 Stunden durchgesetzt. Ausschließlich Filme in SD-Auflösung von iTunes lassen sich innerhalb der Leihfrist auch auf mobile Geräte wie den iPod oder ein iPhone übertragen. Video kaufen: Bei Kaufvideos erwirbt man das Recht, Filme dauerhaft immer wieder über den eigenen Account in der Online-Videothek wiederzugeben. Das umfasst nicht unbedingt auch die Daten. Maxdome und Acetrax etwa streamen auch Kaufvideos bei jeder Wiedergabe aufs Neue von ihrem Server zum Empfänger.

Notwendig sind in erster Linie ein schneller DSL-Anschluss, das passende Empfangsgerät und ein Benutzerkonto in der Online-Videothek. Deren Auswahl wächst beständig, ebenso wie die Zahl an TV-Geräten und Set-Top-Boxen mit eingebautem Video-Abrufdienst.

Die größten Sammlungen aktueller Spielfilme gibt es über Apple iTunes, Acetrax, Videoload, Maxdome, Sony Qriocity und den PS3 Video Store auf der Sony-Spielkonsole. Mit der Empfangsbox oder dem jeweiligen TV-Gerät legt man sich allerdings meist auf einen Service fest - Videoload etwa gibt es außer auf dem IPTV-Empfänger der Telekom nur auf Internet-fähigen TV-Geräten von Philips, Loewe und Sharp. Maxdome-Filme sind über spezielle Empfangsboxen des Anbieters oder auf TVs von Samsung und LG zu sehen. Über die Apple-TV-Streaming-Box gibt es nur Inhalte von iTunes.

Bei der Filmauswahl sind meist Genrelisten und Suchfunktionen hilfreich. Haben Sie Ihren Wunschfilm gefunden, wählen Sie ihn aus, bestätigen, und es kann losgehen. Je nach Anbieter ist ein Film nach dem Bestellen für 24 oder 48 Stunden freigeschaltet und lässt sich in dieser Zeit beliebig oft starten, anhalten, weitergucken, vor- undzurückspulen. Das klappt auch, wenn man den TV oder die Empfangsbox zwischendurch abschaltet und sich später neu anmeldet. Diese Art von Online-Filmen haben alle Anbieter im Programm.

Einige Online-Videotheken wie etwa der PS3 Video Store, Acetrax und iTunes bieten Filme auch zum Kauf an. Für den samstäglichen TV-Abend ist das eher unnötig - es sei denn, Sie wissen schon vorher, dass Sie den Film des Öfteren anschauen wollen.

Filme online kaufen

Das Wetter ist schlecht, und die Kinder haben keine Lust, drinnen zu spielen? Dann könnte eine Runde "Madagascar" den Familienfrieden garantieren. Doch wenn man mit Kindern Filme schaut, ist der Ausgang nicht immer planbar. Sie schauen denselben Film gerne mehrfach, Freunde wollen nochmals mitschauen, oder es dauert vor lauter Pausen einfach mal länger.

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2010 hat sich der Videoverleih via Internet fast verdoppelt, der Verkauf von Filmen in Online-Videotheken sogar verdreifacht.

Kurzum: Filme, die man bislang für solche Fälle auf DVD lagerte, kann man online kaufen. Das geht in immer mehr Online-Videotheken - allen voran iTunes: Filme und vor allem TV-Serien sind hier teils nur als Kaufversionen zu haben. Sie lassen sich gleich auf mehreren Geräten nutzen.

Man lädt sie etwa auf den Computer herunter und kann sie dann auf dem iPhone, iPad oder iPod synchronisieren - zur Unterhaltung auf langen Autofahrten zum Beispiel. Zu Hause lässt sich der Film jederzeit via Apple TV auf dem TV-Gerät oder mit iTunes am Computer anschauen.

Ähnliche Kaufangebote bietet nur der PS3 Video Store der PlayStation 3 von Sony. Hier sind einige Filme zum Kauf zu haben. Sie laufen dann wahlweise auf der PS3 oder auf einer tragbaren PlayStation Portable, auf die sich der Film kopieren lässt.

Sie treiben einen hohen Aufwand, um jede Folge von "Dr. House" zu sehen? Das kann ganz schön stressig sein, wenn man sich immer auf das Fernsehen verlässt. Deshalb gehören Serien zu den größten Hits in Online-Videotheken wie Maxdome oder iTunes.

Maxdome bietet dafür eine Serien-Flatrate: Für 9,95 Euro im Monat können Sie im Maxdome-Angebot viele Serien ohne weitere Kosten sehen - unabhängig vom TV-Programmkorsett. Mehr noch: Manche Folge sind hier schon vor der Ausstrahlung zu sehen. Die Auswahl ist groß: Fast alle Serien auf den Sendern der ProSieben-Sat.1-Gruppe und einige weitere Serienklassiker von "ALF" bis "Verbotene Liebe" sind hier zu sehen. Einige muss man Folge für Folge leihen und bezahlen, andere bekommt man nur gegen Aufpreis in HD-Qualität.

Auch Videoload bietet viele TV-Serien an. Man muss jede einzeln leihen - meist für 99 Cent pro Folge.

Das größte Angebot an TV-Serien gibt es bei iTunes. Hier werden komplette Staffeln aktueller und älterer Serien sowie einzelne Folgen zum Kauf angeboten. Das ist nicht ganz billig: Der Staffelpass zur siebten Ausgabe von "Desperate Housewives" kostet etwa 37,99 Euro, die 23 Folgen der sechsten Staffel sind für 29,99 Euro in normaler und für 39,99 Euro in HD-Qualität zu haben.

Dafür kann man die Folgen auf dem PC dauerhaft speichern und auf allen Apple-Wiedergabegeräten anschauen - auch mit der Streaming-Box Apple TV am Fernseher. Und die iTunes-Sammlungen sind in der Regel billiger als die DVD-Ausgabe. Sie stehen auf Raritäten? Zumindest in einigen Online-Videotheken sind inzwischen Filme zu sehen, die man sonst fast nur noch auf dem Flohmarkt findet.

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Auch hier gibt einmal mehr iTunes den Takt vor: Ein Cartoon mit "Tom & Jerry" gefällig? Uralte "Columbo"-Krimis? Das gibt es. Ebenfalls besondere Tier- oder Naturdokumentationen. Die Serien- und Dokusammlung in iTunes umfasst fast alles, was im Fernsehen jemals lief. Da kommen Konkurrenten wie Acetrax, Maxdome oder Videoload nicht mit.

Die meisten Raritäten gibt es bei iTunes allerdings nur zum Kauf. Dafür kosten sie nicht viel, und man sammelt sie ja meist für besondere Anlässe, anstatt sie nach 48 Stunden verfallen zu lassen. Und dank iPad und iPod lassen sich Kauffilme mit auf die Urlaubsreise nehmen.

Wie kommen die Filme zum TV?

Die meisten Online-Videotheken funktionieren heute per Streaming. Das bedeutet, man lädt Filme in Bild und Ton aus dem Internet herunter, wenn man sie anschauen will. Die Daten werden zwar lokal zwischengespeichert, nach erfolgter Wiedergabe sind sie aber wieder verschwunden. So funktioniert das in der Regel bei Videoload, Maxdome, Acetrax und Qriocity.

Alternativ kann man sich beim Sony-Angebot Qriocity oder bei Videoload eine Filmlizenz besorgen, mit der man den Streifen auf ein mobiles Gerät übertragen darf.

Filme im PS3 Video Store werden dagegen lokal auf der Festplatte gespeichert. Bei iTunes ist das bei Kauffilmen der Fall.

Leihfilme, die man nur über Apple TV bestellt, werden ebenfalls gestreamt - entweder direkt aus dem Internet oder aus iTunes am Computer. Kauffilme speichert man hier in der Regel auf der Computer-Festplatte und synchronisiert sie von dort aus auf allen anderen Geräten wie iPod, iPad oder iPhone. Oder sie werden zum Apple TV im Wohnzimmer gestreamt.

SD oder HD, Stereo oder 5.1?

Auch die Ausstattung der Filme kann sich unterscheiden. Fast alle Online-Videotheken bieten aktuelle Filme in HD- undSD-Auflösung. HD steht meist für die HDTV-Auflösung mit 1.280 x 720 Pixeln. Nur der PlayStation 3 Video Store bietet einige Filme in Full-HD-Qualität mit 1.920 x 1.080 Pixeln an.

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Abgesehen davon, unterscheiden sich die Videotheken vor allem hinsichtlich der Ausstattung mit Tonformaten und Sprachfassungen. Während etwa Videoload fast ausschließlich deutsche Synchronfassungen und Stereoton anbietet und sich Maxdome die englischsprachige Version meist extra bezahlen lässt, gibt es bei iTunes viele Filme in deutscher und in Originalfassung sowie 5.1-Kinoton in Dolby Digital. Auch Sony offeriert im PS3 Video Store einige Filme mit 5.1-Kinoton - vor allem die HD-Versionen aktueller Spielfilme.

Jede Online-Videothek hat Stärken und Schwächen. Inhaltlich ist iTunes weder in puncto Qualität noch Quantität zu schlagen. Das Angebot deckt alle Facetten der TV-Unterhaltung ab, die Ausstattung ist einwandfrei und die Bedienung kinderleicht. Wer die Vielfalt an iTunes-Inhalten universell nutzen möchte, der benötigt allerdings einige Apple-Geräte - von Apple TV bis zum iPod oder iPad. Die Vernetzung fügt sich dann aber nahtlos in die gesamte Apple-Vernetzung ein.

Wenn Sie dagegen vor allem am TV-Gerät schauen wollen und Filme sowie TV-Serien aus dem aktuellen Angebot schätzen, könnte Maxdome oder der PS3 Video Store das Richtige für Sie sein - das jeweils passende Gerät vorausgesetzt. Die Angebote können sich für den Filmgenuss am TV-Gerät sehen lassen.

Was die Ausstattung mit Kinoton und Originalfassungen angeht, hinkt Maxdome aber bislang ebenso hinterher wie die anderen Online-Videotheken. Und in Sachen Vernetzung hakt es bei allen Video-Streaming-Diensten noch gewaltig. Noch, denn abseits des Apple-Systems regt sich eine eigenen Vernetzungs-Initiative für Online-Filme.

Die Video-Zukunft

Online-Videotheken erfreuen sich derzeit atemberaubender Wachstumsraten - allerdings noch immer auf sehr niedrigem Niveau. Das will die Industrie ändern und hat mit UltraViolet ein medienübergreifendes System vorgestellt, mit dem Hollywood-Studios, Elektronikhersteller und Händler in Zukunft Videos und TV-Sendungen vertreiben wollen. Die Liste der Unterstützer-Firmen liest sich wie das Who is Who der Film- und Unterhaltungselektronik-Branche. Alle sind dabei - außer Apple und Disney Pictures.

Das Kernstück ist ein kostenloses Benutzerkonto, das jeder Filmfan für sich einrichtet. Mit ihm kann er Videos in allen Online-Diensten und Shops kaufen. Pro Haushalt sollen sich bis zu sechs solcher Accounts einrichten lassen, zwischen denen Inhalte austauschbar sind.

Jeder Nutzer schaltet seine UltraViolet-fähigen Geräte für seinen Account frei. Auf bis zu zwölf Geräten kann er Filme speichern und wiedergeben. Das können Internet-TVs sein oder spezielle Streaming-Boxen. Zusätzlich sollen sich die Inhalte auf dem PC, auf Smartphones und Tablet-Computern streamen lassen.

Die UltraViolet-Technologie wurde von der Technologiefirma Neustar entwickelt und steht vor der Markteinführung. Grundlage ist ein gemeinsames Dateiformat, das "DECE Common File Format". Es sieht vor, dass Videos einmal verschlüsselt werden, sich dann aber von den DRM-Systemen unterschiedlicher Hersteller öffnen lassen. Hersteller, Filmanbieter und Händler können sich für die Nutzung des Systems lizenzieren lassen. UltraViolet soll Mitte 2011 in den USA starten, wenig später in anderen Ländern. Anfangs dürfte die UV-Lizenz eher als Dreingabe zu DVDs und Blu-ray Discs zu haben sein.

Fazit

Video on Demand kommt langsam, aber gewaltig. Apple zeigt einmal mehr, wo es langgeht. Die Vielfalt an Nutzungsoptionen für Leih- undKaufvideos sollte mit einem offenen System an Geräten für die Nutzung der Inhalte zu Hause und unterwegs, am TV und auf dem Handy kombinierbar sein. Apple bietet das aus gutem Grund nicht: Man will die eigenen Geräte verkaufen, statt das Geschäft mit anderen zu teilen.

Doch schon bald könnte Apples Vorherrschaft enden: wenn die Film- und Geräteanbieter ein Alternativmodell auf den Markt bringen. Es sei denn, sie einigen sich auf eine gemeinsame Linie zur Video-Vernetzung der Zukunft. Doch egal wie es kommt: Die Nutzung von Online-Videotheken dürfte noch attraktiver werden.

Download: Tabelle

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